Robin Thicke: „Paula“

Robin Thicke? Ist das nicht dieser Typ mit dem Sommerhit 2013? Richtig, mit „Blurred Lines“ machte sich der Hitproduzent aus Kalifornien einem weltweiten Publikum bekannt. Sein nunmehr siebtes Album „Paula“ widmet der Superstar seiner Ex-Frau Paula Patton und möchte damit demonstrieren: Vom Hollywood-Bad Boy bis zum geläuterten Ehemann ist es manchmal nur ein kurzer Weg. Mit „Paula“ schaltet Ex-Playboy Robin Thicke einen Gang zurück und setzt auf ruhige Jazztöne, anstatt auf Mainstream-Pop.

Einmal Bad Boy und zurück, so oder ähnlich lassen sich die vergangenen Monate von Senkrechtstarter Robin Thicke zusammenfassen. Im Sommer 2013 landete der Sänger mit „Blurred Lines“ den absoluten Superhit. Kein Wunder, was kann mit „Happy“-Sänger Pharrell Williams und einigen barbusigen Models im Gepäck schon schief gehen? So einiges, wie Robin Thicke seit letztem Sommer am eigenen Leib erfahren musste. Denn der große Ruhm, von dem der Produzent und Songwriter jahrelang geträumt hatte, bringt eben auch seine Versuchungen und Schattenseiten mit sich. Nach 22 Jahren Bilderbuchbeziehung mit seiner Jugendliebe, der Schauspielerin Paula Patton, soll sich Robin Thicke die eine oder andere Eskapade zu Schulden kommen haben lassen, darunter der berühmt-berüchtigte Skandalauftritt mit Miley Cyrus bei den Video Music Awards 2013. Mit seinem siebten Longplayer „Paula“ versucht der Sänger sich vom Image des Playboys freizumachen und seine Ehefrau zurückzugewinnen. Zu Hause ist es eben doch am schönsten!

Robin Thicke mit seinem siebten Album „Paula“

Robin Thicke kehrt auf „Paula“ sein Innerstes nach außen

Robin Thicke: Früher war alles besser?

Anstatt mit frechen, schnellen Beats à la Pharrell Williams nach vorne zu preschen, setzt „Paula“ mit den sanften Klängen von „You’re My Fantasy“ ein. Das jazzige Intro erinnert mehr an Buena Vista Social Club und Nächte voller Herzschmerz und kubanischem Rum als an wilde Hollywood-Partys mit Miley Cyrus und Co. Bereits nach den ersten Tönen wird klar: Robin Thicke strebt einen Imagewandel an! In seinem klangvollen Opener fantasiert der Sänger nicht etwa von hübschen Models, sondern widmet seine ganze Aufmerksamkeit seiner großen Liebe Paula Patton, mit der er offenbar wundervolle Jahre verbracht hat. „Oh Baby, ich habe das Gefühl, dass wir niemals Freunde sein können. Oh Baby, in einem früheren Leben waren wir Liebende“, setzt Robin Thicke zu seinen versöhnlichen Lyrics an. Auch bei den folgenden Tracks, „Get Her Back“ und „Still Madly Crazy“, sind die Songtitel Programm. Robin Thicke kehrt sein Innerstes nach außen wenn er singt „Alles, was ich will, ist es wieder gut zu machen“ oder „Ich bin immer noch verrückt nach Dir“. Mit seinem Versöhnungsangebot ist es dem Ex-Playboy offenbar ernst. Nicht umsonst sprechen aus der Kopfstimme von Robin Thicke bisweilen pure Verzweiflung und Reue. In „Still Madly Crazy“ schwingt seine Verzweiflung sogar passagenweise in Weinerlichkeit um – passend zu seinem Auftritt bei den BET Awards 2014, während dem der geläuterte Sänger vor einem Millionenpublikum in Tränen ausbrach und ganz öffentlich seine Reue zeigte.

