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Edler Tropfen

Rotwein: Eine Wissenschaft für sich

Rotwein ist wohl das facettenreichste Getränk überhaupt – wobei, darf man eigentlich einfach von einem Getränk sprechen? Rotwein kann zur echten Glaubensfrage werden: Welchen darf man kaufen, welcher ist gut und ist Rotwein eigentlich gesund? Heilt er am Ende gar Krebs? Woran Du einen guten Rotwein erkennst, was eine Cuvée ist und was es mit diesen komischen Tanninen auf sich hat – wir verraten Dir die ganze Wahrheit über Rotwein!

Es ist vermutlich unmöglich zu sagen, seit wann die Menschheit dem Rotwein frönt. Fakt ist aber, der veredelte Traubensaft war auch schon in der Antike ein gern getrunkenes Genussmittel. Heutzutage ist Rotwein längst eine echte Wissenschaft für sich: Sommeliers, Winzer und Weinkenner haben sogar ein ganz eigenes Vokabular, das den Amateur ganz schön einschüchtern kann. Doch keine Sorge: Du musst weder ein Studium absolviert haben, noch in einem Weinberg zur Welt gekommen sein, um Dich trittsicher auf dem Rotweinparkett zu bewegen.

Wie wird Rotwein rot?

Rotwein unterscheidet sich im Herstellungsprozess tatsächlich von Weißwein: Er wird aus blauen Trauben gewonnen. Die rote Farbe kommt dabei aus den Schalen der Beeren, das Fruchtfleisch selbst ist farblos – deshalb kann aus blauen Trauben nicht nur Rotwein, sondern auch Weißwein gewonnen werden. Die Dauer der Maischegärung (als Maische bezeichnet man die zerkleinerten Trauben) beeinflusst dabei nicht nur die Farbe, sondern auch Geschmack und Lagerfähigkeit des Rotweins: Je länger die Gärung, desto mehr Tannine und Phenole erhält der Wein.

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Rotwein: Eine echte Wissenschaft - aber eine leckere!

Die Tannine sorgen für eine herbe, trockene Note im Wein und je höher ihr Anteil im Rotwein ist, desto länger kann, beziehungsweise. muss der gute Tropfen gelagert werden. Für eine lange und intensive Maischegärung ist aber entscheidend, dass die verwendeten Trauben von sehr guter Qualität sind – diese hängt aber wiederum stark vom Klimaverlauf eines Jahres ab. Aus diesem Grund ist für einen guten Rotwein der Jahrgang von so großer Bedeutung.

Wie erkennst Du einen guten Rotwein?

Das Problem ist wohl den Allermeisten bekannt: Du stehst im Supermarkt vor dem Weinregal, aber die Etiketten könnten auch auf Chinesisch beschriftet sein. Der einzige erkennbare Unterschied ist für den Laien oft der Preis. Aber wie sinnvoll ist es eigentlich, das 5-Euro-Kriterium anzulegen, wie etwa der ehemalige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück? Grundsätzlich ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass Du für 99 Cent eher keinen Gourmettropfen erwarten kannst, aber der Preis entscheidet eben auch nicht alles: Als „guten“ Rotwein darfst Du das betrachten, was Dir schmeckt. Es gibt aber auch ein paar objektive Qualitätskriterien, die Du auf dem Etikett lesen oder an der Beschaffenheit des Weines erkennen kannst.

Farbe: Kaufst Du Deinen Rotwein im Supermarkt, sollte er eine frische Farbe haben und eher Violetttöne zeigen. Rotwein wird erst während der Lagerung heller und bräunlicher – und die sollte nicht im Supermarktregal stattfinden.

Alkoholgehalt: Auch auf diesen lohnt sich ein Blick – je höher der Alkoholgehalt ist, desto kräftiger ist der Wein im Geschmack.

Geschmack: Rotwein sollte auf keinen Fall ätzend oder bitter schmecken. Wie bei anderen Lebensmitteln auch, solltest Du keinen Rotwein trinken, der schlecht riecht oder gar schmeckt. Die meisten Rotweine, die verkauft werden, sind trocken oder halbtrocken, wer es süßer mag, sollte lieblichen Wein oder Dessertwein kaufen.

Qualitätsstufen beim Rotwein
In Deutschland muss auf dem Etikett eine Qualitätsstufe angegeben werden. Man unterscheidet dabei:

Tafelwein: Rotwein mit dieser Einstufung muss mindesten 8,5 vol % und darf höchstens 12 vol % Alkohol enthalten, die Gesamtsäure muss bei mindesten 4,5g/l liegen. Ansonsten ist Rotwein dieser Art nicht auf Anbaugebiete oder Rebsorten festgelegt. In Frankreich heißt er „Vin de Table“.
Landwein: Landwein (franz.: „Vin de Pays“) ist gehobener Tafelwein mit gebietstypischem Charakter. Dieser Rotwein ist trocken oder halbtrocken.
Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (Q.b.A.): Dieser Rotwein muss zu 100% aus dem angegebenen Anbaugebiet stammen. Außerdem weist eine amtliche Prüfungsnummer (AP-Nr.) auf dem Etikett aus, dass der Rotwein einer Qualitätsweinprüfung unterzogen wurde.
Prädikatswein: Dieser Rotwein darf nach deutschem Recht nur aus einer Rebsorte gekeltert sein – ein Verschnittwein bzw. Cuvée gilt deshalb „nur“ als Q.b.A.. Das kann irreführend sein, denn beim Rotwein ist „Cuvée“ kein Qualitätsmakel: Man spricht dabei sogar von der „Vermählung“ verschiedener Weine, denn die Komposition eines gelungenen Rotweins gilt als hohe Kunst.

