Lady Gaga und Tony Bennett: Cheek To Cheek

Mit Nummer-1-Hits wie „Poker Face“, „Bad Romance“ und „Born This Way“ sang sich Lady Gaga in die Herzen von Millionen Fans und sicherte sich einen festen Platz auf dem Gipfel des Popolymps. Doch dort angekommen, muss sich die Verwandlungskünstlerin fragen: Möchte ich hier überhaupt mein musikalisches Dasein fristen? Dass Lady Gaga auch ganz andere, softere Töne anschlagen kann, beweist die Stilikone jetzt auf ihrem vierten Studioalbum „Cheek To Cheek“, das sie gemeinsam mit Jazz-Altstar Tony Bennett aufgenommen hat.

Jazzige Saxophon- und Trompetenklänge, matte Schwarzweißtöne, ein gepflegter Schluck Whiskey in illustrer Herrenrunde und dazu die sonore Stimme von Jazzmusiker Tony Bennett – das alles assoziiert man nicht unbedingt mit Popikone Lady Gaga. Auf den ersten Blick sind die 28-jährige Poplady und der immerhin 60 Jahre ältere Jazzman das komplette Gegenteil voneinander. Sie: süße 28, ein Chamäleon der Musikbranche, das sich im Rahmen ihres „Artpop“-Konzepts ständig neu erfindet. Er: gereifte 88, ein Gentleman der alten Schule, der sich seit Jahren dem Jazz verschrieben hat und auch dabei bleibt. Auf ihrem neuesten gemeinsamen Albumstreich „Cheek To Cheek“ nähern sich die beiden ungleichen Musikgrößen einander an. Ein Jahr lang arbeiteten Tony Bennett und Lady Gaga an der Platte, im Jahr 2011 lernten sich die beiden kennen. Lady Gaga hat sich nur scheinbar urplötzlich aufs Revers geschrieben, den Jazz wiederzubeleben und für die jüngere Fangeneration interessant zu machen. Für die kurze Momentaufnahme eines Albums begibt sich die 28-Jährige in die Tradition von Frank Sinatra, Dean Martin, Samy Davis Junior und eben Co-Star Tony Bennett und nimmt ihre „Little Monsters“ mit auf eine Reise in die Vergangenheit der 30er Jahre. „Wange an Wange“ präsentiert sich das Duo aus Lady Gaga und Tony Bennett als ungleiche Einheit, als kreative Gemeinschaft im Dienste des gepflegten Jazz.

Lady Gaga als Grand Dame der Jazzmusik

Dass Lady Gaga eine der talentiertesten Musikerinnen der heutigen Zeit ist, ist unumstritten. Schließlich kann die 28-Jährige viel mehr als nur ihr „Poker Face“ aufsetzen und sich zu poppigen Plastikbeats in sexy Musikvideos fläzen. Das gehört zwar auch alles zum Repertoire der Lady, die sich nicht nur „Gaga“ nennt, sondern auch ein kleines bisschen „gaga“ ist, doch wenn man von ihrem extravaganten Kostümen, dem Autotune-Sound und dem ganzen Drumherum, das Lady Gaga sonst so um ihre Person inszeniert, absieht, dann ist diese Dame vor allem eines: stimmlich begabt! Das wird auch gleich in den ersten paar Takten ihrer neuen Platte „Cheek To Cheek“ hörbar, in denen Lady Gaga gemeinsam mit Tony Bennett den Jazzklassiker „Anything Goes“ anstimmt. Lady Gaga schlüpft eben gerne in andere Rollen – das beweist sie nicht nur immer wieder mit ihren aufwendigen Kostümen, die sie gut und gerne bei Auftritten auf dem gesamten Globus zur Schau stellt, sondern auch mit ihren diversen Alter Egos wie dem Gangster „Jo Calderone“ oder ihren Cameo-Auftritten in Filmen wie „Man in Black 3“ und „Sin City: A Dame To Kill For“. Doch so hart und tough sich Lady Gaga sonst gibt, so sanft und melodisch wirkt ihre Stimme abseits von Studiotechnik und elektronischer Nachbearbeitung auf „Cheek To Cheek“. Der Jazz und Tony Bennett bringen eine ganz neue Facette von Lady Gaga zum Vorschein, die es sich anzuhören lohnt.

