Franziska Seyboldt
Katja Nauckam 09.04.2018

Jeder Sechste in Deutschland leidet einmal im Leben an einer Angststörung. Damit tritt diese psychische Krankheit häufiger auf als eine Depression. Dennoch spricht kaum jemand offen darüber, wie es sich anfühlt, wenn die Angst dich in alltäglichen Situationen überkommt. Taz-Redakteurin Franziska Seyboldt leidet seit ihrem 12. Lebensjahr unter einer Angststörung und hat ein poetisches Buch veröffentlicht, das einen persönlichen Einblick in ihre Gefühlswelt gibt. In unserem Interview verrät sie, welchen Weg sie gegangen ist, ihre Angst zu akzeptieren und was Betroffene tun können, um besser damit umzugehen.

Höhen- oder Flugangst kennen viele Menschen. Laut Statistik sind ca. 25 Prozent der Deutschen von einer solchen Angst betroffen. Die eher unbekanntere generalisierte Angststörung, mit der die 34-jährige Autorin lebt, kommt jedoch öfter vor, als man denken könnte: 5 von 100 Menschen erkranken einmal in ihrem Leben daran. Betroffene haben oft ein generelles Gefühl von Anspannung und Besorgtheit, dass sich in körperlichen und psychischen Symptomen äußert, die sie nicht kontrollieren können.

Darunter fallen u.a. folgende Symptome:

  • Herzrasen
  • Magenkribbeln
  • Schwindel
  • Schweißausbruch
  • Starkes Hitze- oder Kältegefühl
  • Reizbarkeit
  • Muskelverspannung
  • Einschlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
„An guten Tagen wache ich auf und bin eine Schildkröte. Dann spaziere ich bepanzert bis an die Zähne durch die Straßen und verrichte gemächlich mein Tagewerk, Tunnelblick an und los, im Bauch ein Gefühl wie Hühnerfrikasse: warm, weich und muskatig. An diesen Tagen kann mir niemand was. (…)
An schlechten Tagen wache ich auf und bin ein Sieb. Geräusche, Gerüche, Farben, Stimmungen und Menschen plätschern durch mich hindurch wie Nudelwasser (…)“ („Rattatatam, mein Herz“ S. 17)

Cover Rattatatam

Franziska Seyboldt ist eine offene, fröhliche junge Frau und kein Häufchen Elend, wie sich manche vielleicht jemanden mit einer Angststörung vorstellen. 2016 hatte sie in der Tageszeitung „taz“, für die sie seit über 10 Jahren als Redakteurin arbeitet, eine mutige Titelgeschichte über ihre Angst. Nach diesem ersten Outing kam ihr die Idee für ihr Buchprojekt, das im Januar 2018 im Kiepenheuer-Verlag erschien. Als ich durch Zufall auf dieses Buch aufmerksam wurde, wollte ich die Autorin unbedingt treffen, da es mich berührt hat und ich mich in so manchen Situationen selbst wiedererkannt habe.

Dein Buch trägt den Untertitel „Vom Leben mit der Angst“. Wie würdest du den Unterschied zwischen einer Phobie und der Angst, die du empfindest, beschreiben?

Angst als Gefühl kennt jeder. Wenn man keine Angst hätte, wäre das Leben ganz schön gefährlich. Bei der Angststörung ist es das gleiche Gefühl. Der Unterschied: Die Angst kommt nicht in objektiv gefährlichen Situationen, so wie man es normalerweise kennt. Es passiert in der U-Bahn oder im Café mit der Freundin. Wenn dich dort eine Panikattacke überkommt, wunderst du dich: Warum passiert das jetzt? Es ist doch eigentlich alles okay. Es gibt Ängste, die leichter nachvollziehbar sind, wie die Angst vor Spinnen oder Höhenangst. Da macht sich auch selten jemand über einen lustig, weil das fast jeder kennt.
Medizinisch fallen unter Angststörung zwei Bereiche: Einmal Phobien, also die Angst vor spezifischen Objekten, wie zum Beispiel Spinnen, und dann gibt es die unspezifische Angst. Dazu zählt auch die generalisierte Angststörung. Ich glaube, dass man mit den konkreten Phobien grundsätzlich besser arbeiten kann. Spinnen kann man relativ gut aus dem Weg gehen. Wenn die Angst aber generalisiert ist, dann kann sie theoretisch in jeder Situation und an jedem Ort auftauchen.

