Les Misérables

Mit seinem neuen Film „Les Misérables“ bringt Regisseur Tom Hooper ein Musical auf die Leinwand, an dem sich seit der Premiere in London 1985 weltweit schon mehr als 60 Millionen Menschen erfreut haben. „Les Misérables“ ist ein opulentes Werk, das vor allem durch die überraschenden Glanzleistungen seiner Darsteller getragen wird, jedoch stellenweise pathetisch und oberflächlich anmutet – ein Musical eben. Ob es sich wohl lohnt, 158 Minuten nicht ausgebildeten Laiensängern zu lauschen?

Basierend auf der Romanvorlage „Die Elenden“ von Victor Hugo erzählt „Les Misérables“ die Geschichte von Jean Valjean (Hugh Jackman), der nach 19 Jahren Gefangenschaft das Zuchthaus auf Bewährung verlässt, um ein neues Leben zu beginnen. Um der harschen Aufsicht des skrupellosen Inspektors Javert (Russell Crowe), der nur auf einen Fehltritt Valjeans zu warten scheint, zu entkommen, muss der Ex-Häftling untertauchen und eine neue Identität annehmen. Selbst Jahre später scheint Javert die Jagd nach Valjean noch nicht aufgegeben zu haben. Als sich Valjean, mittlerweile erfolgreicher Unternehmer und angesehener Bürgermeister, in die bitterarme, kranke Fantine (Anne Hathaway) verliebt, nimmt die Handlung von „Les Misérables“ eine rasante Wendung. Mit dem Versprechen, sich nach Fantines Tod um deren Tochter Cosette (Amanda Seyfried) zu kümmern, markiert Valjean den Beginn einer dramatischen Geschichte um Liebe, Rache, Verrat und Vergebung.

„Les Misérables“ Filmplakat

„Les Misérables“ ist im Kino gestartet

Les Misérables: Wagnis in mehrfacher Hinsicht

Mit seiner Musicalverfilmung „Les Misérables“ geht Regisseur Tom Hooper ein Wagnis ein – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Das Genre des Musicalfilms, das in den 1950er und 1960er Jahren seinen Höhepunkt erlebte, dümpelt bereits seit einigen Jahren vor sich hin. Auch wenn es immer wieder passable Werke wie z.B. „Cabaret“ (1972), „Grease“ (1978), „Chicago“ (2002) und zuletzt „Mamma Mia!“ (2008) gab, ist der Ruf des Genres nicht der Beste. „Les Misérables“ spricht daher keinesfalls die breite Masse an. Zudem ging der britische Regisseur das Risiko ein, keine professionellen Sänger für „Les Misérables“ auszuwählen. Hugh Jackman, Anne Hathaway, Amanda Seyfried und Russell Crowe zählen zur Hollywoodelite, doch sind sie keineswegs für ihre gesanglichen Qualitäten bekannt. Hierin liegt die Brillanz von „Les Misérables“, aber gleichzeitig auch eine der großen Stolperfallen.

Les Misérables: Darsteller überraschen und enttäuschen gleichermaßen

Während sich in den meisten Musicalverfilmungen Dialoge und Gesang die Waage halten, wird bei „Les Misérables“ fast die gesamte Handlung „ersungen“. So lässt einen die erste Szene, in der Javert (Russell Crowe) ansetzt, um seine Verachtung für Valjean (Hugh Jackman) über die Musik kundzutun, schon etwas zusammenzucken. Der Songanteil in „Les Misérables“ liegt bei 99,9% – darauf muss man sich einlassen können, um an diesem Film Gefallen zu finden. Bis auf einige wenige Zwischenrufe werden die Dialoge geschmettert, geschnulzt oder gepiepst. „Les Misérables“ wartet allerdings mit einer hochkarätigen Besetzung auf. Doch während wir Anne Hathaway, Hugh Jackman, Russell Crowe und Amanda Seyfried bisher nur als Schauspieler kennen, lernen wir sie in dem Streifen erstmals als Sänger kennen. Vollkommen überraschend liefert Anne Hathaway in der Rolle der kranken und verarmten jungen Mutter Fantine eine Darstellung ab, die ihresgleichen sucht. Ausgemergelt und mit kurz geschorenen Haaren singt sich die 30-Jährige beinahe die Kehle aus dem Hals. Obwohl sie nur in einer Nebenrolle zu sehen ist, mutiert sie zum Star des Films! Emotionaler Höhepunkt ist das von ihr gesungene Lied „I Dreamed a Dream“ – eine schauspielerische und gesangliche Glanzleistung. Hugh Jackman hingegen kam bei den Dreharbeiten zu „Les Misérables“ seine Tanz- und Gesangsausbildung zugute. Obwohl er die Rolle des Valjean als „die schwierigste Rolle“ seiner Karriere bezeichnet, schafft der Australier es, der Hauptfigur Tiefe und Glaubwürdigkeit zu verleihen und den Handlungsstrang voranzutreiben. Russell Crowe hingegen enttäuscht auf ganzer Linie. Der sonst so spielstarke Oscarpreisträger schafft es leider nicht, dem Bösewicht Javert eine angemessene Stimme zu verleihen und scheitert kläglich an seiner eigenen gesanglichen Leistung. Das merkt man vor allem deshalb so stark, weil Hooper die Darsteller beim Dreh live singen ließ. So durften die Schauspieler – anders als bei anderen derartigen Produktionen – keineswegs nur die Lippen zum Playback bewegen, sondern mussten ihre Qualitäten als Sänger wirklich unter Beweis stellen. Die Darstellung wird dadurch lebendiger und kraftvoller, kann aber eben auch zum Stolperstein werden.

Les Misérables: Leidet der Tiefgang zugunsten des Pathos?

Das Musical „Les Misérables“ basiert auf der Romanvorlage „Die Elenden“ von Victor Hugo. Doch während sich der französische Autor in seinem Werk von 1862 dem Frankreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sozialkritisch annimmt, vernachlässigt die Bühnenversion diese Aspekte vollkommen und geht auch nicht näher auf die geschichtlichen Hintergründe ein. Da sich Tom Hooper bei seiner Verfilmung von „Les Misérables“ sehr eng an die Bühnenversion hält, bleiben auch im Film die Barrikadenkämpfe von 1832 und die sozialen Zustände lediglich romantischer Hintergrund. Die Nähe zum Musical „Les Misérables“ lässt Tom Hoopers filmische Inszenierung stellenweise antiquiert wirken. Man mag dem Film Oberflächlichkeit und eine übertriebene Gefühlslastigkeit vorwerfen, doch so ist es nun einmal in einem Musical.

„Les Misérables“ ist genrebedingt sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Für Musicalfans ist die Verfilmung selbstverständlich ein absolutes Muss, doch auch Musicalkritiker sollten dem Film eine Chance geben. Immerhin sind Motive wie Liebe, Rache und Verrat genreübergreifend und immer noch höchst aktuell. Die brillante Anne Hathaway tröstet sogar über die latente Gefühlsduselei hinweg. Wir freuen uns, dass es endlich mal wieder einen guten Musicalfilm gibt!


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Was denkst du?

  • Schneefrauchen am 21.02.2013 um 12:32 Uhr

    Ich freu mich total auf den Film! Das Musical Les Misérables ist eins meiner liebsten!

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