Druck von der Familie
Nina Rölleram 31.05.2017

Man kann noch so lange von zu Hause ausgezogen sein, die eigene Familie kann dennoch viel Einfluss auf das eigene Leben haben und manchmal auch ordentlich Druck ausüben. Graut es dir vor Familienfeiern oft vor den bohrenden Fragen nach deiner beruflichen Zukunft oder deinem Liebesleben? Auch wenn du noch so selbstständig und erwachsen bist, können einem diese Fragen manchmal ganz schön nahe gehen. Wie du mit acht typischen Szenarien umgehst und warum du unbedingt aufhören solltest, dich diesem Rechtfertigungsdruck zu beugen, erfährst du hier.

Druck von der Familie

„Wann kommst du endlich in die Pötte?“ – Kennst du solche Fragen und Blicke von deinen Eltern?

#1: „Was willst du denn mit dem Studium/der Ausbildung anfangen?“

Wenn man nicht zufällig einen „handfesten“ Beruf wie Bankangestellter, Lehrer oder Arzt ausgewählt hat, blickt man auf Familienfeiern schnell in verständnislose Gesichter. Was ich mal mit einem Studium der vergleichenden Kultur- und Religionswissenschaften mit Kunstgeschichte im Nebenfach machen will? Um ehrlich zu sein, wusste ich darauf vor einigen Jahren auch noch keine wirkliche Antwort. Umso schwerer war es dann aber zu vermitteln, dass es nach meinem Abschluss durchaus einige Berufsoptionen für mich geben wird.

Solche Fragen können einen tatsächlich verunsichern, weil man sich während mancher Ausbildungen auch selbst schon zur Genüge um die eigene berufliche Zukunft sorgt. Wenn es jedoch genau das ist, was du gerne machen willst, solltest du dich wegen solcher Anmerkungen nicht in Selbstzweifel stürzen. Sei lieber froh, dass du genau weißt, wo deine Stärken liegen und du dich nicht deiner Familie zuliebe durch eine Ausbildung als Versicherungskauffrau oder Juristin quälst.

#2: „Wann suchst du dir endlich einen richtigen Job?“

Familiendruck

Erinnert dich das an deine Familie?

Hast du dann aller Zweifel deiner Familie zum Trotz einen Job bekommen, in dem du dich wohlfühlst, hören die Fragen nicht unbedingt auf. Vielleicht bist du in einem Berufsfeld gelandet, in dem man nicht wirklich Kohle scheffeln kann. Nachdem deine Eltern dich aber über Jahre hinweg finanziell unterstützt haben, sind die Erwartungen nun hoch. Der heutige Arbeitsmarkt sieht allerdings nun einmal anders aus als in der Generation deiner Eltern oder Großeltern. Vielleicht bist du total glücklich, dass du ein Praktikum oder erst mal einen befristeten Vertrag ergattern konntest. Besserwisserische Familienmitglieder können aber oft nicht fassen, wie du das nur mit dir machen lässt. Wenn sie an deiner Stelle wären, würden sie sich natürlich sofort einen anderen Job mit ordentlicher Bezahlung und Aufstiegschancen suchen. Wenn dir ein erfüllender Job mit netten Kollegen aber wichtiger ist, solltest du solchen Miesepetern vermitteln, dass du absolut zufrieden bist und dich nicht unter Wert verkaufst. Bei Kommentaren dieser Art muss ich immer an den Ärzte-Song „Junge“ denken, der genau dieses Szenario beschreibt: „Junge, warum hast du nichts gelernt? Guck dir den Dieter an, der hat sogar ein Auto. Warum gehst du nicht zu Onkel Werner in die Werkstatt? Der gibt dir ne Festanstellung, wenn du ihn darum bittest.“

#3: „Wann bringst du endlich einen Mann nach Hause?“

Mutter macht Druck

Ist das die Idealvorstellung deiner Familie?

Sobald man länger in einer Beziehung ist, kommt der Moment, in dem man den neuen Freund das erste Mal mit zur Familienfeier schleppt und ihn vorstellt. Wenn du allerdings schon eine ganze Weile Single bist, kommst du stets ohne Begleitung auf Silberne Hochzeiten, Geburtstage oder Weihnachtsfeiern. Insbesondere, wenn deine Geschwister oder Cousinen stets mit männlicher Begleitung auftauchen oder bereits verheiratet sind, wird gerne nachgebohrt. Familienangehörige beweisen dabei oft nicht unbedingt viel Feingefühl. Denn egal ob du zufriedener Single bist, dich nach einer Beziehung sehnst oder vielleicht gar nicht auf Männer stehst, können solche Fragen ziemlich verletzend sein. Denn irgendwie suggerieren sie, dass doch irgendetwas falsch mit dir sein muss, wenn du „keinen abbekommen hast“. Versuch am besten solche Bemerkungen nicht zu nah an dich heranzulassen. Beziehungen sind keine persönliche Errungenschaft und das Single-Dasein auch kein charakterliches Defizit. Warum ganz bestimmt nichts falsch an dir ist, erkläre ich dir hier.

