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Gender Care Gap

Was ist Care Arbeit und wieso wird sie so häufig nicht bezahlt?

Wenn über den Gender Pay Gap, Altersvorsorge und Female Empowerment gesprochen wird, ist häufig die Rede von unbezahlter Care Arbeit oder Sorgearbeit. Doch was genau versteht man unter Care Arbeit, wieso wird sie meist von Frauen übernommen und vor allem: Warum wird sie in den meisten Fällen nicht bezahlt?

Die klassische Rollenverteilung, in der der Mann arbeiten geht und die Frau zuhause bleibt, um sich um Kinder und Familie zu kümmern, gibt es in den meisten Familien nicht mehr. Zwar sind es meist die Mütter, die Elternzeit beanspruchen und so für einen längeren Zeitraum nicht arbeiten gehen, nach ein paar Jahren jedoch gehen die meisten Frauen wieder zurück in den Beruf – und übernehmen trotzdem einen Großteil der sogenannten Care Arbeit.

Was ist unbezahlte Care Arbeit?

Unter Care Arbeit, auch Sorgearbeit genannt, fallen laut der Bundeszentrale für politische Bildung alle Aufgaben des Sorgens und Sichkümmerns. Häufig haben wir dabei vor allem die Kinderbetreuung vor Augen, aber auch die Pflege älterer oder kranker Familienangehöriger oder Freunde fällt in den Bereich der Care Arbeit. Natürlich gibt es viele Berufsgruppen, deren Arbeit unter Care Arbeit fällt, wie etwa Krankenpfleger*innen, Erzieher*innen, oder Altenpfleger*innen. Ein Großteil der Care Arbeit wird jedoch noch immer als selbstverständlich angesehen und unbezahlt zu Hause verrichtet.

Was ist der Gender Care Gap?

Den größten Anteil übernehmen dabei nach wie vor Frauen. Weltweit wird etwa Dreiviertel der Care Arbeit von ihnen erledigt. Diese Ungleichheit nennt man auch den Gender Care Gap. In Deutschland liegt dieser aktuell laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bei 52,4 Prozent. So viel mehr Zeit verbringen Frauen täglich mit unbezahlter Care Arbeit. In absoluten Zahlen bedeutet das: Männer verrichten am Tag durchschnittlich 2,31 Stunden für Care Arbeit, Frauen 5,18 Stunden. Und das über den Durchschnitt aller Altersgruppen hinweg! In Altersgruppen, in denen viele Paare kleine Kinder haben, liegt der Gender Care Gap deutlich höher. In der Gruppe der 34-Jährigen mit Kindern etwa beträgt er 110,6 Prozent.

Welche Probleme entstehen durch unbezahlte Care Arbeit?

Diese ungleiche Verteilung bringt für Frauen eine ganze Reihe an Problemen mit sich. Zum Einen werden Frauen dadurch, dass sie einen Großteil ihrer Arbeitszeit für Care Arbeit aufbringen, für viele geleistete Arbeitsstunden nicht bezahlt. Weltweit arbeiten Männer laut Oxfam-Bericht im Schnitt 6 Stunden und 44 Minuten und werden für 5 Stunden und 21 Minuten davon bezahlt. Frauen hingegen arbeiten mit 7 Stunden und 28 Minuten insgesamt mehr, werden aber nur für 3 Stunden und 3 Minuten ihrer täglich geleisteten Arbeit bezahlt. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Zeit, in der die Care Arbeit geleistet wird. Selbst wenn eine Frau nach der Elternzeit wieder in den Beruf einsteigt, hat sie Zeit verloren, die Männer zum Beispiel für Weiterbildungen und eine Beförderung genutzt haben. Die „Lücke im Lebenslauf“ wird zudem oft genutzt, um ein geringeres Gehalt zu begründen. Unbezahlte Care Arbeit ist demnach beim Gender Pay Gap ein großer Faktor. Dadurch dass die meiste Care Arbeit auf sie zurückfällt, haben Frauen außerdem häufig auch nicht die Zeit, Vollzeit wieder in ihren Job einzusteigen. Das alles führt dazu, dass Frauen letztendlich weniger Vermögen aufbauen und schlechter für die Rente vorsorgen können. Altersarmut ist deshalb bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern.

Hinzukommt der große psychische Druck, der auf Frauen lastet, die Beruf und Kinderbetreuung irgendwie unter einen Hut bekommen müssen. Dadurch, dass Care Arbeit oft nicht als „richtige Arbeit“ angesehen wird, herrscht oft wenig Verständnis dafür, wenn eine Person aufgrund der Kinderbetreuung Meetings verpasst oder keine Überstunden leisten kann. Nach wie vor dominiert die Ansicht, dass Frauen in der Verantwortung stehen, die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Care Arbeit zu gewährleisten und nicht die Arbeitgeber.

Zudem ist unbezahlte Care Arbeit auch ein Problem für Menschen in pflegenden Berufen. Denn dadurch, dass diese Arbeit oft noch immer als „selbstverständlich“ angesehen wird, werden diese meist schlecht bezahlt. Auch das trägt weiter zum großen Gender Pay Gap bei – denn in diesen Berufen ist der Frauenanteil besonders hoch.

Dass Care Arbeit häufig noch von Frauen ausgeübt wird, hängt auch mit alten, sexistisch geprägten Rollenbildern zusammen. Tatsächlich nehmen Frauen und Männer Sexismus auch ganz anders wahr, wie unsere Umfrage zeigt:

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Sollte Care Arbeit bezahlt werden?

Bei all diesen Problemen scheint es nur fair, dass Care Arbeit bezahlt wird. Doch die Frage ist: Von wem und was genau? Denn Care Arbeit findet noch immer im Privaten statt und kann in ganz anderem Umfang ausgeführt werden. Auch eine alleinstehende Person muss einen Haushalt führen, kochen, waschen und putzen ohne dafür bezahlt zu werden. Kommen jedoch Kinder oder zu pflegende Verwandte hinzu, die sich nicht um sich selbst kümmern können, entsteht durch die geleistete Arbeit auch ein gesellschaftlicher Nutzen. Deshalb gibt es bereits einige staatliche Vergütungen für Care Arbeit, wie etwa das Elterngeld. Auch für die Pflege von Verwandten kann es einen staatlichen Zuschuss geben, wenn bei diesen ein Pflegegrad festgestellt wird. Darüber, ob diese Zahlungen angemessen hoch ausfallen, lässt sich jedoch streiten.

Es gibt jedoch auch noch eine andere Möglichkeit, Care Arbeit zu vergüten, die innerhalb der Familie selbst stattfindet. Hier bekommt die Person, die karrieretechnisch zurücksteckt, um sich um die Familie zu kümmern einen finanziellen Ausgleich von der Person, die weiterhin arbeiten geht. Immerhin profitiert diese Person von der Care Arbeit, die ihr*e Partner*in leistet, kann weiterhin ein volles Gehalt verdienen und Karrierechancen nutzen. Wie hoch genau diese Zahlung ausfällt, müssen die beteiligten Personen unter sich ausmachen. Idealerweise sollte sie nicht nur den aktuellen Lohnausfall decken, sondern auch die Möglichkeit geben, Geld für die Altersvorsorge zu sparen. Wichtig ist dabei, dass dieses Geld nicht als ein Taschengeld verstanden, sondern als gerechtfertigtes Gehalt für die erbrachte Leistung angesehen wird.

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