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Wie die Incel-Bewegung zum toxischen Internetphänomen wurde

Gefährlich?

Wie die Incel-Bewegung zum toxischen Internetphänomen wurde

Das Internet spuckt jede Menge mehr oder weniger coole Communitys, Memes und Begriffe aus. Und so hören wir in den letzten Jahren auch immer mehr von „Incels“. Hinter dieser Bezeichnung verstecken sich Männer, die – nett ausgedrückt – kein sonderlich gutes Verhältnis zu Frauen haben. Könnten sie einem auf den ersten Blick noch leidtun und auf den zweiten Blick für Spott sorgen, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass die Incel-Bewegung durchaus gefährlich ist. Wir erklären, was dahintersteckt.

Was ist ein Incel?

Der Begriff „Incel“ entstand schon in den 1990ern. Weltweit bekannt wurde er aber erst in den letzten Jahren. „Incel“ ist dabei eine zusammengesetzte Abkürzung der englischen Wörter „Involuntary“ und „Celibacy“ – also unfreiwilliges Zölibat. Dahinter verstecken sich Männer, die bisher keinen oder nur selten Sex oder eine Beziehung hatten und scheinbar bei Frauen nicht sonderlich gut ankommen. Anstatt das zu akzeptieren, vielleicht sogar zu versuchen, etwas an sich zu ändern, suchen sie das Problem bei den Frauen und bringen ihnen großen Hass entgegen. Online tun sie sich zusammen und ziehen über die „dummen“ Frauen her, die ihnen, den Beta-Männern, die vielleicht nicht sonderlich attraktiv, dafür aber vermeintlich intelligent sind, lieber weniger intellektuelle, dafür aber besonders maskuline Alpha-Männer vorziehen. Die Incels halten das für äußert ungerecht, denn in ihrer misogynen Weltanschauung sind Frauen ihnen Sex schuldig.

Incels sind in den letzten Jahren zum Internetphänomen geworden, zahlreiche Memes machen sich über sie lustig. Sie nutzen den Namen jedoch auch als Selbstbezeichnung und tun sich auf Plattformen wie 4chan oder in eigenen Foren wie Incels.is zusammen, um ihrem Hass gegen Frauen Luft zu machen. Daraus ist eine ganze Incel-Bewegung entstanden.

Wie entstand die Incel-Bewegung?

Doch wie konnte es so weit kommen? Das erste Incel-Forum gab es bereits in den 90ern – und es wurde von einer Frau gegründet. Damals mit einer ganz anderen Intention. Das Internet war noch recht frisch, ein Ort, an dem man sich mit Gleichgesinnten und Menschen, die dasselbe Schicksal teilen, austauschen konnte. Genau das wollte die Forengründerin Alana mit „Alanas Involuntary Celibacy Project“ erreichen. Es sollte eine Art Selbsthilfegruppe sein, für alle, die Probleme haben einen Partner oder eine Partnerin zu finden. Doch mit der Zeit fanden sich hier zusehends Hetero-Männer zusammen. Alana fühlte sich in der Community nicht mehr wohl, war selbst nicht mehr aktiv, löschte es jedoch lange Zeit auch nicht.

Heute besteht Alanas Forum nicht mehr, doch die Incels haben andere Orte gefunden, um sich zusammenzutun. Und sie haben sich radikalisiert. Das soll vor allem in 4chan Subboards passiert sein. Dort träumen sie von der Incel-Revolution, bei der die Betas die Alphas gewaltsam besiegen und lästern über Chads und Stacys.

Chads, Stacys, Cucks und Simps: So sehen Incels die Welt

Ja, Incels haben ihre ganz eigene Weltsicht, in der Menschen sich hervorragend in Schubladen stecken lassen. Für Frauen braucht es das glücklicherweise nur eine, denn sie sind eigentlich alle dumme „Stacys“: Oberflächlich und hingezogen zu sogenannten „Chads“, machoesken Alpha-Männern, die vor allem durch ihr Aussehen punkten. Ihnen verzeihen die Stacys, dass sie sie betrügen und sich schlecht verhalten. Incels hassen sowohl Stacys als auch Chads. Auch andere Beta-Männchen, die sich in deren System eingliedern, verachten sie. So lästern sie häufig über Cucks und Simps. Cucks sind unterwürfige Männer, die sich von ihren Frauen auf der Nase rumtanzen lassen. Simps hingegen sind viel zu nett zu Frauen – und das aus Sicht der Incels nur, um bei ihnen zu landen.