#4: „Wann heiratet ihr denn nun endlich?“

Solltest du hingegen schon seit längerer Zeit in einer Beziehung sein, werden irgendwann die Fragen danach kommen, wann ihr endlich offiziell heiratet. Insbesondere für konservative oder religiöse Familienmitglieder ist es völlig unverständlich, warum ihr nicht den heiligen Bund der Ehe eingeht. In ihren Augen führt ihr eine „Wilde Ehe“, womit keine besonders leidenschaftliche gemeint ist, sondern eben eine unanständige Beziehungsform. Manche reagieren sogar mit Empörung darauf, wenn sie erfahren, dass du und dein Freund in getrennten Wohnungen leben. Während das für dich wahrscheinlich das Normalste der Welt ist, wirkst du auf sie, als würdest du ein regelrechtes Lotterleben führen – Sodom und Gomorra! Solange du und dein Partner aber gerade nicht das Bedürfnis verspürt zu heiraten oder eine Eheschließung generell ausschließt, solltest du deiner Familie klar machen, dass bei euch nichts im Argen liegt und ihr eben auch so glücklich seid.

#5: „Wann können wir mit Enkeln rechnen?“

Die bohrenden Fragen hören aber auch nach einer Hochzeit nicht unbedingt auf. Denn nach der Hochzeit folgt traditionell die Gründung einer eigenen Familie. Wenn du und dein Partner aber gerade noch nicht so weit seid oder ihr vielleicht sogar generell keine eigenen Kinder haben wollt, solltest du das deiner Familie ruhig ehrlich sagen. Denn Kinder sollten schließlich kein Geschenk an deine Eltern sein oder möglichst noch schnell in die Welt gesetzt werden, damit deine Großeltern sie noch kennenlernen.

#6: „Hast du zugenommen?“

Insbesondere als Frau wird einem diese Frage auf Familienfeiern schon mal ganz unverhohlen gestellt. Ich persönlich komme aus einer Familie mit vielen Frauen und habe immer das Gefühl, dass zur Begrüßung alle erst einmal figurmäßig verglichen werden. Dabei ist es natürlich immer unbedingt lobenswert zu erwähnen, wenn eine der Frauen abgenommen hat – egal, ob dies vielleicht Stress, Liebeskummer oder einer Essstörung geschuldet ist. Wirkt man jedoch auf ein Familienmitglied dicker als beim letzten Mal, muss dies ebenfalls kommentiert werden: „Gehst du nicht mehr ins Fitnessstudio?“ oder mein persönlicher Favorit: „Wie kannst du denn mit deiner veganen Ernährung trotzdem so dick sein?“

Obwohl ich Magerwahn und Figurkomplexe schon lange weitestgehend hinter mir gelassen habe, merke ich bei solchen Familienfeiern doch immer wieder, dass mir solche Kommentare nahe gehen. Denn während in meinem Freundeskreis die eigene Figur und Diäten nie thematisiert werden, sind sie der Dauerbrenner in meiner Familie. Obwohl es mir dann vorher eigentlich ziemlich egal war, ob ich gerade ein bisschen dünner oder dicker geworden bin, kann so eine Familienzusammenkunft auf einmal Unsicherheiten auslösen. Da sowas aber wirklich niemand braucht, solltest du dich lieber über diese Oberflächlichkeit aufregen. Das ist zwar kein besonders konstruktiver Vorschlag, aber ich habe es mittlerweile aufgegeben, meiner Familie klar zu machen, dass es für mich Wichtigeres als meine Figur gibt. Das einzige, was hierbei wohl hilft, ist, sich ein dickes Fell anzueignen.

#7: „Bist du nicht langsam zu alt für diese Klamotten?“

Tochter mit bunten Haaren

Siehst du für deine Familie nicht erwachsen genug aus?

Wenn man älter wird, ist man in der Familie zwar immer noch irgendwie das Kind, das man mit zahlreichen Ratschlägen überhäuft, doch auf der anderen Seite wird erwartet, dass man sich langsam verhält wie ein Erwachsener. Dazu zählt bei manchen eben auch das Aussehen. Da können dann schon mal Kommentare fallen wie: „Für die Kleidlänge bist du jetzt aber langsam etwas zu alt, ne?“ oder „Wann ziehst du dich denn eigentlich mal etwas erwachsener an?“. Wenn du auch jetzt noch gerne ausgefallenere Klamotten, Piercings, Tattoos oder bunte Haare trägst: Willkommen im Club! Vermutlich wünscht sich deine Familie auch, dass diese „rebellische Phase“ irgendwann einmal aufhört. Ich bin gespannt, ob sie irgendwann doch mal merken, dass das nun einmal mein persönlicher Stil ist und es mir nicht um Provokation geht.

#8: „Wie viele Jahre willst du eigentlich noch so oft auf Partys gehen?“

Hatte deine Mutter in deinem Alter vielleicht schon Kinder, während du nach wie vor ein ziemlich ungezwungenes Leben führst? Ich persönlich bin eher ganz froh drum, dass ich auch noch mit Ende 20 ein recht aufregendes Leben habe und mein Partyleben nach meinem Studium nicht schlagartig aufgehört hat. Denn ganz ehrlich: Ist die Vorstellung, sich im Erwachsenenalter schon so früh zur Ruhe zu setzen, nicht ungeheuer öde? Koste dein Leben lieber in vollen Zügen aus und lass dir von niemandem ein schlechtes Gewissen machen, wenn du sonntags mal wieder verkatert im Bett liegst, anstatt einen Kinderwagen durch die Gegend zu schieben.

Glaub mir, ich hätte diese Liste noch unendlich lang weiterführen können. Nur eine kurze Umfrage in unserer Redaktion hat schon gezeigt: Familienangehörige können ganz schön kritisch sein und wissen gerne alles besser. Wenn du also mal wieder total genervt bist, denk daran, dass du nicht alleine bist, und erzähle uns von den Kommentaren, die dich unter Druck setzen!

Bildquelle: iStock/JackF, iStock/monkeybusinessimages, iStock/JackF, iStock/KatarzynaBialasiewicz, iStock/CREATISTA

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