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Interview mit Diana Juric

Warum wir öfter unser Gehalt verhandeln sollten

Gehaltsverhandlungen sollten eigentlich etwas ganz Normales sein. Doch für viele Menschen, vor allem Frauen, ist die Überwindung dazu, nach mehr Gehalt zu fragen groß. Studien zufolge verhandeln Frauen ihr Gehalt deutlich seltener. Oftmals sind die Gründe hierfür Unsicherheit und Angst vor Ablehnung. Diana Juric ist Gründerin von Wohlfühlgehalt und Gehaltscoachin. Im Podcast verrät sie uns, wie wir diese Angst überwinden und uns perfekt auf die nächste Gehaltsverhandlung vorbereiten könne.

Dies ist eine gekürzte Version des Interviews. Das vollständige Interview kannst du dir in unserer aktuellen Podcast-Folge anhören.

Warum ist das Thema Gehaltsverhandlung gerade für Frauen so wichtig?

Deutschland ist bezüglich des Gender Pay Gaps im europäischen Vergleich eines der Schlusslichter. Der Gender Pay Gap beträgt hier laut aktuellen Daten unbereinigt 18 Prozent und bereinigt 6 Prozent. Bereinigt bedeutet, dass die Gehälter für ähnliche Positionen und Karrierestufen verglichen wurden. Die sechs Prozent sind also vollständig auf den Geschlechterunterschied zurückzuführen. Das klingt zunächst nicht sehr viel. Wenn wir das aber auf unser gesamtes Arbeitsleben verrechnen, kommt da eine große Summe raus. Durchschnittlich verdienen Frauen in ihrem Leben 660.000 Euro weniger als Männer. Das nennt man auch den Gender Lifetime Earnings Gap. Unser Gehalt ist eine einfache Schraube, an der wir drehen können, um diese Lücke zu verkleinern. Natürlich spielen bei den Gehaltsunterschieden viele weitere Faktoren eine Rolle, die wir selbst nur schwer beeinflussen können. Deshalb ist es umso wichtiger, beim Gehalt für sich und den Wert der Arbeit einzustehen. Damit tun wir nicht nur uns selbst einen Gefallen, sondern setzen auch ein Zeichen für Gerechtigkeit. Denn es kann nicht sein, dass das Geschlecht im Jahr 2022 beim Gehalt noch eine Rolle spielt.

Studien zufolge fordern Frauen geringere Einstiegsgehälter und verhandeln ihr Gehalt auch seltener neu. Hast du eine Idee, woran das liegen kann?

Hier kann ich aus meiner Erfahrung als Gehaltscoachin, aber auch aus eigener Erfahrung sprechen. Ich glaube uns beeinflusst die klassische Rollenverteilung unterbewusst noch sehr. Frauen wird schon in der Kindheit beigebracht, dass Bescheidenheit eine Tugend ist, dass sie sich anpassen und nicht zu viel verlangen sollen. Dadurch entstehen in uns Glaubenssätze und Überzeugungen, die uns noch heute negativ beeinflussen. Das Thema Geld wird uns häufig schon früh als „Männerthema“ vermittelt. Das alles führt dazu, dass wir Frauen Gehaltsverhandlungen schnell zu sehr überdenken und zu viele Ängste haben. Sie haben das Gefühl, noch nicht genug für die Gehaltserhöhung geleistet zu haben oder dass sie doch eigentlich dankbar für das, was sie haben, sein sollten. Hinzu kommt die Angst vor Ablehnung. Männer sind in diesen Punkten oft direkter und zerdenken das Thema nicht so sehr. Natürlich kann man das nicht auf alle Männer und alle Frauen verallgemeinern. Aber tendenziell fällt es Frauen in diesem Punkt oft schwerer, sich zu überwinden und den ersten Schritt zu machen.

Viele Frauen suchen immer den perfekten Zeitpunkt, um eine Gehaltsverhandlung anzusprechen. Wann bietet sich das denn grundsätzlich an?

Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Ich glaube, hier ist es auch ganz wichtig, in sich hineinzuhören. Oftmals wollen wir dem Thema aus dem Weg gehen und erfinden deshalb vor uns selbst immer wieder Ausreden, warum es jetzt gerade nicht passt. Ich würde immer sagen: Der richtige Zeitpunkt ist, wenn du dich mit deinem Gehalt nicht wohlfühlst. Dein Gehalt spiegelt den Wert deiner Arbeit. Wenn das deiner Meinung nach nicht im Gleichgewicht ist, dann solltest du das ansprechen. Natürlich gibt es aber ein paar Anhaltspunkte, an denen man sich orientieren kann. Ein typischer Zeitpunkt, um eine Gehaltsanpassung anzusprechen, ist etwa nach der Probezeit. Das kann man teils auch schon zu Beginn des neuen Jobs vereinbaren. Ein guter Zeitpunkt ist natürlich auch, wenn eine Beförderung ansteht oder neue Aufgaben und Verantwortungsbereiche übernommen werden. Hier kann man auch direkt größere Sprünge machen.

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Man sollte sich aber nicht nur an solchen großen Veränderungen festhalten. Denn auch unabhängig davon, entwickeln wir uns ständig weiter, sammeln neue Erfahrungen und optimieren unsere Prozesse. Mit jedem Jahr in deinem Job wirst du besser. Das ist eine ganz normale Entwicklung. Vergleichst du deinen aktuellen Stand mit dem vor einem Jahr, wirst du sicher Fortschritte feststellen, die du dann auch als Argument für eine Gehaltserhöhung anführen kannst. In welchem Abstand du dein Gehalt verhandeln kannst, hängt auch ein wenig von deinem Unternehmen ab. Hier kannst du zum Beispiel mit Kolleg*innen sprechen und herausfinden, in welchen Abständen sie mehr verlangen. Doch auch hier gilt: Nur weil andere ihr Gehalt nur alle paar Jahre neu verhandeln, heißt es nicht, dass du das auch machen musst. Du kannst auch die erste sein, die sich traut, das Thema öfter anzugehen.

Die vollständige Folge kannst du dir hier bei Spotify anhören:

Du findest Diana auf Instagram unter @wohlfuehlgehalt und auf ihrer Website wohlfuehlgehlt.de

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Bildquelle: rudolf-grillborzer.de

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