Weltfrauentag Familie
Nina Rölleram 06.03.2018

Ich persönlich habe mir zum Weltfrauentag in den letzten Jahren eine klare Meinung bilden können, weil ich mich schon seit meiner Jugend mit frauenpolitischen Themen beschäftige. Genauso sieht das wohl auch bei den meisten meiner gleichaltrigen Freundinnen aus. Doch was denken eigentlich Frauen unterschiedlichen Alters aus meiner Familie darüber? Ich habe meine Schwester, Mutter, Tanten und Cousinen gefragt, die jeweils ihre ganz eigene Sicht auf den Weltfrauentag haben.

Wirklich ein Tag für alle Frauen?

Der Internationale Weltfrauentag soll eigentlich für die Rechte von Frauen auf der ganzen Welt eintreten. Doch fühlen sich wirklich Frauen über alle sozialen Schichten, unterschiedliche Herkunft und Altersklassen hinweg von diesem Tag repräsentiert? Anstatt dieses Problem nur mit anderen Freundinnen zu diskutieren, mit denen ich auch sonst über derartige Themen spreche, wollte ich lieber mal hören, was diejenigen zu sagen haben, deren Meinungen ich noch gar nicht kenne.

Schnell kam mir dann die Idee, mich doch bei den Frauen in meiner Familie umzuhören. Denn obwohl ich diese schon seit vielen Jahren kenne, hatte ich keine Ahnung, was sie über frauenpolitischen Themen denken. Noch dazu komme ich aus einer multikulturellen Familie: Ein Teil der Frauen ist in Deutschland geboren, ein anderer im südostasiatischen Malaysia. Das Ergebnis hat mich ziemlich überrascht: Jede von ihnen hatte eine unterschiedliche Meinung über den Weltfrauentag!

Es mag zwar auch einige Dinge geben, die uns am Frausein nerven, aber zum Weltfrauentag wollen wir dich auch auf die vielen Vorteile hinweisen. Wir haben einige Stimmen von Promis, unseren Redakteurinnen und Frauen auf der Straße gesammelt, die verraten, warum sie es geil finden, eine Frau zu sein:

Mutter und Schwester: Was habt ihr zu sagen?

Wenn ich mich mit meiner Mutter unterhalte, reden wir meistens nur über persönliche Dinge oder tauschen malaysische Rezepte aus. Um Politik geht es eigentlich nie. Daher war ich umso gespannter, was meine Mutter, die aus einer indischen Familie kommt, in Malaysia geboren ist und seit über 30 Jahren in Deutschland lebt, spontan zu dem Thema zu sagen hat:

Der Weltfrauentag zeigt schon, dass wir Frauen einen solchen Tag benötigen, um Anerkennung zu ernten. Das ist nicht fair.

Meine Mutter, 57, Office-Managerin

Für meine Mutter ist es also schon eine Art Armutszeugnis, dass wir diesen Tag überhaupt noch nötig haben. Meine Schwester formuliert das ein bisschen anders:

Mir persönlich bedeutet der Tag nichts. Aber es kann nicht schaden, wenn dadurch Missstände wie ungleiche Bezahlung, Diskriminierung im Job oder Unterdrückung von Mädchen und Frauen in manchen Teilen der Welt thematisiert werden. Denn diese Probleme bestehen leider nach wie vor.

Meine Schwester, 31, Marketing-Managerin

Anhand der Aussage meiner Schwester erkennt man ganz schön: Viele fühlen sich wohl persönlich vom Weltfrauentag gar nicht angesprochen, haben aber doch das Gefühl, dass dieser seine Notwendigkeit hat – für andere Frauen.

Ein Blick nach Australien und Neuseeland

Einen Teil meiner Familie sehe ich leider nicht sehr oft, da diese vom bereits weit entfernten Malaysia nach Australien und Neuseeland ausgewandert sind. Ihre Lebensgeschichten sind allein dadurch schon ganz anders, als meine: Aufgewachsen im muslimisch geprägten Malaysia als katholische, indische Minderheit haben sie bestimmt eine ganze andere Sicht auf viele Dinge als ich. Meine Tante aus Melbourne blickt dem 8. März anscheinend positiver entgegen als ich:

Der Weltfrauentag ist ein Tag, um alle Frauen zu feiern und sie für die Opfer, die sie bringen, zu würdigen.

