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Investments für Frauen

FinMarie: Warum jede Frau wissen sollte, was ein ETF ist

FinMarie: Warum jede Frau wissen sollte, was ein ETF ist

An der Börse investieren? Für viele Frauen klingt das noch immer unmöglich. Das Thema Finanzen erscheint ihnen viel zu riskant und kompliziert – und somit bleibt es bisher eine reine Männerdomäne. Doch das muss nicht so sein: Die Finanzberatung FinMarie konzentriert sich deshalb auf die speziellen Bedürfnisse und Fragen, die Frauen zum Thema Investments haben. Im Interview haben wir mit Karolina Decker (Mitte), Mitgründerin von FinMarie darüber gesprochen, inwiefern Männer und Frauen bei Investments unterschiedlich ticken und wie Frauen es schaffen können, durch Investments nicht nur der Altersarmut zu entkommen, sondern sogar ein kleines Vermögen aufzubauen.

Frauen & Geld - ein Interview mit Karolina Decker

desired: Inwieweit ticken Frauen und Männer beim Thema Investments unterschiedlich?

Karolina Decker: Vor allem in Beziehungen sieht man, dass Frauen das Thema Finanzen sehr häufig an ihre Männer abgeben. Sie wissen dann nicht, wie viele Schulden die Familie hat und wie das Geld der Familie in Fonds oder andere Geldanlagen investiert wird. Dabei verwalten sie im Alltag häufig das Geld für Einkäufe und andere laufende Kosten und zeigen so, dass sie gut mit Geld umgehen können. Das ist leider nicht nur ein Problem vergangener Generationen, sondern auch heute noch ein gängiges Muster. Viele Frauen trauen sich den Umgang mit den „großen“ Finanzen nicht zu. Studien zeigen allerdings, dass Frauen durch ihren vorsichtigen Umgang oft ein gutes Händchen dafür beweisen. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, prägte etwa das Zitat: „Wären es die Lehman Sisters gewesen und nicht die Lehman Brothers würde die Welt heute ganz anders aussehen.“ (Lehman Brothers war eine US-amerikanische Investmentbank mit Hauptsitz in New York, die am 15. September 2008 infolge der Finanzkrise Insolvenz beantragen musste. Im Jahr 2007 beschäftigte die Bank weltweit 28.600 Angestellte. Anm.d.Red.)

Woran liegt es, dass Frauen das Thema so anders angehen?

Frauen sind Geld gegenüber oft negativ eingestellt. Sie reden nicht gerne darüber und haben oft negative Glaubenssätze. Etwa: „Geld macht nicht glücklich.“ oder „Geld ist nicht wichtig.“ Das hat historische, traditionelle, aber auch familiäre Gründe. Doch wenn Geld so unwichtig ist, warum erledigen Frauen dann häufig so viel mehr Arbeit, um es zu verdienen? Männer hingegen sind dem Thema gegenüber häufig positiver eingestellt und haben größeres Selbstbewusstsein in Bezug auf Finanzen. Dabei kennen sie sich meist auch nicht besser aus als ihre Partnerin. Trotzdem glauben Frauen, ihre Finanzen beim Freund oder Ehemann in besseren Händen zu wissen.

Welche Probleme gehen damit einher?

Bei einer Trennung oder Scheidung stehen Frauen oft mit leeren Händen da. Sie haben sich nicht um die eigene Altersvorsorge gekümmert, sondern sich auf den Ehemann verlassen. Und auch unabhängig von ihrer Beziehung denken Frauen häufig, sie könnten es sich nicht leisten, zu investieren, weil sie dafür großes Startkapital brauchen. Oftmals fangen Frauen somit erst sehr spät an, sich um Geldanlagen und Altersvorsorge zu kümmern, nämlich dann, wenn sie merken, dass ihre Rente nicht ausreichen wird. Dabei sind es vor allem Frauen, die später von Altersarmut betroffen sind. Sie zahlen ohnehin weniger ins Rentensystem ein, da immer noch ein Großteil bei den Kindern zuhause bleibt und danach nur Teilzeit arbeiten geht. Männer hingegen beschäftigen sich häufig schon viel früher mit dem Thema und beginnen zum Beispiel schon ab dem ersten Gehalt einen monatlichen Beitrag zu investieren.

Richtig investieren: Tipps & Tricks

Welche Rolle spielt das Alter denn beim Investment-Verhalten?

