Muss das sein?

Sexismus im Büro: 5 Szenarien, die viele Frauen kennen

Sexismus im Büro: 5 Szenarien, die viele Frauen kennen

Der Frauenanteil ist in den meisten Branchen in den vergangenen Jahren angestiegen. Trotz dieses Fortschritts wurde ein seit Jahrzehnten bestehendes Problem immer noch nicht zufriedenstellend gelöst: Sexismus im Büro. Wir haben fünf typische Szenarien gesammelt, die viele Frauen leider immer noch alltäglich erleben müssen und haben ein paar Tipps, wie du damit umgehen kannst.

#1: Die Attraktivität der Kolleginnen ist gängiges Gesprächsthema

Dass Po-Grapscher und explizite Anmachen im Büro nichts zu suchen haben, haben die meisten Männer wohl verinnerlicht. Was jedoch nach wie vor zum Alltag vieler berufstätiger Frauen gehört, ist die Thematisierung ihres Aussehens. Während die männlichen Kollegen nur selten optisch bewertet werden, wird die Attraktivität der Kolleginnen oft unverhohlen miteinander verglichen. Ob in der Form eines nett gemeinten Kompliments oder in kumpelhaften Männergesprächen unter Kollegen: In vielen Büros scheint es üblich zu sein, Frauen einer körperlichen Musterung zu unterziehen. Das Schwierige an dieser Form des Sexismus ist, dass ein schmaler Grat zwischen angemessenen Komplimenten und der Reduzierung auf das Äußerliche besteht. Wenn du mit deinen schicken Office-Outfits nur allzu gerne Komplimente erntest, ist dies völlig in Ordnung.

Ständig möchte man als Frau im Berufsleben jedoch nicht auf sein Äußeres reduziert werden und fühlt sich durch derartige Kommentare nicht wirklich ernst genommen. Vielleicht bekommst du auch mit, wie deine Kollegen in unangemessener Weise über eine gemeinsame attraktive Kollegin reden. Dagegen einzuschreiten ist meist schwierig, denn deine Einwände könnten lediglich als Neid oder Prüderie abgetan werden. Aber wer weiß, womöglich denken andere Mitarbeiter ähnlich wie du, und ihr könnt zumindest euren Frust teilen.

#2: Du wirst für die Sekretärin gehalten

Eines vorweg: Dieser Punkt soll keinesfalls Sekretärinnen abwerten. Frauen, die jedoch in höheren leitenden Positionen sind, erleben häufig, wie sie für eben jene gehalten werden. Denn eine Frau in einer solch hohen Position – das ist für manch einen auch heutzutage noch unvorstellbar. Selbst wenn es mittlerweile für niemanden eine Überraschung mehr sein sollte, dass Frauen in den Chefetagen sitzen, sind traditionelle Rollenverteilungen in den Köpfen vieler Menschen fest verankert.

#3: Die Frauen sind im Büro für den „Haushalt“ zuständig

Frauen Kaffee kochen im Büro
Frauen werden gerne mal Kaffee holen geschickt.

Nicht nur in Beziehungen bleibt die Hausarbeit oft an den Frauen hängen. Viele Männer hingegen sind wohl tatsächlich so aufgewachsen, dass sie stets von ihren Müttern bedient wurden. Selbst wenn sich diese 50er-Jahre-Aufteilung immer mehr auflockert und es natürlich auch Männer gibt, die fleißig mit anpacken, erlebt man im Büro dennoch Szenarien wie diese: Die Mitarbeiter sollen sich in ihrer Arbeitszeit um die Sauberkeit der gemeinsamen Kaffeeküche kümmern. Was dann oft passiert? Die weiblichen Mitarbeiter sind meist diejenigen, die für Sauberkeit sorgen, während sich so manch ein Kollege bequem zurücklehnt. Das ist nicht nur nervig, weil niemand wirklich gerne Spülmaschinen ausräumt, sondern auch, weil es suggeriert, dass die eigentliche Arbeit der Frauen eh nicht so wichtig ist. Männer trauen sich im Berufsalltag oft eher klarzustellen, dass ihre eigene Arbeitszeit kostbar ist, während sich Frauen bereitwilliger für derartige „häusliche“ Tätigkeiten aufopfern. Sollte dies an deiner Arbeitsstelle so sein, solltest du dich an den oder die zuständige/n Office ManagerIn wenden. Eine mahnende Rundmail an alle Mitarbeiter könnte helfen, für die ungleiche Arbeitsverteilung zu sensibilisieren.

#4: Du wirst nach deinen Familienplänen gefragt

Diese Form von Sexismus beginnt oft schon vor dem Berufsantritt. Auch wenn Fragen nach Schwangerschaft oder Kinderwunsch in den privaten Bereich fallen und damit als unzulässig gelten, werden sie dennoch in vielen Vorstellungsgesprächen gestellt. Obwohl auch Männer heutzutage in den Vaterschaftsurlaub gehen, wird der Arbeitsausfall von Frauen nach wie vor mehr gefürchtet. Das macht deinen potenziellen neuen Arbeitgeber zwar nicht unbedingt sympathisch, du bist allerdings glücklicherweise nicht dazu verpflichtet, wahrheitsgemäß auf diese Frage zu antworten.

#5: Du wirst mit der gleichen Meinung weniger ernst genommen

Richtig nervig wird es, wenn du in deinem Berufsleben auf inhaltlicher Ebene nicht ernst genommen wirst. Erlebst du in deinem Job vielleicht, wie Männer für ähnliche Arbeit viel mehr gelobt werden oder die Ideen ihrer Kolleginnen klauen? Zwei Kollegen in den USA, Martin Schneider und Nicole Knacks, hatten mit einem Experiment auf Twitter für Aufmerksamkeit gesorgt: Durch eine anfänglich versehentliche Verwechslung ihrer Email-Accounts, zeigten sie auf, wie unterschiedlich ihnen auf Job-Emails geantwortet wurde, je nachdem, ob sie mit einer männlichen oder weiblichen Signatur unterschrieben. Und das wohlgemerkt mit dem exakt gleichen Inhalt! Geschichten wie diese sind natürlich ganz schön frustrierend, denn gegen festgefahrene Vorurteile seiner Kollegen und Vorgesetzten kann man wohl nichts anderes tun, als die Zähne zusammenzubeißen und sie eines Besseren zu belehren.

Na, hast du das eine oder andere Szenario aus dieser Liste auch schon einmal erlebt? Oder machst du in deinem Büroalltag ganz andere Erfahrungen? Dann teile deine Erlebnisse mit uns in den Kommentaren! Wenn du dich auf der Arbeit wirklich sexuell belästigt fühlst, solltest du unbedingt dagegen vorgehen. Welche Schritte du einleiten solltest, erklären wir dir hier.

Bildquelle:

Getty Images/monstArrr_, iStock/gpointstudio

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