Hypospadie

Die Hypospadie ist eine Entwicklungsstörung der Harnhöre bei männlichen Neugeborenen. Sie ist eine der häufigsten angeborenen Missbildungen der äußeren Genitalien. Dabei liegt die Mündung der Harnröhre weiter auf der Unterseite des Penis als bei einem „normalen“ Penis. Bei der Hypospadie weicht nicht nur das Erscheinungsbild des Gliedes vom gesunden ab, sondern die Fehlbildung kann auch mit einer Funktionseinschränkung des Penis einhergehen. Die Hypospadie kann jedoch schon im ersten oder zweiten Lebensjahr operativ behoben werden.

Was ist Hypospadie?

Hypospadie bezeichnet eine angeborene Entwicklungsstörung der Harnröhre. Dabei ist die Mündung der Harnröhre nicht an der Eichelspitze, sondern weiter auf der Unterseite des Penis angesiedelt. Es gibt verschiedene Ausprägungen der Hypospadie. In den meisten Fällen befindet sich die Öffnung der Harnröhre noch an der Eichel. Diese Form bezeichnen Mediziner als distale Hypospadie. Die anderen Formen fallen unter den Begriff der proximalen Hypospadie. In diesen Fällen liegt die Öffnung der Harnröhre auf der körperfernen oder auch -nahen Hälfte des Penis. Es kommt auch vor, dass sich die Öffnung der Harnröhre am Hodensack befindet. Dieser ist dann zumeist ebenfalls geteilt. Diese schwere Form der Hypospadie tritt allerdings nur äußerst selten auf. Oft geht mit der Störung eine Krümmung des Penisschaftes, eine Verengung der äußeren Harnröhrenmündung, eine lange Vorhaut auf der einen Seite und ein Fehlen der Vorhaut auf der anderen Seite oder ein Hodenhochstand einher. Die Hypospadie tritt etwa bei 1 von 150 bis 300 neugeborenen Jungen auf und ist damit als häufig einzustufen. In den meisten Fällen liegen neben der Hypospadie aber keine weiteren Geburtsfehler vor.

Entstehung der Hypospadie

Die genaue Ursache einer Hypospadie ist noch unbekannt. Fest steht jedoch, dass sich die Entstehung einer Hypospadie schon im Mutterleib vollzieht. Der für die Penisentwicklung Deines Kindes entscheidende Zeitraum liegt zwischen der neunten und zwölften Schwangerschaftswoche. Während dieser Zeit sorgen männliche Hormone für die Formierung des Urinkanals beziehungsweise der Harnröhre und der Vorhaut. Verschiedene – weitgehend noch ungeklärte – Probleme, die während dieser hormonaktivierten Phase auftreten, können dazu führen, dass es bei Deinem Kind zu einer Hypospadie kommt. Die Schwere der Fehlbildung hängt davon ab, in welchem Stadium der Entwicklungsstopp der Harnröhre eintritt. Wenn die Harnröhrenentwicklung Deines Sohnes schon sehr früh unterbrochen wird, führt dies zu einer proximalen – also schwereren – Hypospadie. Eine spätere Unterbrechung hat hingegen die leichtere distale Hypospadie zur Folge.

Behandlung der Hypospadie

Wenn Dein Sohn an einer Hypospadie leidet, solltest Du schon in den ersten drei Lebensmonaten Deines Kindes einen Spezialisten aufzusuchen. Der ideale Zeitraum für eine Operation liegt nämlich zwischen dem 3. und 18. Lebensmonat. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation musst Du aber nicht von einem Moment auf den anderen treffen. Lass Dir genug Zeit, um Dich im Vorfeld zu informieren. Bei der Auswahl eines Spezialisten ist es nicht wichtig, ob dieser ein Kinderchirurg, ein plastischer Chirurg oder ein Urologe ist. Vielmehr solltest Du darauf achten, dass der Spezialist ein Interesse an Hypospadie hat und schon viele Hypospadie-Operationen erfolgreich durchgeführt hat. Um Risiken vorzubeugen, frage den Arzt, wie viele Hypospadie-Operationen er im Jahr oder Monat persönlich vornimmt und wie hoch seine Erfolgs- und Komplikationsrate ist. Bei der Form der Hypospadie, bei der sich die Öffnung der Harnröhre noch auf der Eichel befindet – der distalen Hypospadie – ist eine Korrektur aus medizinischer Sicht nicht zwingend notwendig. Wenn Dein Sohn an dieser Störung leidet, ist es durchaus möglich, dass er später beim Wasserlassen und bei Erektionen kein Problem haben wird. Jedoch kann schon diese leichte Form der Fehlbildung Deinen Sohn in psychologischer Hinsicht beeinträchtigen, weil sein Penis anders aussieht als die Penisse der anderen Jungen. Da viele Erwachsene mit einer unkorrigierten distalen Hypospadie jeglichen sexuellen Kontakt aus Furcht vor der Reaktion ihres Partners vermeiden, solltest Du die Möglichkeit einer Operation zumindest in Betracht ziehen. Leidet Dein Sohn an einer proximalen Hypospadie, ist eine operative Korrektur in jedem Fall notwendig, um die Funktion der Harnröhre und des Penis bezüglich des Wasserlassens, der Erektion und der sexuellen Funktion sicherzustellen. Ein weiterer Grund für eine Operation ist die Tatsache, dass bei vielen Betroffenen der Harnröhrenausgang sehr eng ist. Dieser muss operativ vergrößert werden, um einen Rückstau des Urins sowie Harnwegsinfekte und Nierenprobleme zu vermeiden.

