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Wie nachhaltig sind grüne Kollektionen von H&M und Co. wirklich?

Wie nachhaltig sind grüne Kollektionen von H&M und Co. wirklich?

„Conscious“ bei H&M oder „Join Life“ bei Zara: Die großen Modeketten haben den Trend hin zum umweltbewussten Einkaufen schon länger erkannt. Deshalb erscheinen immer mehr Trendteile in den nachhaltigen Kollektionen der Fast Fashion Marken. Dort werden dann recycelte Materialien, neue Technologien oder Biobaumwolle verwendet. Doch lassen sich die günstigen Preise überhaupt mit dem Nachhaltigkeitsgedanken vereinen oder ist am Ende alles nur Greenwashing?

Schaut man sich über Google Trends an, wie häufig in den letzten Jahren nach dem Begriff „nachhaltige Mode“ gesucht wurde, wird schnell klar: Seit etwa 2018 ist die Beliebtheit dieses Themas förmlich explodiert. Immer mehr Menschen suchen nach Alternativen zu H&M, Zara und Co. Kein Wunder also, dass die auf den Trend reagieren und verstärkt auf nachhaltige Kollektionen setzen. War die erste H&M „Conscious“-Kollektion 2012 noch eine Neuheit, der kaum jemand Beachtung schenkte, hat 2020 so gut wie jede Fast Fashion Marke ihre eigene nachhaltige Kollektion.

Oftmals wird den Labels dabei jedoch sogenanntes Greenwashing vorgeworfen. Darunter versteht man, dass ein Unternehmen lediglich fürs Image vorgibt, nachhaltig zu handeln. Es wird zum Beispiel mit recycelten Stoffen geworben, tatsächlich machen die aber nur einen sehr geringen Anteil eines Kleidungsstücks aus. Da der Begriff „nachhaltig“ nicht geschützt ist, können Unternehmen theoretisch jedes Kleidungsstück so bezeichnen.

Woran erkenne ich nachhaltige Mode?

Woran erkennt man also, ob ein Kleidungsstück tatsächlich umweltschonend produziert wurde? Für Laien ist das oft gar nicht so einfach zu beantworten. Verschiedene Zertifikate sollen Aufschluss geben. Mittlerweile gibt es hiervon jedoch eine ganze Menge und nicht alle haben dieselbe Aussagekraft. Greenpeace hat die wichtigsten Label deshalb nach ihrer Strenge und Unabhängigkeit bewertet. Besonders gut abgeschnitten haben dabei die Siegel GOTS, IVN Best und Made in Green. Faire und nachhaltige Modemarken sind meist mindestens mit einem dieser Siegel zertifiziert. Marken wie H&M verzichten jedoch oft komplett auf solche Siegel und führen stattdessen ihre eigenen Standards zur Zertifizierung ein.

Wer sich selbst einen ersten Eindruck machen möchte, kann zum Beispiel auf die verwendeten Stoffe achten: Bio-Baumwolle, Bambus, recycelte Stoffe oder Fasern aus neuen Technologien wie EcoVero oder Lyocell gelten als besonders nachhaltig. Wichtig ist dabei auch, auf die Prozentangaben zu achten, denn häufig bestehen vermeintlich nachhaltige Kleidungstücke nur aus 20 Prozent recyceltem Polyester. Auch ist es die nachhaltigere Alternative, Stoffe aus möglichst wenigen verschiedenen Fasern herzustellen. Das erleichtert es, das Kleidungsstück später zu recyceln. Viele Unternehmen machen zudem Angaben dazu, wie sie den bei der Produktion anfallenden Wasserverbrauch oder den CO2-Ausstoß reduzieren und wie es um Giftstoffe in den verwendeten Farben steht.

Treffen die nachhaltigen Kollektionen von H&M & Zara die Öko-Standards?

Stellvertretend für viele weitere Marken haben wir uns die nachhaltigen Kollektionen von H&M und Zara einmal genauer angeschaut. Zwar können Aussagen über diese nicht eins zu eins auf andere Marken übertragen werden, allerdings sind beide die größten Vertreter ihrer Dachkonzerne. Zum H&M-Konzern gehören beispielsweise auch COS, & other stories, Monki und Weekday. Hinter Zara steckt der Konzern Inditex, zu dem auch Mango, Pull & Bear, Stradivarius und Oysho gehören. Einzelne Untermarken dieser Konzerne sind mit ihren Nachhaltigkeitsversprechen teilweise schon weiter fortgeschritten, grundsätzlich gelten für die verschiedenen Marken einer Dachgesellschaft jedoch ähnliche Standards.

Nachhaltigkeit bei der H&M-Group

Der Reiter „Nachhaltigkeit“ ist im H&M-Onlineshop mittlerweile ein fester Menüpunkt. Dahinter verbergen sich zunächst eher schöne Bilder als stichhaltige Informationen. H&M ist mit keinem der oben genannten Textilsiegel zertifiziert. Allerdings kann man der Website relativ schnell entnehmen, welche Standards für die als „Conscious“ klassifizierten Teile gelten. Diese müssen zu mindestens 50 Prozent aus nachhaltig gewonnenen Materialien bestehen. Zudem experimentiert die H&M-Group gerne mit neuen Technologien. So wurde in vergangenen Kollektionen etwa auf „Leder” aus Ananas oder Weintrauben gesetzt.

