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Selbstverletzendes Verhalten: Die Ursachen und Folgen

Schrei der Seele

Selbstverletzendes Verhalten: Die Ursachen und Folgen

Selbstverletzungen sind oft ein Ausdruck für ein tiefer liegendes psychisches Problem und eine Art Hilfeschrei der Seele. Wenn du in deiner Umgebung selbstverletzendes Verhalten erkennst, solltest du wissen, worin die Ursachen liegen, um es zu verstehen, und für den Betroffenen da zu sein.

Selbstverletzendes Verhalten: Das steckt dahinter

Selbstverletzendes Verhalten (auch oft als autoaggressives Verhalten bezeichnet) tritt meist bei Jugendlichen und jungen Menschen im Alter von 14 bis 20 Jahren das erste Mal auf und kann sich bis in das Erwachsenenalter fortsetzen. Die Betroffenen fügen sich selbst mithilfe von Scheren, Messern oder Rasierklingen Schnittwunden zu. Daher liest man in diesem Zusammenhang häufig von „Ritzen“ oder „Cutting“. Es kann sich mitunter aber auch um absichtliches Schlagen oder Stechen, oder das Zufügen von Verbrennungen oder Verbrühungen handeln. Sichtbar bleiben oft lebenslange Narben, die häufig an Unterarmen oder Oberschenkeln zugefügt werden. Derjenige ist oft bemüht, diese Schnitte und Wunden gut zu verdecken und trägt selbst im Hochsommer langärmelige Kleidung.

Psychotherapeuten gehen davon aus, dass zwischen 25 und 35 Prozent der Jugendlichen bereits selbstverletzendes Verhalten gezeigt haben. Häufig handelt es sich um junge Mädchen zwischen 13 und 25 Jahren, es kommt jedoch auch bei jungen Männern vor – manche davon verletzen sich sogar regelmäßig. Der Hintergrund der Selbstverletzung liegt meist in einem seelischen Problem, das nicht verarbeitet werden kann. Menschen erleben die Selbstverletzung und den dabei entstehenden Schmerz als Glücksgefühl (der Körper schüttet Endorphine aus) und eine Form des „Druckablassens“. Die vorherige Anspannung wird dabei in Entspannung und eine gewisse Erleichterung umgewandelt. Sie richten ihren emotionalen Druck wie Angst, Wut, Trauer oder Hilflosigkeit gegen sich selbst. Die Selbstverletzung kann eine Art Strafe oder auch eine Art Ventil für die empfundene innere Leere sein. In einigen Fällen kann auch eine konkrete psychische Erkrankung dahinter liegen.

Regen in der Seele Selbstverletzung
Selbstverletzung ist ein Symptom eines inneren Kampfes.

Gründe, warum sich Menschen selbst verletzen:

  • Psychische Belastungen durch familiäre oder persönliche Probleme
  • Leistungsdruck und Stress
  • Mobbing
  • Liebeskummer
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Traumata
  • Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen, Essstörungen, Zwangsstörungen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit sowie Persönlichkeitsstörungen

Hinweis: Ob eine psychische Erkrankung vorliegt, die Ursache der Selbstverletzung ist, kann nur ein entsprechender Facharzt und Psychotherapeut beurteilen. In diesem Fall kann eine Therapie helfen.

Arten von Selbstverletzung

Am häufigsten kommt die offene Selbstverletzung vor. Dabei weiß derjenige sehr genau, was er getan hat, und gibt es meist gegenüber einer Vertrauensperson auch zu. Seltener ist die artifizielle Störung, bei der der eigene Körper manipuliert wird, um Krankheitssymptome vorzutäuschen (sogenanntes Münchhausensyndrom). Als dritte Variante gilt die simulierte Selbstverletzung, die vorgenommen wird, um einer bestimmten unangenehmen Situation, wie einer Prüfung, zu entgehen oder bedauert zu werden.

Selbstverletzendes Verhalten
Die Narben von Selbstverletzungen und Schnittwunden zeugen ein Leben lang von der inneren Krise.

Folgen von Selbstverletzungen

Selbstverletzung an sich ist keine Krankheit, sondern lediglich ein Symptom für ein seelisches Problem. Manche selbstverletzende Handlungen haben einen ganz konkreten Auslöser und werden bewusst einmalig zugefügt. Erkennt der Jugendliche sein Problem oder es ändert sich etwas in seinem Leben, kann die Selbstverletzung aufhören. Dennoch bleiben solche Narben oft bestehen und stigmatisieren ihn lebenslänglich. Es gibt in bestimmten Jugendkulturen auch die Tendenz zur Selbstverletzung als Modeerscheinung. Durch den Gruppenzwang fügen sich die Jugendlichen Narben zu, um die Anerkennung anderer zu bekommen.

