Argo

Mit seinem dritten Regiewerk hat sich Ben Affleck endgültig als souveräner Filmemacher etabliert: „Argo“ ist der unumstrittene Gewinner der diesjährigen Oscarverleihung. Der fulminante Politthriller erzählt eine Geschichte, die dermaßen irrsinnig ist, dass sie nur wahr sein kann. Ben Affleck beweist ein überaus gutes Gespür für die rechte Mischung aus Spannung und humorvollen Zwischentönen und liefert in Zusammenarbeit mit George Clooney, der den Film co-produziert hat, ein absolutes Meisterwerk ab. Ob „Argo“ die Auszeichnung in der Königsdisziplin „Bester Film“ verdient hat?

Sechs US-Amerikaner wollen, getarnt als amerikanische Filmemacher, während der islamischen Revolution aus dem Iran fliehen – die Story des Politthrillers „Argo“ klingt dermaßen abgedreht, dass sich selbst die kreativsten Drehbuchautoren Hollywoods sie nicht hätten einfallen lassen können. Haben sie auch nicht, denn „Argo“ beruht auf einer wahren Begebenheit. Schauplatz ist Teheran im Jahr 1979, als Anhänger des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini die US-Botschaft stürmten und 52 Geiseln nahmen. Doch in „Argo“ geht es keineswegs um die bekannte Terrorstory, vielmehr dreht sich der Plot um den „Canadian Caper“, eine vollkommen absurde Geschichte, die sich am Rande der Revolution abspielte. Tony Mendez (Ben Affleck), CIA-Agent und zuständig für unmögliche Missionen im Ausland, möchte sechs Diplomaten, die bei der Botschaftsstürmung entkommen konnten aus dem Iran herausschleusen. Hierfür geben sie vor, im Iran einen Film drehen zu wollen. Gemeinsam mit einem befreundeten Maskenbildner in Hollywood (John Goodman) konstruiert Mendez eine kanadische Science-Fiction-Filmproduktion, für die im Iran nach geeigneten Landschaften gesucht werden soll. Die sechs Botschaftsmitarbeiter sollen dabei als Filmteam getarnt aus dem Iran flüchten. Ein spannendes und abenteuerliches Unterfangen, das sowohl auf der Leinwand als auch im Zuschauersessel absoluten Nervenkitzel garantiert.

Argo: Hat er den Oscar verdient?

Argo: Der „beste Film“ des Jahres?

Argo: Intelligente zweite Ebene

Neben der Actionlastigkeit verteilt „Argo“ immer wieder ironische und durchaus intelligente Seitenhiebe auf die Traumfabrik Hollywood der späten 70er Jahre. Der Film, der zunächst als klassischer Agententhriller daherkommt, wird damit ganz nebenbei zu einer köstlichen Hollywood-Satire. „Argo“ lebt von seinem Branchenzynismus und gibt ein klares Statement ab: Der Film erzählt nicht nur von der mitreißenden Macht Hollywoods, er macht ebenso Gebrauch von den filmischen Mitteln, auf denen diese Macht beruht. So steigert sich die Spannung ins Unermessliche und man wird, obwohl das Ende bekannt ist, vollkommen mitgerissen. Auf diese Weise erscheint es weitaus weniger abstrus, dass diese Maschinerie zu einer effektiven Waffe in Geheimdienstoperationen werden konnte.

Argo: Kostümfilm par excellence

Politthriller, Actionfilm, bissige Satire, Komödie – „Argo“ schafft es, vielen Genres gerecht zu werden. So bringt es der am Ende der 70er Jahren lokalisierte Film auch zum Kostümfilm. „Argo“ reanimiert die damalige Zeit nahezu detailversessen: von breiten Koteletten und Krawatten über ausladende Brillengestelle bis hin zum alten Warner Bros.-Logo im Vorspann. Ben Affleck kreiert in „Argo“ im Angesicht der lebensbedrohlichen Krise eine tröstliche, fast schon beruhigende Welt, in der noch in Flugzeugen geraucht wird, Telexgeräte rattern und ein klingelndes Festnetztelefon an den Nerven zerrt.

Argo: Einen Kritikpunkt gibt es dennoch

„Argo“ basiert auf einer wahren Geschichte. Doch mit dieser geht Ben Affleck in seiner Adaption mitunter etwas seltsam um. Eine große Nähe zur amerikanischen Sichtweise der Dinge ist nicht von der Hand zu weisen. So werden teilweise Fakten verschwiegen oder werden nur am Rande erzählt. Häufig werden auf diese Weise kritische Aspekte des US-amerikanischen Engagements im Iran zugunsten der rasanten Handlung in den Hintergrund gestellt. In Afflecks Film geht es darum, Illusionen zu erzeugen – „make believe“ scheint das Motto zu sein. Und so bleiben die historischen Hintergründe lediglich Kulisse. Doch „Argo“ schreibt sich ja auch keineswegs auf die Fahnen, ein Dokumentarfilm zu sein.

Ben Afflecks „Argo“ ist ein intelligenter, nervenaufreibender und mitreißender Politthriller, der ein spannendes Kapitel der Geschichte des amerikanischen Geheimdienstes mit Witz und Ironie rekapituliert. Der Film bietet, obwohl der Ausgang bekannt ist, 120 Minuten packende Spannung, die sich bis zur Ausreiseszene am Flughafen von Teheran ins Unermessliche steigert und zur nervlichen Zerreißprobe wird. Ein absolutes Muss für alle Kinofans und vollkommen zu Recht der „beste Film“ des Jahres!


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Was denkst du?

  • Erdbeerchen1207 am 25.02.2013 um 16:59 Uhr

    Ich werde mir Argo definitiv noch anschauen!!

    Antworten