Wer früh investiert, profitiert umso mehr vom Zinseszinseffekt. Natürlich ist es aber nie zu spät, mit dem Sparen anzufangen. Doch je später ich mit dem Anlegen anfange, desto mehr Geld muss ich beiseitelegen, um meine Rentenlücke zu schließen. Denn von der gesetzlichen Rente werden später nur die wenigsten gut leben können. Junge Frauen verdienen oft nicht viel, weshalb auch nicht viel vom Geld übrig bleibt, das sie investieren könnten. Tatsächlich ist es aber schon mit 50 Euro im Monat möglich, Geld profitabel anzulegen.

Wieso glauben trotzdem so viele junge Leute, sie bräuchten ein großes Startkapital?

Die Finanzbildung in Deutschland ist sehr schlecht. Der Hauptgrund für Geldprobleme sind nämlich fehlendes Wissen im Finanzbereich und hieraus resultierende negative Geldgewohnheiten. Bessere finanzielle Bildung führt zu einer besseren finanziellen Lebenssituation. Durch verschiedene Money Apps und Fintech werden Investments zwar auch jüngeren Menschen näher gebracht, oftmals scheitert es aber daran, dass sie noch immer glauben, nur mit großen Summen investieren zu können. Ideal wäre es, wenn Finanzbildung schon in der Schule vermittelt wird. Ich bin selbst Mutter und sehe das an den Lehrplänen meiner eigenen Kinder. Finanzen und Geld spielen keine Rolle. Um das zu ändern, habe ich mit meiner Kollegin die Initiative „Schulgold“ gegründet, die Schülern Finanzwissen vermittelt. Hier bieten wir Onlinekurse, die Schülern das Thema unterhaltsam näher bringen und sie dafür begeistern sollen.

Unsere Lesetipp für alle Frauen, die eine leichte  Einführung ins Thema Finanzen brauchen:

Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können

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Nun hatten die meisten in ihrer Schulzeit kein solches Angebot. Wie beginne ich mich auch später im Leben über das Thema zu informieren, wenn ich noch gar keine Ahnung habe?

Zunächst ist es wichtig, sich einen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen: Wie viel Geld nehme ich regelmäßig ein und wie viel gebe ich aus? Wie viel bleibt damit übrig und wie viel könnte ich davon investieren? Frauen sollten monatlich etwa zehn Prozent ihres Nettoeinkommens langfristig auf die Seite legen. Damit ist man für die Zeit bis zum Rentenantritt auf einem guten Weg und das Geld arbeitet inzwischen für einen. Sinnvoll ist es, sein Erspartes monatlich, also nach und nach, umzuschichten, um so den Sparplan auf dem Depot zu füllen und Schwankungen bestmöglich auszugleichen. Strategisch dabei bitte immer langfristig denken.

Dann geht es darum herauszufinden, wo ich mein Geld am besten investiere. Welche Bank oder welcher Broker bieten die besten Konditionen für meine Bedürfnisse und welche Anlageformen kommen für mich in Frage? Hier kann man natürlich selbst viel recherchieren, es kann aber auch sinnvoll sein, sich von einem unabhängigen Berater helfen zu lassen. Professionelle Unterstützung zahlt sich immer aus. Der Experte sollte jedoch eine Institution sein, die für den Kunden arbeitet und nicht an einen Produktanbieter gebunden ist. Depots gibt es nicht nur bei Finanzexperten oder Banken, sondern ebenso bei eigenen Online-Depot-Banken.

Welche Finanzbegriffe sollte jede Frau kennen?

„Sparplan“ und „ETF“ sind zwei Begriffe, die jede Frau kennen sollte. ETFs (engl.: Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Indexfonds. Es handelt sich dabei um Fonds, die wie Aktien an der Börse gehandelt werden. Die klassische Version ist ein ETF auf einen Aktienindex wie etwa den DAX. Des Weiteren gibt es zahlreiche ETFs, die einen Anleihen- oder Rohstoffindex abbilden, sich also auf Unternehmen aus einer bestimmten Branche wie den erneuerbaren Energien oder Technologie beziehen. Ein ETF ist also breit gefächert, man investiert nicht nur in die Aktie von einem Unternehmen, sondern von vielen Verschiedenen. Die Rendite, die man erzielt, werden direkt reinvestiert, sodass man vom Zinseszins profitiert.

