Anleitung zum Unglücklichsein

Mit dem sarkastischen Sachbuch „Anleitung zum Unglücklichsein“ gelang Paul Watzlawick ein Weltbestseller. Das Kultbuch aus den 1980er Jahren hat Komödienexpertin Sherry Hormann („Irren ist männlich“) jetzt mit Starbesetzung verfilmt. Entstanden ist eine leichte Liebeskomödie voll melancholischer Zwischentöne über das Leben einer Großstadt-Single-Frau, die sich bei ihrer verzweifelten Suche nach dem Glück des Lebens selbst im Wege steht.

Der Film „Anleitung zum Unglücklichsein“ erzählt die Geschichte von Tiffany Blechschmid (Johanna Wokalek) – Single, Ende 20, gutaussehend, wohnhaft in einem stylischen Altbau-Appartment und erfolgreiche Besitzerin eines Feinkostladens im schillernden Szeneviertel Berlin-Kreuzberg. Tiffany geht verträumt und ein wenig tollpatschig durchs Leben, immer begleitet von dem Glauben, vom Pech verfolgt zu sein. Anstatt sich des Lebens zu freuen, sucht die von Selbstzweifeln Geplagte lieber das Haar in der Suppe: Jede Ampel, der sie sich nähert, springt auf rot, ihr Nachbar sieht durch sie hindurch, in Tagalpträumen muss sie sich mit ihrer besserwisserischen Mutter (Iris Berben) aus dem Jenseits herumschlagen und in Sachen Liebe klappt ohnehin nichts. Bis ihr Klavierlehrer aus Kindertagen, Hans Luboschinski (Richy Müller), gegenüber einzieht und gleich zwei Männer, der verträumte Fotograf Thomas (Itay Tiran) und der draufgängerische Polizist Frank (Benjamin Sadler), ihr Interesse wecken. Das Leben von Tiffany beginnt sich zu wandeln. Ist für sie nun endlich die Zeit gekommen, das ganz große Glück zu finden?

Anleitung zum Unglücklichsein: Leichte Liebeskomödie mit melancholischen Momenten

Die Geschichten in Paul Watzlawicks Bestseller „Anleitung zum Unglücklichsein“ aus dem Jahr 1983 führen uns, entgegen der geläufigen „Glücksratgeber“, auf humorvolle und zuweilen sarkastische Weise vor Augen, wie wir jeden Tag aufs Neue selbst dazu beitragen, unser mögliches Glück nicht zu finden. Ein psychologisches Sachbuch wie das von Watzlawick, das die Schwemme an Ratgeberliteratur ironisch aufs Korn nimmt, ist filmisch sicherlich kaum eins zu eins umsetzbar. Wer das von diesem Film erwartet, sollte besser gleich zu Hause bleiben. Sherry Hormann gelingt es aber auf unterhaltsame und witzige Weise, die Wahrheiten des Buches auf die Leinwand zu projizieren. Die neurotische Tiffany ist ein Paradebeispiel für die These des Buches, dass man sich bei der Suche nach dem Glück meist selbst im Wege steht.

„Anleitung zum Unglücklichsein“ Filmplakat

„Anleitung zum Unglücklichsein“ ist eine federleichte Liebeskomödie.

Wir als Zuschauer begleiten Trauerkloß Tiffany in „Anleitung zum Unglücklichsein“ dabei, wie sie nach und nach zum Glück findet – und erkennen in ihr dabei ein Stück weit uns selbst wieder. So müssen wir, wenn wir über Tiffanys Talent, sich in peinliche Situationen zu manövrieren, lachen, auch immer ein wenig über uns selbst lachen – und grübeln. Denn so sehr wir auch über Tiffanys Schusseligkeit lachen, so sehr leiden wir auch mit ihr über die vielen verpassten Chancen, das Glück einfach vorbeiziehen zu lassen. Warum greifen wir nicht nach dem Glück, sondern stehen uns selbst im Weg, wenn unser Traummann plötzlich vor uns steht? Haben wir etwa Angst davor, glücklich zu sein? Mit flottem Tempo, einer Menge Dialogwitz und Situationskomik geht der Film diesen Fragen, die wir uns alle sicher schon einmal gestellt haben, auf flapsige Art nach und bietet mit den Rückblenden in Tiffanys Kindertage zudem melancholische Momente mit Tiefgang. „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist eine romantische Komödie, gespickt mit allerlei amourösen Irrungen und Wirrungen, die wir sowohl lachenden als auch weinenden Auges sehen.

