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Baby dank Samenspende: So steinig ist der Weg für lesbische Paare

Interview

Baby dank Samenspende: So steinig ist der Weg für lesbische Paare

Co-Parenting, Adoption oder ein biologisches Kind per Samenspende – homosexuelle Paare haben bei einem Kinderwunsch mehrere Optionen, aber auch viele Hürden zu überwinden. Katja und Hayley haben sich für eine Samenspende über eine Samenbank entschieden und inzwischen erfolgreich ihren Kinderwunsch erfüllt. Trotzdem war der Weg dahin nicht einfach. Ihren gemeinsamen Weg zur Wunschfamilie haben die beiden auf ihrem Instagram-Kanal The Schoenberg Family festgehalten. Im desired-Interview schildert Katja, wie sich die beiden für einen Spender entschieden haben und warum homosexuelle Paare es in Deutschland immer noch deutlich schwerer haben als heterosexuelle.

Dies ist die gekürzte Version des Interviews. Das vollständige Gespräch kannst du dir im aktuellen desired-Podcast anhören!

Katja und Hayley kannst du auf Instagram und YouTube folgen. Da Hayley gebürtige Engländerin ist, haben wir das Interview nur mit Katja auf Deutsch geführt. Die gemeinsame Tochter des verheirateten Paares kam erst im Februar 2021 zur Welt.

desired: Wie kam es bei euch zum Kinderwunsch und schließlich zur Familienplanung?

Katja: Der Weg zur Familienplanung war ganz klassisch: verliebt, verlobt, verheiratet und irgendwann kam dann das Thema Familienvergrößerung auf. Bei einem lesbischen Pärchen rechnet man in so einem Fall eher mit einer Katze oder einem Hund, letzten Endes war der Kinderwunsch bei uns aber dann dann sehr groß und wir haben uns entschieden, diesen Weg zu gehen und ihn auch gemeistert. Der Weg dahin war zwar zwischendurch steinig, aber es hat sich einfach gelohnt.

Warum habt ihr euch für eine Samenspende von einer Samenbank entschieden und nicht zum Beispiel für eine private Samenspende, Co-Parenting oder eine Adoption?

Der wichtigste Faktor war, dass Hayley ein biologisches Kind haben, schwanger werden und den ganzen Prozess durchgehen wollte. Wir haben uns auch mit allen anderen genannten Optionen auseinandergesetzt. Gegen die Adoption sprach, dass Hayley ihr eigenes Kind haben wollte. Zudem ist der Adoptionsprozess in Deutschland relativ schwierig. Wir waren uns auch nicht sicher, ob Hayley überhaupt adoptieren darf, weil sie die britische Staatsbürgerschaft hat. Co-Parenting oder ein privater Spender war für uns auch nichts. Dann ging die Suche nach Samenspendern los. Es gibt im Internet unheimlich viele Optionen für private Samenspenden. Es gibt Foren und Facebook-Gruppen, in denen man spenderwillige Männer kennenlernen kann. Für einige mag das funktionieren, für uns war es ein bisschen gruselig, weil es nicht kontrolliert genug ist.

Uns war es immer wichtig, dass wir auf der rechtlichen Seite abgesichert sind. Wir sind dann bei der European Sperm Bank gelandet, die eine Niederlassung in Hamburg haben. Bei einer Samenbank hat man die rechtliche Absicherung. Wenn das Kind auf diesem Weg in Deutschland geboren wurde, ist es einfacher, Anträge zu stellen. Ansonsten kommt immer die Nachfrage nach dem Elternteil und der Vaterschaftsanerkennung.

Es gibt also nicht die eine staatlich kontrollierte Samenbank in Deutschland, sondern viele Anbieter, zwischen denen man sich entscheiden kann?

Ja, das ist ein bisschen wie tindern. Wir haben uns natürlich auch andere Samenbanken angeguckt. Du gehst durch die ganzen Profile von den Männern und suchst jemanden aus. Unser Match hatten wir dann bei der European Sperm Bank. Man muss sich aber schon extrem damit auseinandersetzen, was eine Familiengründung als homosexuelles Paar bedeutet.

Welche Informationen bekommt man von den potenziellen Spendern? Man kann sich also wirklich wie auf einer Dating-Seite Profile und Fotos anschauen?

Das kommt darauf an, wofür man sich entscheidet. In Deutschland gibt es Niederlassungen von Samenbanken, die meisten Hauptsitze sind aber kurioserweise im Ausland. Bei den meisten kann man auswählen: Es gibt offene und nicht offene Spender. In Deutschland benötigt man einen offenen Spender. Nicht offener Spender bedeutet, dass das Kind später keine Möglichkeit hat, Kontakt aufzunehmen. Die bleiben anonym und man bekommt außer den groben Eckdaten so wenig Details, wie möglich.

