Würgen beim Sex
Katja Nauckam 18.01.2018

Die Steigerung der sexuellen Lust durch das Kontrollieren der Atmung gehört zu den gefährlichsten BDSM-Praktiken und ist nicht für Anfänger geeignet. Bei kaum einer anderen Spielart des SM sind die gesundheitlichen Gefahren und Risiken so hoch. Wenn du dich für diese ausgefallene erotische Praxis interessierst, solltest du genau wissen, was dabei passiert und wie du dich im Notfall verhältst.

Der Reiz der Atemkontrolle

Was für die meisten von uns einer Horrorvorstellung gleichkommt und regelrechte Panik auslöst, bedeutet für manchen BDSMler die größte Lust: Beim sexuellen Spiel wird die Atmung eingeschränkt oder sogar so weit unterbunden, dass sie nicht mehr stattfinden kann. Diese Praxis wird auch als Breathplay, Breathcontrol, Hypoxiphilie oder Asphyxiation bezeichnet. Das kann beim Würgen durch die Hand des dominierenden Partners erfolgen oder mit Hilfsmitteln wie Gürteln, Masken, Plastiktüten oder sogeannten Zentais (Japanisch für Ganzkörperstrumpfhose) erfolgen. Der unterwürfige Sexpartner (Bottom) empfindet einen sexuellen Reiz durch das Abgeben von Kontrolle und die Zügelung seines Atems. Für viele Personen besteht aber auch ein besonderer Reiz in der Selbststrangulation, d.h. in der Praxis, an sich selbst Hand anzulegen.

Würgen beim Sex Atemkontrolle

Würgen beim Sex und Atemkontrolle können als lustvoll empfunden werden.

Das passiert dabei im Körper:

  • Durch das Einschränken der Atmung entsteht ein Sauerstoffmangel im Gehirn. Durch die Unterversorgung mit Sauerstoff erhöht sich der Kohlendioxidgehalt im Blut und Adrenalin wird ausgeschüttet.
  • Das Gehirn befindet sich in einem rauschartigen Zustand und die Person fühlt sich euphorisiert und enthemmt (ähnlich einer Erfahrung im Drogenrausch).
  • Der Hochzustand wird anfänglich auch durch die Ausschüttung von Endorphinen begleitet, die das Glücksempfinden steigern.
  • Das Empfinden kommt einem Orgasmus gleich und besitzt einen sehr starken Suchtfaktor.
  • Wie beim Orgasmus hält das Gefühl jedoch auch nur kurz an und es folgt ein gefährliches Tief.

Für Viele, die sich dieser Situation gern freiwillig aussetzen, besteht ein hoher Genuss im Rausch, im Spiel mit der Gefahr und dem Gefühl des totalen Ausgeliefertseins. Sie überschreiten eine Grenze, erleben die Erstickung positiv und begeben sich in den Bereich des Lustschmerzes. Für die Sexualwissenschaft zählt diese Praxis daher zu den sexuellen Störungen oder auch Paraphilien.

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Würgen beim Sex: Die Gefahren

Der beschriebene als positiv und reizvoll erlebte Rausch birgt jedoch etliche Gefahren, die nicht zu unterschätzen sind. Wenn du jetzt denkst, ein kleines Würgespiel kannst du doch sicherlich zu Hause mit dem Partner oder allein einmal ausprobieren, muss ich dich warnen: Wenn du dich nicht mit der Körperphysiologie auskennst und völlig unerfahren mit solchen SM-Praktiken bist, darfst du nicht einfach Hand an dich oder deinen Partner legen.

Würgen beim Sex Würgespiele

Es ist wichtig, dass man einvernehmlich vorgeht und sich über die Risiken bewusst ist.

Das sind die Risiken des Würgespiels:

  • Karotis-Sinus-Syndrom: Durch den Druck auf die Karotis (Halsschlagader) kann es zum Aussetzen des Herzschlages und damit zur Bewusstlosigkeit kommen. Die Sensoren reagieren auf den extremen Druck und der Blutdruck fällt stark. Sobald der Druck nachlässt, steigt der Blutdruck wieder.
  • Herzrhythmusstörungen: Dauerhafter Sauerstoffmangel kann das Herz schädigen und sogenante Extrasystolen, d.h. Rhythmusstörungen auslösen, die bis zum Kammerflimmern und Herzstillstand führen können.
  • Hirnschäden: Wiederholter Sauerstoffmangel und -entzug kann nicht nur zu Bewusstlosigkeit führen, sondern schädigt das Gehirn.
  • Indirektes Ersticken: Sollte der Partner bei dieser Praxis erbrechen, kann es passieren, dass er das Erbrochene einatmet und es in die Lunge gelangt. Daher ist es nicht ratsam, direkt vor dieser Praktik etwas zu essen.
  • Beeinträchtigung der Luftröhre: Durch die Krafteinwirkung von Außen kann es zu Brüchen des Zungenbeins oder Schwellungen im Bereich der Luftröhre und des Kehlkopfs kommen.
  • Weitere Folgen: Es können Petechien, d.h. geplatzte Äderchen um Mund- und Augen entstehen sowie Aneurysmen (Arterienerweiterungen) ausgelöst werden.

