Lara Loft close
Jessica Tomalaam 02.10.2018

Mitarbeit: Stephan Otto und Nina Röller

Lara Loft, haben wir uns da verschrieben? Sollte es nicht eigentlich Lara Croft heißen? Gar nicht so weit hergeholt der Gedanke. Aber unsere Interviewpartnerin Lara Trautmann, die wir gemeinsam mit unseren Kollegen von Giga Games treffen konnten, trägt tatsächlich diesen Künstlernamen. Angelehnt ist er an ihre bekanntere Namenspartnerin, der sie im Computerspiel „Rise of the Tomb Raider“* sogar ihre Stimme leiht. Wir haben mit der Synchronsprecherin darüber gesprochen, wie das ist, wenn du die Stimme aus dem Off bist, und wie man seine eigene Stimme für mehr Selbstbewusstsein nutzen kann.

desired: Lara, du bist nicht nur Synchronsprecherin, sondern auch Sängerin, Moderatorin und Gamerin. Welche dieser Tätigkeiten ist dir am wichtigsten?

Ich mach ja tatsächlich super viel! Ich singe, ich war bei „The Voice of Germany“, ich mache Synchronsprechen, bin hauptberuflich bei Twitch, streame live und moderiere auch viel. Natürlich habe ich oft überlegt, ob ich mal irgendwas aufgeben muss. Aber ich kann nichts aufgeben! Und ich überlege auch oft, wie lange kann man Twitch machen, wie lange kann man Youtube machen? Das weiß man leider nicht. Aber Synchronsprechen kann ich auch im hohen Alter machen. Deswegen ist das meine Absicherung und auch das, was ich unbedingt machen möchte. Aber ich möchte auch nichts anderes dafür aufgeben müssen. Niemals.

Kannst du kurz erzählen, wie du zum Synchronsprechen gekommen bist?

Ich habe ursprünglich eine Musicalausbildung gemacht, also eine Schauspiel- und Sprecherausbildung. Synchronsprecherin wollte ich schon werden, seitdem ich ein kleines Kind war. Und ich habe immer gedacht, da kommst du nicht ran. Aber ich habe nicht aufgegeben. Und dann habe ich im Studio Sprecherdemos aufgenommen. Und der, der mich aufgenommen hat, fand das sehr cool und hat das weitergeleitet. Dann habe ich angefangen, für Werbung und Computerspiele zu sprechen. Aber Synchronsprechen muss man vor Ort in Berlin oder in München machen. Das kann man nicht von zu Hause aus der Sprecherkabine. Ich hatte das Glück, dass ich in einem Berliner Studio einen Freund getroffen habe, der Sprecher ist. Da durfte ich dann zuschauen und der Regisseur hat mich auch einmal einen Satz sprechen lassen. Und der fand das gut und hat mich dann besetzt. Ich bin dann nach Berlin gezogen und jetzt mache ich es hauptberuflich und spreche auch ganz viele Serienrollen.

Gibt es Dinge, die du in deiner Sprecherausbildung gelernt hast, die du auch im Alltag anwendest?

Vielleicht ist es mittlerweile wirklich die Art, wie ich rede. Also, wenn ich normal rede, dann nuschele ich auch etwas oder man hört meinen nordischen Dialekt. Aber auf Messen merke ich das zum Beispiel. Wenn ich irgendwo bin, wo man laut reden muss, dauerhaft, dann wendet man automatisch diese Stütze (Anm. d. R.: Atemstütze) an, die man auch beim Sprechen oder beim Singen hat und deswegen werde ich auch nie heiser.

Wie kann man zum Beispiel im Vorstellungsgespräch mit seiner Stimme besonders selbstbewusst rüberkommen?

Vielleicht vorher ein paar Stimmübungen machen. Es gibt zum Beispiel Schauspieler oder Sprecher, die lesen jeden Morgen laut eine Seite aus der Zeitung vor oder aus dem Buch. Einfach für sich selbst. Und du solltest sprechen üben. Laut und deutlich. Mit Atemstütze. Den Bauch anspannen dabei, dann kommst du automatisch selbstbewusster rüber. Man sollte nicht den eventuell zukünftigen Chef anschreien, aber schon selbstbewusst, klar, deutlich und gut artikuliert reden.

Auch diese 5 Dinge solltest du unbedingt vor dem Bewerbungsgespräch üben!