Meine Tante, 56, Hausfrau und ehemalige Stewardess

Ich finde es interessant, dass meine Tante die Opfer betont, die Frauen aus ihrer Sicht bringen müssen. Vermutlich kommt diese Sichtweise auch daher, dass sie sowohl das Leben als berufstätige Frau als auch das als Mutter zweier Kinder kennt, was sicherlich nicht immer einfach ist. Meine Tante aus Neuseeland hat einen ähnlichen Hintergrund, sieht den Kampf um Gleichstellung jedoch kritischer:

Für mich ist jeden Tag Weltfrauentag. Aber es ist auch gut, einen Tag zu haben, an dem allen Frauen gedacht wird. Ich stimme jedoch nicht damit überein, dass Frauen dafür kämpfen sollten, Männern völlig gleichgestellt zu sein.

Meine Tante, 53, Krankenschwester

Wer jetzt empört denkt: „Wie bitte, Frauen sollen nicht die gleichen Rechte haben wie Männer!?“, kann sich beruhigen. Meine Tante meint damit wohl nicht, dass Frauen rechtlich benachteiligt werden sollten, betont allerdings die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Dazu schickte sie mir noch dieses Zitat des britischen Schriftstellers William Golding, in dem es heißt: „Ich denke, dass es dumm von Frauen ist, so zu tun, als seien sie Männern gleichgestellt. Sie sind ihnen weit überlegen und waren es immer schon.“

Was denken die jüngeren Frauen meiner Familie?

Um ein möglichst diverses Bild von Meinungen zu bekommen, habe ich Familienmitglieder unterschiedlichen Alters gefragt. Die jüngsten sind meine zwei Cousinen aus Deutschland, die beide nicht so viel mit dem Weltfrauentag anfangen können:

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wann der ist.

Meine Cousine, 26, Bankkauffrau

Bei dieser Antwort dachte ich mir: Wie schön, endlich auch mal eine, die ganz ehrlich aus dem Bauch heraus sagt, dass dieser Tag in ihrer Lebenswelt überhaupt keine Rolle spielt. Auch ihre ältere Schwester kennt den Weltfrauentag noch nicht allzu lange:

Dass es überhaupt einen Weltfrauentag gibt, habe ich erst vor acht Jahren erfahren, als ich in der Ukraine war. Dort feiert man diesen Tag nämlich richtig und bekommt Blumen von Männern aus dem Freundeskreis oder der Familie geschenkt. Sogar schon die kleinen Jungs aus der Grundschule werden mit Blumen ausgestattet und vor ihre Lehrerinnen zum Gratulieren platziert.

Meine Cousine, 27, Master-Studentin der Sonderpädagogik

Die Tradition mit dem Verschenken von Blumen ist erst in den letzten paar Jahren zu uns rübergeschwappt. Darum kann ich übrigens am Weltfrauentag gut darauf verzichten.

Warum bekommen wir an diesem Tag nicht frei?

Weil ich mir schon gut denken konnte, dass auch sie eine interessante Ansicht zu dem Thema hat, habe ich außerdem noch eine sehr gute Freundin gefragt, die für mich quasi zur Familie gehört. Anders als die meisten meiner Freunde hat sie sich in ihrem Studium nicht mit Feminismus befasst und ist schon seit vielen Jahren berufstätig. Ich wurde nicht enttäuscht:

Ich finde Mottotage für’n Arsch, weil die gar nichts ins Gedächtnis rufen und auch nicht zur Aufklärung beitragen. Es gibt ja mittlewerweile für alles einen Tag: Weltfußballtag, Biertag, etc. Wenn wenigstens an all diesen Tagen frei wäre und man sich grundlos öffentlich besaufen könnte wie am Vater- oder Herrentag!

Ex-Fast-Schwägerin, 33, Erzieherin in einem Waldkindergarten

Anhand dieser unterschiedlichen Meinungen sieht man, dass es schwer ist, mit dem Weltfrauentag auch alle Frauen anzusprechen. Allerdings gibt es ja verschiedene Arten, diesen Tag zu feiern. Manche bezeichnen den 8. März zum Beispiel lieber als Frauenkampftag, um ihm seine politische Relevanz zurückzugeben. Wir wollen nun natürlich auch wissen, was dir der Weltfrauentag persönlich bedeutet. Vielleicht fragst du auch mal die Frauen in deiner Familie, was sie davon halten. Berichte uns von deinen Erkenntnissen in den Kommentaren!

Bildquelle:

iStock/frimages


Täglich kostenlose News zu Lifestyle, Liebe & mehr!

In zwei einfachen Schritten per WhatsApp auf dein Smartphone:

  1. Klicke auf „Start“ und schicke in WhatsApp die Nachricht ab.
  2. Speichere unbedingt unsere Nummer als „desired“, um den Newsletter zu erhalten!

Was denkst du?