Der Übergang in eine Zwangsstörung ist jedoch fließend und nicht genau abgrenzbar. Der Akt der Verletzung und die Ausschüttung von Glückshormonen beim Schmerzerleben bergen ein großes Suchtpotenzial, immer weiterzumachen. Der Betroffene kann damit kaum noch aufhören, sondern nutzt das Ritzen als Ventil, mit Problemsituationen in seinem Leben umzugehen und nimmt die Wunden in Kauf, die teilweise immer tiefer und größer werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass er sich aus Scham, weil andere seine Narben entdecken könnten, zurückzieht und immer stärker isoliert.

Wie kann ich jemandem helfen, der sich selbst verletzt?

Wenn du selbstverletzendes Verhalten in deiner Familie oder deinem Freundeskreis erkennst, ist es durchaus richtig, die Person darauf anzusprechen. Nimm denjenigen ernst und zeige, dass du weißt, dass es ihm nicht gut geht. Dann wird es ihm leichter fallen, sich zu öffnen. Natürlich kannst du oftmals nicht seine Probleme lösen. Es ist jedoch wichtig, ein offenes Ohr zu haben und ihm ernsthaft zuzuhören, damit er seine Gefühle und Sorgen zulässt und erkennt, dass sein selbstverletzendes Verhalten nicht gut für ihn ist, und eine tiefer gehende Ursache besitzt. Bei sehr jungen Teenagern ist viel Einfühlungsvermögen nötig, da sie in dieser Phase sehr labil und verletzlich sind. Im Zweifelsfall könntest du die Eltern desjenigen informieren oder auf deine Vermutung ansprechen. Sie können sich dann entsprechende psychotherapeutische Hilfe holen.

Romane sind eine gute Möglichkeit, sich in ein Thema oder einen anderen Menschen einzufühlen. Die folgenden Bücher befassen sich besonders sensibel mit den Problemen von Teenagern und können als emotionaler Lesestoff eine Brücke zwischen Jugendlichen und Eltern bauen.

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Wenn das eigene Kind sich ritzt

Viele Eltern, deren Kinder sich ritzen oder anders selbst verletzen, erkennen dies oft erst sehr spät, weil sie es nicht wahrhaben wollen. Denn in der Pubertät sind Stimmungsschwankungen und der Rückzug von der Familie oft normal und nicht immer ein Anzeichen für ein psychisches Problem. Daher solltest du genau hinsehen, um zu verstehen, wie es deinem Kind geht.

So könntest du vorgehen:

  • Achte darauf, ob dein Kind darauf besteht, nur noch langärmelig herumzulaufen oder andere Körperteile penibel verstecken möchte.
  • Sprich es darauf an, woher die Narben kommen, aber unterstelle ihm keinesfalls, etwas mit böser Absicht getan zu haben oder drohe ihm mit Strafen und Kontrollen. So wird es sich nur verschließen und du wirst der Sache nicht auf den Grund gehen können.
  • Zeige ihm, dass du ihm zuhörst und seine Probleme ernst nimmst, indem du ihn von sich erzählen lässt.
  • Wende dich beim Verdacht auf Mobbing ebenfalls an die Schule und zuständigen Lehrer.
  • Wenn weitere Symptome hinzukommen und du dir große Sorgen machst, solltest du unbedingt mit einem Psychotherapeuten besprechen, wie du vorgehen könntest. Überfalle dein Kind jedoch nicht mit einem festgesetzten Termin, ohne dass du mit ihm ausführlich darüber geredet hast.

Tipp für Betroffene: Um dich von der Selbstverletzung abzuhalten, könntest du einen Trick anwenden. Verschönere deine Beine oder Arme mit Farbe oder einem dicken Textilmarker. Wenn es dir wieder schlechter geht, könnte dich das Muster davor bewahren, dir weiteren Schaden zuzufügen. Einen Versuch ist es sicherlich wert.

Solltest du oder eine dir nahestehende Person unter selbstverletzendem Verhalten leiden und du weißt nicht mehr weiter, kannst du dich für einen ersten Rat anonym, kostenlos und rund um die Uhr an die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 und 0800/1110222 wenden. Ebenso ist eine Beratung via Email unter https://ts-im-internet.de möglich. Weitere hilfreiche Informationen findest du auf http://www.telefonseelsorge.de.

Bildquelle:

iStock/grummanaa5/andriano_cz, Giphy

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