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Hast du selbst eine Morgenroutine?

Also wenn ich gleich in der Frühe Sprecherjobs habe, fahre ich meistens mit dem Auto hin und fange dann immer mit Sprechübungen an. Zum Beispiel das bekannte Brrrrrr“ oder „Frrrr“ oder „1,2,3“. Oft nehme ich auch einen Korken in den Mund oder zwei Zeigefinger und zähle dann bis 40 oder spreche irgendwelche Sätze, die schwierig sind, damit die Zunge schon warm ist. Oder singen, das hilft immer!

Was muss man deiner Meinung nach haben, um als Synchronsprecherin mit seiner Stimme Geld zu verdienen?

Auch als Synchronsprecherin brauchst du eine Schauspielausbildung. Oder zumindest eine Sprecherausbildung. Und auch das ist keine Garantie. Wichtig ist eine klare Aussprache und Artikulation. Man kann nicht nur eine gute Stimme haben. Ich kenne jemanden, der hat eine unglaublich gute Stimme und klingt toll, ist aber nicht authentisch, wenn er schauspielert.

Die meisten Menschen mögen Aufnahmen ihrer eigenen Stimme nicht. Wie ist das bei dir? Gewöhnt man sich mit der Zeit daran oder hört sich das auch für dich noch komisch an?

Ich weiß noch damals als Kind, da habe ich mich oft selbst aufgenommen. Oder, wenn man sich dann selbst auf dem Anrufbeantworter gehört hat, das fand ich immer ganz furchtbar. Aber jetzt mag ich meine Stimme und vor allem: Oft erkenne ich mich gar nicht sofort. Wenn zum Beispiel der C&A-Werbespot im Radio läuft, dann denke ich auf einmal Oh mein Gott, das bin ja ich!“ Immer noch ungewohnt, aber cool.

Gab es schon Sätze, die du für Werbespots oder Filme so oft wiederholen musstest, dass du sie nicht mehr hören konntest?

Ich hab früher sehr viel Werbung gesprochen und musste einen Satz immer wieder nachsprechen, gerade bei meiner Zeit bei „The Voice of Germany“. Da hockten wir wochenlang alle im Hotel zusammen und ich musste für sie immer wieder den Werbespruch: „Mach Schweiß egal mit Hidrofugal! Der Nummer 1 für extra starken Schutz gegen Schweiß“ sprechen. Das musste ich jeden Tag bestimmt zehnmal sagen und alle haben ihre Handys auf mich gerichtet, das war ganz schlimm.

Wer mal hören möchte, wie sich dieser berühmte Satz anhört, sollte sich Lara im Gaming-Podcast Rush von unseren Kollegen von Giga Games anhören (etwa bei der 8. Minute):

Welche Film- oder Serienfigur würdest du gerne mal synchronisieren?

Mein Traum war schon immer Disney. Ich möchte eines Tages eine Disney-Prinzessin singen oder sprechen. Das ist mein allergrößtes Ziel als Synchronsprecherin. Früher waren es immer Computerspiele überhaupt. Das Ziel habe ich dann erreicht. Dann wollte ich immer für ein Blizzard-Spiel sprechen, zum Beispiel für „World of Warcraft“, und dann bin ich sogar ein „Overwatch“*-Charakter geworden und das war für mich megageil. Und jetzt ist das größte Ziel für mich Disney.

Wirst du im Alltag oft von Fans erkannt?

Eigentlich nicht. Auf Gaming-Conventions ist das natürlich etwas anderes, aber sonst kann ich ganz normal in den Supermarkt gehen. Ich höre auch immer von vielen, zum Beispiel über Twitter, dass sie sich nicht trauen, mich anzusprechen. Schade eigentlich!

Danke Lara für das Interview!

Wer Lara Loft mal live erleben möchte, hat auf der diesjährigen MAG, einer Community-Convention für Liebhaber von Videospielen, Mangas, Comics und Cosplay, die Chance dazu. Lara wird auf der Messe, die vom 5. bis zum 7. Oktober in Erfurt stattfindet, einen Synchron-Workshop für interessierte Messebesucher geben. Die Preise für eine Tageskarte beginnen ab 26 Euro. Die Tickets kannst du im Onlineshop der MAG bestellen.

Bildquelle:

desired/Mario Schattner


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