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Nachhaltig Geld anlegen: Finanzexpertin erklärt, worauf du achten musst!

Interview

Nachhaltig Geld anlegen: Finanzexpertin erklärt, worauf du achten musst!

Immer mehr Frauen nehmen ihre Finanzen selbst in die Hand und beschäftigen sich somit auch damit, wo sie ihr Geld am besten anlegen. Nachhaltigkeit gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. Wir wollen nicht nur investieren, wir wollen nachhaltig investieren. Doch das gestaltet sich oftmals gar nicht so einfach. Mit Maria Mann, Gründerin des Unternehmens Financery, haben wir darüber gesprochen, was wir beachten müssen, wenn wir nachhaltig Geld anlegen.

Financery ist ein Finanz-Service, der sich auf die Bedürfnisse von Frauen spezialisiert hat. Frauen können sich hier einfach und flexibel Geld anlegen. Financery erstellt dabei jeder Frau einen zu ihr passenden ETF-Sparplan und überwacht das Portfolio. Außerdem geben die Finanzexpertinnen regelmäßig Workshops – unter anderem auch zur Frage der nachhaltigen Geldanlage. Gründerin und Finanzberaterin Maria Mann weiß, wie undurchsichtig nachhaltige Geldanlagen sein können. Im Interview erklärt sie, wie wir es trotzdem meistern können und warum jeder kleine Schritt zählt.

Maria Mann ist Gründerin von Financery. Im Interview erzählt sie uns, worauf es bei nachhaltigen Geldanlagen ankommt.

Desired: Viele denken Nachhaltigkeit und Finanzen passen nicht so richtig zusammen. Dabei ist es doch eigentlich grundsätzlich erst mal nachhaltiger, mein Geld zu sparen, als immer mehr zu konsumieren, oder nicht?

Maria: Absolut! Sparen ist erstmal immer ein guter Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Wenn wir ehrlich sind, konsumieren wir wahrscheinlich alle viel zu viel und geben unser Geld für Dinge aus, die wir gar nicht unbedingt brauchen. Wollen wir unser Geld aber sinnvoll anlegen, ist sparen nur der erste Schritt. Bleibt das Geld einfach auf dem Konto liegen, haben wir in der aktuellen Niedrigzinsphase nichts davon. Es ist also sinnvoll, das Geld zu investieren. Es kommt aber natürlich auch darauf an, worein ich mein Geld investiere. Wenn mir Nachhaltigkeit wichtig ist, dann macht es durchaus Sinn, mich auch für eine nachhaltige Geldanlage zu entscheiden. Die stehen klassischen Investments oftmals auch in der Rendite in Nichts nach.

Welchen Unterschied macht es denn, ob ich mich für eine nachhaltige Geldanlage entscheide? Hat das wirklich einen Einfluss auf beispielsweise das Klima?

Auf jeden Fall. Wir haben nicht nur als Konsument*innen einen Einfluss, indem wir uns etwa beim Kauf eines T-Shirts für ein nachhaltiges Modellabel entscheiden, sondern auch mit unseren Investments. In beiden Fällen zeigen wir, dass hier eine Nachfrage nach mehr nachhaltigen Produkten besteht und beeinflussen so den Markt. Und natürlich ist es auch nachhaltiger, wenn ich das Geld, das ich jetzt nicht für ein neues T-Shirt bei H&M ausgegeben habe, jetzt auch nicht in ein Unternehmen investiere, das Kohle abbaut, sondern lieber in ein Unternehmen, das sich für Nachhaltigkeit einsetzt.

Welche Möglichkeiten gibt es denn, nachhaltig zu investieren?

Aktuell sind ETFs eine beliebte Anlageform, auch hier gibt es nachhaltigere Optionen. Aufgrund der hohen Nachfrage kommen auch immer mehr neue ETFs auf den Markt. ETF bedeutet „Exchange Traded Funds“, das sind also Fonds, die einen bestimmten Index wie den DAX, den MSCI World oder eine bestimmte Branche nachbilden. Alternativ gibt es auch aktiv gemanagte Fonds, die nachhaltig investieren. Da kann das FNG-Siegel eine Orientierung geben. FNG bewertet verschiedene aktiv gemanagte Fonds nach Nachhaltigkeitskriterien und vergibt das Siegel, wenn diese erfüllt werden. Sowohl aktiv gemanagte Fonds als auch ETFs haben eine gute Performance, aktiv gemanagte Fonds sind allerdings meist etwas teurer, weil sie höhere Verwaltungsgebühren haben. Die dritte Variante wäre es, gezielt in Unternehmen zu investieren, die viel für Nachhaltigkeit tun. Alle Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden, bringen jährlich Berichte raus, in denen sie auch angeben, inwiefern sie ihre Prozesse nachhaltiger gestalten.

Für viele sind wahrscheinlich vor allem die ETFs interessant. Nach welchen Kriterien wird denn hier entschieden, ob ein Fonds nachhaltig ist?