Empfehlenswert ist aber im Zweifelsfall immer ein Gang zum Fachhändler: In der Regel kannst Du auch hier schon für 6 bis 10 Euro einen leckeren Rotwein bekommen und der Spezialist berät Dich gerne.

Rotwein richtig lagern

Willst Du nicht nur für einen Abend Wein kaufen, sondern Dir eine eigene Auswahl oder sogar eine kleine Sammlung zulegen, solltest Du darauf achten, den Rotwein richtig zu lagern. Weinkeller gibt es nicht ohne Grund: Die ideale Temperatur zur Rotweinlagerung ist recht kühl und liegt bei 10 bis 13°C. Außerdem sollte sie konstant bleiben. Licht kann dem Rotwein schaden, deshalb sollte der Lagerraum dunkel sein. Am besten lagern Weinflaschen liegend und vor Erschütterungen geschützt. Nicht alle Weine sollen, beziehungsweise können so gelagert werden: Die Lagerfähigkeit (oder vielmehr das Lagerbedürfnis) eines Rotweins hängt von seinem Tanningehalt ab. Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe, die vor allem in den Stielen, Kernen und der Beerenhaut der Weintrauben vorkommen, und während der Alkoholgärung in den Rotwein gelangen und wesentlich Geschmack, Farbe und Qualität beeinflussen. Es gibt rund 30 verschiedene Tannine, von denen manche den Wein positiv beeinflussen und andere eher negativ. In der Beerenhaut sitzen dabei die sanfteren, runderen Tannine, während die aus den Traubenstielen eher für einen pelzigen, unangenehmen Geschmack sorgen. Tannine geben dem Rotwein die jeweils charakteristische Trockenheit und grundsätzlich gilt: Je mehr Gerbstoffe, desto herber und bitterer der Wein. Doch die Tannine verändern sich während der Lagerung: Sie verbinden sich miteinander, polymerisieren, und sorgen so dafür, dass der Rotwein mit der Zeit wieder sanfter schmeckt. Deshalb schmeckt mancher Wein erst nach ein paar Jahren, während eine andere Flasche in der gleichen Zeit ihr Aroma einbüßen kann. Welcher Wein sich allerdings gut zur Lagerung eignet, ist für den Laien nicht unbedingt ohne weiteres erkennbar, weshalb es in diesem Fall sinnvoll ist, sich mit einem Fachmann zu beraten.

Ist Rotwein gesund?

Um Rotwein ranken sich viele Geschichten. Eine davon ist, dass er vor Krebs schützen und sogar „gut fürs Herz“ sein soll. Diese Annahme beruht auf dem so genannten „Französischen Paradox“: So ist die Lebenserwartung der Franzosen im europäischen Vergleich höher, obwohl – so die allgemeine Annahme – die Freunde des Savoir Vivre angeblich besonders viel Rotwein genießen. Tatsächlich enthält Rotwein das Antioxidans Reservatol, das Krebs vorbeugen kann. Der hohe Polyphenolgehalt des Rotweins kann sich zusätzlich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Fazit: Rotwein hat gesunde Bestandteile – einen übermäßigen Alkoholgenuss können diese aber in der persönlichen Gesundheitsbilanz sicher nicht ausgleichen.

Rotwein – So kannst Du mitreden

Zum Schluss wollen wir Dir ein paar Eckdaten für eine kompetent wirkende Rotwein-Konversation nicht vorenthalten. So ist es sicher von Vorteil, die bekanntesten Rebsorten (auf Vollständigkeit müssen wir angesichts von über 20.000 Sorten verzichten) nicht mit den Anbaugebieten durcheinander zu werfen. Obwohl das nicht so leicht ist… Die bekanntesten Rebsorten sind Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir bzw. Spätburgunder, Tempranillo, Sangiovese, Shiraz bzw. Syrah, Schwarzriesling, Zweigelt, Nero d’Avola, Pinotage, Muscardin und in Deutschland der klassische Dornfelder. Fast ebenso vielfältig sind die Anbaugebiete: Prominente Beispiele sind etwa Bordeaux, Beaujolais, die Côtes du Rhône, die Bourgogne, Rioja oder (in Deutschland) Baden oder die Pfalz. Doch wie schmeckt so ein Rotwein eigentlich? Häufig im Wein erschmeckte Aromen können beispielsweise Vanille, Kaffee, Schokolade, Tabak, Holz, Gewürze, Beeren, Pflaumen oder Kirschen sein. Viel Spaß beim Probieren!

Du willst mehr über Rotwein wissen? Kauf Dein nächstes Fläschchen einfach im Fachhandel, dort wirst Du in der Regel gern und kompetent beraten. Fachliteratur gibt es natürlich auch in Hülle und Fülle, in der Redaktion sind wir uns aber einig: Probieren geht über Studieren.

Bildquelle: Thinkstock / igorr1

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