Sinnvollerweise legt man hierfür einen Sparplan an. Man investiert also monatlich einen gewissen Betrag, das können auch nur 30 oder 50 Euro sein. Durch die monatlichen Einzahlungen kann man Kursschwankungen gut ausgleichen. Man kauft mal zu einem höheren und mal zu einem niedrigen Kurs. Wir empfehlen Frauen immer langfristig zu denken, ein Sparplan sollte über mehrere Jahre laufen und nicht nach kurzer Zeit verkauft werden, weil die Kurse fallen, und man befürchtet, Geld zu verlieren. Das tut man erst, wenn man verkauft.

Habt ihr das Gefühl, das Interesse von Frauen am Thema Finanzen hat in der letzten Zeit zugenommen?

Bei FinMarie haben wir gerade in der letzten Zeit bedingt durch die Corona-Krise, einen hohen Zulauf verzeichnet. Ganz viele Frauen wünschen sich aktuell Beratung zu ihren Finanzen und wollen diese selbst in die Hand nehmen. Das liegt vielleicht auch daran, dass viele in der Corona-Krise mehr Zeit hatten und das Thema stärker in den Vordergrund gerückt ist. Aber auch davor ist das Interesse von Frauen an unserem Angebot gestiegen. Vor Corona hatten unsere Kundinnen eher allgemeine Fragen und wollten ihr Finanzwissen erweitern. In der Corona-Krise kamen viele mit ganz konkreten Anliegen zu uns, weil sie gemerkt haben, wie schnell man in finanzielle Schwierigkeiten geraten kann und wie wichtig es ist, dafür abgesichert zu sein.

Risiken bei der Geldanlage

Wenn etwas immer beliebter wird, zieht es auch oft Betrüger an. Woran erkenne ich seriöse Anbieter von Depots, Konten und anderen Finanzprodukten?

Das ist oft nicht so einfach, weil viele Finanzangebote sehr intransparent sind. Zudem gibt es immer mehr Angebote, sodass es schwerer ist, rauszufinden, welches denn nun die Richtigen für die eigenen Bedürfnisse sind. Häufig verstecken sich hinter zunächst einmal verlockend klingenden Produkten versteckte Kosten und Gebühren, die sich nur im Kleingedruckten finden. Viele Anleger machen zudem den Fehler, all ihr Geld in einen einzigen Fond oder ein einziges Finanzprodukt zu investieren. Häufig agieren sie dabei planlos und vertrauen zum Beispiel auf einen Provisionsberater, der am Ende selbst davon profitiert, dieses eine Produkt zu kaufen. Oder sie lassen sich von einer Werbung blenden. Wichtig ist es jedoch, dass Produkt, in das man investiert, selbst zu verstehen und sich damit auszukennen. Bevor man investiert, sollte man sich auf jeden Fall genaustens mit der Anlage auseinandersetzen und bei Unsicherheiten einen unabhängigen Experten fragen, der nicht nur ein bestimmtes Produkt verkaufen will.

Ein gutes Indiz für ein seriöses Angebot ist aus meiner Sicht, dass die zu erwartende Rendite langfristig, zum Beispiel für eine Laufzeit von zehn Jahren berechnet wurde und dass in diese Rechnung auch Inflation, Kursschwankungen und laufende Kosten mit einbezogen wurden.

Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich immer. Wie gehe ich generell am besten mit Risiken um? Woher weiß ich, wie viel Risiko für mich in Ordnung ist?

Um das richtig einschätzen zu können, ist es wichtig, die eigene finanzielle Ausgangssituation und die langfristigen, mittelfristigen und kurzfristigen Sparziele zu kennen. Was möchte ich mit meinem Geld erreichen? Geht es mir in erster Linie um die Altersvorsorge, möchte ich früher in Rente gehen können oder mir zum Beispiel den Traum vom Eigenheim erfüllen? Aufgrund dieser Basis kann ich mir ausrechnen, wie viel Geld ich brauche, um dieses Ziel zu erreichen und mich anschließend fragen, ob es dafür reicht, mein Geld auf einem risikoarmen Produkt wie einem Fest- oder Tagesgeldkonto anzulegen oder ob ich renditeorientiert in Aktien investiere. Momentan gibt es leider kein Produkt, das hohe Rendite und wenig Risiko vereint. Wenn ich kein zu hohes Risiko eingehen möchte, aber trotzdem Rendite möchte, sollte ich mein Portfolio breit fächern und sowohl in risikoarme als auch in risikoreichere Produkte investieren, die eine gute Rendite versprechen.

Vielen Dank für das spannende Gespräch! Weitere Interviews mit inspirierenden Frauen findest du auch in unserer Themenreihe „EmpowHer".

Wie gut kannst du mit Geld umgehen?
Bildquelle:

FinMarie

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