„Die Angst ist unberechenbar. Ich weiß nie, wann sie mich packt.“

Viele bisherige Reportagen oder Berichte über Angststörung sind anonym. Hattest du keine Bedenken, der Weg an die Öffentlichkeit könnte dir irgendwie schaden oder war dir klar, dass du unter deinem richtigen Namen darüber sprechen willst?

Dass ich mit der Sache rausgehen möchte, war ein längerer Prozess. Doch es war für mich von Anfang an klar, dass ich das unter meinem richtigen Namen mache. Bei meiner ersten Veröffentlichung zu dem Thema in der „taz“ wurde ich gefragt, ob ich das wirklich machen will. Ich habe dann begonnen zu dem Thema zu recherchieren und war sehr erschrocken, wie viele Leute davon betroffen sind. Es wurde zwar schon vermehrt darüber berichtet, aber selten unter dem echten Namen – weder in Foren noch in Frauenmagazinen. Selbst in einem größeren Dossier zu Angststörungen auf der Webseite der „Welt“ blieb die Autorin anonym. Das zeigt ja deutlich, dass es noch nicht normal ist, offen darüber zu sprechen. Die Einzigen, die nicht so glücklich darüber waren, waren meine Eltern. Sie hatten Sorgen, dass ich keinen Job mehr bekomme, wenn ich mich derart oute.

Was war die erste Reaktion deines beruflichen Umfelds auf dein Outing?

Die meisten Reaktionen waren super. Es gab Respekt von Kollegen, die mir sagten, dass sie auch eine Angststörung haben, sich aber nie getraut hätten, damit rauszugehen. Dann gab es einige Kollegen, die total erstaunt waren, weil sie das nie gedacht hätten. Es gab nur ein paar flapsige, hilflose Sprüche nach dem Motto: „Du musst doch keine Angst haben“. Ich weiß natürlich, dass das nicht böse gemeint war. Negative Kommentare nach dem Motto: „Angststörung ist doch gar kein großes Tabu mehr“ gab es höchstens mal unter meiner Kolumne oder auf Facebook. Dem kann ich aus eigener Erfahrung widersprechen. Das mag vielleicht in manchen Kreisen in Berlin so sein, aber in den Kleinstädten sieht das anders aus. Das merke ich vor allem bei Gesprächen nach meinen Lesungen in der Provinz. Einmal etwa hieß es, dass noch mehr Leute gerne gekommen wären, sich aber nicht getraut hätten.

Ist es möglich, dass die Reaktionen in einem anderen Berufsfeld problematischer gewesen wären und du dich auch weniger getraut hättest, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?

Mir war relativ klar, dass ich keine Konsequenzen zu befürchten habe. Aber ich weiß, dass es andere Berufe gibt, in denen so ein Outing schon Konsequenzen hätte. Mir hat jemand mal geschrieben, dass sie ihrem Arbeitgeber von ihrer Angststörung erzählt hat und kurz darauf hatte sie unter Angaben von fadenscheinigen Gründen eine Kündigung im Briefkasten. Genau deshalb ist es wichtig, dass die, die sich das erlauben können, den ersten Schritt machen. Das Thema muss in der Gesellschaft stattfinden, damit sich irgendwann jeder traut, darüber zu reden. Es gibt auch immer noch sehr viele Vorurteile über psychische Krankheiten. Ich etwa habe noch nie auf der Arbeit wegen meiner Angststörung gefehlt, fände es aber auch nicht schlimm, wenn es so wäre. Die Menschen mit Angststörungen oder psychischen Krankheiten, die ich kenne, sind teilweise sogar leistungsfähiger und perfektionistischer als die vermeintlich „Normalen“ und arbeiten wirklich viel. Wer deshalb mal eine etwas andere „Auszeit“ braucht, sollte das auch ehrlich äußern dürfen – und keine Probleme vom Arbeitgeber befürchten müssen. Das ist aber meistens leider nicht der Fall.

Angst vor der Arbeit oder dem Arbeitgeber? Wege und Lösungen

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Über Depressionen oder Burn-out wird ja mittlerweile medial sehr viel geredet und publiziert. Bei Angststörungen scheint da auch etwas in Bewegung zu kommen. Gerade hat auch die ehemalige Kabarettistin Käthe Lachmann ein Buch über ihre Angststörung („Keine Panik, liebe Angst”*) veröffentlicht. Wurde dir schon mal unterstellt, dass du nur auf einen Zug aufspringen willst?

