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Nachhaltigkeit ist mir wichtig, trotzdem verteufle ich den Black Friday nicht

Kommentar

Nachhaltigkeit ist mir wichtig, trotzdem verteufle ich den Black Friday nicht

Früher begann die Vorweihnachtszeit mit dem Anzünden der ersten Kerze am Adventskranz, heute beginnt sie mit Shoppingorgien zum Black Friday. Während die einen euphorisch den virtuellen Warenkorb füllen oder vor überfüllten Shoppingcentern auf Einlass warten, um die besten Angebote zu erwischen, wird von anderen Seiten immer stärkere Kritik laut. Denn eigentlich passt dieser Konsumwahn so gar nicht zum Nachhaltigkeitsgedanken, der in den letzten Jahren immer präsenter wird. Doch müssen wir die Rabattaktionen in der Vorweihnachtszeit deshalb direkt verteufeln?

Vor etwa zwei Jahren habe ich meinen Konsum radikal überdacht. Wobei „radikal“ in diesem Fall vielleicht doch zu radikal ausgedrückt ist. Ich bin zumindest nicht zur Minimalistin geworden. Trotzdem habe ich einiges geändert. Während ich früher alle zwei Jahre ein neues Handy und einen neuen Laptop brauchte, jeden Morgen einen Coffee-to-go bei Starbucks holte und monatlich mehrere 100 Euro für Klamotten ausgab, versuche ich heute, möglichst nachhaltig einzukaufen und mich vor jedem Einkauf zu fragen: Brauche ich das wirklich? Früher bin ich mit der Einstellung „Mal schauen, was ich so Schönes entdecke“, shoppen gegangen, heute habe ich meist ein klares Ziel vor Augen.

Mit einer entsprechenden Einstellung bin ich damals auch an Tage wie den Black Friday und den Cyber Monday herangegangen. Ich habe mir die besten Rabatte rausgesucht und alles gekauft, was mir gefiel und noch irgendwie in mein Budget passte. Ja, das ist alles andere als nachhaltig und ich bin sicher, dass viele so vorgehen. Dennoch bin ich auch heute noch Fan der Cyberweek. Nur nutze ich sie anders.

Win-Win für Verkäufer und Käufer

Ich finde es gut, dass es einen Tag (bzw. mittlerweile eine ganze Woche) im Jahr gibt, in der ich mich auf Rabatte einstellen kann. Wenn ich einen bestimmten Wunsch habe, dann nehme ich mir vor, gezielt in dieser Woche nach einem Rabatt zu schauen. Hinzu kommt der Zeitpunkt, der rund einen Monat vor Weihnachten natürlich perfekt gelegen ist, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen.

Genau deshalb sind die Rabattaktionen ein Win-Win für Käufer und Verkäufer. Als Käufer kann ich mir das, was ich ohnehin haben wollte zu einem günstigeren Preis kaufen, als Verkäufer kann ich mir sicher sein, dass sich meine Angebote lohnen. Schließlich müssen Unternehmen nun einmal an ihren Umsatz denken und eine Rabattaktion lohnt sich nur dann, wenn sie so viele Leute zum Kaufen bringt, dass die Gewinne dadurch höher ausfallen als die Verluste durch den geringeren Preis. Viel problematischer finde ich da die Unternehmen, die über Instagram und Co. quasi dauerhaft mit hohen Rabatten um sich werfen und bei denen vermutlich noch nie jemand zum Originalpreis gekauft hat. Denn das kann nur eines heißen: Der eigentliche Preis ist viel zu hoch angesetzt und die Rabatte nur eine Strategie, um Kunden mit vermeintlichen Schnäppchen zu locken.

Vieles läuft falsch

Natürlich beobachtet man ähnliche Taktiken auch in der Black Week. Die Originalpreise werden kurz vor Beginn der Rabattaktion extra hochgesetzt, damit Händler mit noch größeren Rabatten werben können. Hinzu kommen Taktiken wie die der künstlichen Verknappung: Händler schreiben, es seien nur noch wenige Produkte verfügbar, um Kunden das Gefühl zu geben, sie müssten schnell zuschlagen, um sich den einmaligen Deal zu sichern.

Insgesamt können die Rabatte schnell einen psychologischen Druck auslösen. Wir haben Angst etwas zu verpassen, wenn wir nichts kaufen. Gleichzeitig löst der Kauf eines Schnäppchens Glücksgefühle in uns aus. Selbst der Anblick eines Prozentzeichens kann bereits das Belohnungssystem des Gehirns aktivieren. Standhaft zu bleiben und wirklich nur das zu kaufen, was wir wollen, wird plötzlich zu einer schwierigeren Aufgabe als gedacht. Aber trotzdem: Es ist möglich.

Wir sollten versuchen, am Black Friday nichts unnützes zu kaufen. Doch es gibt Dinge, bei denen lohnt es sich fast immer, bei einem Rabatt zuzuschlagen. Welche das sind, zeigen wir dir im Video:

Jeder ist selbst für seinen Konsum verantwortlich

Keine Frage: Kritik am Black Friday, dem Cyber Monday und all den weiteren Rabatten, die uns in Zukunft in der Vorweihnachtszeit begegnen werden, ist absolut berechtigt. Dennoch sollten wir nicht vergessen, dass jeder seinen Konsum selbst in der Hand hat. Ja, es mag schwer sein, verlockenden Angeboten zu widerstehen. Aber vielleicht braucht es dafür einfach nur die richtige Vorbereitung und ein Bewusstsein dafür, dass nicht jedes Angebot so gut ist, wie es scheint. Wer die Black Week richtig nutzen will, sollte sich schon vorher überlegen, was er rabattiert kaufen möchte – und auch schauen, wie der Originalpreis dieses Produkts ist.

Wer das nicht tut, könnte sich seine Wünsche vermutlich auch problemlos ohne Black Friday-Rabatt leisten. Und genau aus diesen Reihen kommt wohl auch die meiste Kritik, doch dabei wird oft eines vergessen: Viele Menschen freuen sich unter anderem auch deshalb so auf die Rabatte, weil sie sich den neuen Saugroboter, die neue Küchenmaschine oder das neue Kleid nur so leisten können. Würden wir die Black Week komplett abschaffen, würden Menschen, die es sich leisten können, viel zu shoppen, dies vermutlich auch weiter tun. Diejenigen, die weniger Geld zur Verfügung haben, müssten hingegen verzichten. Wirklich fair klingt das nicht.

Bildquelle:

istock/Iuliia Pilipeichenko

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