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Interview

„Ruby Cup“ bewahrt Frauen vor Prostitution

„Ruby Cup“ bewahrt Frauen vor Prostitution

Menstruationstassen werden hierzulande als umweltfreundliche Alternative zu Tampons und Binden immer geläufiger. Der Hersteller „Ruby Cup“ kümmert sich jedoch nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern kämpft auch gegen die Tabuisierung der Periode in verschiedenen Regionen der Welt. Ich habe mich mit der „Ruby Cup“-Mitarbeiterin Ruth Asan über ihre Aufklärungsarbeit in Kenia unterhalten und erfahren, warum Menstruationstassen Frauen vor der Prostitution bewahren können. 

Das Praktische an Menstruationstassen ist, dass du dir nicht ständig neue kaufen musst, weil du sie über viele Jahre hinweg verwenden kannst. Wenn du dann also mal in eine investierst, kannst du beim Kauf auch gleichzeitig etwas Gutes tun. Ähnlich wie Share funktioniert „Ruby Cup“ nach dem 1+1-Prinzip – oder „Buy One Give One“, wie es bei „Ruby Cup“ heißt:

Schaubild Buy One Give One_Banner_vertikal © Ruby Cup

Mit dem Spenden von Menstruationstassen in Afrika ist es aber noch lange nicht getan. Die freie Journalistin und Bloggerin Ruth Asan arbeitet mit jungen Mädchen und Frauen direkt vor Ort in Kenia zusammen und hat mit mir über ihre Eindrücke und Erkenntnisse gesprochen.

Wie bist du persönlich mit Ruby Cup in Kontakt gekommen?

Ruth Asan
Ruth Asan setzt sich sowohl in Deutschland, als auch in Kenia für Frauenrechte ein.

Ich habe damals schon in Kenia gewohnt, als ich zu „Ruby Cup“ gekommen bin. Ich habe dort beim Goethe-Institut gearbeitet und hatte eine Ausstellungseröffnung beim National Museum of Kenya veranstaltet. Da ist Amaia Arranz von „Ruby Cup“, auf mich zugekommen. Sie hat mir von dem Projekt erzählt und ich fand das total spannend.

Ich war vorher schon öfter im Bereich Aufklärungs- und Gleichstellungsarbeit aktiv, aber eher auf einem abstrakteren Gebiet: Ich habe bei einem Hochschulkarrierezentrum für Frauen in Berlin gearbeitet und davor in einem Gleichstellungsbüro an der Uni Münster. Ich hatte zufälligerweise auch schon einen Artikel über die Erfahrungen junger Frauen in Kenia auf meinem persönlichen Blog veröffentlicht, der dann auch auf Bento erschienen ist. Darin war Periode ein ganz großes Thema.

Weil mich das so schockiert hatte, habe ich darüber geschrieben, dass junge Mädchen, teilweise von der Schule abgehen, wenn sie ihre Periode bekommen. Hier [in Kenia] ist das ganz normal, dass das so ist. Amaia hatte sich in Vorbereitung auf unsere Zusammenarbeit meinen Blog angeschaut und das hat dann einfach super gepasst.

Das war mir nicht klar, dass die Periode immer noch ein Grund für soziale Ausgrenzung sein kann. Wenn man sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat, könnte man auch denken, dass Aufklärungsarbeit über Menstruation nicht so wichtig ist. Wirst du manchmal gefragt, warum du dich ausgerechnet dafür einsetzt?

Eigentlich nicht. Vorbehalte habe ich mehr in Deutschland zu spüren bekommen, als ich noch im Bereich Gleichstellung gearbeitet habe. So dieses Typische: „Ihr habt doch schon gleiche Rechte! Was wollt ihr denn noch?“ Das passiert mir eher in Deutschland, hier in Kenia eigentlich überhaupt nicht.

Ich habe in einem Interview auf dem „Ruby Cup“-Blog mit dir gelesen, dass Mädchen wegen ihrer Periode von ihren Mitschülern gehänselt werden. Geht das nur von den Jungs aus oder haben auch Mädchen in Kenia diese Vorurteile verinnerlicht?

Soweit ich das gehört habe, geht das eher von den Jungs aus. Vielleicht auch von den Mädchen, die ihre Periode selber noch nicht haben. Die Periode hier in Kenia zu bekommen ist anscheinend so eine Schockerfahrung, so etwas Traumatisierendes, weil viele Mädchen noch gar nicht wissen, was mit ihnen passiert. Viele Mädchen kommen das erste Mal mit der Periode in Kontakt, wenn sie Blut an Kleidungsstücken ihrer Mütter oder Tanten sehen. Und dann wissen sie nicht, was das ist und haben total Angst, dass ihre Familienangehörigen krank sind. Das schockt die Mädchen so sehr, dass sie andere dafür nicht hänseln würden, wenn sie so etwas mal miterlebt haben.