Ja, es gab mal einen Kommentar in die Richtung, dass darüber gerade alle schreiben würden. Das hat mich zunächst ziemlich getroffen, denn ich habe mir ja nichts ausgedacht. Das ist eine unfaire Unterstellung. Das Buch habe ich nicht veröffentlicht, weil ich damit viel Geld verdienen und das vermarkten will. Aber ja, aktuell wird sehr viel zu diesem Thema publiziert. Das finde ich gar nicht doof. Im Gegenteil: Endlich passiert das und die Leute outen sich. Da freue ich mich über jedes Konkurrenzbuch! Die Leute sind einfach schnell genervt und übersättigt von Themen mit starker Medienpräsenz. Ich glaube, durch diese Übersättigungsphase müssen manche Debatten durch und danach kann man dann sachlicher darüber reden. Angststörungen müssen sichtbar werden, weil sie so viele Leute betreffen. Es ist wichtig, dass wir da offen drüber sprechen können.

Glaubst du, dass unsere heutige Arbeits- und Lebenswelt auch viel dazu beiträgt, dass wir uns alle mehr stressen und die Entwicklung von Angststörungen daher verstärkt?

Das ist ein schwieriges Thema. Es gibt ja sehr viele Leute, die nur über das Internet und all die Auswirkungen der Digitalisierung abhetzen. In diese Kerbe möchte ich nicht schlagen. Doch ich persönlich merke, dass mich die vielen Kanäle, über die mich Nachrichten erreichen, wahnsinnig überfordern. Ich habe kein WhatsApp, aber Facebook, Twitter, drei verschiedene Mailadressen, Handy, Festnetztelefon mit Anrufbeantworter und die Türklingel. Wenn auf jedem Kanal teilweise parallel etwas auf mich eindringt, kann ich persönlich nicht gut damit umgehen. Daher glaube ich schon, dass das früher anders war, als man noch nicht auf so vielen Wegen verfügbar war und dadurch weniger gestresst war. Man hatte früher auch noch nicht so krasse Bürojobs, in denen man so viel vor dem Computer saß, sondern bewegte sich mehr. Das macht ja auch was mit einem. Sport und körperliche Betätigung sind nachweislich gut bei Angststörungen, weil man dabei gut überschüssige Energie abbauen kann.

Angst Pinguine Angststörung

Postkarte zum Buch.

Du erzählst davon, wie du schon als Kind erste „Anzeichen” hattest, die du damals aber natürlich noch nicht einer Angststörung zugeschrieben hast. Kannst du beschreiben, wie du dich damals gefühlt hast?

Als Kind hatte ich immer eine blühende Fantasie. Ich komme aus einer Ökofamilie ohne Fernseher und habe mir aus der Stadtbibliothek stapelweise Bücher ausgeliehen, zu Hause gelesen und viel taggeträumt. Wenn man so viel Zeit hat und sich mit vielen Geschichten beschäftigt, entwickelt man eine rege Fantasie. Bei mir waren das teilweise auch Horrorszenarien, zum Beispiel vom Tod meiner Eltern. Doch inwieweit das mit meiner Angststörung zusammenhängt, kann ich nur ganz schwer beurteilen.

Jeder will immer wissen, ob es einen Auslöser wie ein traumatisches Ereignis oder Ähnliches gab. Doch das kann ich gar nicht sagen, denn ich hatte eine schöne Kindheit. Ich weiß nur, dass ich mit 12 zum ersten Mal beim Arzt ohnmächtig wurde. Daraufhin hat sich die Angst über die Jahre immer mehr eingeschlichen. Dauernd nach einem Auslöser zu suchen, bringt einen meiner Meinung nach auch nicht weiter. Für mich persönlich geht es nicht darum, zu verstehen, wie es anfing und dann geheilt zu werden. Ich will jetzt mit ihr klarkommen und sehe sie mittlerweile eher als Warnsignal, damit ich weiß, dass ich besser auf mich aufpassen muss. Dafür kann ich eigentlich richtig dankbar sein.

„Nachdem ich Jahre lang vor der Angst weggerannt bin und sie loswerden wollte, habe ich mit ihr Freundschaft geschlossen.“

Wussten deine Eltern, was mit ihrer Tochter los ist und haben dir eine Form der Hilfe angeboten oder hast du das alles mit dir selbst ausgemacht?

