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Kunstseide

Was ist Viskose? Alles über Herstellung, Eigenschaften & Umweltbilanz

© Getty Images/Dmitri Kalvan
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Viskose gehört zu den beliebtesten Stoffen weltweit und wird dementsprechend häufig verarbeitet. Kein Wunder: Der Stoff ist besonders hautverträglich und schön weich wie Seide, dabei aber deutlich günstiger. Er wird auch häufig in Sportkleidung verarbeitet, da Viskose klimaregulierend ist. Hier erfährst du alles weitere über die Eigenschaften der sogenannten Kunstseide und wie es um die Nachhaltigkeit des Stoffs steht.

Was ist Viskose?

Viskose ist ein weit verbreiteter Stoff, der häufig in der Textilindustrie zum Einsatz kommt. Er lässt sich vielfältig verarbeiten und ist günstig. Die Basis von Viskose ist Cellulose. Der natürliche Stoff wird aus dem Holz von Bambus, Eukalyptus, Buchen oder Fichten gewonnen. Im sogenannten Viskoseverfahren werden der Cellulose verschiedene chemische Stoffe hinzugefügt, um Cellulose-Fasern zu gewinnen. Die Fasern werden dann mit Wasser, Schwefelkohlenstoff und Natronlauge unter hohem Druck durch Düsen gepresst.

Dieses Verfahren ist der Grund dafür, warum man bei Viskose von einem halbsynthetischen Rohstoff spricht. Viskose ist weder eine reine Naturfaser wie zum Beispiel Baumwolle oder Seide, noch eine Kunstfaser wie zum Beispiel Polyester. Deshalb wird der Stoff oft unter verschiedenen Namen gehandelt, darunter „Rayon“, „Reyon“ oder „Kunstseide“.

Eigenschaften von Viskose

Nicht nur optisch ähnelt Viskose natürlicher Baumwolle, besitzt auch ähnliche Eigenschaften. Die Faser fusselt nicht und ist antistatisch, angenehm auf der Haut, weich und kratzt nicht. Der Viskosestoff nimmt Feuchtigkeit gut auf und gibt sie auch wieder ab und sorgt damit für eine optimale Feuchtigkeitsregulierung, was nicht nur im Sommer, sondern auch für Sportkleidung ein Vorteil ist.

Jedoch anders als bei Naturfasern können die Chemikalien die Viskosefasern bei Bedarf verändern: So kann der Stoff nach Belieben länger, feiner, stärker oder anders geformt werden. Zudem lässt sich der Stoff leicht einfärben und ist so in Farben und Drucken aller Art erhältlich.

Viskose vs. Polyester

Viskose und Polyester werden häufig für die Produktion von Sportkleidung verwendet. Allerdings unterscheiden sich die Stoffe in einigen Punkten: Viskose wird aus Zellstoff hergestellt, während die rein synthetische Faser Polyester aus Erdöl gewonnen wird. Polyester nimmt, anders als die sehr saugfähige Viskose, nur wenig Feuchtigkeit auf, doch sie ist im Gegenzug relativ knitterarm, während Viskose sehr leicht knittert. Das synthetische Material Polyester ist außerdem nicht atmungsaktiv und begünstigt daher Schweiß, wohingegen Viskose für eine angenehme Feuchtigkeitsregulierung sorgt. Viskose fühlt sich zudem leicht und luftig an, während sich Polyester manchmal wortwörtlich wie Plastik anfühlt.

