Vaginismus
Katja Nauckam 04.09.2018

Leidest du beim Sex unter Muskelkrämpfen in der Scheide, die dir den Spaß daran völlig verderben? Dann bist du vermutlich wie ca. 15 bis 30 Prozent der Frauen von Vaginismus betroffen. Die Ursachen können körperlicher sowie psychischer Natur sein und es gibt verschiedene Wege, ihn zu behandeln.

Was ist Vaginismus?

Als Vaginismus bezeichnet die Medizin plötzliche reflexartige Krämpfe der Scheide, bei denen sich die Beckenbodenmuskulatur stark anspannt und zusammenzieht. Dies passiert vor allem während des Geschlechtsverkehrs oder beim Versuch, sich einen Tampon einzuführen. Diese spontanen Kräfte können so heftig sein, dass an Sex gar nicht mehr zu denken ist, weil du nur noch höllische Schmerzen hast.

Die weibliche Scheide besteht aus Muskeln, die sich beim Eindringen in den Scheideneingang zusammenziehen können. Bei manchen Frauen wird dadurch sogar jede gynäkologische Untersuchung zur Qual, weil es durch die Krämpfe nicht möglich ist, in die Vagina einzudringen. Weitere Symptome sind neben dem starken Engegefühl auch Stechen oder Brennen.

Vaginismus behandeln Ursachen

Deine Vagina krampft sich beim Eindringen zusammen? Das nennt man Vaginismus.

Gynäkologen unterscheiden zwischen zwei Arten von Vaginismus:

  • primärer Vaginismus: Du kannst dir seit jeher nichts ohne Schmerzen und Muskelkrämpfe in deine Vagina einführen.
  • sekundärer Vaginismus: Durch ein traumatisches Ereignis wie eine Geburt oder ein sexuelles Schmerz- oder Gewalterlebnis blockiert deine Vagina seitdem das Eindringen durch Krämpfe.

Es gibt jedoch auch Frauen, bei denen die Krämpfe nur bei einer gynäkologischen Untersuchung auftreten, beim Sex jedoch nicht – oder auch umgekehrt. Dies wird situationsbedingter Vaginismus genannt.

Körperliche und psychische Ursachen

Die Krämpfe können sowohl organische als auch psychische Ursachen haben. Oft ist es ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren, die gar nicht so direkt voneinander getrennt werden können.

Körperliche Ursachen von Vaginismus:

  • persistentes Jungfernhäutchen, das beim Eindringen nicht nachgibt
  • sehr kurze Scheide
  • Komplikationen nach einer Operation im Intimbereich
  • Wuchernde Gebärmutterschleimhaut bei Endometriose
  • Verletzungen nach der vaginalen Entbindung
  • Infektionen durch Pilze, Viren oder Bakterien

Psychische Ursachen von Vaginismus:

  • fehlende sexuelle Aufklärung und Schuldgefühle bezüglich des Geschlechtsverkehrs
  • sexueller Missbrauch, körperliche Gewalt
  • negative Erfahrungen in einer sexuellen Beziehung
  • negatives, traumatisches Geburtserlebnis

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Vaginismus behandeln: Das kannst du tun

Um dich von deinen Scheidenkrämpfen zu befreien, ist es wichtig, zu ergründen, wann es bei dir angefangen hat und inwiefern organische Probleme zugrunde liegen. Der erste Schritt wäre daher, mit deinem Gynäkologen zu sprechen und ihm deine Schmerzen beim Sex genau zu schildern. Wenn körperliche Probleme ausgeschlossen werden können, kann eine Psychotherapie helfen, deinem Problem auf den Grund zu gehen.

Wenn dein Arzt feststellt, dass es sich größtenteils um ein körperliches Problem handelt, dann kann man dies durch gezieltes Beckenbodentraining und Entspannungstechniken behandeln. Mithilfe sogenannter Vaginaldilatatoren kannst du üben, deine Scheide zu dehnen und an den „Fremdkörper“ gewöhnen. Dies sollte jedoch nur unter vorheriger ärztlicher Absprache erfolgen. Eine nachgewiesen erfolgreiche medikamentöse Behandlung gibt es bei diesem Problem leider nicht.

Oftmals sind die körperlichen Beschwerden auch mit den psychischen verknüpft, sodass im Gespräch herausgefunden werden muss, wann die Blockade entstand und wodurch sie verstärkt wird. Ein Sexualtherapeut kann hier ebenfalls helfen. Hier rate ich dir, ebenfalls zunächst deinen behandelnden Gynäkologen zu kontaktieren und dir von ihm ggf. eine Überweisung an einen Facharzt zu holen.

So solltest du jetzt vorgehen:

  1. Schäme dich nicht für deine Vagina oder rede dir ein, du seist anatomisch nicht in der Lage, Sex zu haben.
  2. Sprich mit deinem Partner offen darüber, wie du dich fühlst und beschreibe ihm deine Schmerzen. Zeige ihm, dass es nicht an ihm liegt, dass du keinen Spaß am Sex hast und du dem Problem auf den Grund gehen möchtest.
  3. Setze dich nicht selbst unter Druck, sondern habe Geduld mit dir und deinem Körper.
  4. Sollte ein traumatisches Erlebnis hinter dir liegen, dann vertraue dich unbedingt jemandem an, damit du es aufarbeiten kannst. Das kann eine sehr gute Freundin sein oder du holst du professionelle therapeutische Hilfe. Lass dir von deiner Krankenkasse dazu einfach einige Therapeuten in deiner Nähe empfehlen und suche sie auf für ein erstes unverbindliches Kennenlern-Gespräch.

Es kursieren ja eine ganze Reihe an Gerüchten und Tipps, die die Vagina betreffen. Von folgenden Dingen solltest du lieber die Finger lassen.

Dinge, die du deiner Vagina nie antun solltest

Vaginismus ist kein seltenes Phänomen und kann sehr unangenehm sein. Wenn du aus Scham und Schmerzen schon seit einer Weile Sex verweigerst und dich völlig dagegen sperrst, solltest du unbedingt etwas unternehmen. Denn eine erfüllte Sexualität gehört einfach zu einem glücklichen Leben dazu und es kann dir durchaus geholfen werden.

Bildquelle:

iStock/gpointstudio/SIphotography

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