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Anna Wilken: „Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch brauchen keine guten Ratschläge”

Interview

Anna Wilken: „Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch brauchen keine guten Ratschläge”

Anna Wilken gehört zu den ehemaligen GNTM-Kandidatinnen, die nach der Show ihren ganz eigenen Weg gegangen sind: Die heute 25-Jährige ist inzwischen vor allem durch ihr ehrliches Auftreten auf Social Media bekannt. Nach ihrem ersten Buch über ihre Endometriose-Erkrankung, hat Anna Wilken nun ein sehr persönliches Buch über ihren noch unerfüllten Kinderwunsch geschrieben. Im Interview erklärt sie, warum gute gemeinte Ratschläge bei ihr oft nicht gut ankommen und wie sie es schafft auch bei Rückschlägen stark zu bleiben.

Dies ist die gekürzte Version des Interviews. Das vollständige Gespräch kannst du dir im aktuellen desired-Podcast anhören!

desired: In deinem neuen Buch „Na, wann ist es denn soweit?“ stellst du sofort klar, dass du nicht der „Kiwu-Guru“, also der Kinderwunsch-Guru sein willst. Was beabsichtigst du stattdessen damit?

Anna: Meine Absicht ist, für dieses doch so schwierige Thema zu sensibilisieren. Viele Leute stellen sich das anders vor. Bei vielen Paaren klappt es ja auch so: Die Frau setzt die Pille ab und zack, sie wird sofort schwanger. Aber eins von acht Paaren ist ungewollt kinderlos und die Kinderwunsch-Kliniken platzen aus allen Nähten. Viele haben eine komplett falsche Vorstellung von künstlicher Befruchtung. Da möchte ich aufklären. Ich möchte dem Leser oder der Leserin nicht das Gefühl geben, dass sie das jetzt machen muss, um schwanger zu werden. Das kann noch nicht mal ein Reproduktionsmediziner. Es gibt so viele Möglichkeiten von komplementärer Medizin bis hin zu Kinderwunsch-Kliniken. Man kann das alles ausprobieren, aber man muss absolut gar nichts!

Annas neues Buch „Na, wann ist es denn soweit?“ bekommst du für 18,99 Euro auf Amazon oder auch kostenlos als Hörbuch im Probeabo bei Bookbeat:

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Ich kann mir vorstellen, dass du mit deinen 25 Jahren doch eher zu den jüngeren in der Kinderwunsch-Klinik gehörst, oder habe ich da als Außenstehende eine falsche Vorstellung?

Ich bin ja sehr oft in der Klinik. Da sieht man durchaus auch viele Frauen in meinem Alter. Natürlich kann ich ihnen ihr Alter nicht ansehen, wenn sie neben mir sitzen. Aber ich finde, dass es schon sehr gemischt ist. Das allererste Mal war ich mit 21 in der Kinderwunsch-Klinik. Das ist schon sehr früh und sicher nicht die Regel. Die meisten sind eher über 30, nichtsdestotrotz gibt es dort auch die Unter-Dreißigjährigen.

Der Titel deines Buchs lautet „Na, wann ist es denn soweit?”. Auch wenn es nicht explizit drin steckt, weiß jeder, was damit gemeint ist: die Frage nach dem Kinderwunsch. Sollte man Frauen diese Frage besser niemals stellen?

Ich persönlich finde, dass das eine Frage ist, die man nicht unbedingt stellen muss, aber der Ton macht die Musik. Zudem kommt es auf die Situation an. Wenn man zum Beispiel im Urlaub ein Pärchen kennenlernt, sollte das nicht die erste Frage sein. Das finde ich völlig unangebracht, da bin ich ehrlich. Das tut nichts zur Sache. Man weiß es ja nie, ob die Person Kinder will, aber aus medizinischen Gründen aktuell keine bekommen kann. Das steht ja niemandem auf der Stirn geschrieben. Deshalb finde ich, dass man vorsichtig bei solchen Fragen sein muss. Es ist schon etwas anderes, wenn diese Frage im engeren Freundeskreis aufkommt. Dennoch finde ich, dass diese Frage nicht zu einem klassischen Mädelsabend dazugehört.

Ein Kind verändert vieles im eigenen Leben. Was genau, zeigen wir dir im Video:

Du sprichst in deinem Buch auch viele gut gemeinte Ratschläge an wie „Entspann dich doch einfach mal, dann klappt es auch mit der Schwangerschaft!“. Viele wollen mit solchen Sprüchen wahrscheinlich nur helfen. Hast du Tipps, was man stattdessen zu Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sagen sollte – oder sollte man besser nur zuhören?

