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Zu starke Gefühle?

Beziehung mit Borderline: Was ihr beide wissen müsst

Beziehungen mit Borderlinern wirken zu Beginn meist perfekt: Sie sind geprägt von leidenschaftlichem Sex, intensiven Emotionen und einem tiefen Gefühl der Verbundenheit. In der Regel kommt es aber bald zu Problemen. Wir verraten dir Expert*innen-Tipps, wie du dich als Betroffene*r oder in einer Beziehung mit einem Borderliner am besten verhalten solltest.

Ist eine Beziehung mit Borderlinern überhaupt möglich?

Eines vorweg: Beziehungen mit einer am Borderline-Syndrom erkrankten Person sind nicht unkompliziert. Das liegt daran, dass paradox wirkende Verhaltensweisen und instabile Beziehungen zum offiziellen Krankheitsbild gehören. Nach DSM-5 (dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association) können weitere Kriterien hinzukommen, die eine Beziehung erschweren:

  • Hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden
  • Drogen- und Alkoholmissbrauch
  • Essstörungen
  • Selbstmordandeutungen oder -drohungen
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Wutausbrüche
  • körperliche Auseinandersetzungen

2014 wurde zudem in einer umfassenden Studie ermittelt, dass Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen das häufigste Merkmal einer Borderline-Störung sind. Es gibt jedoch auch gute Nachrichten: Eine Langzeitstudie hat festgestellt, dass sich Beziehungen im Laufe einer Therapie und einer Besserung im Krankheitsverlauf stabilisieren. Das bedeutet also, dass Beziehungen mit Borderline durchaus möglich sind, aber eine Therapie und eine stabile und verständnisvolle Person an deiner Seite Voraussetzung sind.

Tipps für Borderliner in Beziehungen

Wenn bei dir selbst Borderline diagnostiziert wurde, wirst du wissen, dass zwischenmenschliche Beziehungen eine große Herausforderung darstellen können. Besonders eine feste Paarbeziehung erfordert eine*n Partner*in, der oder die dein Krankheitsbild versteht. Dein*e Partner*in kann oder sollte jedoch nie Ersatz für einen Therapeuten sein. Eine Langzeittherapie mit einem Psychologen, bei dem du dich wohlfühlst, ist unbedingt erforderlich. Dieser kann auch deinen Partner oder deine Partnerin einbeziehen und ihm oder ihr wichtige Verhaltenstipps geben, die genau auf dein Krankheitsbild abgestimmt sind. In einer Therapie kannst du zudem lernen, wie du dein Verhalten reflektierst und mit deinem Partner oder deiner Partnerin kommunizieren kannst. Nicht umsonst ist die sogenannte Psychoedukation eine weitverbreitete Therapieform: Indem du mehr über die Persönlichkeitsstörung lernst, wirst du auch die Diagnose akzeptieren können.

Wie du siehst, zielen diese Tipps nicht direkt auf den Umgang mit deinem Partner oder deiner Partnerin ab. Du kannst jedoch Beziehungsprobleme nur bekämpfen, indem du auf deine eigene psychische Gesundheit achtest. So schwer dir eine Therapie auch fallen mag, macht die bereits oben erwähnte Langzeitstudie Mut: Bei einer Therapie erlebt ein Großteil der Borderliner nach einigen Jahren eine deutliche Besserung. Auch die Rückfallquote ist bei Borderline sehr gering.

Auch Selbsthilfegruppen können dich in deiner Therapie unterstützen. Hier findest du andere Betroffene, mit denen du manchmal womöglich besser reden kannst als mit deinem Partner oder deiner Partnerin. Auf Borderline-Plattform.de findest du Anlaufstellen in deiner Nähe.

Tipps zum Umgang mit Borderline-Partner

In heterosexuellen Beziehungen ist meist die Frau die Betroffene, da Borderline laut dem Fachmagazin Medmix deutlich seltener bei Männern diagnostiziert wird. Borderline-Störungen kommen jedoch auch bei Männern vor. Hier kommt es häufiger zu gewaltsamen Wutausbrüchen und narzisstischem Verhalten, seltener zu Essstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Unabhängig vom Geschlecht deines an Borderline erkrankten Partners solltest du jedoch einige Dinge beachten.

Am Ende bleibt der Schmerz und die Frage WARUM?: Dynamik einer Borderline-Beziehung
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Nicht selten müssen sich Partner*innen von Borderlinern mit der Zeit selbst in Therapie begeben, weil sie mit der Machtlosigkeit und den Schuldgefühlen nicht mehr klarkommen. Gleichzeitig ist es auch ganz normal, dass du dich sehr stark zu deinem Partner oder deiner Partnerin hingezogen fühlst, selbst wenn er oder sie dir gegenüber schon oft verletzend war. Durch die intensiven Gefühlswechsel entsteht ein starker Anbindungsprozess, wie die Psychologin Helga Odendahl im Magazin Zett erklärt. Sie hat einen wichtigen Tipp, den viele Partner*innen nicht befolgen: Versuche auf extreme Gefühlsäußerungen wie Anschuldigungen oder selbstverletzendes Verhalten nicht mit mehr Fürsorge zu reagieren:

Für den Partner ist es extrem schwer. Sie müssten eigentlich stark auf Distanz gehen. Wenn aber jemand im Streit den Kopf gegen die Wand schlägt, dann ist das für den Partner so erschreckend, dass man sich kaum umdrehen und gehen wird. Das ist aber eigentlich genau das, was man dann tun sollte.

Helga Obendahl

Dieser Ratschlag fällt natürlich nicht leicht, wenn du jemanden sehr liebst. Durch das ständige darauf Eingehen wirst du dich aber immer mehr verantwortlich und schuldig für die Gefühle deines Partners oder deiner Partnerin fühlen. Nicht umsonst seien es vor allem Menschen mit ausgeprägten Schuldgefühlen, die laut der Psychologin häufig langjährige Beziehungen mit Borderlinern eingehen. Allerdings bist du nicht völlig hilflos.

Die folgenden Tipps solltest du beachten, um auf typische Borderline-Beziehungsmuster vorbereitet zu sein:

  • Setze dich mit dem Krankheitsbild Borderline auseinander und versuche, Mechanismen in eurer Beziehung besser zu verstehen.
  • Mach dir bewusst, dass dein Partner oder deine Partnerin nicht aus manipulativen Gründen so agiert, sondern destruktive Verhaltensweisen oft unbewusst aufkommen.
  • Verteidige dich nicht, wenn dein Partner oder deine Partnerin dich beleidigt oder beschuldigt.
  • Versuche nicht, deinen Partner oder deine Partnerin zu therapieren und ihn oder sie über die Erkrankung zu belehren. Dies kann und sollte nur ein*e geschulte*r Therapeut*in übernehmen.
  • Auch selbstverletzendes Verhalten kannst du nicht unterbinden. Lege deinem Partner oder deiner Partnerin lieber professionelle Hilfe nahe.
  • Arbeite an deinem eigenen Selbstbewusstsein, um zu verhindern, dass du von Schuldgefühlen zerfressen wirst.

Solltest du oder eine dir nahe stehende Person unter einer Borderline-Störung leiden und du weißt nicht mehr weiter, kannst du dich für einen ersten Rat anonym, kostenlos und rund um die Uhr an die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 und 0800/1110222 wenden. Weitere hilfreiche Informationen findest du auf http://www.telefonseelsorge.de.

Bildquelle: Getty Images/bernardbodo, Instagram/bpdesolate
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