Arbeitest du vorrangig mit jungen Mädchen?

Ruth Asan interviewt afrikanische Frauen (c) Ruby Cup
Ruth spricht in persönlichen Interviews das Tabuthema Periode an.

Bei den Interviews, die ich mit „Ruby Cup“ geführt habe, bin ich ins westliche ländliche Kenia gefahren und habe dort Schulmädchen im Alter von 13 bis 16 Jahren interviewt. Das sind Mädchen, die „Ruby Cup“ schon bekommen haben. Ich habe sie zu ihren eigenen Erfahrungen befragt. Das heißt, Mädchen, die ihre Periode schon haben und auch bereits durch das „Ruby Cup“-Training durchgegangen sind, wo sie mehr über ihren eigenen Körper und ihre Periode lernen. Zusätzlich habe ich auch noch Mentorinnen interviewt. Das sind ältere Frauen, die für die „Golden Girls Foundation“ arbeiten, der lokale Partner von „Ruby Cup“. Die bilden Frauennetzwerke, wo sie einander schulen, trainieren und Jobmöglichkeiten verschaffen.
Jetzt im Moment arbeite ich an einer Porträtserie, in der ich alle möglichen Leute interviewe, die mit „Ruby Cup“ zu tun haben. Da sind dann auch Männer dabei.

Passiert es, dass die jungen Mädchen nach einem solchen „Ruby Cup“-Training nach Hause gehen und ihre älteren Familienmitglieder aufklären?

Junge Trainerinnen erklären die Anwendung von Menstruationstassen an Schulen.

Ja, auf jeden Fall! Es passiert oft, dass die Mädchen nach dem „Ruby Cup“-Training nach Hause kommen, den „Ruby Cup“ präsentieren und alles erzählen, was sie gelernt haben. Dann kommen aber die Erwachsenen häufig mit irgendwelchen Mythen an, zum Beispiel „Ruby Cup“ würde deine Vagina vergrößern, Krebs verursachen oder natürlich sehr viele Jungfräulichkeitsmythen [Anm. d. Redaktion: Weil Menstruationstassen in die Vagina eingeführt werden, existiert in manchen Regionen noch das Vorurteil, dass Mädchen dadurch entjungfert werden. „Ruby Cup“ involviert daher die gesamte Community, also auch Lehrer und Eltern, um über diese Mythen aufzuklären.]. Da sind die jungen Mädchen mit ihrem eigenen Wissen oft nicht sicher genug, um dagegen anzukämpfen. Aber ich glaube, es hilft schon, dass sie ein bisschen aufgeklärter sind.

Wenn Menstruationstassen in Kenia so etwas Anrüchiges haben, die Angst besteht, dass sie die Vagina vergrößern und zur Entjungferung führen, wäre es dann nicht einfacher, Alternativen anzubieten? Zum Beispiel Binden, die man nicht einführen muss?

Ja, das machen andere Firmen auch. Es gibt zum Beispiel wiederverwendbare Binden. Das Problem ist, dass man die nach jedem Gebrauch waschen muss. Häufig ist es in Kenia schwierig, so oft und konstant an sauberes Wasser zu kommen und die dann auch unter hygienischen Bedingungen mit Seife zu waschen. Wenn man erst mal über dieses Jungfräulichkeitstabu hinweg ist, ist „Ruby Cup“ meiner Meinung nach eine sehr gute Lösung, aber es gibt auch Alternativen für Frauen, die damit Probleme haben.

Eine Menstruationstasse muss man aber auch reinigen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich am Anfang selbst Bedenken hatte, dass man Menstruationstassen ständig penibel säubern muss, um sich keine Infektion zu holen. Dabei habe ich immer fließendes Wasser und Seife zur Verfügung. Ist die Verwendung von Menstruationstassen in Kenia nicht auch ein Gesundheitsrisiko?

Mit dem eigens entwickelten Becher lässt sich die Ruby Cup noch einfacher reinigen.

Also du benutzt die Tasse selber?

Ja.

Ah ja, okay. Es ist ja so, dass du die Tasse beim Wechseln wäschst. Die Menstruationstasse hat den Vorteil, dass du sie 12 Stunden lang benutzen kannst, wenn du keinen superstarken Flow hast. Das heißt, du musst sie in der Regel nur zweimal am Tag auswaschen. Wenn du gerade kein Wasser zur Hand hast, kannst du sie auch einfach mit Toilettenpapier auswischen. Du musst sie dann nur ein einziges Mal nach Ende deiner Periode oder vor Anfang deiner nächsten abkochen, um sie zu desinfizieren. Wenn du es kochst, dann ist das Wasser ja sowieso steril. Dadurch wird die Infektionsgefahr stark verringert.

