Dallas Buyers Club

Was passiert, wenn Matthew McConaughey über 20 Kilo abnimmt, sich einen Schnauzbart wachsen lässt und plötzlich so gar nicht mehr wie Mr. Sunshine aussieht? Das wollte unsere Redakteurin auch wissen und hat sich „Dallas Buyers Club“ angeschaut.

Dallas Buyers Club

“Dallas Buyers Club” im Kino

Eigentlich mag ich Matthew McConaughey ja gar nicht besonders. Bewundert habe ich ihn bis jetzt eigentlich nur, als er sich in den L.A.-Episoden von „Sex and the City“ selbst spielte: Einen völlig überzogenen Kalifornier, der unglaublich in sich selbst verliebt ist. Jetzt ist Matthew McConaughey für den Oscar nominiert – für seine Rolle in „Dallas Buyers Club“ als schwulenhassender, sexistischer Cowboy, der HIV-positiv ist. Das wollte ich sehen.

Dallas Buyers Club: Duell der Teenie-Idole

Tatsächlich ist Matthew McConaughey nicht der einzige Schönling, der in “Dallas Buyers Club” Mut zu Extremen beweist. Auch Jared Leto, der einst eine ganze Generation als Jordan Catalano in „Willkommen im Leben“ zum Träumen und Seufzen brachte und mit seiner Band 30 Seconds to Mars immer noch Teenies reihenweise ohnmächtig werden lässt, zeigt als drogenabhängige Transexuelle Rayon, was er kann. Allerdings hat Jared Leto auch spätestens mit „Requiem for a Dream“ als Könner überzeugt – und dass er sich mit Eyeliner auskennt, ist hinlänglich bekannt. Zurück zu „Dallas Buyers Club“. Die Geschichte ist so tragisch wie wahr: Es ist 1985, Ron Woodroof, Cowboy, Rodeo-Fan und Lebemann, vögelt sich seelenruhig durch Texas, und AIDS ist noch als Schwulenkrebs bekannt. Als Ron eines Tages nach einem Arbeitsunfall ins Krankenhaus muss, stellen die Ärzte ihm eine Diagnose, die der Vollbluthetero als persönliche Beleidigung versteht: Er, Ron Woodroof, soll HIV-positiv sein – und nur noch 30 Tage zu leben haben.

Wettlauf gegen die Zeit

Als Ron endlich einsieht, dass nicht nur homosexuelle Männer HIV haben können, packt ihn der Aktionismus: Verzweifelt begibt er sich auf die Suche nach Medikamenten – und wird sogar fündig. Das Problem: Die Mittel, die Ron braucht, sind in den USA nicht zugelassen. Kurzerhand gründet Ron einen Verein, mit dem er die Medikamente importiert: Den „Dallas Buyers Club“. Dabei hilft ihm der HIV-Patient Rayon (Jared Leto), der Ron trotz dessen Pöbeleien bereits bei ihrer ersten Begegnung ins Herz schließt. Und auch Dr. Saks (Jennifer Garner), Rons und Rayons Ärztin, revidiert mit der Zeit ihre Bedenken gegenüber dem „Dallas Buyers Club“ und unterstützt den Verein zunehmend. Seite an Seite werden die beiden Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, zu echten Kämpfern und helfen hunderten von AIDS-Patienten – auch wenn das böse Ende immer in Sichtweite ist.

Matthew McConaughey ist für den Oscar nominiert

Matthew McConaughey überzeugt

Dallas Buyers Club: Mehr als Politcal Correctness

Wenn ein Film wie “Dallas Buyers Club”, in dem es um Homosexualität, AIDS und das Überwinden von Vorurteilen geht, von Kritikern bejubelt und für Preise nominiert wird, drängt sich schnell der Vorwurf vom politischen Oscar und Parteilichkeit auf. Vielleicht ist das auch nicht ganz falsch, aber man tut „Dallas Buyers Club“ unrecht, wenn man den Film darauf reduziert. Matthew McConaughey hat nicht nur Mut zur Hässlichkeit bewiesen, er hat sich getraut, ein echter Unsympath zu sein, jenseits von Sonnyboy-Attitüden. Es ist schwer zu sagen, wer überzeugender ist: Matthew McConaughey mit seiner raubeinigen Verzweiflung oder der sanfte, heroinabhängige Rayon, den Jared Leto verkörpert, und der „Dallas Buyers Club“ zweifelsohne die Dosis verspielte Leichtigkeit injiziert, ohne die der Film vielleicht im Pathos ertrunken wäre.

„Dallas Buyers Club“ verzichtet auf Rührseligkeit

Wobei, tatsächlich Pathos? In seiner Bildsprache und auch beim Storyaufbau verzichtet „Dallas Buyers Club“ erfreulicherweise vollständig auf peinliches Tränendrüsen-Drücken. Der Film ist bildgewaltig, beschränkt sich aber darauf, seine Figuren zu illustrieren. Wir lernen Rons Gedanken- und Lebenswelt kennen, sein Rodeo, seinen Sex, seine Exzesse. Der kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée malt auch den sensiblen Rayon und seine Selbstinszenierung regelrecht und lässt den dünnen Mann in seinen Frauenkleidern niemals lächerlich, sondern bisweilen sogar wirklich schön wirken. Es gibt in „Dallas Buyers Club“ keine rührseligen Todes- oder Abschiedszenen, dafür aber tolle Aufnahmen und Gesichter wie ganze Leinwände. Nichtsdestotrotz wäre Matthew McConaughey nicht der Vollblutamerikaner, der er ist, wenn es nicht doch ein bisschen Pathos gäbe: Natürlich wird Ron Woodroof durch sein Martyrium auch irgendwie geläutert, am Ende ist er eben doch ein bisschen dieser überlebensgroße Kerl, der sich irgendwie mehr traut, als alle anderen, der mehr kämpft und tatsächlich auch gesünder isst als alle anderen: Letzten Endes macht der „Dallas Buyers Club“ Ron zum besseren Menschen. Das verzeiht man dem Film aber gerne, denn auch das gehört zu dem ganz grundlegenden Thema der Geschichte – der nackten, manchmal hässlichen und auch ohne Kitsch anrührenden Menschlichkeit.

Sollte Matthew McConaughey den Oscar für „Dallas Buyers Club“ gewinnen – er hat ihn verdient. Zugegeben, es ist irgendwie ungewohnt Mr. Sunshine ohne Beachbabe und stattliche Muskelpakete zu sehen, aber die eigentliche Leistung ist eine andere: Als Ron Woodroof stellt sich McConaughey der Herausforderung, einmal nicht der gute Kerl zu sein. Am Ende von „Dallas Buyers Club“ wird er das dann doch ein bisschen. Es ist eben Matthew McConaughey.


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