Als ich beim Arzt in Ohnmacht gefallen bin, war meine Mutter dabei und auch sehr schockiert und etwas hilflos. Generell waren meine Eltern immer sehr verständnisvoll. Es fiel allerdings nie das Wort Angststörung und es war nie die Rede davon, mal eine Therapie zu machen. Es blieb eher unter uns und wurde nicht nach außen getragen. Daher wusste ich ganz lange Zeit überhaupt nicht, was das ist und dass es so etwas wie eine Angststörung gibt. Auch in der Schule habe ich mir das nie anmerken lassen. Dann hätte ich sicherlich einen Psycho-Stempel bekommen. Im Nachhinein wünschte ich, meine Eltern hätten mich mit 12 schon zur Therapie geschickt. Da das nicht so war, habe ich erst viel später begriffen, was es ist und mich erst mit 24 therapeutisch damit auseinandergesetzt.

In einigen Kapiteln beschreibst du sehr eindrücklich, wie du mit deinen Partnern Situationen erlebt hast, in denen es dir wegen der Angst nicht gut ging. Wann und wie erzählst du in einer Beziehung, was mit dir los ist?

Meinen Partnern habe ich das immer sofort erzählt. Ich konnte meine Angstzustände zwar vor den meisten Menschen gut verstecken, aber ich wusste, dass ich nicht die Kraft habe, in einer so engen Beziehung dauernd etwas vorzuspielen. Das würde viel zu viel Energie kosten. Oft habe ich sie damit etwas überrollt, doch sie haben das dann immer recht schnell geschluckt und super reagiert. Außerdem bin ich ja auch darauf angewiesen, dass mein Freund versteht, wenn ich zum Beispiel aus der U-Bahn aussteigen muss. Zum Glück merkt er immer, was los ist, ohne dass ich etwas sagen muss. Dann legt er mir die Hand auf den Rücken und ich fühle mich sofort sicherer und besser.

Du hast bereits Erfahrungen mit mehreren Therapeuten gemacht: Deinen ersten Therapeuten nennst du im Buch „Hannibal Lecter“ und man hat sofort ein unangenehmes Bild vor Augen. Wie hast du es geschafft, den richtigen Therapeuten zu finden?

Der besagte erste Therapeut war für mich ein kompletter Reinfall. Nach fünf Therapiestunden hat er mich für geheilt erklärt und gesagt, er könnte jetzt nichts mehr für mich tun. Das war ein Desaster. Diese fünf Stunden zählten damals noch in die Probestunden, die man von der Krankenkasse aus hat. Mittlerweile ist es so, dass jedem Patienten sechs Sprechstundentermine zustehen, in denen man den Therapeuten kennenlernen kann und festgestellt wird, ob eine Therapie notwendig ist. Eine Liste mit Kontakten in der eigenen Stadt bekommt man von der Krankenkasse.

Ich habe geschaut, wen es in meinem Bezirk gibt und der Dritte, den ich kontaktierte, hatte dann Zeit und einen freien Platz. Da hatte ich Glück, denn ich weiß, dass es oft anders läuft und manche auch Jahre auf einen passenden, freien Platz warten müssen. Dennoch empfehle ich jedem, sich mehrere Kandidaten anzusehen, denn das Menschliche ist wirklich das Allerwichtigste. Man muss dem Therapeuten vertrauen und sich ihm öffnen. Daher ist es wichtig, dass man sich wohlfühlt, den gleichen Humor hat und sich aufgehoben fühlt. Sonst bringt die Therapie nichts.

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Wie man im Buch erfährt, ist die Angst gern in ganz normalen Alltagssituationen, im Flugzeug, beim Arzt aber auch während deiner Arbeit zu dir gekommen: Wie geht es dir damit mittlerweile, ist das seit der Veröffentlichung besser geworden?

Meine Angststörung ist zwar eher eine generalisierte Angststörung, aber ich kenne auch so etwas wie soziale Phobie, also übersteigertes Lampenfieber, oder Höhenangst. Meine Flugangst habe ich mittlerweile überwunden und nur an ganz schlechten Tagen fühle ich mich unwohl in der U-Bahn. Durch die vielen Lesungen ist auch mein Lampenfieber deutlich besser geworden, aber bei Arztbesuchen ist die Angst immer noch ein Problem.

