Schamane

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Schamane

Obwohl der Schamane auch heute noch in vielen Ländern und Gesellschaften eine wichtige Rolle spielt, ist der Schamanismus hierzulande weitgehend in Vergessenheit geraten – zu Unrecht? Finde heraus, was ein Schamane ist, welche Rolle er spielt oder ob Du gar selbst ein Schamane bist.

Die Welt ist kompliziert und voller Fragen, die weit über den bloßen menschlichen Verstand hinausgehen. Viele Menschen suchen deshalb Antworten in der Kirche, manch einer beim Seelenklempner und nicht wenige haben längst den Bezug zu diesen Fragen vollständig verloren. Als die meisten Gesellschaften noch in viel kleineren Gruppen als heutzutage organisiert waren, war der Schamane häufig die Brücke zu metaphysischen Ebenen: Der Schamane bereiste die Geisterwelt, sprach mit Göttern und Toten und gab Antworten auf viele Fragen, die die bloße Erfahrungswelt überstiegen. Auch heute noch ist der Schamane in vielen Teilen der Welt von enormer Wichtigkeit.

Was ist ein Schamane?

Der Schamane ist im Grunde genommen ein Kommunikator zwischen verschiedenen Welten, der „normalen“ physischen Welt und einer Geisterwelt oder dem Totenreich – alternativ könnte man auch von einem Diesseits und einem Jenseits sprechen.

Schamane in traditioneller Kluft

Schamane: Kann er den Menschen auch heute noch helfen?

Der Schamane betritt die andere Welt durch eine Art Trancezustand, den er mit bestimmten Ritualen und Hilfsmitteln, je nach Art des Schamanismus auch mit Hilfe von psychoaktiven Substanzen, erreicht. Auch Fasten, Meditation, Tanz und Gesang dienen dem Schamanen dazu, einen anderen Seinszustand zu erreichen. Zwar ist Schamanismus im Grunde die ursprünglichste und älteste Form spirituellen Bewusstseins und religiösen Denkens, nichtsdestotrotz darf ein Schamane nicht mit einem Priester oder gar mit einem Medium verwechselt werden! Der Schamane ist keinesfalls einfach ein Repräsentant oder Vertreter einer oder mehrerer Gottheiten, sondern er ermöglicht eine Kommunikation mit den Kräften und Geistern im Jenseits. Im Gegensatz zum Medium, das seinen Körper gewissermaßen zur Verfügung stellt und nicht mehr Herr seiner Sinne ist, bleibt der Schamane auch während seines Trancezustandes anwesend. Im Vergleich zum Priester nimmt der Schamane außerdem noch eine ganze Reihe weiterer Rollen ein.

Die Rollen des Schamanen

Ein Schamane ist in seiner Gemeinschaft gewissermaßen Arzt, Wahrsager, Zauberer, Geburtshelfer, Priester, Seelsorger, Psychiater und mitunter sogar Wetterfrosch zugleich. Er genießt ein hohes Ansehen, allerdings ist der Schamane oft auch ein Einzelgänger, da die anderen ihm Respekt, aber auch Furcht entgegenbringen. Obgleich der Schamane mächtig ist, hat er vergleichsweise wenig politischen Einfluss. Beim primären Elementarschamanismus, der vor allem in Jäger-und-Sammler-Gesellschaften anzutreffen ist (beispielsweise bei den Inuit oder in Sibirien), haben Tiergeister die größte Bedeutung: So soll der Schamane zum Beispiel für guten Jagderfolg sorgen. Den Trancezustand erreicht der Schamane in dieser schamanischen Tradition vor allem durch Konzentration und Meditation. In tropischen Pflanzergesellschaften oder bei verschiedenen Hirtennomaden hingegen sind Formen des sekundären Komplexschamanismus verbreiteter, bei dem der Schamane mit Ahnengeistern und Totenseelen kommuniziert. Dazu werden regelrechte Kultstätten und aufwändige Kostümierungen benutzt, auch der Einsatz von halluzinogenen Drogen ist nicht unüblich. Der Glaube an körperlose Wesenheiten und eine separate Geisterwelt ist indes beiden Formen des Schamanismus gemein.