Robin Thicke zwischen Gospel, Jazz und Pop

Insgesamt wirken die Songs von und für Paula jazziger und gesetzter als die des letzten Albums „Blurred Lines“. Auch mit seinem Track „Lock The Door“, in dem ein Frauenchor die Background-Lyrics übernimmt, bleibt Robin Thicke seiner neuen Linie treu und demonstriert selbstbewusst, dass er lieber auf Gospels als auf Models setzt. Mit dem fünften Titel von „Paula“ „Whatever I Want“ setzt dann ein schnellerer, hoffnungsvoller Rhythmus ein und die Platte nimmt hörbar an Fahrt auf. Dennoch reißen die Herzschmerztiraden des gebeutelten Ehemannes nicht ab. „Ich möchte Dich überall küssen“, stimmt Robin Thicke in „Whatever I Want“ an, in „Too Little Too Late“ überlegt er schließlich, was er als Ehemann alles hätte besser machen können: Rosenkauf, Fußmassage und ein bisschen Respekt zeigen? In „The Opposite Of Me“ kommt er zu dem Schluss, dass es in einer Ehe vor allem auf Ehrlichkeit und Taten ankommt. Hört, hört! Robin Thicke steckt seine volle stimmliche Inbrunst in den Wiedergewinnungsversuch in Form des Studioalbums. Mit den jazzigen Trompeten aus „Living In New York City“, dem fast burlesk anmutenden Intro von „Love Can Grow Back“ oder den tanzbaren Rhythmen von „Tippy Toes“ findet Robin Thicke schließlich für kurze Momente zurück ins Popgenre. Die Songs kommen powervoll und mit eingängigen Melodien daher, dennoch lässt der Sänger auch hier nicht davon ab, pausenlos seiner Paula zu huldigen. Die Frage, die sich dem Hörer spätestens nach dem zweiten Track aufdrängt, lautet: Warum bemerkt Robin Thicke erst jetzt, nach 22 Jahren Beziehung, wie sehr er seine Frau liebt?

Robin Thicke: Echte Gefühle oder PR?

In seinem letzten Song „Forver Love“ gibt Robin Thicke noch einmal alles, um seine Paula zurückzugewinnen. Doch interessiert sich der Hollywood-Charmeur auch über die Vermarktung seines neues Albums hinaus für die Interessen seiner Frau? Auch via Social Media und bei öffentlichen Auftritten betont Robin Thicke immer wieder, dass es ihm ernst mit der Eherettung sei. Seine Tracklist unterschreibt er mit den deutlichen Worten „Story von Robin Thicke“, das Cover von „Paula“ preist er auf Facebook mit dem Kommentar „Dies ist meine ganze Geschichte“ an. Es bleibt also kein Zweifel daran, dass der Sänger aus Kalifornien hier seine private, echte Geschichte erzählt. Auf Cover von „Paula“ zeigt sich ein Mann in Demut mit nach unten gesenktem Blick und ganz ohne die coole XXL-Sonnenbrille, die er sonst nur selten ablegt. Auch sonst sind die Farben und Töne des Albums düster gehalten. Schwarz auf Weiß liefert Robin Thicke seine Argumente, die für ihn sprechen sollen. In seiner Danksagung tauchen Paula Patton und sein Sohn Juiian Fuego als allererstes auf – immerhin diente ihr gemeinsames Familienleben dem 37-Jährigen als Inspiration für ganze 14 Songs. Obwohl jede Frau insgeheim wohl davon träumt, dass ihr einmal im Leben ein Song gewidmet wird, bleibt fraglich, ob man die Höhen und Tiefen seiner Ehe vor der ganzen Öffentlichkeit breittreten muss. Ob Robin Thicke mit seinem Aussöhnungsversuch „Paula“ am Ende Erfolg hat, kann letztlich nur die Namensgeberin der Platte selbst entscheiden.

Der Hörer, der bei „Paula“ auf Hits in vertrauter „Blurred Lines“-Manier hofft, wird enttäuscht. Robin Thicke zieht seinen Imagewandel von vorne bis hinten durch und verlangt seinen Fans mit seinen weinerlichen Herzschmerztiraden viel Geduld ab. Wer sich jedoch auf den neuen Sound einlässt, kann diesem bestimmt auch etwas Positives abgewinnen: Ein reuiger Ehemann ist schließlich immer noch besser als ein Playboy, der sich zwischen den Verlockungen und nackten Brüsten Hollywoods verliert. Hat Robin Thicke noch rechtzeitig die Kurve gekriegt?


Bildquelle: Facebook/Robin Thicke


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Was denkst du?

  • jablonka am 09.07.2014 um 13:04 Uhr

    Ich finde die Balladen von Robin Thicke eigentlich viel schöner als dieses komische Lied mit Pharrell. Endlich zeigt Robin Thicke mal ein bisschen Gefühl mit Paula - obwohl ich schon daran zweifel, ob es ihm wirklich ernst mit seiner Frau ist.

    Antworten