Microdosing
Nina Rölleram 20.07.2017

Stell dir vor, du würdest zur Arbeit gehen und wärst gerade auf LSD. Unvorstellbar? In den USA scheint genau das ein Trend zu sein, der vor allem in der Geschäftswelt auf Anklang stößt. Psychoaktive Drogen wie LSD oder sogenannte Magic Mushrooms werden in winzigen Mengen regelmäßig eingenommen und verursachen so keinen Trip, sondern eine leichte Stimmungsveränderung. Warum das sogenannte Microdosing immer beliebter wird und warum diese Art Drogen zu konsumieren dennoch äußerst riskant sein kann, erfährst du hier.

LSD

LSD ist so wirksam, dass selbst schon für eine richtigen Trip winzige Mengen auf einem Stück Papier völlig ausreichen.

Was macht Microdosing so attraktiv?

Microdosing

Microdosing ist vor allem in der Geschäftswelt beliebt.

Psychoaktive Drogen wie LSD oder Pilze verbindet man eigentlich eher mit Trance- und Goapartys als mit jungen ambitionierten Geschäftsmenschen. Insbesondere in der Startup-Szene Seattles soll die Praktik des Microdosing aber inzwischen weit verbreitet sein. Winzige Mengen an LSD sollen auch im Alltag und Berufsleben die Kreativität steigern und für mehr Produktivität sorgen. Während es die meisten unvorstellbar finden, Drogenkonsum mit ihrem Berufsleben zu vermischen, ist es für andere ziemlich naheliegend: In einer Zeit, in der die Linien zwischen Berufsleben und Freizeit immer mehr verschwimmen, ist es kein Wunder, dass Drogen nicht mehr ausschließlich in den privaten Bereich des Lebens fallen. Substanzen dann einfach so gering zu dosieren, dass sie zwar eine Wirkung haben, aber dennoch die Arbeitsfähigkeit erhalten, klingt für einige Menschen äußerst reizvoll. Insbesondere in kreativen Berufen sei Microdosing beliebt, denn die Konsumenten erhoffen sich durch den leichten Drogeneinfluss, auf innovative Ideen zu kommen, auf die sie nüchtern nicht gestoßen wären.

Neben der erhofften Kreativitätssteigerung, verwenden Andere geringe Dosen an psilocybinhaltigen Pilzen oder LSD auch, um Depressionen und Angstzustände zu therapieren oder chronische Schmerzen zu lindern. Auch die psychiatrische Forschung interessiert sich seit vielen Jahren für den medizinischen Einsatz dieser Drogen. Da diese aber in den meisten Ländern unter Verbot stehen, gibt es derzeit noch wenige Studien, die die Effektivität dieser Substanzen zufriedenstellend beweisen könnten.

Nur ein bisschen LSD: So funktioniert Microdosing

Ab wann es sich beim Konsum von psychoaktiven Drogen um Microdosing handelt, dafür gibt es keine festgelegten Richtlinien. Laut des langjährigen Drogenforschers Dr. James Faridan handelt es sich dabei um eine Dosis, die etwa einem Zehntel bis einem Zwanzigstel der üblichen Dosis für einen Trip beträgt. Im Falle von LSD sind das etwa 10 Mikrogramm, eine winzige Menge also. Diese wird dann aber nicht nur einmal zu einem speziellen Anlass eingenommen, sondern etwa alle vier Tage regelmäßig. So wird die Droge eher zu einer Art regelmäßigen Medikamentierung. Auch Albert Hoffmann, der als Entdecker von LSD gilt, hat in den letzten Jahren seines Lebens Microdosing betrieben. Bei dieser Art der Einnahme handelt es sich also nicht um ein neues Phänomen.

Auch geringe Mengen sind alles andere als harmlos

Microdosing

Microdosing kann zu Flashbacks führen.

Auf den ersten Blick wirkt das Konzept Microdosing wirklich reizvoll. Schließlich gehen wir in vielen Bereichen des Lebens von der Alltagsweisheit aus: „Nur die Dosis macht das Gift“. In so geringen Mengen können Substanzen doch gar nicht schädlich sein, oder? Leider doch. Da es bei Microdosing um psychoaktive Substanzen geht, können sie zwar in manchen Fällen zu einer Verbesserung des Wohlbefindens beitragen, aber auch das Gegenteil kann eintreten – und das sogar langfristig. Denn psychoaktive Drogen können auch schon in geringen Mengen und insbesondere dann, wenn sie regelmäßig konsumiert werden, Psychosen auslösen. Insbesondere Menschen, in deren Familie Fälle von Schizophrenie oder bipolaren Störungen bekannt sind, tragen eine genetische Vorbelastung und sollten diese Art von Drogen unbedingt vermeiden.

Unabhängig von der Dosierung können sie selbst dann Auslöser von psychischen Erkrankungen sein, wenn es zuvor keine Anzeichen für diese gab. Abgesehen von Psychosen sind unerwartete Flashbacks im Alltag ein weiteres Risiko, das beim Konsum von LSD oder Pilzen auftreten kann. Somit ist insbesondere von der Selbstmedikamentierung psychischer Krankheiten mithilfe von Microdosing unbedingt abzuraten. Wenn du unter Depressionen oder anderen psychischen Beschwerden leidest, kann dir ein Psychiater viel besser helfen, das passende Mittel und vor allem die richtige Dosis zu finden.

Auch wenn sich Microdosing auf den ersten Blick wie ein harmloser Lifestyle-Trend anhört, solltest du auf keinen Fall leichtfertig mit diesen Substanzen umgehen. Wenn du einfach nur deine Konzentration steigern willst, kannst du es als viel bessere Alternative lieber mit Eiscreme zum Frühstück versuchen!

Bildquelle: iStock/yngsa, iStock/justin_zoll, iStock/g-stockstudio, iStock/omairhq

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