Es ist wichtig, dass sich jeder, der solche Praktiken ausführen möchte, über diese Gefahren bewusst ist und sich vorher gut informiert. Selbst innerhalb der SM-Szene ist man sich nicht einig, inwieweit Würgen und Atemkontrolle dem gültigen Prinzip von Safe, Sane und Consensual (sicher, gesund und einvernehmlich) entspricht. Auch hier kam es schon vor, dass ein Bottom durch fehlende Erfahrung in der Ausführung oder falsche Absprachen ohnmächtig wurde und einen Atemstillstand erlitt. Der Partner sollte dabei nie allein gelassen und muss beobachtet werden. Wenn erst der Notarzt gerufen werden muss, kann es schon zu spät sein.

Folgende Personenkreise sollten generell auf Atemspiele und Würgen beim Sex verzichten:

  1. Minderjährige
  2. SM-Neulinge und Anfänger
  3. Herzkranke, Lungenpatienten und Asthmatiker
  4. Alkoholiker und Drogenabhängige

Würgespiele sind kein Kindergeburstag und nichts, was man einfach mal so an sich selbst ausprobiert, da sie oft genug bereits schief gegangen sind. Auf keinen Fall sollten Jugendliche das aus reiner Neugier ausprobieren. Ein Junge aus Brandenburg kam bei einem solchen Experiment ums Leben und erstickte vor dem PC. Aber auch so mancher Erwachsene ist vor fehlerhafter Anwendung nicht sicher: Das prominenteste Beispiel ist der Kill-Bill-Star David Carradine, der sich selbst strangulierte. Ebenso wenig sollte man Drogen und Alkohol einbeziehen, da dadurch die Wahrnehmung getrübt wird und du keinesfalls mehr verantwortlich und mit vollem Bewusstsein handeln kannst. Ausprobieren solltest du es nur, wenn du eine gewisse sexuelle Erfahrung hast, deinen Körper kennst und dein Partner deine Grenzen achtet und sexuelle Verantwortung übernehmen kann. Als Anfänger tastest du dich am besten langsam vor und findest heraus, wie weit du gehen kannst.

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Wenn dich diese Praxis trotz aller Gefahren dennoch reizt und du und dein Partner sich den Risiken bewusst sind, solltest du einige Regeln kennen, die in der BDSM-Szene und auch für dich zu Hause gelten.

  1. Besprich vorher intensiv mit dem Partner, was du dir wünschst und erwartest und beschreibe es genau.
  2. Lege deine genauen Grenzen fest und besprich ein Safeword oder eine bestimmte Geste, bei welcher der Partner aufhören muss. Der Ausführende muss sich vorher im Klaren sein, wie weit er gehen darf.
  3. Halte dich an die besprochenen Dinge und reize sie nicht persönlich aus.
  4. Kläre vorher, welche Hilfsmittel du benutzen möchtest und welche nicht.
  5. Informiere dich genau über die physiologischen Vorgänge der Atmung und Bewusstlosigkeit, damit du als Bottom (derjenige, dessen Atmung gedrosselt wird) weißt, wann der Druck zu viel wird. Als Top (derjenige, der die Strangulation oder das Würgen durchführt und beobachtet) solltest du ebenso Kenntnisse in Erste Hilfe haben und genau wissen, was zu tun ist, wenn jemand ohnmächtig wird.
  6. Nimm keine Drogen und iss unmittelbar vorher nichts mehr.
  7. Tausche dich mit deinem Partner persönlich oder in Foren mit anderen aus der Szene aus, die solche Sexspiele mit Atemkontrolle praktizieren.

Hinweis: Solche Spiele basieren immer auf Einvernehmlichkeit. Sobald du so etwas nicht möchtest oder dein Sexpartner ohne vorherige Absprache solche Techniken anwendet oder dich regelrecht dazu nötigt, ist das sexuelle Nötigung und stellt einen Straftatbestand dar.

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Wenn du Würgespiele mit deinem Partner ausprobieren möchtest, dann sei dir im Klaren, welche Gefahren das birgt und führe es nur aus, wenn du deinen Partner gut kennst und ihr einander vertraut. Wenn es dir nur darum geht, etwas mehr Pepp in dein Sexleben zu bringen und du herausfinden willst, worauf du stehst, dann beginne lieber mit ungefährlicheren Praktiken wie Spanking oder Soft-Bondage.

Bildquelle:

iStock/Getty Images Plus/Lee-J, IgorIgorevich


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