Für Nachhaltigkeit gibt es bei ETFs verschiedene Klassifizierungen. Die schwächste ist ESG-screenend. ESG steht für „Environmental Social Governance“. Die ESG-Kriterien funktionieren nach dem Ausschließprinzip. ESG-screenend etwa schließt aber nur sogenannte kontroverse Waffen aus. Wenn ich also in einen Fonds mit dieser Klassifikation investiere, etwa einen MSCI World ESG-screened ETF, werden Minen und Giftgas ausgeschlossen. Unternehmen, die nur normale Schusswaffen herstellen, sind aber weiterhin enthalten. In den weiteren Klassifikationen werden immer mehr Unternehmensbereiche ausgeschlossen. Die höchste Stufe, bei der am meisten ausgeschlossen wird, ist SRI, das steht für „Socially Responsible Investing“. Innerhalb dieser Kategorie gibt es dann noch mal einen „Best In Class“-Ansatz. Das heißt es werden die Unternehmen oder Staatsanleihen ausgesucht, die innerhalb dieser Kategorie die besten sind.

Also wäre ein Investment nach diesen Kriterien wirklich nachhaltig? Oft wird einem hier ein MSCI World SRI-ETF empfohlen.

Leider nicht. Auch SRI-ETFs sind noch nicht zu 100 Prozent nachhaltig. Das beste Beispiel ist etwa der Ölkonzern BP. Der wurde unter Berücksichtigung der SRI-Kriterien als nachhaltiges Unternehmen eingestuft. Wenige Wochen später war dieser Konzern dann für die Ölkatastrophe vor Amerika verantwortlich.

Überhaupt ist ein Investment in Öl ja auch nicht unbedingt das, was man sich unter einer nachhaltigen Geldanlage vorstellt. Welche Alternativen gibt es denn, um sowas zu verhindern?

Es gibt auch ETFs, die bestimmte Märkte nachbilden, zum Beispiel erneuerbare Energien. Natürlich bestimmen wir als Konsumenten aber auch, wie nachhaltig ein Markt wirklich ist. Steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten, wirkt sich das auch auf den Markt aus. Auch das FNG-Siegel ist noch mal deutlich strenger als die SRI-Kriterien. Oder aber man investiert nur in Unternehmen, die man selbst auf die eigenen Nachhaltigkeitskriterien überprüft. Noch nachhaltiger ist das sogenannte „Impact Investing“. Hier sichert man sich auch ein Mitspracherecht in den Unternehmen. Dafür muss man aber natürlich meist mit einer hohen Summe, in der Regel sechsstellig, einsteigen.

Das können sich die meisten vermutlich nicht leisten. Wenn ich also stattdessen in ETFs oder Fonds investieren will, wie kann ich da „Greenwashing“ erkennen?

Ich glaube man muss sich bewusst machen: Es ist nicht überall nachhaltig drin, wo nachhaltig draufsteht. Man sollte also auch bei einem SRI-ETF immer prüfen, welches Unternehmen da tatsächlich drin ist. Dann muss man selbst entscheiden, ob das etwas ist, worin man investieren möchte. 100-prozentig nachhaltige Investments gibt es im ETF-Bereich einfach noch nicht. Trotzdem macht es aber natürlich einen Unterschied, ob ich mich für einen nachhaltigeren ETF in der SRI-Kategorie entscheide oder für einen ETF, der mitunter auch in kontroverse Waffen investiert. Die Unternehmen die ETFs anbieten, sehen natürlich auch hier die Nachfrage. Das heißt je mehr Leute sich für das Thema interessieren, desto mehr nachhaltige ETFs werden auch aufgelegt.

Nicht nur durch deine Investments, sondern auch durch dein Verhalten im Alltag, kannst du einen positiven Einfluss nehmen. Wir zeigen dir im Video fünf einfache Alltagstipps, die du ganz leicht umsetzen kannst:

Ist es denn riskanter, nur nachhaltige Investments zu tätigen? ETFs, die den MSCI World nachbilden sind ja meist auch deshalb so beliebt, weil sie so breit gestreut sind und man in besonders viele Unternehmen investiert.

Trotzdem beinhalten diese ETFs meist nur Aktien, was ja grundsätzlich erst mal eine eher risikobehaftete Anlageklasse ist. Das Risiko kann man zum Beispiel auch dadurch minimieren, dass man in ETFs investiert, die nicht nur Aktien, sondern zum Beispiel auch Staatsanleihen oder Rohstoffe enthalten. Das größte Risiko habe ich natürlich immer, wenn ich in eine einzelne Aktie investiere. Mit reinen Aktienfonds streue ich das Risiko schon weiter, weil ich eben in ganz viele Unternehmen investiere. Grundsätzlich reagieren Aktien aber immer sehr stark auf Marktschwankungen. Andere Anlageklassen wie Staatsanleihen weniger, hier kann ich aber auch nicht so hohe Rendite machen. Wenn ich also einen nachhaltigen ETF wähle, der mehrere Anlageklassen enthält, kann ich mein Risiko dadurch sehr gut verteilen.

Das Thema Finanzen kann oft ziemlich komplex sein. Vieles lernen wir erst im Laufe des Lebens dazu. Doch wir können aus den Erfahrungen anderer lernen. Hier teilen Frauen ihre besten Finanztipps, die sie gerne schon früher gewusst hätten:

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Financery

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