Schamane sein heute

Auch heute gibt es noch Schamanen, zum einen in den oben beschriebenen Gesellschaften, aber durchaus auch in „aufgeklärten“ Gesellschaften, in denen Massenreligionen wie das Christentum diese uralten Gebräuche eigentlich längst verdrängt haben. Während berühmte Schamanen, wie etwa der Birmese Sayargyi U Sheini, in ihrer Heimat regelrechte Stars sind, führt ein Schamane in Deutschland eher ein Dasein als Wunderling oder Außenseiter. Andererseits macht das Zeitalter von Internet und Social Networking neue Kommunikationswege möglich, so dass sich auch moderne Schamanen gut untereinander vernetzen können. Sie bringen ihr Wissen oft als Heiler zum Einsatz und stellen eine Anlaufstelle für Anhänger alternativer Medizin dar oder bieten die Möglichkeit, Kontakt zu anderen Welten aufzunehmen. Eine echte Renaissance erlebte der Schamanismus in den 1960er Jahren: Im Rahmen der New-Age-Bewegung und des Zeitalters des Wassermannes interessierten sich plötzlich wieder viele Menschen für Schamanen und die spirituelle Welt, unter anderem der The Doors-Sänger Jim Morrison, der sich selbst auch als „König der Eidechsen“ bezeichnete. Morrison und viele andere New-Age-Fans experimentierten mit verschiedenen Drogen und Meditationsformen, um ihren spirituellen Horizont zu erweitern und andere Bewusstseinszustände kennen zu lernen.

Schamane werden

Während insbesondere die Anhänger des Neoschamanismus, der in der New-Age-Bewegung aufkam, fest davon überzeugt waren, dass jedes Individuum in der Lage sei, parallel zur physischen Welt die spirituelle Welt zu entdecken und sich in ihr auf eine schamanische Reise zu begeben, wurde (und wird) im klassischen Schamanismus das Wissen und Können von einem Lehrer an einen Schüler weitergegeben. Die Ausbildung ist lang und intensiv, je nach Volk und Tradition kann sie zwischen drei und zwölf Jahren dauern und es ist keineswegs gesichert, dass sie gelingt. Sie beginnt meist mit Rückzug und Einsamkeit und verschiedenen Initiationsritualen für den werdenden Schamanen. Dann folgt jahrelanger Unterricht, während dem das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer sehr intensiv wird: Der lehrende Schamane gibt all sein Wissen über Rituale, sein Volk, die Tradition und Mythologie weiter – damit spielt der Schamane auch als kulturelles Gedächtnis eine wichtige Rolle. Den Abschluss der Schamanenausbildung stellt eine mehrtägige Initiation als Schamane und die Schamanenweihe am Ende dar. Auch wenn sich die Rituale je nach Kultur unterscheiden, stehen die Elemente Tod und Auferstehung immer im Mittelpunkt, wie letztlich in allen Religionen. Spirituell betrachtet soll der werdende Schamane in diesem Prozess immer wieder auseinandergenommen und neu zusammengefügt werden. Währenddessen macht er sich mit den Göttern und Mächten im Jenseits, das er so immer wieder besucht, bekannt. Im Weiheritual muss er schließlich (öffentlich) seine Macht als Schamane unter Beweis stellen, beispielsweise in Form einer Séance.

Kann man „Schamane“ lernen?

Seit Aufkommen des Neoschamanismus, der unter anderem dazu geführt hat, dass sich auch in den westlichen Kulturen wieder viele Menschen auf alte schamanische Traditionen besonnen haben, haben sich verschiedene mehr oder weniger renommierte Schamanenschulen gebildet. Die Meinungen darüber, ob theoretisch jeder die spirituelle Welt betreten kann oder ob es dazu eines besonderen Talents bedarf, das angeboren sein muss, gehen weit auseinander. Viele moderne Schamanen glauben zumindest, dass jeder Mensch ein Krafttier hat, auch wenn er es (noch) nicht kennt – es soll sich durch spirituelle Offenheit oder eine schamanische Reise entdecken lassen. Unglücklicherweise liegen gerade bei spirituellen Ausbildungen (wie etwa der als Schamane) ehrliche Verbundenheit, Gurutum und Geldmacherei bisweilen nah beieinander. Wer also Wucherpreise verlangt und dafür Erleuchtung verspricht, muss sich unter Umständen entsprechende Vorwürfe gefallen lassen. Wenn Du Dich für eine Ausbildung als Schamane interessierst, mach Dich vorher in entsprechenden Foren schlau und verschaffe Dir erst einmal einen genauen Eindruck von der Schule – Dein Bauchgefühl ist oft ein guter Ratgeber. Ach so, übrigens: Schamanen können sowohl Männer als auch Frauen sein!

Schamanen gibt es vermutlich schon so lange wie die Menschheit – ob auch Du ein Wanderer zwischen den Welten bist, musst Du letzten Endes selbst herausfinden. Sicher ist, dass es nach wie vor in allen Kulturkreisen Schamanen gibt und sie dort eine große Bedeutung haben.

Bildquelle: © Stamatoyoshi / iStock / Thinkstock


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