„Anleitung zum Unglücklichsein“ überzeugt durch gut aufgelegtes Ensemble

„Anleitung zum Unglücklichsein“ ist ein Ensemblefilm, der durch die schauspielerischen Leistungen der Darsteller überzeugt. Johanna Wokalek kann in diesem Film ihr komödiantisches Talent voll ausleben und tapst überzeugend als unglückliche Tiffany durch den Film, die trotz ihrer Unbeholfenheit und ihrer schroffen Art, mit der sie andere immer wieder vor den Kopf stößt, charmant und liebenswert ist. Die Darstellung Wokaleks erinnert ein wenig an die zauberhafte Audrey Tautou in ihrer Rolle der Amélie Poulain, und der Kosmos, in dem Tiffany lebt, an „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Herrlich, wie Tiffany zum Beispiel in einer Szene darauf verzichtet, die Speisekarte aufzuhängen, weil ihr der Hammer fehlt. Den Vorschlag ihrer Köchin, den Nachbarn nach einem Hammer zu fragen, lehnt sie mit ihrer eigenwilligen Art brüsk ab, da sie glaubt, der Nachbar möge sie nicht – was natürlich nicht stimmt. Nur eine von vielen Episoden in dem Film, die einen zum Schmunzeln bringen. Bis in die Nebenrollen hinein überzeugt der starbesetzte Film durch seine Darsteller: Jungstar David Kross als autistischer Küchenhelfer, Richy Müller als kauziger Klavierlehrer und Iris Berben als nervendes Muttertier. Schade nur, dass die Nebenfiguren im Film so wenig Raum erhalten haben. Die Chemie im Zusammenspiel der Darsteller stimmt auf alle Fälle und ist definitiv das große Plus des Films. Da schaut man gerne darüber hinweg, dass Benjamin Sadler als Testosteron gesteuerter Polizist wenig glaubhaft ist und aufgrund seiner überspitzten Darstellung zur Witzfigur ausartet. Nicht die einzige Schwäche des Films: Wenn die Gäste in Tiffanys Feinkostladen Glückskekse mit schlauen Schriftstellersprüchen serviert bekommen, wirkt das alles ziemlich bemüht, so als wolle der Film zwanghaft Lebensweisheiten unters Volk bringen. Das gleiche Gefühl beschleicht einen beim Erzählkommentar aus dem Off, der wirkt, als ob man in der Kürze der Zeit möglichst viele Zitate aus dem Buch Watzlawicks hat unterbringen wollen. Aber über solche plumpen Belehrungsversuche kann man als Zuschauer getrost hinwegsehen.

Anleitung zum Unglücklichsein oder wie die Liebe Tiffany trotzdem fand

So schön, wie Tiffany während der 85 Minuten Laufzeit bis zum lang ersehnten Glück leidet, hat sie es am Ende von „Anleitung zum Unglücklichsein oder wie die Liebe Tiffany trotzdem fand“ – so der Name des Films samt Untertitel – verdient, doch noch glücklich zu werden – und mit ihr der Zuschauer, der ihre emotionale Achterbahnfahrt mit Spannung verfolgt hat. Die beschwingte Piano-Musik, die den Film untermalt, tut ihr übriges dazu, dass man nach dem Happy End locker und leicht den Kinosaal verlässt, begleitet von der Hoffnung, dass sich alles im Leben einmal zum Guten wenden kann.

Sherry Hormann hat das Kultbuch „Anleitung zum Unglücklichsein“ verfilmt – auf unterhaltsame und verspielte Weise. Entstanden ist eine federleichte Komödie voll melancholischer Momente über Liebesglück und Liebesleid, die allen Pechvögeln Hoffnung auf eine bessere Zukunft verspricht.

Bildquelle: Studiocanal

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