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Kommentar

WAP von Cardi B: Warum die Empörung über diesen Song lächerlich ist

WAP von Cardi B: Warum die Empörung über diesen Song lächerlich ist

Der neue Song „WAP“ von Cardi B und Rapperin Megan Thee Stallion bricht alle Rekorde. Jedoch gönnt nicht jeder den beiden Künstlerinnen den Erfolg, denn sie werden für den expliziten Songtext und das Musikvideo hart kritisiert. Dabei sind sexualisierte Songtexte in der Musikindustrie inzwischen komplett normal. Weshalb die Kritik alles andere als angebracht ist. Stattdessen ist ein generelles Umdenken bei dem Thema dringend notwendig.

Ob man es mag oder nicht – Fakt ist: Seit Jahrzehnten sind sexualisierte Songtexte und Musikvideos ein fester Bestandteil der weltweiten Pop- und Hip-Hop-Musik. Beispiel: In dem Song „Blurred Lines“ von Robin Thicke, T.I. und Pharell Williams aus dem Jahr 2013 singen sie darüber, wie gern sie mit einer bestimmten Frau schlafen möchten, obwohl sie dazu nicht ganz bereit ist.

(That'why I'm gon' take Good girl, I know you want it“ zu deutsch: Deswegen nehme ich mir ein gutes Mädchen, ich weiß, dass du es auch willst).

Daher sollte es eigentlich keine Überraschung sein, wenn zwei erfolgreiche Rapperinnen einen Song veröffentlichen, in dem sie erzählen, wie sie Sex haben wollen. Trotzdem sind viele über den Song von Cardi B und Megan Thee Stallion geschockt. Sogar amerikanische Politiker mischen sich in die Diskussion ein: Republikanerin und Kongress-Kandidatin DeAnna Lorraine twitterte, dass Amerika mehr Frauen wie Melania Trump braucht und viel weniger wie Cardi B.

Warum es mehr Frauen wie Cardi B und Megan Thee Stallion geben sollte

Warum bekommt aber gerade ein Song wie WAP (was übrigens für „Wet Ass Pussy" steht) so viel Aufmerksamkeit im Netz? Beide Rapperinnen reden in dem Lied darüber, was sie beim Sex bevorzugen und haben kein Problem, ihre Wünsche auf eine sehr selbstbewusste Art zu äußern. Sie rappen Zeilen wie:

I don't wanna spit, I wanna gulp, I wanna gag, I wanna choke, I want you to touch that lil' dangly thing that swing in the back of my throat“ (Zu deutsch: Ich will nicht spucken, ich will schlucken, Ich will würgen, ich will gewürgt werden. Ich will, dass du, dass du das schwingende Ding in meinem Rachen berührst). 

Hier wird eine Fantasie geteilt, die natürlich nicht jede Frau hat. Trotzdem kann und wird das andere Frauen durchaus dazu inspirieren, auch zu ihren sexuellen Wünschen zu stehen.

In den USA läuft übrigens meist nur die zensierte Version, in der die Wörter „Ass" und „Pussy” herausgestrichen wurden:

Frauen wie Cardi B und Megan Thee Stallion haben es in der Medienwelt nicht leicht. Sie werden besonders als schwarze Frauen objektifiziert. Der Fakt, dass sie reich sind und einen großen Einfluss auf die Musikbranche haben, passt nicht jedem. Gerade in Zeiten von „Black Lives Matter“ und „Me Too“ sollte sich das ändern! Die meisten Demokraten in den USA sind sich zumindest einig, dass Themen wie Women Empowerment auch in der Musikindustrie wichtig sind. Die beliebte Kongress-Abgeordnete Alexandra Ocasio Cortez sichert Cardi B in einem Tweet ihre Unterstützung zu. Sie macht aus der Abkürzung WAP kurzerhand „Women against Partiachy“ (Frauen gegen das Patriarchat) und hörte in einem IG Post ihren Song „Bodak Yellow“

Rap- und Popsongs haben ein viel tiefergehendes Problem

Anstatt auf Künstlerinnen loszugehen, die selbstbewusst über Sex sprechen, sollten wir uns einem ganz anderem Problem widmen. Meist sind es keine Frauen, die in den Songs über Sex sprechen, sondern Männer. Das tun viele von ihnen leider in einer Art und Weise, die absolut nicht toleriert werden sollte. In dem vorhin genannten Beispiel „Blurred Lines" singen drei Männer darüber, wie sie eine Frau in einem Club zum Sex überreden wollen.  Frauen werden B*tches oder auch Animals genannt. Der Song wurde schon damals als frauenverachtend kritisiert. Trotzdem war er in 25 Ländern auf Platz 1 der Charts, unter anderem auch in Deutschland. Ein aktuelleres Beispiel für männliche sexistische Künstler gefällig? Der Rapper 6IX9INE wurde mit Songtexten wie diesen sehr erfolgreich:

 „I tell a n**** don't dick ride, don't blick ride, leave it to the double thick thighs, twin sisters Drop it down and wobble, wobble up, mami booted up
She get down and gobble, gobble up 'cause my money up“ (Zu deutsch: Ich sage einem N****, reite keine Schwänze, ergebe dich nicht der Pistole, überlass es den beiden mit dem großen Arsch, Zwillingsschwestern, lass es fallen und wackel, wackel, Mami auf Hochtouren, sie geht auf die Knie und schluckt, schluckt runter, weil mein Geld kommt)

Der Fakt, dass der Rapper bereits im Gefängnis saß, weil er eine 13-Jährige beim Sex gefilmt hat, wird dabei gern mal vergessen.

Sexismus und Gewaltverherrlichung auch in Deutsch-Rap

Wer nun denkt, dass Sexismus nur ein Problem in der amerikanischen Musikindustrie ist, täuscht sich. Künstlerinnen wie Shirin David oder Nura haben in Deutschland mit ähnlichen Problemen wie Cardi B zu kämpfen. Sie werden dafür verurteilt, dass sie über ihren Erfolg und Sex sprechen.

Männliche Deutsch-Rapper hingegen veröffentlichen immer wieder sexistische Texte, die Gewalt gegen Frauen verherrlichen. Dagegen wurde von der Organisation „Terre des Femmes“ sogar eine Kampagne namens „Unhate Women“ gestartet, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Egal ob in Deutschland oder in den USA: Solche Songtexte gehen zu weit und man kann und darf sie nicht als künstlerische Darbietung durchgehen lassen, da sie Gewalt gegen Frauen unterstützen und das Bild von einvernehmlichem Sex und der Rolle der Frau besonders bei jungen Fans negativ beeinflussen.

Zuhören und Konsequenzen ziehen

Patricia Neumann
Patricia Neumann

Wir müssen aktiv aufhören, Songs mit sexistischen Texten zu unterstützen und    stattdessen weiblichen, Sex-positiven Künstlerinnen mehr Anerkennung zu schenken. Die aktuelle Debatte um Cardi Bs Song zeigt, dass Musik durchaus ein politisches Medium ist, welches sowohl im positiven Sinne als auch im negativen Sinne instrumentalisiert werden kann.

Es ist an der Zeit, dass wir kleine Dinge, wie unsere Spotify-Playlist, hinterfragen und dafür sorgen, dass auch unser Musikgeschmack unsere Werte reflektiert.

Hier findest du 8 weitere sexistische Dinge, die uns im Alltag begegnen.

Bildquelle:

imago images / Starface

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