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Filmempfehlung: Interstellar – Zeit ist relativ

Ins Unbekannte

Filmempfehlung: Interstellar – Zeit ist relativ

„Interstellar“ schickt die Menschheit auf ein Abenteuer durch Raum und Zeit. Niemand Geringerer als Mastermind Christopher Nolan reiht sich in die Riege derer ein, die den Weltraum auf der großen Leinwand zur Erforschung unter die Lupe nehmen. Dass dabei kein gewöhnlicher Science-Fiction-Film herauskommen konnte, konnte man sich bereits im Vorfeld ausmalen. Ab dem 06. November darf sich der gespannt auf „Interstellar“ wartende Kinozuschauer aber endlich auch davon überzeugen.

Mit der Erde geht es in „Interstellar“ zusehends bergab. Amerika wird von Sandstürmen heimgesucht, ein Umweltkollaps leitet langsam und schleichend das Ende des Lebens auf dem Planeten ein. Es gibt nicht ausreichend zu essen und alles versinkt im Staub. Cooper (Matthew McConaughey) war mal Pilot bei der Nasa, aber in Zeiten der Nahrungsknappheit werden solche Fähigkeiten nicht länger benötigt, die Faszination für die Erforschung des Alls aus einem reinen Entdeckerdrang heraus wich irgendwann grundlegenderen Problemen: dem nackten Überleben. Und so arbeitet auch Cooper als Farmer, um seinen Beitrag zur Nahrungsgewinnung zu leisten und mit seiner Familie, bestehend aus Tochter und Sohn, mehr schlecht als recht über die Runden zu kommen. Doch da gibt es einen Lichtblick am von staubigen Wolken verdunkelten Erdenfirmament: der renommierte Professor Brand (Michael Caine) ist auf etwas von entscheidender Wichtigkeit gestoßen. In der Nähe des Saturn entdeckte man ein Wurmloch, das, wie Wurmlöcher das laut Theorie der Astrophysiker so an sich haben, vermutlich irgendwo in eine weit entfernte, fremde Galaxie führt. Und schon ist auch der Entdeckerdrang wieder geweckt. Nur diesmal sind es nicht Neugier und Wissensdurst, sondern der Kampf um die eigene Existenz, der die Menschen in das vielleicht größte Abenteuer seit ihrem Bestehen schickt.
Cooper qualifiziert sich für die Mission, nicht ohne damit schon auf der Erde einen großen Schritt, weniger für die Menschheit, denn für sich, zu tun: Er muss schweren Herzens seine Kinder auf der todgeweihten Erde zurücklassen und jedem ist von Anfang an bewusst, das er wohl nicht nächste Woche Montag wieder zu Hause sein wird. Mit auf der letzten Mission zur Rettung der Menschheit in eine weit, weit entfernte Galaxis ist auch Amelia Brand (Anne Hathaway), die Tochter von Professor Brand. So geht es gemeinsam durchs Wurmloch in die unbekannte Zeit, den unbekannten Raum, um einen neuen Platz für die Menschheit zu finden.

„Interstellar“ entführt in eine andere Welt
Cooper (Matthew McConaughey) ist weit weg von zu Hause.

Interstellar: Philosophischer Trip mit Herz und Hirn

Wenn Regie-Talent Christopher Nolan („The Dark Knight“, „Inception“) einen Film macht, sind mittlerweile alle Augen auf ihn gerichtet und die Zuschauer erwarten nicht mehr, als etwas Gigantisches, Meisterhaftes, Einmaliges. Das ist ihm mit „Interstellar“ - das ist nicht von der Hand zu weisen – durchaus wieder gelungen, obwohl die Messlatte für ihn selbstverständlich enorm hoch gehangen haben muss und er unter Erwartungsdruck schier hätte zerbrechen müssen. Für seinen Weltraumtrip holte sich Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Nolan den bekannten US-Physiker Kip Thorne mit ins Boot, um seiner Geschichte über Raum und Zeit auch die nötige, wissenschaftlich fundierte Basis zu geben.
Vergleiche zum absoluten Übervater der philosophischen Science-Fiction, „2001: Odyssee im Weltraum“ zu ziehen, ist nicht unbedingt falsch. „Interstellar“ diesem ewigen Filmkunstwerk gleichzusetzen, wäre aber sicherlich etwas vermessen und würde viele Cineasten sauer aufstoßen lassen. Aber ohne sich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, kann zumindest eines „Interstellar“ attestiert werden: Er ist für einen Hollywood-Blockbuster, der mit Sicherheit wieder dicke Gewinne einfahren wird, enorm tiefsinnige Unterhaltung. So etwas gab es zuletzt in diesen Dollar-Dimensionen nur bei der „Matrix“-Trilogie oder „Inception“, denn für das Mainstream-Publikum setzen die Studios bei den astronomisch hohen Budgets normalerweise lieber auf zugängliche Kost für den breiten Markt.

