vollbart küssen
Nina Rölleram 24.04.2018

Schon seit einigen Jahren ist Gesichtsbehaarung bei Männern richtig in Mode gekommen. Auch wenn die meisten Frauen eher auf Dreitagebärte stehen, fahren viele von uns auch total auf Männer mit Vollbärten ab. Studien wollen uns nun aber weismachen, dass diese wahre Bakterienherde seien. Ist es wirklich genauso unhygienisch einen bärtigen Mann zu küssen, wie sein Gesicht über eine Kloschüssel zu reiben?

Ich hätte vor der Recherche zu diesem Artikel gar nicht erwartet, dass sich die Menschheit schon so lange damit befasst hat, ob Bärte eine Gesundheitsgefahr darstellen. Der Historiker Christopher R. Oldstone-Moore, natürlich selbst Bartträger, hat zur Medizingeschichte des Bartes sogar ein ganzes Buch geschrieben.* In der Süddeutschen erklärt er, dass Ärzte im 19. Jahrhundert davon ausgingen, dass Bärte wie ein Filter gegen schlechte Luft und Krankheiten wirken: Praktisch für den Träger, aber das klingt ja wirklich so, als seien Bärte wahre Schmutzfänger! Im 20. Jahrhundert wies Louis Pasteur dann einen Zusammenhang zwischen Krankheiten und Mikroorganismen nach, die man schließlich auch in Bärten fand. Daher galt starke Gesichtsbehaarung lange als unhygienisch.

Fäkalbakterien in Bärten gefunden?

Mittlerweile tragen allerdings wieder viele junge Männer Vollbärte und scheinen sich keine Sorgen über Mikroorganismen zu machen. Viele Wissenschaftler hingegen schon: 2000 wurde in einer kleinen Vergleichsstudie mit 20 Probanden untersucht, ob Männer mit Bärten mehr Bakterien von ihren Gesichtern absondern, selbst wenn sie einen Mundschutz tragen. Das Ergebnis: Die Bakterienanzahl bei den Bärtigen war tatsächlich höher, insbesondere dann, wenn sie den Mundschutz zurechtrückten.

Für ein besonders großes Medienecho sorgte jedoch ein Labortest, den Reporter 2015 in New Mexico für den örtlichen Sender „Action 7 News“ durchführten. Von einigen freiwilligen Bartträgern wurden Abstriche genommen und auf Bakterien untersucht. Das Ergebnis: In einigen Abstrichen wurden Darmbakterien entdeckt. Boulevardmagazine wie der britische Mirror verkündeten daraufhin „Schockierende Studie enthüllt: Manche Bärte enthalten mehr Fäkalien als eine Toilette“ und bebilderten ihre Artikel mit ekelerregenden Fotos von verschmutzten öffentlichen Klos. Doch ist diese Studie wirklich Grund zur Sorge?

Hier findet man tatsächlich mehr Keime als auf den meisten Klositzen!

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Bakterien sind nicht zwingend besorgniserregend

Der Journalist Nick Evershed traute dieser Schreckensmeldung nicht und schaute sich den Labortest für die britische Zeitung Guardian genauer an. Zunächst mal weist er darauf hin, dass es sich bei diesem Test nicht um eine wissenschaftliche Studie handelt. Zudem sei es falsch zu behaupten, dass tatsächlich Fäkalien in Bärten gefunden wurden. Vielmehr habe es sich um Bakterien gehandelt, die normalerweise im Darm zu finden sind. Das mag zwar auch noch nicht allzu appetitlich klingen, sei aber nicht allzu ungewöhnlich, denn E. Coli-Bakterien lassen sich auch häufig auf der Haut von Menschen nachweisen.

In den Bart können solche Keime in der Regel durch die Berührung mit ungewaschenen Händen kommen. Solange dein Partner sich nach dem Toilettengang immer schön die Hände wäscht und du ihn auch nicht mit Drecksgriffeln durch den Bart wuschelst, gibt es also keinen Grund, Hygienebedenken vor Gesichtsbehaarung zu haben. Wie der Bartexperte Oldstone-Moore der Süddeutschen erklärt, vermuten Evolutionsbiologen heutzutage sogar, dass Bärte vom anderen Geschlecht als ein Zeichen für hohe Immunkompetenz gelesen werden, also quasi das Gegenteil von gefährlichen Bakterienherden.

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Der bärtige Mann von heute pflegt sich

Ob man beim Küssen seines bärtigen Geliebten Hygienebedenken hat oder nicht, hängt wohl auch davon ab, wie sich der werte Herr pflegt. Wenn ich mir aber so die Badezimmer meiner vollbärtigen Freunde ansehe, entdecke ich dort oft mehr Pflegeprodukte, als ich für meine Haare verwende. Während man solche Produkte früher nur bei speziellen Onlinehändlern erhielt, findet man mittlerweile bei dm unzählige Mittelchen, um die Gesichtsbehaarung sauber und geschmeidig zu halten: Neben Bartöl, Bartpomade, Bartwachs, Bartbürsten und Bartkämmen findet man in den Regalen tatsächlich auch Bartshampoo und -conditioner.

Die „Bart Royal Bartseife Cocos“* verspricht zum Beispiel: „Befreit den Bart und die darunter liegende Haut sanft von Schmutz und Pflegerückständen.“ Wenn dein Freund also zu der Sorte Männer gehört, die ihre Gesichtsbehaarung hingebungsvoll pflegen oder sich einfach nur regelmäßig duschen und die Hände waschen, besteht kein Grund zur Sorge.

Es mag unter den bärtigen Männern sicher auch so manchen Schmutzfink geben, doch auch Frauen sind nicht immer sehr hygienisch, wenn es ums Rummachen geht:

Das Ekligste, was die Partnerin je gemacht hat

Bei Meldungen, die mal wieder Panik machen, weil irgendwo Bakterien nachgewiesen wurden, sollte man immer genauer hinsehen. In der Regel reichen normale Hygienemaßnahmen aus, um sich nicht mit Keimen zu infizieren, selbst wenn dein Freund noch so einen langen Rauschebart hat. Ich bin nun auf jeden Fall beruhigt und wünsche dir weiterhin frohes Rumknutschen! Erzähl mir in den Kommentaren, welche Bartlänge du beim Küssen am angenehmsten findest!

Bildquelle:

iStock/RobertoDavid


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