Vegan-Challenge

Erfahrungsbericht: Ich habe 30 Tage vegan gelebt

Erfahrungsbericht: Ich habe 30 Tage vegan gelebt

Seit vielen Jahren lebe ich vegetarisch. Dass ich kein Fleisch esse, ist mittlerweile schon so sehr Teil meiner Routine, dass es mir im Alltag null schwerfällt. Doch auch noch auf Käse, Quark und Eier verzichten? Das stellte ich mir super aufwändig vor. Und ganz ehrlich: So richtig Lust hatte ich auf diese Art von Verzicht nie. Trotzdem sehe ich den ethisch-moralischen Mehrwert des Veganismus. Also beschloss ich, der veganen Ernährung wenigstens mal eine Chance zu geben. 30 Tage lang ernährte ich mich komplett vegan – und ich muss sagen: Ich habe viel gelernt!

Warum ich die vegane Ernährung ausprobieren wollte

Als Vegetarier plagt mich oft das schlechte Gewissen. Ich esse zwar kein Fleisch, nehme aber in Kauf, dass durch Milch, Eier, Käse und sonstige Produkte, die ich kaufe und esse, die Massentierhaltung unterstützt wird. Irgendwie inkonsequent, oder?

Letztes Jahr um die Weihnachtszeit stolperte ich dann über eine Reportage des YouTubers Tomatolix, der ebenfalls ein Vegan-Selbstexperiment durchgezogen hatte. 56 Milliarden Tiere würden in Deutschland jedes Jahr getötet, damit sie auf unseren Tellern landen, erzählte er darin. Oder ziemlich häufig auch einfach im Müll, da wir viel mehr Fleisch produzieren, als wir verzehren. Auch einer Schlachtung wohnte er bei, besuchte Mastbetriebe, in denen Tiere unter jämmerlichen Umständen gehalten werden, sprach mit Experten über die gesundheitlichen Aspekte des Fleischverzichts sowie dessen Auswirkung auf die Umwelt.

Die Bilder und Informationen bewegten mich so sehr, dass ich beschloss, dem Veganismus eine Chance zu geben.

30 Tage vegan: Was mir leichtgefallen ist

Vor dem Beginn meines Experiments stellte ich es mir besonders nervig vor, auf Käse und andere Milchprodukte zu verzichten – denn diese landen täglich auf meinem Speiseplan. Veganen Käse hatte ich irgendwann schon mal probiert und fand den Geschmack leider ziemlich räudig. Zu meiner Überraschung konnte ich diesen Eindruck während meiner Vegan-Challenge jedoch schnell widerrufen. Denn scheinbar wurden vegane Ersatz-Produkte in den letzten Jahren echt weiterentwickelt und ich fand leckere Alternativen für Jogurt, Quark, Käse, Wurst – sogar für Ei! Meine Lieblingsprodukte habe ich hier aufgelistet:

Vegane Produkte, die auch Nicht-Veganer lieben werden

Vegane Produkte, die auch Nicht-Veganer lieben werden
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Was mir schwergefallen ist

In meiner veganen Zeit fiel es mir leider wirklich schwer, auf Convenience-Produkte zu verzichten. Genau wie ihre tierischen Alternativen, sind auch viele vegane Lebensmittel wie Aufschnitt und Fertiggerichte ohne Ende in Plastik eingepackt. Damit sieht die Co2-Bilanz meines Vegan-Experiments leider sehr schlecht aus. Und gesundheitlich ist es natürlich auch nicht ideal, zu viele dieser Produkte zu verzehren. Hinzu kam, dass es mir in der Öffentlichkeit (beim Bäcker, im Restaurant, zu Besuch bei Freunden...) manchmal unangenehm war, extra nachzufragen, ob ein Gericht oder Produkt nun wirklich vegan ist. Über die Reaktionen anderer Menschen auf meine Vegan-Challenge habe ich hier ausführlicher berichtet:

6 vegane Rezepte, die ich liebe

Ab und zu konnte ich mich dann doch mal zum Kochen durchringen. Abgesehen von offensichtlichen Gerichten wie Gemüsepfannen mit Reis oder Nudeln, entdeckte ich auch ein paar neue, super leckere vegane Gerichte. Diese sechs waren meine Favoriten:

  1. Veganes Rührei mit Kala Namak Salz*
  2. Gebratener Reis mit Ananas und Cashews
  3. Cremige Kokos-Paprika-Zucchini-Suppe
  4. Rote-Beete-Hummus
  5. Vegane Sommerrollen
  6. Couscoussalat mit Minze und Koriander

Was ich gelernt habe: 3 Vorurteile  gegen Veganismus, die einfach nicht stimmen

„Fleischersatzprodukte aus Soja sind der Teufel“

Immer wieder wird behauptet, Tofu und andere Produkte aus Sojabohnen seien schlecht für die Umwelt. Das stimmt auch, denn für den Sojaanbau wurden bisher Millionen von Hektar wertvoller Wälder und Savannen abgeholzt. Sollte man also besser auf Tofu und Co. verzichten? Die Wahrheit ist: Wer etwas gegen den Anbau von Soja und die Abholzung des Regenwaldes hat, kann mehr bewirken, indem er seinen Fleischkonsum reduziert. Laut einem Bericht des WWF werden 80 Prozent des globalen Soja-Anbaus nicht zu Lebensmitteln für uns Menschen, sondern zu Schrot verarbeitet, das anschließend als Futtermittel in Tiertrögen der Mastbetriebe landet. Gut zu wissen ist auch, dass das Soja für die meisten veganen Bio-Produkte und Sojamilch oft gar nicht aus Regenwald-Gebieten kommen, sondern  in Europa angebaut werden.

„Veganismus ist total (un)gesund“

Ist Veganismus nun gesünder oder ungesünder als andere Ernährungsweisen? Ich behaupte: Weder noch! Es kommt ganz darauf an, wie du deinen Ernährungsplan gestaltest. Wenn man sich zu großen Teilen von fettigem Wurst- und Käseersatz sowie Fertiggerichten ernährt, kann eine vegane Ernährung sogar ziemlich ungesund sein. Wer viel frisch kocht und dabei auch eine Kombi aus Obst, Gemüse, gesunden Fetten sowie langkettigen Kohlenhydraten setzt, wird sich mit seiner veganen Ernährungsweise etwas Gutes tun.

Das Missverständnis um Vitamin B12

Ja, durch tierische Produkte nimmt der Mensch Vitamin B12 auf. Veganer müssen  sich den lebenswichtigen Nährstoff anderweitig zuführen. Entweder durch Tabletten oder durch Lebensmittel, denen extra B12 zugesetzt wurde (wie diesen veganen Nährhefeflocken*). Wusstest du allerdings, dass B12 auch Tieren nur künstlich durch Zusatzpräparate zugefüttert wird? Denn das Futter in der Massentierhaltung kann eine Versorgung der Tiere mit dem Nährstoff sonst nicht gewährleisten. Und so nehmen auch Fleischesser ihr Vitamin B12 nicht auf natürlichem Wege auf. Sie schlucken die Vitaminpille nur nicht selbst. Das hat das Tier bereits für sie übernommen.

Meine Kollegin Nina lebt bereits seit ihrem 14. Lebensjahr vegan. Hier berichtet sie, wieso sie den Schritt gegangen ist und ihn niemals bereut hat:

Fazit: Lebe ich nun weiterhin vegan?

Diana Heuschkel
Diana Heuschkel

Seit dem Ende des Experiments esse ich wieder vegetarisch – aus Bequemlichkeit. Auch wenn die Umstellung vom Vegetarier zum Veganer nicht so schwierig war, wie ich bisher dachte, und es wirklich viele tolle Ersatzprodukte gibt: Außerhalb der eigenen vier Wände ist es immer noch etwas komplizierter, vegane Alternativen zu finden. Vegetarische Gerichte gibt es im Restaurant hingegen fast immer und auch in der Mittagspause lebt es sich leichter vegetarisch als vegan. Und: Auch wenn veganer Käse total klargeht – echter schmeckt mir immer noch besser.

Trotzdem habe ich mir ein paar Dinge mitgenommen: Milchprodukte findet man seit meiner Challenge nur noch selten in meinem Kühlschrank. Echten Käse gönne ich mir jetzt ab und zu als Treat, anstatt ihn als Selbstverständlichkeit zu betrachten. So handhabe ich es seitdem mit allen tierischen Produkten. 2020 werde ich übrigens wieder einen Monat vegan machen. Diesmal dann auch mit verstärktem Fokus auf Plastikverzicht.

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