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Kommentar

Ich bin nicht besser als du, nur weil ich Veganerin bin

Ich bin nicht besser als du, nur weil ich Veganerin bin

Keine Frage, als langjährige Veganerin kann ich über Veganer-Shaming oft nur die Augen verdrehen. Genauso sehr geht mir aber das Schwarz-Weiß-Denken vieler Veganer auf die Nerven, die ihren Lifestyle für den einzig richtigen halten. Sorry, aber auf tierische Produkte zu verzichten, macht dich weder automatisch zu einem besseren Menschen, noch heilt Veganismus alle Krankheiten. 

Nicht-Veganer werden öffentlich angeprangert

Promis werden gerne vor den Karren gespannt, wenn es darum geht, eine Ideologie zu promoten. Genauso wie Trump-Supporter ihre prominenten Fürsprecher haben, zählen Tierrechtler gerne Hollywood-Stars auf, die sich vegan ernähren. Aber wehe, wenn sie das nicht mehr tun! Als Miley Cyrus kürzlich im Joe Rogan Podcast erzählte, dass sie sich bereits seit einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vegan ernährt, konnte man die Uhr danach stellen, wann die ersten Veganer auf Social Media protestierten. Fünf Jahre lang hatte sich die Sängerin rein pflanzlich ernährt und sich auch wiederholt öffentlich für einen tierfreundlichen Lifestyle ausgesprochen – bis sie Konzentrationsschwierigkeiten bekam, ein typisches Symptom für Omega 3- und Vitamin B12-Mangel. Für viele andere Veganer stand fest: Miley Cyrus hat das mit der veganen Ernährung auf jeden Fall falsch gemacht, zumindest suggerieren das Schlagzeilen einschlägiger Online-Magazine wie „6 Gründe, warum Miley Cyrus beim Thema Veganismus unrecht hat” oder „Miley Cyrus denkt, Fisch sei gesund, aber sie liegt falsch”.

Veganismus ist definitiv nichts für jeden

Warum ich keine Schnappatmung bekomme, wenn jemand sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vegan ernährt? Ich weiß, dass es Nährstoffe gibt, die man mit rein pflanzlichen Lebensmitteln nur schwer abdecken kann – allen voran Vitamin B12 und Omega 3-Fettsäuren. Während man ersteres auf jeden Fall supplementieren sollte, weil es aller veganen Esoteriker zum trotz keine pflanzliche Quelle für B12 gibt, sind sich bei Omega 3-Quellen Wissenschaftler uneins. Es soll hier aber auch nicht darum gehen, ob es mit einer veganen Ernährungsweise möglich ist, alle Nährstoffe abzudecken. Denn Fakt ist: Wer nicht ganz genau darauf achtet, kann durchaus Langzeitschäden davon tragen, die sich erst nach Jahren bemerkbar machen. Und Fakt ist auch: Jeder Stoffwechsel funktioniert anders. Nur weil ich nach über 18 Jahren veganer Ernährung keine Mangelerscheinungen habe, muss das nicht automatisch für jeden gelten. Unsere Körper sind so individuell und komplex, dass ich mir keine Ferndiagnose über Mileys Gesundheit erlauben will.

Gesundheitliche Gefahren nicht länger verheimlichen

Was insbesondere frischgebackene Veganer nicht beachten: Durch die plötzliche Umstellung auf eine pflanzliche Ernährung mit weniger Fertigprodukten fühlt man sich selbstverständlich gesünder – erstmal. Aber ob sich der Lifestyle auch langfristig für einen eignet, kann man erst nach vielen Jahren feststellen, wenn körpereigene Nährstoffspeicher womöglich aufgebraucht sind. Dass dies bei mir persönlich nicht der Fall ist, liegt einzig und allein daran, dass ich penibel auf meine Ernährung achte und fast täglich Algenöl für Omega-Fettsäuren und Vitamin B 12 und D einnehme, nachdem mir ein Bluttest niedrige Werte bescheinigt hatte. Ja, man kann Mangelerscheinungen auf diese Weise in den Griff bekommen, aber Veganer sollten sie auch nicht kleinreden. Sowohl Vitamin B12- und Omega 3-Mangel können zu ernstzunehmenden Hirnschäden führen und auch die Psyche beeinträchtigen.

Ernährungsempfehlungen + Ideologie = Keine gute Mischung!

Anstatt zu behaupten, eine vegane Lebensweise sei total einfach und günstig für jedermann umsetzbar, sollte man lieber ehrlich die Karten auf den Tisch legen: Wer sich mehrere Jahre lang konsequent vegan ernähren will, muss neben frischen Lebensmitteln auch zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen – und das wirklich regelmäßig! Dass Veganer diese Herausforderungen gerne unter den Tisch kehren, liegt daran, dass es hierbei um mehr geht als nur eine Ernährungsweise, sondern auch um die Ausbeutung von Tieren. Das führt zu einer schwierigen Vermischung von ethisch-moralischen und ernährungswissenschaftlichen Argumenten. Um es sich leicht zu machen, wird Veganismus gerne als die gesündeste Ernährungsform überhaupt dargestellt, die passenden Studien findet man schon – egal welche Behauptung man aufstellt.

Wenn schon vegan ernähren, dann bitte auch lecker! Hier sind meine persönlichen Tipps für bessere Ergebnisse beim Kochen:

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Veganismus ist der beste Weg – für mich

Nina Röller
Nina Röller

Vor einigen Jahren hätte ich Mangelerscheinungen sicher auch noch verheimlicht. Schließlich würden sich Fleischesser dann nur bestätigt fühlen. Mittlerweile habe ich aber den veganen Dogmatismus abgelegt und behaupte sogar: Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht gesündere Ernährungsformen als Veganismus, wie etwa die Pegan-Diät, bei der auch geringe Mengen Fleisch und Eier konsumiert werden. Dass ich mich selbst dennoch weiterhin vegan ernähre, hat einen ganz einfachen Grund: Ich möchte nicht, dass Tiere nur für meine Ernährung in Gefangenschaft gehalten werden. Solange ich das mit einem manchmal strikten Ernährungsplan und Nahrungsergänzungsmitteln hinbekomme, wird sich daran auch nichts ändern. Aber was ich definitiv unterlassen werde: Jedem eine vegane Ernährung zu empfehlen, denn nicht jeder ist in der Lage, so genau auf seine Nährstoffzufuhr zu achten, wie ich. Es gibt schließlich auch andere Möglichkeiten, auf sein Konsumverhalten und seinen Körper zu achten. Veganismus ist nicht der einzig richtige Weg und macht einen definitiv auch nicht zu einem besseren Menschen – das wissen wir spätestens seit Attila Hildmann.

Bildquelle:

Getty Images/Foxys_forest_manufacture

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