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In 20 Städten

Frauenkampftag: „Dieses Jahr ist alles anders”

Am 8. März werden nicht nur Rosen verteilt. Vielerorts gibt es in Deutschland Demonstrationen und Kundgebungen. Viele der Demonstrantinnen gehen aber nicht für den Weltfrauentag auf die Straße, sondern für den Frauenkampftag. Bei den Demonstrationen fordern die Teilnehmerinnen die Stärkung ihrer Rechte ein. Ich war in Berlin auf einer Demonstration vor Ort.

Die Notwendigkeit des Frauentags wird immer wieder heiß diskutiert. Der 8. März ist ein Tag, an dem sich Rossmann in Rossfrau umbenennt, Bürgermeister Blumen an vorbei schlendernde Damen verteilen und einige fragen sich: „Ist das nicht genauso ein Kommerzmist wie am Valentinstag?” Dagegen geht der Begriff Frauenkampftag vor und weist auf den Kampf um Wahlrecht und Gleichberechtigung in Recht, Familie und Job hin. Denn Sexismus und Diskriminierung sind weiterhin verbreitet.

Politischer Kampf statt Kommerz

Die erste Idee für einen solchen Frauentag hatte die deutsche Sozialistin und Feministin Clara Zetkin 1910. Die russische Diplomatin und Schriftstellerin Alexandra Michailowna Kollontai forderte schließlich Lenin 1921 auf, den 8. März zum „Internationalen Frauentag“ zu erklären. In Anlehnungen an diese frühe Feministinnen und ihre für uns errungenen Ziele, gibt es in Deutschland in den Großstädten nun am 8. März die Demonstrationen zum Frauenkampftag, die anprangern, dass der Kampf um Gleichberechtigung immer noch nicht beendet ist. Diese Kundgebungen werden von feministischen Netzwerken organisiert.

100 Jahre Wahlrecht für Frauen

1918 durften in Deutschland Frauen erstmalig wählen gehen. Das 100-jährige Jubiläum dieses Jahr ist ein schönes Symbol dafür, dass Demonstrationen und Aufstand gegen Ungerechtigkeit wirksam sein können. Auch wenn im Kampf um Gleichberechtigung schon viel erreicht ist, ist noch viel zu tun. So schreiben die Veranstalter der Berliner Kundgebung auf Facebook:

„Die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern hierzulande beträgt weiterhin über 20 Prozent. Hauptsächlich Frauen befinden sich in irregulären Beschäftigungsverhältnissen, sind in Teilzeit, prekär beschäftigt und von Armut betroffen, auch im Rentenalter. Frauen aus Migrationsfamilien müssen meist noch mehr unter wirtschaftlicher Diskriminierung leiden, weil sie zusätzlich Betroffene von Rassismus sind."

Facebook-Seite zum Frauenkampftag-Event

Demonstrationen im ganzen Land

In 20 verschiedenen Städten in Deutschland wurde am Frauenkampftag auf den Straßen demonstriert. Auch in Berlin gingen laut der Veranstalter über 8.000 Personen auf die Straße, bei der anschließenden Kundgebung seien es noch mehr gewesen. Ich war bereits letztes Jahr dabei und bemerkte schnell, dass das mediale Interesse von „gar nicht” auf „sehr hoch” gestiegen war. Die #metoo-Bewegung, Prochoice und die die Forderung nach Abschaffung der Paragrafen 218 und 219, sowie die Gegenbewegung zur AfD „Feminismus bleibt antifaschistisch” waren natürlich Thema auf der Demonstration und so stand die Frauenbewegung nach langer Zeit wieder im Interesse der Öffentlichkeit. Eindrücke und Fotos kannst du dir in unserer Galerie ansehen:

Frauenkampftag 2018 in Berlin

Frauenkampftag 2018 in Berlin
BILDERSTRECKE STARTEN (10 BILDER)

Demonstration voller Vielfalt

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Berlin kamen aus den unterschiedlichsten Gründen. Bereits in der Bahn traf ich auf Lisa (24) und Sarah (32). Sie gehören mit zur Organisationsgruppe, die besonders die Debatte um #metoo hervorheben möchte. Sie waren ebenfalls im letzten Jahr bei der Demo.

„Dieses Jahr ist alles anders.”

Sarah (32), Organisation von #metoo

Die Diskussion um sexualisierte Gewalt in Hollywood sei auch nach Deutschland gekommen, weshalb es dieses Jahr mehr Aufmerksamkeit und Teilnehmer gibt. Lisa betont, dass sie für alle Rechte auf die Straße geht. Dazu gehören neben sexueller Selbstbestimmung auch legale Informationen über Abtreibungen und gleiche Bezahlung.

Yoga und Werbung

Bevor der Zug von Leuten durch Berlin zieht, verteilen verschiedenen Gruppe Informationsmaterial. Darunter ist Chrissi (Mitte 30), Yogalehrerin. Als YOGIstina gibt sie Workshops im Rahmen der „Yogis for Women Rights” (Yogapraktizierende für Frauenrechte). Dieser Zusammenschluss sammelt durch Yoga-Kurse Geld, um die Unterstützung von Mädchen zu stärken. Sie möchte über diese Workshops informieren und natürlich auch für die Stärkung der Rechte auf die Straße gehen. Sie schickt mich danach zu Fadi (39). Er setzt sich bei „Berlin werbefrei“ dafür ein, dass die sexistische und sexualisierte Darstellung von Frauen in der Werbung strafbar wird. Dafür versucht er auf der Demonstration Unterschriften zusammen. Die Gruppe „Yogis for Women Rights” kannte ich bereits von Facebook, mit „Berlin werbefrei“ habe ich persönlich eine neue Organisation kennen gelernt.

Trotz Winterwetter: gute Laune

Damit der hintere Teil aufschließen kann, bleibt der Umzug während des Marsches immer wieder stehen. Obwohl die Temperaturen sich für einen abendlichen Spaziergang dieser Art noch nicht ganz angenehm sind, wärmt die gute Stimmung und motiviert mich, bis zum Schluss mitzulaufen. Von den vier Wagen dröhnt aktivistische Musik, zum Teil von Beyonce und Lady Gaga, aber auch Rap. Ich bin immer wieder von der Kreativität der Menschen beeindruckt, mit der sie ihre vielfältigen Plakate gestalten. Die Stimmung ist gut und vollkommen friedlich. Das erzeugt ein enormes Gefühl von Sicherheit, dass ich bei wenigen anderen Demonstrationen bisher erlebt habe.

Helena Serbent

Ein wichtiger Tag

Ich war wieder einmal von der Stimmung auf der Demonstration beim Frauenkampftag in Berlin beeindruckt und gerührt. Es ist schön zu sehen, dass sich so viele Menschen für die Rechte von Frauen einsetzen. Auch, dass das Interesse der Medien für dieses wichtige Thema endlich wieder Platz in unserer Gesellschaft ist. Das ist ein schönes Zeichen für die Zukunft.

Bildquelle: Clemens Zabel

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