Bei offenen Spendern gibt es auch Samenbanken, bei denen man extra dafür zahlen kann, um Fotos im Erwachsenenalter zu sehen, normalerweise bekommt man aber Kinderfotos der Spender. Daraus muss man sich optisch ein Bild erschließen. Zudem bekommt man Daten wie Haarfarbe, Augenfarbe, Körpergröße, Interessen, Berufsausbildung, Hobbys oder Geschwister. Hinzu kommt eine medizinische und psychologische Einschätzung. Bei der European Sperm Bank bekommt man noch dazu eine eigene Einschätzung der Mitarbeiter*innen über den Charakter, das Lächeln und das Auftreten. Man kann mit diesen Profilen Wochen verbringen, um herauszufinden, zu wem man eine Connection fühlt. Das ist wirklich krass, was da mit einem passiert. Natürlich wird auch angegeben, ob der Spender schon mal erfolgreich war und mit anderen Käufern Kinder gezeugt hat.

War für euch das Hauptkriterium, dass das Kind euch optisch ähnlich sieht oder geht man da eher nach dem Bauchgefühl?

Es war von allem ein bisschen. Eigentlich hatten wir uns schon für einen anderen Spender entschieden. Eines morgens bin ich dann aufgewacht und Hayley weinte neben mir und sagte: „Ich glaube, ich habe den Spender gefunden. Der ist so toll!“ Das war jemand, der über Nacht neu aufgelistet wurde. Sie hat direkt so eine direkte Verbindung zu diesem Spender gefühlt, dass klar war: Das ist er! Man konnte sich auch eine Stimmaufzeichnung anhören und sich eine handschriftliche Notiz ansehen. Das hat einfach gepasst. Ich glaube, man sollte da nach seinem Bauchgefühl gehen.

Wenn die Befruchtung mit Spendersamen nicht klappt, ist das sicherlich emotional belastend, aber auch ein Kostenfaktor. Mit welchen Kosten muss man dabei grob rechnen?

Mit den Ovulationstests, Zusatzpräparaten, Behandlungen, Fahrtkosten, zusätzlichen Hormon-Medikamenten und dem Spendersamen haben wir für drei Versuche ungefähr 7.500 Euro bezahlt. Zudem muss man wissen, dass alle Samenbanken zum Jahresanfang die Preise erhöhen. Das heißt, pro Jahr wird das Sperma, das man kaufen kann, teurer. Dadurch, dass man diesen für gewöhnlich im Ausland kauft, kommen noch Kosten für Steuern und Transport in Stickstoff hinzu, da die Samen gefroren bleiben müssen. Zunächst denkt man nur, dass die Insemination in Deutschland viel kosten wird, letzten Endes war das aber gar nicht so viel, etwa 350 Euro.

Die Kosten sind aber nicht wenig und ich verstehe auch jedes Paar, das sagt: Die Kosten schrecken uns dermaßen ab. Das tut weh! Wenn bei einem heterosexuellen Paar bei einem eine Sterilität vorliegt, gibt es in der Regel eine Lösung über die Krankenkassen. Die Ärzte erstellen dann einen Heilkostenplan und dann übernehmen die Krankenkassen bei heterosexuellen Paaren einen Teil oder die kompletten Befruchtungskosten, während lesbische Paare, Transsexuelle oder Alleinstehende auf den Kosten sitzen bleiben. Da muss man sich schon genau überlegen, ob man sich das leisten kann. Das bricht einem das Herz, wenn man sich deswegen auf dubiose private Spender aus dem Internet verlassen muss. Es gibt sogar private Spender, die darauf bestehen, Sex zu haben und es gibt Paare, die diesen Weg gehen, weil ihr Kinderwunsch so groß ist. Das ist niederschmetternd für homosexuelle Paare. Wir waren froh, dass wir uns das leisten konnten und denken über ein zweites Kind nach. Nach der Corona-Krise mit Hayleys Job als freier Tänzerin sind aber die Finanzen im Keller. Da verzichtet man dann auf drei Jahre Urlaub, um sich den Kinderwunsch zu erfüllen.

Im vollständigen Podcast-Interview erfährst du, welche bürokratischen Hürden Katja und Hayley als lesbisches Paar noch bewältigen mussten:

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Bildquelle:

claireh.photography

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