Deine Berichte aus Kenia haben mich daran erinnert, wie ich beim Reisen in Malaysia manchmal Schwierigkeiten hatte, in Drogerien Tampons zu finden. Dort gibt es auch das Vorurteil, dass alles, was man sich einführt, etwas Sexuelles hat. Man verwendet dort eher Binden und hat bestimmt auch Vorurteile gegenüber Menstruationstassen. Glaubst du, dieses Problem gibt es noch in sehr vielen anderen Ländern? Oder warum arbeitet ihr gerade in Kenia?

Das gibt es auf jeden Fall in vielen Regionen. In Kenia wurde allerdings eine Studie durchgeführt, die eine hohe kulturelle Akzeptanz für Menstruationstassen zeigte. An dieser Studie hat „Ruby Cup“ angesetzt und die drei Gründerinnen sind schließlich nach Kenia gezogen. Das ist einfach eine gute Basis, um hier in Kenia zu operieren und auch in anderen Ländern der Region.

Was ich so absurd an dieser ganzen Jungfräulichkeitsfrage finde, ist, dass die jungen Mädchen, die „Ruby Cup“ benutzen, häufig schon Sex haben – unter anderem auch, um sich Periodenprodukte finanzieren können. Es ist unglaublich, dass sich Mädchen für eine Packung Binden prostituieren.

Ruth Asan

Mit diesem Jungfräulichkeits-Argument anzukommen, ist meiner Ansicht nach sehr scheinheilig. Soweit ich das mitbekommen habe, hilft die Aufklärungsarbeit hier auch ein Stück weit. Wir erklären, dass Jungfräulichkeit ein Konzept ist, das mit Sex haben zu tun hat und nicht damit, dass man sich irgendetwas einführt. Dieser Doppelstandard ist sowieso total lächerlich. Das ist ja nicht nur in Afrika so, sondern auch überall sonst auf der Welt.

Das ist wirklich heftig, dass sich Frauen für Menstruationsprodukte prostituieren müssen. Für uns ist das so etwas Selbstverständliches. Noch dazu gibt es in vielen westlichen Ländern derzeit Trends wie Free Bleeding. Da bekommt man ja eher den Eindruck, Binden, Tampons oder Menstruationstassen habe man gar nicht nötig. Als wäre Menstruation eben gar keine große Sache und als könnte man „einfach alles laufen lassen“. Wie passt das für dich zusammen: Die Trends, die wir in westlichen Kulturen haben und das, was du in Kenia beobachtest?

Ich denke, das hat damit zu tun, dass wir in westlichen Ländern den Diskurs wesentlich stärker in der Öffentlichkeit haben. Wir reden ja schon seit einigen Jahren darüber, dass wir in den Werbespots immer diese blaue Flüssigkeit sehen. Das ist eine Diskussion, vor der man in Kenia in der Öffentlichkeit noch meilenweit entfernt ist.

Durch Firmen wie „Ruby Cup“, aber auch andere NGOs, führt man diese Diskussion in kleineren Kreisen. Ich finde es beeindruckend, wie ich mich mit den kenianischen Trainerinnen von „Ruby Cup“ schon über Perioden-Erfahrungen unterhalten habe. Die sind total stolz, reden total frei von der Leber weg, aber in der Öffentlichkeit ist man davon wirklich noch weit entfernt. Wenn ich mit dem Thema zum Beispiel am Esstisch mit meinen kenianischen Freunden ankomme, dann legen die Männer einfach die Gabel weg, was ich ziemlich albern finde. Aber so ist das eben.

Bist du trotzdem noch manchmal überrascht, dass selbst deutsche Frauen Vorbehalte gegenüber Menstruationstassen haben?

Wirkliche Vorbehalte nicht, eher Unwissen. Wenn ich meinen Freundinnen davon erzähle, was ich mache, sind die meist neugierig. Die fragen dann nach dem Material der Menstruationstassen oder, ob die zum Einführen nicht zu groß sind. Es ist eher Neugierde und ich habe auch schon mehrere Frauen davon überzeugt. Ich benutze sie auch selber, ich trage sie gerade! (lacht).

Vielen Dank für das interessante Interview, Ruth!

Wenn du Menstruationstassen noch skeptisch gegenüber stehst, werden dir diese Erfahrungsberichte viele Fragen beantworten:

Frauen reden ehrlich über Menstruationstassen

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Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie viel vermeintliche Kleinigkeiten wie Menstruationstassen das Leben von Frauen zum Positiven verändern können. Wenn du einen Beitrag leisten willst, kannst du dir im Onlineshop deine passende „Ruby Cup“ kaufen und damit direkt eine Frau in Afrika unterstützen. Oder gibt es Gründe, warum du keine Menstruationstassen verwenden möchtest? Erzähl uns von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

Bildquelle:

Ruby Cup, Ruth Asan

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