Ja, ich persönlich bin ein großer Fan vom Zuhören. Wenn man einen Tipp möchte, fragt man ja danach. Jedenfalls geht es mir so. Ich sehe bei den gut gemeinten Ratschlägen noch größere Probleme: Erstens sind sie immer „nett gemeint“. Das wird dann auch immer gerne betont, um sich zu verteidigen. Aber man impliziert damit zeitgleich Schuldgefühle. Vielleicht ist das auch nur mein persönlicher Schwachpunkt. Aber ich bekomme oft Nachrichten à la „Du musst dies und jenes machen“. Damit impliziert man ja auch „Anna, du hast alles vorher falsch gemacht, du musst jetzt dies machen“. Man weiß doch gar nicht, ob die betroffene Person das nicht schon gemacht hat. Zweitens gelten Methoden nie für alle Frauen. Nur weil eine Frau dank Kurkuma schwanger geworden ist, ist das nicht auf die betroffene Person übertragbar.

Ich habe das auch schon alles probiert, bei mir hat es nichts gebracht. Daher bin ich bei dem Thema so vorsichtig. Wir sind alle so individuell, man kann das einfach nicht verallgemeinern. Manchmal mag es schroff wirken, wenn man auf solche Ratschläge abweisend reagiert, aber ich kann es einfach nicht mehr hören. Ich bin super gut informiert, es gibt gefühlt noch keinen Strohhalm, nach dem ich nicht schon gegriffen habe.

Das ist wirklich wichtig, dass du immer wieder betonst, wie individuell die Lage für betroffene Frauen und Paare ist ...

Ich weiß, ich bin da eine Nervensäge (lacht). Was ich ganz interessant fand: Neulich schrieb mir eine Frau, die Hass ablassen wollte. Sie sagte zu mir: „Man merkt ja auch schon daran, dass alles ein bisschen fake ist, was ich bewerbe und schreibe, weil ich immer sage, dass das nur bei mir gut ist und, dass das individuell ist.“ Ich sehe das ganz anders. Ich fände es viel schlimmer zum Beispiel zu behaupten, dass ich jetzt Mönchspfeffer nehme und davon alle schwanger werden können. Individualität ist daher so ein wichtiges Thema. Man kann einfach nichts verallgemeinern, wir essen ja auch alle nicht das Gleiche, tragen nicht alle die gleichen Farben, mögen nicht alle das Gleiche – warum sollten wir dann alle das Gleiche vertragen?

In der Regel bin ich stark: Endometriose: Warum wir unsere Unterleibsschmerzen ernst nehmen müssen!
In der Regel bin ich stark: Endometriose: Warum wir unsere Unterleibsschmerzen ernst nehmen müssen!

Gibt es aus deiner Sicht Menschen oder Firmen, die den Kinderwunsch von Frauen für finanzielle Zwecke ausnutzen?

Das ist ein schwieriges Thema. Ich möchte auch niemandem etwas vorwerfen. Fakt ist aber, dass das ein großer Markt ist. Ich sehe das ja an mir: Ich habe gefühlt von jeder Marke einen Ovulationstest zu Hause liegen, also einen Test, der mir meine fruchtbaren Tage anzeigt. Ich kaufe jeden Scheiß, weil ich – und dafür bin ich sehr dankbar – auch die finanziellen Möglichkeiten dazu habe. Diese Hilflosigkeit und Hoffnung der Menschen ist natürlich ein gefundenes Fressen. Das ist genau der Grund, warum ich auf Instagram und Co. keine Beiträge nach dem Motto „10 Tipps, die du befolgen musst“ hochlade.

Ich finde es so falsch, die Hoffnung anderer auszunutzen. Ich habe das Glück in Heidelberg in einer ganz tollen Kinderwunsch-Klinik zu sein, die gar nichts verkaufen. Wenn sie wollten, könnten sie mich und meinen Partner echt ausnutzen. Mir wären die Kosten scheißegal, wann die der Meinung wären, dass eine Methode gut sei. Aber zum Glück sagt mir meine Ärztin auch, wenn ich mir das Geld sparen kann oder etwas unnötig ist. Das ist aber nicht bei allen Kliniken so. Ich bekomme auch sehr viele Nachrichten von anderen Follower*innen, die schildern, dass es bei ihnen anders abläuft.

Auch beim Thema Kosten einer Kinderwunschbehandlung nimmt Anna kein Blatt vor den Mund. Im Podcast erfährst du mehr über ihren persönlichen Kampf mit den gesetzlichen Krankenkassen:

Vielen Dank für das Interview, Anna!

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Bildquelle:

Arya Shirazi

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