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Coronavirus: Wie kann man sich sinnvoll schützen? Das sagt ein Arzt

Coronavirus: Wie kann man sich sinnvoll schützen? Das sagt ein Arzt

Viele Menschen, die aktuell noch normal am Alltag teilnehmen wollen, beschäftigen sich mit der Frage: Wie kann man sich sinnvoll gegen eine Infektion mit dem Coronavirus schützen – und trotzdem noch das Haus verlassen? Klar, gründliches Händewaschen ist wichtig, sich nicht mit den Händen im Gesicht herumfummeln... Diese Informationen sind mittlerweile zu allen durchgedrungen. Aber ganz ehrlich: Verspüren nicht die meisten von uns den Drang, mehr zu tun als das? Wir haben mit Dr. Wolfgang Kreischer, Facharzt für Allgemeinmedizin und Hausarzt in Berlin, gesprochen und wollten von ihm wissen: Welche Schutzmaßnahmen sind wirklich sinnvoll und wie sehr sollten wir uns im Alltag aus der Öffentlichkeit zurückziehen?

desired: Stichwort Menschenmengen: Es wird dazu geraten, Veranstaltungen ab 1.000 Menschen zu meiden, andererseits fahren viele Deutsche jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie sinnvoll sind denn dann noch Verbote von Großveranstaltungen?

Wolfgang Kreischer: Diese Verbote und Empfehlungen sind sehr sinnvoll. Wobei ich das nicht bei der Zahl 1.000 festmachen würde. Es kommt auch darauf an, ob Veranstaltungen in geschlossenen Räumen stattfinden und wie dicht die Leute dort aufeinandertreffen. In einem Club, mit geschlossenen Türen und auf engem Raum, sind schon 100 Leute sehr gefährlich – vielleicht sogar 50. In einem offenen Stadion wie dem Berliner Olympiastadion könnten sich lässig 20.000 bis 30.000 Leute aufhalten, dann hätte jeder 1,50m Abstand zum nächsten.

Aber unter dieser Prämisse ist das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln – gerade zu den Stoßzeiten morgens und abends – schon ein ziemliches Risikospiel, oder?

Das ist ein Risiko. Und ich würde auch empfehlen, dass man dann darüber nachdenkt, einen Mundschutz zu tragen. Ich würde auch Desinfektionsmittel mitnehmen und möglicherweise Handschuhe tragen, bzw. die Griffe nur mit dem Ellenbogen bedienen.

Sie würden also zum Mundschutz raten? Denn man liest ja sehr oft: „Mundschutz hilft nicht vor einer Ansteckung, er hilft nur, andere nicht anzustecken.“

Das ist nicht ganz richtig. Und auch wenn man die Ansteckung von anderen damit verhindert, dann ist auch etwas Gutes damit getan. Ein Mundschutz bietet keinen hundertprozentigen Schutz, aber er reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung. Man kann zu diesem Zweck auch einen Schal vor den Mund machen.

Oft wird empfohlen, einen Meter Abstand zu (möglichen) Infizierten zu halten, aber bringt das wirklich was, wenn ein Infizierter niest? Verteilen sich beim Niesen nicht trotzdem feine Partikel in der Luft?

Ich sage immer: 1,50 Meter. So wie der geplante Abstand zwischen Autos und Fahrradfahrern. Derjenige der niest, muss natürlich etwas vors Gesicht halten, etwa den Ellenbogen. Oder man trägt eben einen Mundschutz.

Gibt es Hausmittel, die man jetzt zur Stärkung des Immunsystems nutzen kann? Bringt es zum Beispiel etwas, verstärkt auf Vitamin-C-haltige Lebensmittel zu setzen?

Vitamine sind immer gesund. Vitamin-C sagt man nach, dass es helfen soll, dazu gibt es nur leider zu wenig Untersuchungen. Aber eine gesunde Ernährung ist auf jeden Fall vorteilhaft: Selbst kochen, Gemüse, Salate, Obst. Von Fast Food würde ich jetzt abraten.

Was sind, aus ärztlicher Sicht, wirklich sinnvolle Wege, sich vor einer Infektion zu schützen?

Prophylaxe ist enorm wichtig! Also: Hygiene, Abstand, Händeschütteln vermeiden, Küsschen vermeiden und für die älteren Patienten Grippeimpfungen und Impfung gegen Pneumokokken.

Dieser Empfehlung zur Impfung stimmt auch der Virologe Christian Drosten zu:

Schutz von Risikogruppen ist derzeit besonders wichtig. Viele Menschen sorgen sich jetzt um ihre Eltern und Großeltern und fragen sich, ob es wirklich stimmt, dass man Kinder bis Oktober nicht mehr mit zu den Großeltern nehmen sollte. Ist das  sinnvoll oder schon Panikmache?

Das ist schon sinnvoll. Ich weiß nicht, ob unbedingt bis Oktober, aber man könnte vorerst sagen: bis zum Sommer. Aus heutiger Sicht werden Kinder zwar seltener krank – warum das so ist, weiß man noch nicht, genauso wenig wie man weiß, warum Männer eher erkranken als Frauen – sie sind aber trotzdem Virusüberträger. Insofern sollten Kinder ihre Großeltern momentan nicht besuchen.

Bilder, die zeigen, wie extrem die Coronavirus-Panik ist

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Bildquelle:

Getty Images/gemphotography

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