Auch bemüht das Unternehmen sich nach eigenen Angaben, bis 2040 „klimapositiv“ zu werden, also mehr CO2 in der Atmosphäre zu binden als auszustoßen. Das soll durch eine Reduktion der eigenen Emissionen und durch das gezielte Unterstützen von Umweltinitiativen möglich sein. Bis 2030 ist es das Konzernziel für alle Kollektionen nur noch nachhaltig gewonnene Stoffe zu verwenden. Aktuell ist das bei 57 Prozent der verwendeten Materialien der Fall. Die verwendete Baumwolle wird laut H&M bereits zu 100 Prozent aus nachhaltigen Quellen bezogen.

Nachhaltigkeit bei Inditex (Zara)

Die nachhaltige Kollektion von Zara, sowie die vieler Schwestermarken, laufen unter dem Namen „Join Life“. 2020 sollen 25 Prozent aller Zara-Kollektionen unter diesem Label laufen. Was genau die Standards für ein „Join Life“ Kleidungsstück sind, ist auf der Zara-Website nicht sofort ersichtlich. „Unter dem Namen ‚Join Life‘ kennzeichnen wir die Kleidungsstücke, die mit Technologien und Rohstoffen hergestellt werden, die uns helfen, die Umweltbelastung unserer Produkte zu verringern“, heißt es dort. Außerdem orientiere sich das Unternehmen an dem von der „Sustainable Apparel Coalition“ ins Leben gerufenen Higgs Index. Dieser liefere Tools, die es Unternehmen ermöglichen, die Nachhaltigkeit ihrer Produkte zu messen. Konkret scheinen bei Zara drei Faktoren dafür ausschlaggebend zu sein, ob ein Kleidungsstück zur „Join Life“ Kollektion zählt: Bei der Produktion wird entweder weniger Wasser benötigt („Care for Water“, es werden mindestens 50 Prozent nachhaltigere Fasern verwendet („Care for Fibre“) oder bei der Produktion wird auf neue Technologien gesetzt, die die Emissionen und den Einsatz von Chemikalien verringern („Care for Planet“). Eines dieser Kriterien reicht für das „Join Life Label“ aus.

Allerdings hat auch Zara sich klare Nachhaltigkeitsziele bis 2025 gesetzt, die unter anderem den Einsatz von 100 Prozent Baumwolle aus nachhaltigeren Quellen und 100 Prozent recyceltem Polyester vorsehen.

Nachhaltig heißt nicht gleich fair

Zumindest H&M und Zara bewegen sich also immer stärker in Richtung Nachhaltigkeit. Große Fortschritte machen hier auch Marken wie Adidas oder Nike. Allerdings muss man beachten, dass „nachhaltig“ nicht automatisch „fair“ bedeutet. Ein Shirt aus 100 Prozent Bio-Baumwolle kann trotzdem unter katastrophalen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Und genau hier häufen sich weiterhin die Vorwürfe gegen Ketten wie H&M und Zara. Denn die günstigen Preise, die wir auch bei den nachhaltigen Kollektionen sehen, kommen eben vor allem deshalb zustande, weil Arbeiter schlecht bezahlt werden.

Zwar versuchen die Unternehmen auch hier Fortschritte zu machen, die schreiten allerdings erst langsam voran. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist, dass die Konzerne ihre Lieferketten genau offenlegen. Theoretisch ist es bei jedem Kleidungsstück nicht nur möglich herauszufinden, in welchem Land es hergestellt wurde, sondern auch in welcher Fabrik genau. Zudem geben beide Unternehmen an, bei ihren Lieferanten und Herstellern darauf zu achten, dass Menschenrechte eingehalten und Mindestlöhne gezahlt werden. Dass das allerdings nicht immer zu 100 Prozent klappt, zeigen Recherchen der Schweizer Organisation Public Eye. Diese verfolgte den Herstellungsprozess eines Pullovers aus der Zara „Join Life“-Kollektion zurück. Der wurde in der Türkei hergestellt. Dort erhielten die Arbeiter zwar den gesetzlichen Mindestlohn, allerdings entspricht der nicht einem sogenannten Existenzlohn, von dem eine Familie in Würde leben kann. Diesen wolle Inditex eigentlich zahlen. Der Konzern erwiderte, dass die tatsächlichen Löhne höher seien, als die Recherchen zeigen, gibt aber auch zu, dass höhere Löhne nur zu erreichen seien, wenn die Branche insgesamt sich darauf einige, mehr zu zahlen.

Nicht mit fairen und nachhaltigen Labels vergleichbar

Was heißt das alles nun für den Kauf von Produkten aus der „Conscious“- oder „Join Life“-Kollektion? Ist ein Kauf ohne schlechtes Gewissen möglich? Fest steht, dass diese Kollektionen keinesfalls mit zertifizierten nachhaltigen Fair Fashion Marken zu vergleichen sind. Trotzdem: Wer gerne bei H&M, Zara und Co. einkauft, hilft der Umwelt mehr, wenn er auf ein zumindest in Anteilen nachhaltig produziertes Teil zurückgreift, als wenn er ein Teil aus einer regulären Kollektion kauft. Da die Unternehmen sich klare Nachhaltigkeitsziele gesetzt haben, kann man hier auch nicht von reinem Greenwashing sprechen. Damit man hier von wirklich nachhaltiger Mode sprechen kann, ist jedoch noch einiges zu tun. Wir sind gespannt, ob und wie schnell die Unternehmen ihre Ziele für die nächsten Jahre umsetzen können.

Tricks, wie du ohne viel Mühe nachhaltiger leben kannst

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H&M

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