Arbeitszeugnis vorenthalten

Frage: Ich habe im vergangenen Jahr als studentische Hilfskraft gearbeitet. Mein Professor wurde leider an eine andere Uni berufen und hat mir, trotz Bitte, kein Arbeitszeugnis bzw. keine schriftliche Beurteilung meiner Tätigkeit zukommen lassen. Ich möchte mich demnächst wieder bewerben und habe nun eine “Lücke” im Lebenslauf, da mir der Beleg für diese Stelle fehlt. Ist es klug, sich ohne dieses Arbeitszeugnis zu bewerben oder soll ich ggf. auch rechtlich gegen meinen Prof vorgehen, um diesen Nachweis zu bekommen?

Antwort: Hallo,

laut Gewerbeordnung hat jeder Arbeitnehmer das Recht auf ein Arbeitszeugnis. Da kommt es auch nicht darauf an, ob Du Vollzeit oder geringfügig beschäftigt warst. Selbst wenn Du nur einige Wochen gearbeitet hast, hast Du laut eines Urteils des Landesarbeitsgerichts Köln Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis.

Um ein qualifiziertes Zeugnis zu erhalten, musst Du dem Arbeitgeber den Wunsch nach einem Arbeitszeugnis mitteilen. Das hast Du ja bereits getan. Doch selbst wenn man nicht konkret nach einem Zeugnis fragt, ist der Arbeitgeber zumindest dazu verpflichtet, ein einfaches Zeugnis (ohne qualifizierte Bewertung) auszustellen. Im Normalfall sollte man jedoch auf das qualifizierte Zeugnis bestehen. Ein einfaches Zeugnis sieht nämlich leicht so aus, als habe man etwas zu verbergen

Gibt es einen Grund, warum Dein Professor Dir die Ausstellung verweigert? Manche Arbeitgeber fühlen sich mit dem Formulieren eines solchen Zeugnisses schlichtweg überfordert. Das darf aber nicht zu Deinen Lasten gehen und deshalb solltest Du auch weiter auf Dein Recht bestehen – zur Not auch vor Gericht. In manchen Fällen hast Du sogar Anspruch auf Schadensersatz. Dann zum Beispiel, wenn Dir wegen des fehlenden Zeugnisses ein Job durch die Lappen gegangen ist.

Den Weg vor Gericht würde ich aber als letzte Möglichkeit in Betracht ziehen. Um den Prozess zu beschleunigen, könntest Du stattdessen zum Beispiel ein Arbeitszeugnis vorformulieren und Deinen Professor bitten, es nach seiner Einschätzung zu überarbeiten. Das sollte zwar nicht die Regel sein, aber ist hilfreich, falls Dein Arbeitgeber aus Unsicherheit oder Zeitmangel kein eigenes Zeugnis ausstellt. Weigert sich Dein Professor aber aus anderen Gründen, kannst Du es beim Arbeitsgericht einklagen.

Für Deine aktuellen Bewerbungen brauchst Du natürlich schnellstmöglich einen Nachweis über Deine Beschäftigung. Hier kannst Du zur Not den Arbeitsvertrag vorlegen und in der Bewerbung erklären, dass Du das Arbeitszeugnis schnellstmöglich nachreichen wirst. So hast Du keine Lücke im Lebenslauf und zeigst, dass Du in Bezug auf Deine Fähigkeiten nichts zu verstecken hast.


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