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Kommentar

Eigenlob stinkt nicht! Warum Frauen sich mehr selbst loben sollten

Eigenlob stinkt nicht! Warum Frauen sich mehr selbst loben sollten

Eigenlob hat in unserer Gesellschaft einen schlechten Ruf: Seine persönlichen Stärken vor anderen zu betonen, hat den Beigeschmack von Prahlerei und Arroganz. Wenn wir dann doch mal auf eine tolle Leistung von uns hinweisen, dann sind wir Meisterinnen darin, alles sofort wieder zu relativieren – ja, Meisterinnen, denn vor allem Frauen tun sich im Privaten und im Beruflichen schwer, Eigenlob zu praktizieren. Diese falsche Bescheidenheit muss aufhören!

Privat selbstbewusst, vor anderen bescheiden

Bis vor kurzem hatte ich mich eigentlich noch für eine selbstbewusste Person gehalten. Natürlich gibt es soziale Situation, die mich als introvertierte Person verunsichern, ich bin mir aber meiner Stärken bewusst und auch meistens zufrieden mit mir – ob es nun um Fähigkeiten geht oder mein Äußeres. Das hier aber öffentlich zu schreiben, bereitet mir dann doch etwas Unbehagen. Wie selbstverliebt klingt das bitte? Dass es mir doch sehr schwer fällt, ohne Relativierungen vor anderen stolz von einer persönlichen Leistung zu berichten, wurde mir dann neulich auf der Arbeit bewusst: Um Montags für einen guten Start in die Woche zu sorgen, sollte jeder in der Redaktion von nun an jeweils ein persönliches Highlight mit dem Team teilen. Schöne Idee, dachte ich zunächst. Doch als es soweit war, blieb ich stumm. Gab es etwa nichts Schönes, das mir in der vergangenen Woche passiert war? Doch, durchaus: Nach vielen Jahren völliger Faulheit hatte ich täglich mein Krafttraining durchgezogen und es endlich geschafft, einen Hula Hoop-Reifen in beide Richtungen eine Stunde kreisen zu lassen. Diese persönlichen Highlights konnte ich zwar problemlos meinem 6-Minuten-Tagebuch anvertrauen, vor meinen Kollegen wäre mir das aber wie eine arrogante Prahlerei vorgekommen. Doch warum differenziere ich hier? Bin ich etwa gar nicht so selbstbewusst, wie ich denke?

Eigenlob – ohne wenn und aber

Vordergründig ist es Rücksichtnahme vor den Gefühlen anderer, die mich daran hindert, stolz von meinen Leistungen zu berichten. Was, wenn sich jemand gerade in einer unmotivierten Phase befindet und ihn mein Eigenlob unter Druck setzt? Trage ich mit mit dem Gerede meiner sportlichen Leistungen nicht zu einem Klima des Konkurrenzkampfes bei, mit dem sich viele Frauen – insbesondere hinsichtlich Äußerlichkeiten – ohnehin schon ständig konfrontiert sehen? Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir klar: Meine Empathie in allen Ehren, aber wenn jeder so vorauseilend rücksichtsvoll wäre, würden wir ein viel traurigeres Klima schaffen. Denn dann würden wir nur noch über unsere Versäumnisse und Missgeschicke mit anderen reden. Aber Moment mal, ist das nicht auch meistens so? Achte mal darauf: Wie oft hast du es schon erlebt, dass eine Kollegin selbstbewusst gesagt hat: „Meine Haare sehen heute so toll aus! Ich fühle mich richtig wohl!“ Wird sie nicht eher sagen: „Oh Gott, ich sehe heute so schrecklich müde aus!“ Und wie oft hat eine Freundin dir schon mitgeteilt: „Ich hab das Vorstellungsgespräch echt gerockt!“ Wird sie nicht eher sagen: „Naja, ich war schon nervös und xy hätte ich noch sagen können.” Ich will nicht behaupten, dass keine Frau sich jemals selbst lobt. Aber in den allermeisten Fällen wird lieber noch eine Relativierung der eigenen Leistung hinterhergeschoben, um bloß nicht selbstverliebt dazustehen.

Komplimente auch einfach mal annehmen

Dabei ist ein ehrliches Selbstbewusstsein noch lange keine Selbstverliebtheit. Die meisten von uns sind weit davon entfernt, selbstverliebt zu sein. Vielmehr sind wir Meisterinnen darin, unsere Fähigkeiten und Leistungen zu relativieren. Deutlich wird das auch jedes Mal, wenn wir ein Kompliment bekommen. Die wenigsten sind in der Lage, sich dafür einfach nur zu bedanken. Lieber geben wir das Kompliment reflexartig zurück oder erklären dem anderen, dass wir das selbst ganz anders sehen. Alles andere käme uns wieder ganz schön arrogant vor. Wer wirklich selbstbewusst ist, kann und sollte Komplimente auch einfach mal dankend oder sogar zustimmend annehmen. Denn wie sonst können wir lernen, auch beruflich unsere Stärken zu erkennen und uns selbst zu verkaufen, wenn wir uns schon im Privaten nicht trauen?

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Wir müssen uns gemeinsam zu Eigenlob zwingen

Nina Röller
Nina Röller

Eigenlob zu praktizieren erfordert Mut und ein Umfeld, das dies zulässt. Niemand möchte schließlich die Einzige sein, die stolz von ihren neuesten Highlights berichtet, während die anderen wie gewohnt ihr Licht unter den Scheffel stellen. Regelmäßig ganz bewusst persönliche Errungenschaften gemeinsam zu teilen – ob im Freundeskreis oder unter Kollegen – ist ein guter erster Schritt, um Eigenlob endlich zu normalisieren. Denn wenn wir aufrichtig stolz auf etwas sind und uns nicht nur eitel selbst darstellen wollen, dann stinkt Eigenlob definitiv nicht!

Bildquelle:

Getty Images/adrianova_

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