arbeiten im Ausland
Nina Rölleram 15.11.2018

Einige Zeit fürs Studium, ein Praktikum oder einen Job ins Ausland zu gehen, macht sich nicht nur im Lebenslauf gut, sondern ist auch eine persönliche Bereicherung. Das kann die Heidelbergerin Gina Mankin nur bestätigen: Sie lebt bereits seit sieben Jahren in Estland und hat ihren Traumjob gefunden. Wir wollten von der 29-Jährigen wissen, wie man sich in eine fremde Kultur einlebt und was das beste Mittel gegen Heimweh ist.

Gina ist für ihr Bachelorstudium in Politikwissenschaften zunächst in ihrer Heimatstadt Heidelberg geblieben. Nach einem Auslandspraktikum und einem Erasmus-Semester hat sie jedoch den Schritt gewagt, für mehrere Jahre nach Estland zu ziehen und für die Produktentwicklung des Start-ups „Transferwise“ zu arbeiten. Ihre neun praktischen Tipps werden dich bestimmt ermutigen, denn Ginas Erfahrung hat gezeigt: Mach dir nicht zu viele Gedanken und trau dich!

Gina Mankin

Gina Mankin ist glücklich darüber, nach ihrem Master-Studium in Estland geblieben zu sein.

#1 Fang früh an, dich vorzubereiten

„Der Wunsch, ins Ausland zu gehen, kam bei mir schon in der 7. Klasse auf. Das hat mich im Englisch-Unterricht wirklich motiviert meine Vokabeln zu lernen. In der Oberstufe habe ich nach der Schule gearbeitet, um schon mal Geld anzusparen und nach dem Abi die Auslandserfahrungen sammeln zu können.“

#2 Leg dich nicht auf ein Land fest

„Nach dem Abi wollte ich etwas ganz anderes erleben, weit weg von Deutschland. Ich hatte Afrika im Kopf und dort nach Praktika gesucht. Es hat aber leider nicht geklappt. Im Endeffekt habe ich ein Praktikum in Los Angeles bekommen. Dort war ich dann nach dem Abi für vier Monate. Während meines Bachelor-Studiums in Deutschland habe ich dann ein Erasmus-Semester in Spanien verbracht. Für meinen Master bin ich dann ausgewandert und nach Tallinn gezogen.“

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#3 Spare nicht an Heimatbesuchen

„Ich möchte jeden zweiten Monat meine Familie besuchen und plane dafür auch entsprechend Budget ein. Gerade wenn man mal eine schwierigere Phase durchlebt oder krank ist, ist es hilfreich bei der Familie zu sein.“

#4 Besiege Unsicherheiten durch Sprachkenntnisse

„Mir hat es immer geholfen, die Sprache gut zu können. Bevor ich nach Estland gezogen bin, habe ich bereits einen Sprachkurs über Skype angefangen. So habe ich mich direkt wohler gefühlt und konnte mir ein Leben viel besser vorstellen. Als ich letztlich vor Ort ankam, hat die Sprache direkt viele Türen geöffnet und die Verständigung erleichtert.“

#5 Lass dich überraschen

Gina Mankin Estland

Gina Mankin hätte früher nicht gedacht, dass es sie mal nach Estland verschlägt.

„Ich war vorher noch nie in Estland und genauso war es auch bei allen anderen Ländern, in denen ich Praktika gemacht oder studiert habe. Auf Estland bin ich nur gekommen, weil ich in der Datenbank für internationale Erasmus-Studiengänge geschaut habe, was es so gibt. Dort fand ich einen Studiengang in Tallinn, der mich interessiert hat. Da dachte ich mir: ‚Wo ist noch mal Tallinn?‘ Die einzige Verbindung nach Estland war, dass der Großvater meines damaligen Freundes von dort kam. Also habe ich ihm vorgeschlagen: ‚Warum gehen wir nicht für den Master nach Estland, ins Land deiner Vorfahren?‘ Das war eine coole Motivation, dorthin zu gehen.“

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#6 Hab Geduld beim Knüpfen sozialer Kontakte

„Wenn ich die estnische Mentalität mit denen anderer Länder vergleiche, würde ich sagen, dass die Esten eher zurückhaltend und ruhig sind. Ein halbes Jahr vorher war ich in Spanien und und mir ist aufgefallen, dass die Spanier viel lauter reden. In Bussen in Estland ist es zum Beispiel total leise, fast niemand redet und es ist extrem still. Man spricht auch nicht jemanden an, den man nicht kennt. Es ist schon schwieriger, mit Finnen und Esten Freundschaften zu knüpfen – aber nur am Anfang. Wenn man dann Freundschaften geknüpft hat, sind die richtig treu und loyal.“

#7 Pflege Kontakte zu Zugezogenen und Einheimischen

„Bei all meinen Auslandsaufenthalten habe ich gemerkt, dass ein Mix aus Kontakten zwischen Zugezogenen und sogenannten Expats (Anm. d. Redaktion: Menschen, die ebenfalls aus dem Ausland kommen und vorübergehend in dem Land wohnen) und Einheimischen mir gutgetan hat. Andere Expats haben ähnliche Erfahrungen, weil sie sich ebenfalls in einem neuen Land mit anderer Kultur einleben und man sich über gemeinsame Erfahrungen austauschen kann. Gleichzeitig war es mir wichtig Kontakte zu Einheimischen aufzubauen, um Land und Leute besser zu kennenzulernen und zu verstehen.“

#8 Kümmere dich vorher um eine Bankverbindung

„Einige bürokratische Angelegenheiten kann man bereits vor dem Umzug in ein neues Land erledigen. Eine der schwierigsten Herausforderungen im Ausland – vor allem außerhalb Europas – ist es, eine Bankverbindung zu bekommen. Das kann ewig dauern. Dadurch kann ein Teufelskreis entstehen: Man kommt nicht an sein Geld, kann sich aber erst eine Wohnung mieten, wenn man ein Bankkonto hat. „Transferwise“, das Start-up, für das ich seit 5 Jahren arbeite, hat genau dafür eine Lösung: Mit einem Klick kann man zum Beispiel eine amerikanische Bankverbindung haben, was den Start viel einfacher gestaltet.“

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#9 Du brauchst keinen fertigen Lebenplan

„Ich werde ständig gefragt, ob ich für immer in Estland bleiben möchte. Ich habe darauf noch keine definitive Antwort. Momentan bin ich glücklich und fokussiere mich ganz auf meinen Job. Wenn ich aber mal Kinder habe, möchte ich gerne näher bei meiner Familie sein und werde vermutlich zurück nach Deutschland ziehen.“

Was Gina von ihren Auslandserfahrungen gelernt hat, ist die Erkenntnis, dass sich viele Dinge auch anders lösen lassen. Ihre „deutsche Herangehensweise“ sei nicht immer die richtige und es erweitere den Horizont, andere Perspektiven aufgezeigt zu bekommen. Warst du selbst bereits für längere Zeit im Ausland? Erzähl uns in den Kommentaren, was du in dieser Zeit gelernt hast!

Bildquelle:

iStock/nortonrsx, Gina Mankin

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