Interstellar: Hollywood-Blockbuster ohne Popcorn und Mainstream

Nicht so, wenn der Nolan mit einer neuen Idee vor der Tür steht! Einen Vergleich mit Kubrick hat er also, wenn vielleicht (noch) nicht auf filmischer Ebene, dann aber wenigstens bei seinem Wirken als Regisseur und seiner Ausnahmestellung in Hollywood verdient. Denn nach seinen enormen Erfolgen mit der „Dark Knight“-Trilogie bekommt er auch Großprojekte mit seinen ganz eigenen Vorstellungen bei den Studios durchgeboxt, für die andere seiner Zunft mit einem kräftigen Tritt ins Gesäß vor die Tür befördert werden würden. Schon bei „Inception“ war es verblüffend, in welcher Höhe Nolan ein Budget für eine sehr anspruchsvoll inszenierte Geschichte bewilligt bekam. Im Normalfall senken geistig fordernde Drehbücher wie bei „Interstellar“ die Risikobereitschaft der Studios extrem, hunderte von Millionen in einen Film zu pumpen, der hinterher den auf seichte Unterhaltung konditionierten Durchschnittsrezipienten restlos überfordern könnte und somit dazu verleiten würde, das Geld lieber in der Brieftasche zu behalten.
Gut, dass es solche Ausnahmen trotzdem gibt, denn auch „Interstellar“ ist alles andere als die nette Unterhaltung für Zwischendurch und fordert den Zuschauer immer wieder, gedanklich am Ball zu bleiben, wie schon „Inception“ zuvor. Aber auch er weiß, das er seinen Zuschauern neben einer durchdacht getüftelten Story und tiefsinniger Philosophie über das Gestern, Heute und Morgen des Menschen etwas bieten muss, um wahrhaft grandios zu sein. Und das tut er auch. „Interstellar“ strotzt vor schier überwältigenden Schauwerten, die dem Kinozuschauer abermals zeigen, wie winzig klein und unbedeutend er doch im Universum tatsächlich ist. Wenn dazu noch – wie bei einem Christopher-Nolan-Vehikel zu erwarten – Hans Zimmer mit seiner Mixtur aus einnehmenden Klangteppichen und einfühlsamen Kammerspielen auditiv die Emotionen zum Kochen bringt, dann bleibt die eine oder andere Gänsehaut- und Gefühlsschauer-Erfahrung nicht aus. Gar nicht so klein und unbedeutend, wie er selbst, sind jedoch die Gefühle der unscheinbaren Spezies Mensch, die „Interstellar“ als Gegenpol zur nüchternen, wissenschaftlichen Betrachtungsweise mit dem breiten Pinsel auf die Leinwand aufträgt. Familiäre Gefühle dürfen bei einem solchen Kampf nicht fehlen, denn dass ist es schließlich, was den Menschen dazu antreibt, in die kalte Endlosigkeit aufzubrechen: die Liebe für seine Gattung.

Was will der Kinogänger eigentlich mehr? Hier haben wir die Sensation fürs Auge und fürs Ohr, das Futter fürs Gehirn und zu guter Letzt noch was fürs Herz. Dementsprechend ist das auch eine ganze Menge Material, das Christopher Nolan in „Interstellar“ gepackt hat und es ist kein Wunder, dass das Science-Fiction-Katastrophen-Familiendrama-Menscheitsabenteuer (schweres Wort, aber „Interstellar“ ist auch nicht viel kürzer) somit sein bisher längster Film geworden ist. In seinen knapp drei Stunden Laufzeit hat „Interstellar“ viel zu bieten, er wirft Fragen auf und beantwortet sie nach seinem Gutdünken (oder auch nicht), trennt Zeit von Raum, Väter von Kindern, guten von weniger guten Filmen. Für diejenigen, die es noch nicht zwischen den Zeilen lesen konnten, hier nochmal im Klartext: „Interstellar“ ist überragend gut!

Bildquelle: facebook/Interstellar Movie

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