Sein 6. Fall

Jussi Adler-Olsen: Verheißung

Jussi Adler-Olsen: Verheißung

Ob Henning Mankell, Stieg Larsson oder Håkan Nesser – dass Skandinavien der richtige Schauplatz für unheimliche Krimis ist, haben in den vergangenen Jahren vor allem die Schweden bewiesen. Seit einigen Jahren zeigt Jussi Adler-Olsen allerdings, dass auch unser Nachbarland Dänemark über genügend Abgründe für einen gewieften Kommissar verfügt. Bereits seit 2007 lässt der 64-Jährige das Sonderdezernat Q unter Carl Mørck ermitteln. Nun führt Jussi Adler-Olsen sein sympathisches Team jedoch in einen Fall, der auch die Ermittler selbst in Lebensgefahr bringt…

Jussi Adler-Olsen: Verheißung
Jussi Adler-Olsen legt Mørcks sechsten Fall vor

Wohl kaum ein Krimiautor hat die Bestsellerlisten in den vergangenen Jahren so beherrscht wie der Däne Jussi Adler-Olsen. Mit seiner Buchreihe um das Kopenhagener Sonderdezernat Q, in dem Kommissar Carl Mørck gemeinsam mit einem höchst ungewöhnlichen Ermittlerteam längst vergessene Fälle löst, hat sich der Schriftsteller längst seinen Platz in der Riege der Thrillerlegenden gesichert. Angesichts dessen ist es kein Wunder, dass auch die Filmstudios bereits auf Jussi Adler-Olsen aufmerksam geworden sind. Nachdem der Debütfall „Erbarmen“ im Januar 2014 die deutschen Kinocharts gestürmt hat, folgte mit „Schändung“ in diesem Jahr sogleich die Fortsetzung. Trotz dieser schnellen Abfolge der Verfilmungen sollte den Produzenten der Stoff so schnell nicht ausgehen: Immerhin veröffentlicht der Bestsellerautor mit „Verheißung“ nun bereits den sechsten Fall für Carl Mørck.

Jussi Adler-Olsen schickt Carl Mørck in die Ostsee

Dass es dieser Fall in sich hat, merkt der Leser bereits auf den ersten Seiten: Immerhin schickt Jussi Adler-Olsen seinen Protagonisten ziemlich schnell aus seinem geliebten Keller im Kopenhagener Polizeipräsidium auf die windumtoste Ostseeinsel Bornholm, die Polen und Schweden deutlich näher ist als Dänemark. Dort hat sich mit Christian Habersaat schließlich ein Kollege umgebracht – ausgerechnet einen Tag, nachdem er das Sonderdezernat Q um Hilfe gebeten hatte. Nachdem sich auch der Sohn des Polizisten auf rätselhafte Weise das Leben nimmt, ist klar: Aus der Ruhe, die sich Carl Mørck für sein Team wünscht, wird wieder einmal nichts. Stattdessen nimmt sich der mürrische Kommissar des Falls an, den Habersaat 17 Jahre lang erfolglos zu lösen versucht hatte: 1997 wurde ein totes Mädchen kopfüber in einem Baum hängend aufgefunden. Handelte es sich dabei um einen tragischen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht oder wurde die junge Frau eiskalt ermordet? Nach und nach lässt Jussi Adler-Olsen Carl Mørck den Schatten der Vergangenheit lüften. Doch was hinter dem Vorhang zum Vorschein kommt, ist alles andere als ungefährlich…

Jussi Adler-Olsen stellt sich in die Tradition des Schweden-Krimis

Jussi Adler-Olsen bei einer Buchvorstellung in München
Jussi Adler-Olsen sorgt für Spannung

Mit „Verheißung“ hat Jussi Adler-Olsen einen überaus aufregenden Thriller geschaffen, der sich nahtlos an die bisherigen Romane um Carl Mørck und das Sonderdezernat Q anschließt und sich in Sachen Spannung vor seinen Vorgängern keinesfalls zu verstecken braucht. So ist auch der neueste Fall zwar ein klassischer Whodunit-Krimi, bei dem der Leser fleißig mitraten darf, wer die Frau wohl damals auf Bornholm überfahren hat, doch darin erschöpft er sich nicht: Anstatt sich in der Wiedergabe trockener Ermittlungsarbeit zu verlieren, sorgt Jussi Adler-Olsen – ganz im Stile seiner skandinavischen Kollegen – mit so manchem blutigen Fund und einem furiosen Finale für reichlich Nervenkitzel. Leser, die schon einige Schweden-Krimis hinter sich haben, werden demnach auch an „Verheißung“ definitiv ihre Freude haben.

Jussi Adler-Olsen lüftet weitere Geheimnisse seiner Protagonisten

Die Lektüre besonders genießen werden allerdings vor allem die Krimiliebhaber, die auch die anderen Romane von Jussi Adler-Olsen bereits verschlungen haben. Schließlich fährt der dänische Schriftsteller auch in „Verheißung“ sein gesamtes Figurenpersonal wieder auf und leuchtet die Hintergründe des Teams um Carl Mørck, die in vielen Bereichen noch immer im Dunklen liegen, wieder ein bisschen weiter aus. So wird nicht nur ein alter Fall wieder aufgerollt, bei dem der Kommissar vor seiner Versetzung ins Sonderdezernat Q eine eher unrühmliche Rolle gespielt hatte. Auch sein rätselhafter Assistent Assad muss sich erneut seiner Vergangenheit stellen: Wieso erhält der doch eigentlich aus Syrien stammende Gehilfe des Kommissars plötzlich mysteriöse Mails aus dem Irak? Und wieso nennt ihn der Verfasser dieser Nachrichten Said? Diese Fragen lässt Jussi Adler-Olsen leider auch in „Verheißung“ noch im Raume stehen. Schließlich soll der sechste Fall nicht das letzte Rätsel für Carl Mørck gewesen sein…

Dass Jussi Adler-Olsen der ungekrönte König des Thrillergenres ist, steht schon seit längerer Zeit außer Frage. Auch mit „Verheißung“ ist dem Dänen wieder einmal ein spannungsgeladenes Buch gelungen, das die Reihe um Carl Mørck nicht nur würdig weiterführt, sondern mit einem geheimnisvollen Fall an einem verlassenen Außenposten Dänemarks sogar für ein neues Highlight sorgt. Für aufreibende Lesestunden sollte im anstehenden Sommer also gesorgt sein…

Jussi Adler-Olsen: Verheißung
dtv, Hardcover, 608 Seiten, € 19,90

Bildquelle Cover: © Deutscher Taschenbuch Verlag
Bildquelle Jussi Adler-Olsen: © Getty Images / Joerg Koch

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