Lady Gaga zeigt ihr neues Cover

Lady Gaga und Tony Bennett singen „Cheek To Cheek“

Lady Gaga – Jazz ist der neue Artpop

Lady Gaga schreckt nicht vor musikalischen Experimenten zurück – im Gegenteil: Zu Beginn ihrer Karriere kündigte die „Fame“-Interpretin an, das Musikbusiness revolutionieren zu wollen. Seitdem probiert sich Lady Gaga immer wieder neu aus, wagt sich in unbekannte Gefilde, eckt immer wieder an und findet auch Gefallen daran. Obwohl sich Lady Gaga mit „Cheek To Cheek“ auf eher harmloses Terrain wagt, riskiert sie dennoch, dass ihre Fans sich mit ihrem neuen musikalischen Stil nicht anfreunden können. Schließlich ist nicht jeder Pop-Fan auch automatisch ein Jazz-Fan und jeder Bennett-Fan ist schon lange kein Gaga-Fan und andersherum. Ist Jazz der neue Artpop? Das ist die Frage, die sich im Hörer langsam aber sicher aufbäumt, wenn man in den träumerischen, fast stoischen Melodien von „Cheek To Cheek“ versinkt.

„Cheek To Cheek“ ist eine Hommage an die Jazzklassiker der 30er Jahre

Wie der Albumtitel „Cheek To Cheek“ bereits vermuten lässt, handelt es sich bei dem Werk nicht etwa um Songs aus der eigenen Feder von Lady Gaga und Tony Bennett, sondern um eine Neuauflage der schönsten Jazz-Classics aus dem „Great American Songbook“. Und so gehen die beiden nach Cole Porters „Anything Goes“ mit dem zeitlosen Irving Berlin-Klassiker „Cheek To Cheek“ in die Vollen. Passend zum mondänen Stil von Lady Gaga darf natürlich auch die „Sophisticated Lady“ von Edward Kennedy Ellington nicht fehlen, die sich aber sogleich wieder dem „Lush Life“ hingibt, das schon von Billy Strayhorn besungen wurde. „Lush Life“ ist das einzige Solo, das sich Lady Gaga auf „Cheek To Cheek“ gönnt. Tony Bennett kontert mit besagtem Ellington-Klassiker – einer Hommage an die geglückte Fusion von Lady Gaga und dem melancholischen Swing der 30er Jahre. Die klare Sopranstimme von Lady Gaga bietet einen gelungenen Kontrast zu dem sanften Phrasieren von Tony Bennett – so gelungen, dass beide sogar daran denken, das Jazz-Duo auch über „Cheek To Cheek“ hinaus am Leben zu erhalten. Lady Gaga hat ohnehin ihren Glauben an den Pop verloren, den sie revolutionieren wollte, schenkt man ihren eigenen Aussagen Glauben. Ist die Revolution gescheitert? Nein, sie ist nur auf ganz unerwartete Weise geglückt!

Mit ihrem neuen Album wagt Lady Gaga mal wieder ein Experiment, eine kleine Revolution. Wird sie es genau wie mit ihren drei Vorgängerplatten „The Fame“ (2008), „Born This Way“ (2011) und „Artpop“ (2013) an die Spitze der Charts schaffen? Jazzstar Tony Bennett hingegen bleibt sich und dem „Great American Songbook“ treu. Diese neue, reduzierte, aber durch und durch authentische Lady Gaga gefällt uns. Dennoch gibt es eine Erdbeere Abzug für die möglicherweise enttäuschten Erwartungen der „Little Monsters“, die mehr Tamtam von ihrem großen Idol erwartet hätten. Wer Lady Gaga will, bekommt auch Lady Gaga, aber diesmal pur – ohne das sonstige (in unseren Augen unnötige) Chichi.

Bildquelle: Facebook/Lady Gaga

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Was denkst du?

  • yellowprincess am 16.10.2014 um 10:50 Uhr

    Ist schon ganz in Ordnung von Lady Gaga, mal etwas anderes auszuprobieren, wems gefällt!

    Antworten
  • Nettesbambi am 14.10.2014 um 09:11 Uhr

    Jazz und Lady Gaga - kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

    Antworten
  • kelebek25 am 01.10.2014 um 06:44 Uhr

    Jazz gefällt mir gar nicht, von niemand 🙁

    Antworten