Ich denke, es ist wichtig, sich vielen Dingen zu stellen. Die Flugangst ist besser geworden, weil ich einfach immer weitergeflogen bin, obwohl ich wirklich Panikattacken hatte. Mittlerweile fliege ich richtig gern und schau dabei sogar die ganze Zeit nach draußen. Dann bin ich eines Tages mit einem Fernsehteam in den Hochseilgarten gegangen, obwohl ich panische Höhenangst habe, und bin über ein Drahtseil balanciert. Wenn man sich so etwas traut, hat man danach einen richtigen positiven Adrenalinschub. Ich kann jedem nur empfehlen, ab und zu über die eigenen Grenzen zu gehen. Natürlich wohldosiert, man sollte sich auch nicht dauerhaft überfordern. Was mir auch hilft, ist der Umgang mit Kindern und Tieren oder in der Natur zu sein. Das erdet mich und bringt mich runter.

„Mir hat es geholfen, mir eine Auszeit in einem Meditationskloster zu nehmen. Da konnte ich total runterkommen, mich nur auf mich konzentrieren und bei mir sein. Das würde ich jedem empfehlen.“

Was würdest du Menschen raten, die im Umkreis jemanden kennen, von dem sie vermuten, dass er von einer Angststörung betroffen ist? Wie kann man ihm helfen?

Das ist nicht leicht. Im Prinzip kann man demjenigen nur zeigen, dass er so sein darf, wie er ist und er einem vertrauen kann. Es hilft nicht, denjenigen unter Druck zu setzen oder in eine Richtung schieben zu wollen. Dass man therapeutische Hilfe braucht, muss man selbst verstehen und diese Hilfe auch selbst wollen. Manchmal braucht es länger, sich das einzugestehen. Ein guter Gesprächsöffner ist allerdings, wenn man zunächst etwas von sich erzählt und eine eigene Schwäche zugibt. Dann fällt es dem anderen auch leichter, sich zu öffnen, weil er sich sicherer fühlt.

Was rätst du allen, denen es ähnlich geht wir dir und die sich in deinem Buch vielleicht wiedererkennen? Wie kann man im Alltag besser damit umgehen?

Ich finde es wichtig, dass man sich schrittweise den Dingen stellt. Man muss sich nicht gleich seinen größten Ängsten stellen, sondern ein Gleichgewicht finden und sich immer mal wieder etwas trauen. Bei mir ist der krasseste Angstauslöser immer noch ein Arztbesuch. Doch bei vielen anderen Sachen bin ich schon ein gutes Stück weiter.

Am wichtigsten ist es aber, darüber zu reden. Man fängt vielleicht mit Partner und Eltern an und dann weiht man einige enge Freunde ein und schaut, welche Reaktionen man bekommt. Danach kann man sich vielleicht im Job jemandem anvertrauen. Denn es ist so anstrengend, das immer zu verbergen und sich zu verstecken. Wenn man allerdings schon eine Panikattacke nur beim Gedanken daran bekommt, dann sollte man vielleicht besser noch warten. Mir hat übrigens auch das Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“ von Eckhart Tolle* geholfen. Das hatte mein bester Freund mir Jahre vorher schon empfohlen, doch es hat gedauert, bis ich es gelesen habe. Man sollte sich einfach viel Zeit nehmen und sich selbst besser kennenlernen. Auch in einer Therapie versteht man anfangs vieles nicht, aber mit der Zeit wird das besser. Der Therapeut hält einem den Spiegel vor Augen und man erkennt, wie man wirklich ist und vielleicht auch, dass man so eigentlich gar nicht sein möchte. Das ist ein langer Prozess – und diese Zeit sollte man sich unbedingt geben.

Im folgenden Video seht ihr die Autorin im taz-studio-Interview auf der Leipziger Buchmesse, März 2018.

Ich bedanke mich bei Franziska Seyboldt sehr für das ausführliche Interview und bin gespannt auf alle weiteren Buchprojekte. Franziska verriet mir, dass sie als nächstes gern einen Roman verfassen würde. Dafür wünsche ich ihr viel Erfolg!

Solltest du oder eine dir nahe stehende Person unter Angststörungen leiden und weißt nicht mehr weiter, kannst du dich für einen ersten Rat anonym, kostenlos und rund um die Uhr an die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 und 0800/1110222 wenden. Ebenso ist eine Beratung via Email möglich unter https://ts-im-internet.de. Weitere hilfreiche Informationen findest du auf http://www.telefonseelsorge.de.

Bildquelle:

Autorinnenfoto: © Linda Rosa Saal, Cover: Kiepenheuer & Witsch Verlag, Postkarte: Kiepenheuer & Witsch Verlag
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