Der Twitter-Account des Incel-Forums Incels.is lässt das Weltbild der Incel-Bewegung sehr gut erkennen. „Westliche Frauen sind die Zeit und den Aufwand nicht wert, sich für sie zu verbessern“, heißt es dort etwa und es werden Memes wie dieses gepostet:

Es ist fast ein wenig, als steckten Incels in einem klischeehaften Highschool-Film fest, in dem das Mädchen sich immer in den Falschen verliebt und den unscheinbaren Nerd, der sie eigentlich viel mehr liebt, übersieht. Nur, dass Incels Frauen eben keine Liebe, sondern in erster Linie Hass und Frust entgegenbringen.

Dating kann nicht nur für Incels schwierig sein. Im Video zeigen wir dir die nervigsten Datingtrends, auf die wir gerne verzichten würden:

Warum ist die Incel-Bewegung so gefährlich?

Das alles wäre halb so wild, wenn die Incel-Bewegung wirklich nur ein Internetphänomen wäre. Die Beta-Revolution sollte eigentlich ein Meme sein, ein Scherz, der nie Wirklichkeit wird, weil im Tierreich eben immer die Alphas gewinnen. Doch leider nehmen einige Anhänger der Community diese Revolution ernst. In den letzten Jahren standen zahlreiche Amokläufe in Verbindung mit der Incel-Kultur. Das prominenteste Beispiel ist wohl der Amoklauf von Isla Vista aus dem Jahr 2014, bei dem der 22-jährige Elliot Rodger sechs Menschen und anschließend sich selbst tötete. Besonders hatte er es auf das Haus einer Studentinnenverbindung abgesehen. Vor seinem Tod veröffentlichte er ein 141-seitiges Manifest und ein YouTube-Video, in dem er unter anderem sagt:

„Ich bin 22 Jahre alt und ich bin immer noch Jungfrau. Ich habe noch nicht einmal ein Mädchen geküsst. Ich habe zweieinhalb Jahre College hinter mir, mehr als das, und ich bin noch Jungfrau. Es ist sehr qualvoll gewesen. Das College ist die Zeit, in der jeder diese Dinge wie Sex und Vergnügen erlebt. Diese Jahre musste ich in Einsamkeit fristen. Das ist nicht fair. Ihr Mädchen habt euch nie emotional zu mir hingezogen gefühlt. Ich weiß nicht, warum ihr Mädchen euch nicht zu mir hingezogen fühlt, aber ich werde euch alle dafür bestrafen.“

Elliot Rodger

2018 verübte ein 25-Jähriger einen Amoklauf in Toronto, in seinem Bekennerschreiben hieß es: „Die Incel-Rebellion hat bereits begonnen! Wir werden die Chads und Stacys stürzen! Gegrüßt seist du, oberster Gentleman Elliot Rodger!“ Diese beiden Amokläufe stehen in besonders starker Verbindung zur Incel-Bewegung. Doch auch anderen Amokläufern konnten ähnliche Motive nachgewiesen werden. Auch in Deutschland: Die Täter der in erster Linie rassistisch motivierten Amokläufe in Halle 2019 und Hanau 2020 gingen in ihren Manifesten beide auch auf den Feminismus ein. Der Täter in Hanau etwa beschwerte sich darüber, nie eine Freundin gehabt zu haben, woran Frauen und der Feminismus schuld seien.

Das sind nur einige von vielen Taten, die zeigen, wie gefährlich die Incel-Bewegung sein kann. Incels sind nicht einfach bemitleidenswerte Nerds oder Internet-Memes. Ihr Frauenhass ist gefährlich und sollte nicht einfach belächelt werden, wenn Gewaltverbrechen wie diese in Zukunft verhindert werden sollen.

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