Postoperative Betreuung bei Hypospadie

Hypospadie: Schlafender Junge

Hypospadie kann operativ behoben werden


Bei der Operation wird ein kleiner Katheter in der neu formierten Harnröhre Deines Kindes belassen. Zusätzlich bekommt Dein Kind einen Blasenkatheter, der ihm über die Bauchdecke gelegt wird und den Urin für zehn Tage ableitet. Für diesen Zeitraum wird Deinem Kind auch ein elastischer Verband um den Penis gewickelt. Es ist wichtig, dass Dein Sohn nach der Operation einen antibiotischen Schutz bekommt. In einigen Fällen sind auch Medikamente gegen Schmerzen und Blasenkrämpfe notwendig. In der Regel gilt aber: Je jünger Dein Sohn ist, desto kleiner die Beeinträchtigung durch die Operation. Bei Jungen mit distaler Hypospadie liegt die Komplikationsrate bei unter fünf Prozent. Bei den proximalen Formen der Hypospadie kann es hingegen etwas öfter zu Problemen kommen. Die häufigsten Komplikationen, die nach der Operation auftreten können, sind sogenannte Fisteln. Dabei handelt es sich um kleine Löcher, aus denen – zusätzlich zum Hauptharnstrahl an der Eichelspitze – der Urin austritt. Die meisten Komplikationen erfordern zwar eine weitere kleine Operation, lassen sich aber meist gut beheben. Wenn es in den ersten Monaten nach dem Eingriff bei Deinem Sohn zu keinen Komplikationen kommt, kannst Du davon ausgehen, dass sich sein Penis normal entwickeln wird. Du solltest jedoch regelmäßig mit Deinem Sohn zu den Nachkontrollen erscheinen. Diese erfolgen eine Woche, drei und sechs Monate sowie ein Jahr nach der Korrektur. Dabei begutachtet der Arzt noch einmal das Aussehen des Penis sowie den Harnstrahl Deines Kindes. Leider kommt keine Hypospadie-Operation ganz ohne Narben aus. Der Arzt, der Deinen Sohn operiert, versucht jedoch, die Schnitte auf die Mittellinie der Unterseite des Penis zu begrenzen. Diese Schnitte heilen mit einem bestmöglichen kosmetischen Ergebnis. Nach der vollständigen Heilung sieht die Narbe wie die normale Mittellinie an der Unterseite des Penis bei Männern ohne Hypospadie aus. In den meisten Fällen verheilt der Penis mit geringen Narben. Zwar gibt es keine Garantie dafür, aber wenn Du für die Operation Deines Sohnes einen erfahrenen Hypospadie-Spezialisten wählst, stehen die Chancen gut, dass Dein Sohn nur minimale, kaum sichtbare Narben davontragen wird.

Hypospadie bezeichnet eine angeborene Missbildung der Harnröhre. Deren Mündung liegt dabei weiter auf der Unterseite des Penis als es bei gesunden Harnröhren der Fall ist. Es wird zwischen einer distalen Hypospadie, bei der die Harnröhrenöffnung noch auf der Eichel liegt, und den proximalen Formen der Hypospadie, bei denen die Öffnung schon auf dem Penis oder am Hodensack liegt, unterschieden. Diese Formen sind schwerer anzusiedeln. Alle Formen der Hypospadie können jedoch durch eine Operation behoben werden. Nach dem Eingriff stehen die Chancen für eine normale Entwicklung des Penis sehr gut.

Bildquelle: djedzura/iStock/Thinkstock


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Was denkst du?

  • grillmama123 am 05.06.2014 um 17:57 Uhr

    Mein Neffe hat auch Hypospadie, aber nach der Operation hat sich alles bestens entwickelt.

    Antworten
  • Susann28 am 05.06.2014 um 16:49 Uhr

    Gut, dass Hypospadie operativ behoben werden kann!

    Antworten
  • schubiduwap am 04.06.2014 um 17:44 Uhr

    Von einer Hypospadie habe ich vorher noch nie gehört, obwohl die Missbildung ja anscheinend relativ häufig auftritt. Man lernt hier nie aus 🙂

    Antworten