Nachhaltigkeit: Positive Eigenschaften von Viskose

In einigen Punkten stellt sich Viskose als umwelt- und hautfreundlich heraus. Bei der Herstellung von Viskose wird beispielsweise kein Erdöl verwendet und der Zellulose-Anbau kommt oft ohne Pestizide aus. Das wirkt sich positiv auf die Hautverträglichkeit aus: Reine Viskose enthält kaum Schadstoffe und ist ideal für Allergiker geeignet.
Im Gegensatz zu Kleidung aus Kunstfasern wird beim Waschen von Viskose auch kein Mikroplastik freigesetzt. Aus Produktionssicht gibt es ebenfalls einige Vorteile. Der Stoff ist nicht nur kostengünstig herzustellen, er ist auch vielseitig einsetzbar. Zudem wird viel weniger Wasser verbraucht als z.B. beim Arbeiten mit Baumwolle. Eigentlich ist der Stoff durch die natürliche Basis sogar kompostierbar. Doch meistens wird er mit verschiedenen Zusatzstoffen vermischt.

Nachhaltigkeit: Negative Eigenschaften von Viskose

Diese Zusatzstoffe führen dazu, dass die Umweltbilanz von Viskose leidet und man den Stoff in den meisten Fällen nicht mehr als nachhaltig bezeichnen kann. Das erste Problem stellt das aufwändige Viskoseverfahren da, was viel Energie benötigt. Da die Basis von Viskose, die Cellulose, aus Holz gewonnen wird, wird entsprechend viel von dieser Ressource benötigt.

Ein weiteres großes Problem ist, dass beim Viskoseverfahren eine enorme Menge an Chemikalien freigesetzt werden. Eine Studie der „Changing Markets Stiftung“ kam zu dem Ergebnis, dass durch die Produktion von Viskose gravierende Umweltschäden entstehen. Vor allem Arbeiter*innen, die stundenlang von den Chemikalien und Dämpfen umgeben sind, sind erheblichen gesundheitlichen Schäden ausgesetzt. Auch die Bewohner der den Fabriken angrenzenden Regionen seien in den oftmals armen Herstellerregionen betroffen. Rund 83 Prozent der Viskoseproduktion findet heute in China, Indien und Indonesien statt. Die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern liegen weit hinter jenen aus Europa.

Auch eine nicht gerechte Handhabung und Entsorgung der Chemikalien, die oft im Grundwasser landen bedrohen für Menschen, Tiere und Pflanzen langfristig eine stellen eine große Bedrohung des Lebensraumes dar.

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Viskose-Check im Überblick:

Positive Eigenschaften:

  • Verschafft Komfort beim Tragen von mit Viskose hergestellter Kleidung
  • Vielseitig einsetzbar, färbbar und bedruckbar
  • Atmungsaktiv und kühlend
  • Feuchtigkeitsregulierend
  • Kein Mikroplastik beim Waschen

Negative Eigenschaften:

  • Große Mengen freigesetzter Chemie & Dämpfe
  • Holz als Grundstoff
  • Viskoseverfahren benötigt viel Energie
  • Herstellung hauptsächlich in armen Ländern ohne Arbeitsschutz
  • Abfälle können Mensch, Tier und der Umwelt zusetzen

Gibt es nachhaltige Viskose?

Im Vergleich zu vollsynthetischen Stoffen schneidet Viskose vielleicht besser ab, dennoch gibt es bei auch bei diesem Stoff in Puncto Herstellung, Arbeitsbedingungen und Umweltbilanz negative Aspekte. Mittlerweile gibt es aber gute Alternativen für umweltbewusstere Mode. Beim Kauf von Viskose gibt es mehrere Faktoren zu beachten: Zum einen den Ausgangsrohstoff, die Fertigung sowie die Verarbeitung.
Ohne chemische Zusätze entsteht beispielsweise „Lenpur“-Viskose. Noch besser: Für diesen Stoff wird kein einziger Baum gefällt, weil die Zellulose ausschließlich aus dem Rückschnitt von Bäumen gewonnen wird.

Bei der Viskose-Art „Modal“ wird die Zellulose vorwiegend aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen. Und die Bezeichnungen „Lyocell“ oder „Tencel“ weisen auf eine eine umweltfreundlichere Fertigung aus Eukalyptus hin, bei der kein schadstoffhaltiges Abwasser in die Umwelt gelangt.

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