Spenden Weihnachten
Nina Rölleram 14.12.2017

Alle Jahre wieder rühren nicht nur Einzelhändler und Onlineshops die Werbetrommel, sondern auch gemeinnützige Organisationen, denn zur Weihnachtszeit ist die Spendenbereitschaft besonders groß. Ich habe mich gefragt, warum das so ist und ob es nicht besser wäre, auch sonst Gutes zu tun. Spendet man wirklich nur, um sein eigenes Gewissen zu beruhigen, wie viele Kritiker behaupten?

Warum wird zu Weihnachten so viel gespendet?

Zu keiner anderen Jahreszeit sieht man so viele Werbeplakate von Hilfsorganisationen, die zu Spenden aufrufen, wie an Weihnachten, da die Bereitschaft jetzt besonders groß zu sein scheint. Vielleicht besinnen sich viele Menschen auf das, was an Weihnachten anstelle von Konsum eigentlich gefeiert werden sollte: Hilfsbereitschaft und Solidarität mit denjenigen, die es nicht so gut haben wie man selbst, wie diese Kölnerin zeigt. Bei all den Shoppingexzessen und den ausufernden Fressgelagen kann man schließlich ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man an diejenigen denkt, deren größte Sorge gerade nicht das Schlangestehen am Glühweinstand oder die Planung des Festtagsmenüs ist.

Also wird eher zum Portemonnaie gegriffen, wenn ein Obdachloser in der Einkaufsmeile nach Geld fragt oder ein höherer Betrag an eine gemeinnützige Organisation gespendet. Manche werden vielleicht nur zu dieser Jahreszeit an ihren christlichen Glauben erinnert. Wenn in Sachen Nächstenliebe im vergangenen Jahr nicht so viel geleistet wurde, wird durch eine Spende gleich das schlechte religiöse Gewissen bereinigt. Und Atheisten wie ich werden vielleicht einfach sentimental von all den Charity-Gesängen, die zur Weihnachtszeit aus dem Radio plärren. Nach dem Motto „Do they know it christmas time at all?“ spendet man wohl in dem naiven Glauben, armen Menschen etwas von der Weihnachtsfreude abzugeben – selbst wenn diese in Regionen leben, in denen Weihnachten nicht gefeiert wird.

Das Gewissen zu beruhigen ist erlaubt!

sachspenden Weihnachten

Viele Menschen wollen an Weihnachten nicht nur ihre Liebsten beschenken.

Ich habe mich schon häufiger gefragt, ob es nicht besser wäre, wenn die Hilfsbereitschaft das ganze Jahr über so groß wäre. Obdachlosenunterkünfte, Kinderhilfswerke oder Flüchtlingsvereine sind schließlich nicht nur zum Jahresende auf Spenden angewiesen. Und ist es nicht heuchlerisch, wenn man auf diese Weise sein Gewissen beruhigen will, um anschließend in Ruhe feiern zu können? Diese Kritik wirkt naheliegend und auch ich habe früher die Nase gerümpft, wenn Menschen in meinem Umfeld von ihren Spenden zur Weihnachtszeit erzählten.

Mittlerweile sehe ich die Sache aber anders. Denn wenn ich mir an die eigene Nase packe, muss ich doch gestehen, dass ich selbst zwar gut darin bin, ein niederes Motiv für diese Hilfsbereitschaft zu suchen, aber dann selbst auch nichts spende – egal, ob an Weihnachten oder sonst wann im Jahr. Den Hilfsorganisationen wird es egal sein, ob die Spender ihr Gewissen beruhigen wollen. Was zählt, ist, dass sie mit einer kräftigen Finanzspritze zum Ende des Jahres rechnen können, auf die sie dringend angewiesen sind. Das rechtfertigt es vielleicht sogar, dass insbesondere Kinderhilfswerke mit mitleidserregenden Bildern von hungernden Kindern werben. Solange diese Masche zieht und sich dadurch mehr Geld für hilfsbedürftige Menschen gewinnen lässt, muss man dieses Übel wohl in Kauf nehmen.

Wird nicht schon genug gespendet?

Es wird jedoch nicht nur an der Motivation hinter den Spenden gemäkelt. Viele Menschen in Deutschland haben anscheinend auch das Gefühl, dass sie selbst gar nichts spenden müssten, da sich die Organisationen zur Weihnachtszeit kaum vor Geld retten können. In Foren und Kommentarspalten liest man dann häufig Begriffe wie „Spendenwahn“ oder „Spendenwut“. Dieser Eindruck trügt allerdings. Selbst wenn zur Weihnachtszeit mehr gespendet wird als sonst im Jahr, liegt die Spendenbereitschaft weltweit an ihrem Tiefpunkt. Im aktuellen World Giving Index, der jedes Jahr ein Ranking in Sachen Hilfsbereitschaft erstellt, liegt das reiche Deutschland sogar nur auf Platz 20, weit abgeschlagen hinter den Spitzenreitern Myanmar, USA und Neuseeland. Auch in der Flüchtlingshilfe könnten die Deutschen großzügiger sein, wie diese Statistik zeigt:

Spenden Flüchtlinge Weihnachten

Lass dir beim Spenden nicht reinreden!

Wenn du also bereit bist, etwas Geld für einen guten Zweck auszugeben, solltest du dich nicht vor anderen rechtfertigen. Erstmal ist es lobenswert, dass du überhaupt spendest. Dabei ist es allein dir überlassen, für welche Organisation du dich entscheidest. Menschen, die ihr Geld an Tierheime spenden, müssen sich oft anhören, dass ihnen Tiere scheinbar wichtiger sind als Menschen. Und spendet man an Flüchtlingsinitiativen, sind einem angeblich die Menschen vor Ort egal.

Man wird mit einer Spende nie allen helfen können. Daher ist es gut, dass jeder andere Interessen und Prioritäten hat und so Geld für unterschiedliche Zwecke gesammelt werden kann. Wenn du noch völlig planlos bist, wer deine Hilfe am meisten gebrauchen kann, empfehle ich dir, dich über die Arbeit der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung in Kenia zu informieren.

Ansonsten lohnt es sich auch, einen Blick in die Liste des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen zu werfen: Hier werden alle Organisationen aufgelistet, bei denen deine Spende in vertrauenswürdigen Händen ist. Es gilt also: Ob an Weihnachten oder zu einem anderen Zeitpunkt – entscheidend ist, aktiv zu werden, bevor man an der Spendenbereitschaft anderer herumkritisiert. Insgeheim haben diese Mäkler wahrscheinlich selbst ein schlechtes Gewissen und wollen sich auf diese perfide Weise um eine Spende drücken.

Bildquelle:

Getty Images/Johannes Simon, Getty Images/Jeff J Mitchell, Statista

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