Geschminkte Frauen verdienen mehr
Helena Serbentam 03.04.2018

Der Gender Pay Gap ist uns mittlerweile wohlbekannt: Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer. Doch offenbar gibt es noch einen weiteren Pay Gap, der unter uns Frauen auftritt: Geschminkte und attraktive Frauen werden besser bezahlt. Dieses Ergebnis einer Studie aus den USA macht mich fassungslos.

Die amerikanische Soziologin Jaclyn Wong und ihr Kollege Andrew Penner zeigen mit ihrer Studie „Gender and the returns to attractiveness” (Geschlecht und die Rückschlusse auf Attraktivität), dass Frauen besser verdienen, wenn sie von ihrem Arbeitsumfeld als attraktiv eingestuft werden. Der Unterschied im Gehalt soll bis zu 20 Prozent betragen. Um diesem Pay Gap entgegenzuwirken, hilft es laut der Studie, wenn sich weniger attraktive Frauen mehr schminken. Je mehr sie das tue, desto mehr Geld bekomme sie. Generell, so die Studie, werden Frauen mehr nach ihrem Aussehen als nach Leistungen beurteilt.

Die Studie sagt: Je mehr Make-up, desto dicker der Gehaltsbeutel.

Das ist eine unfassbare These, die mich sehr wütend macht. Wenn dem wirklich so ist, müssen wir ernsthaft etwas dagegen tun.

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Ich erinnere mich noch daran, wie die Berichte aussahen, als Angela Merkel das erste Mal zur Bundeskanzlerin gewählt worden ist. Anstatt darüber zu diskutieren, welche politische Richtung sie mit dem wichtigsten Amt in Deutschland einschlagen würde, lästerten die meisten nur über ihr Erscheinungsbild. Das macht mich bis heute wütend. Alles wurde kritisiert: Ihre Kleidung, ihr Haarschnitt und ihr Schminkstil. Es gibt sogar einen Artikel der Rheinischen Post, der thematisiert, wie sie ihr Erscheinungsbild verändert hat.

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Das sind Beurteilungen, die wohl kaum jemand bei ihren männlichen Vorgängern als angebracht empfunden hätte. Natürlich gab es über deren Schminkstil gar nichts zu sagen. Genauso hätte es auch bei Angela Merkel sein müssen. Dies ist leider nur ein Beispiel dafür, dass Frauen viel öfter auf ihr Aussehen reduziert werden, wie die Studie belegt. Wahrscheinlich hat Merkel im Gegensatz zu uns noch Glück, denn sie musste als Regierungschefin nicht ihr Gehalt verhandeln. Ihr Aussehen hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf ihren Geldbeutel. Laut der Studie genießen viele von uns diesen Luxus wohl nicht. Wir müssen bei Gehaltsverhandlungen um jeden Cent kämpfen. Dass unsere Leistung dabei nicht im Vordergrund steht, sondern Äußerlichkeiten, ist nicht tragbar.

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Diese These hetzt Frauen gegeneinander auf

Das Schlimme ist, dass wir damit nicht nur mit den Männern in einem Geschlechterkampf um gleiches Gehalt antreten: Das Ergebnis dieser Studie hetzt auch Frauen gegeneinander auf. Eine Frau, die sich nicht schminken oder stylen möchte und nicht dem Schönheitsideal ihres Chefs entspricht, wird so vielleicht wütend auf ihre Kollegin, die sich gerne schick macht und nur deshalb besser bezahlt wird. Damit trifft ihre Wut natürlich die falsche Person. Trotzdem werden Menschen so gegeneinander ausgespielt. Mit so einer Grundlage für Gehaltsverhandlung wird die weibliche Solidarität auf eine gefährliche Probe gestellt und das allgemeine Arbeitsklima geschädigt.

Jede ist anders und das ist auch gut so

Wir sollten unsere Unterschiede feiern. Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch findet etwas anderes attraktiv. Deshalb darf außer tatsächlicher Leistung im Job nichts anderes die Grundlage für ein Gehalt sein: Weder das Geschlecht noch das Aussehen. Daher muss es dringend strengere Regeln für die Bezahlung von Angestellten geben. Sonst werden wir die Pay Gaps niemals schließen können. Ich hoffe wirklich, dass Ergebnis dieser Studie eines Tages wieder widerlegt wird. Schließlich sollte Professionalität in der Berufswelt im Vordergrund stehen und nichts anderes.

Qualität vor Make-up-Dichte

Natürlich müssen wir diese Studie mit Vorsicht genießen: Um eine wirklich sichere Aussage zu erzielen, müssten weitere Untersuchungen zu dieser Thematik ausgewertet werden. Erst, wenn diese zu ähnlichen Ergebnissen kommen, können wir die These als sicher betrachten. Dennoch ist die Aussage sehr verstörend. Wir möchten doch alle lieber nach unseren Leistungen beurteilt werden und nicht, ob wir ins Beuteschema unseres Arbeitgebers passen oder uns nach seinem Geschmack genug schminken. Hättest du vermutet, dass attraktive Menschen und geschminkte Frauen besser verdienen? Schreib es uns in den Kommentaren.

Bildquellen:

iStock/bokan76, iStock/robertprzybysz


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