Share Produkte
Jessica Tomalaam 14.03.2018

Einkaufen gehen und dabei auch noch etwas Gutes tun? Klar geht das, dachte sich das Social-Start-up „Share“. Wer eine Flasche Mineralwasser, einen Müsliriegel oder ein Stück Handseife des Berliner Unternehmens kauft, unterstützt damit Organisationen wie die Berliner Tafel, die Aktion gegen den Hunger und das UN World Food Programm. Überzeugen konnte Share mit ihrer Idee die Drogeriekette Dm und den Lebensmittelkonzern Rewe, die die Produkte in ihr Sortiment aufgenommen haben. Was hinter ihrem 1+1 Prinzip steckt und wie Share eigentlich arbeitet, hat uns Gründerin Iris Braun im Interview verraten.

Iris, kannst du uns das 1+1 Prinzip, das so wichtig für eurer Unternehmen ist, einmal erklären?

Gründerin Iris Braun

Iris: Na klar. Das 1+1 Prinzip baut auf den drei Grundbedürfnissen Essen, Trinken und Hygiene auf. Gerade in Entwicklungsländern sind das besonders wichtige Themen. Das Prinzip ist dazu gedacht, dass man Spenden sehr einfach und transparent gestaltet. Für jedes Produkt, das wir verkaufen, wird ein gleichwertiges Produkt gespendet. Bei den Handseifen, die wir verkaufen, ist das zum Beispiel ein Stück Seife – oft in Kombination mit Hygiene-Trainings an Schulen in Afrika. Die Bio-Nussriegel ermöglichen eine Portion Essen für Menschen in Not in Deutschland. Und wer eine Flasche Mineralwasser kauft, der sichert einen Tag Trinkwasser durch den Bau oder die Reparatur von Brunnen. Jedes Mal, wenn ich esse, isst also jemand etwas, der etwas weniger Glück hatte. Jedes Mal, wenn ich trinke, trinkt jemand, der sonst kein sauberes Trinkwasser hätte und jedes Mal, wenn ich mir die Hände wasche, können eben auch andere Menschen in hygienischen Verhältnissen leben.

Du warst vorher Entwicklungshelferin und -forscherin in Indien, Ruanda und Kambodscha. Inwiefern hast du Erfahrungen, die du dort gemacht hast, in dein neues Projekt mit einbringen können?

Zuvor habe ich in der Privatwirtschaft gearbeitet, habe zum Beispiel Lebensmittelkonzerne beraten, mich also auch mit Profit auseinandergesetzt. Das hat mich aber nicht erfüllt. Bei meiner Arbeit in den Entwicklungsländern habe ich mich oft mit der Frage auseinandergesetzt, was denn sinnvolle Ansätze für soziale Projekte sind und wie man die Wirkung eines Projektes eigentlich nachweisen kann. Ich habe dann nach einem Weg gesucht, wie man ein erfolgreiches Geschäftsmodell und die Idee, etwas Gutes tun zu wollen, miteinander verbinden kann. Gemeinsam mit meinem Mitgründer Sebastian Stricker habe ich dann an Share gearbeitet. Er hatte zuvor die App „Share the Meal“ herausgebracht. Bei Share kann man die Kraft und Dynamik der Wirtschaft verwenden, um Projekte zu fördern, die wirkungsvoll sind, aber oft nicht direkt zugänglich sind für Menschen, die sich engagieren wollen. Schließlich erfährt man oft bei einer Spende gar nicht, was genau mit dem Geld passiert. Auch das wollen wir ändern.

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Wie genau soll das denn funktionieren?

Bei den klassischen Spendenansätzen hat uns teilweise die Transparenz gefehlt. Uns war wichtig, dass man sieht, was der Einkauf gerade bewirkt. Deshalb ist auf jedem Produkt ein QR-Code aufgedruckt, mit dem man genau sehen kann, wo die Hilfe ankommt. Natürlich ist es nicht so, dass es in der Sekunde, in der man eine Flasche Mineralwasser kauft, auf einmal Wasser vom Himmel regnet an einem anderen Ort. Aber den Anspruch, den wir haben, ist es, sagen zu können, diese Flasche Wasser geht jetzt zu einem Ort, an den ein neuer Brunnen gebaut werden kann.

Warum glaubst du, dass euer Spendenansatz erfolgreicher sein wird als bei klassischen Spendenorganisationen?

Zunächst sind wir ja keine Spendenorganisation, sondern ein soziales Unternehmen. Ich glaube, dass viele Menschen sich gerne engagieren würden, aber dass es einfach Aufwand kostet und es im Alltag recht schwierig ist. Man sieht ein Poster, aber dann vergisst man es wieder. Man müsste sich informieren. Bei Share setzen wir auf Einfachheit. Auch Menschen, die sich grundsätzlich einbringen wollen, aber vielleicht die Zeit im Alltag meist nicht investieren können, haben hier die Möglichkeit zu helfen.

Schau dir die Story von Share im Video an:

Warum sind Projekte wie eures wichtig für die Gesellschaft? Auch vor dem Hintergrund, dass es nach dem Entschluss der Essener Tafel, keine Ausländer mehr aufzunehmen, viele Diskussionen gab, dass es ein Armutzeugnis für unser Land wäre, dass es überhaupt soziale Einrichtungen wie die Tafeln gäbe?

Ich glaube, es ist super wichtig, dass Unternehmen sich engagieren. Wir sind auch im engen Austausch mit der Berliner Tafel, inwiefern die Message, die aus Essen kam, die Berliner Tafel beeinflusst. Die Tafeln untereinander sind aber sehr unabhängig. Und hier in Berlin ist es gar nicht der Fall, dass die Tafel in erst- und zweitklassige Hilfsempfänger sortieren würde. Wichtig ist aber, dass solche Organisationen Unterstützung brauchen. Die Tafeln tun sich trotz ihrer Größe schwer, ihre festen Kosten abzudecken. Die Menschen, die sich bei der Tafel engagieren, gehören zu den engagiertesten unserer Gesellschaft, aber das geht unter. Deshalb wollen wir als soziales Unternehmen den Weg des direkten Kontakts schaffen. Es gibt leider immer noch genug Essen, das immer noch wegschmissen wird. Bei den Tafeln ist es so, dass es Geld und Mühe kostet das gesendete Essen zu sortieren und zu verteilen. Und da wollen wir unterstützen.

Ihr habt zum Launch der Produkte bei Dm und Rewe auch viel prominente Unterstützung bekommen. Zum Beispiel von Karoline Herfurth oder Kostja Ullmann. Wie sind sie auf euer Projekt aufmerksam geworden?

Wir sind direkt auf sie zugegangen. Denn wir brauchen natürlich eine große Verbreitung und Aufmerksamkeit. Die Prominenten, die uns unterstützen, finden die Idee gut und sind auch dafür offen, dass wir das nicht als NGO machen, sondern als soziales Unternehmen.

Diese Prominenten unterstützen das Projekt schon:

Wie viel Geld muss ich denn für eure Produkte investieren?

Unsere Produkte liegen nicht im Niedrigpreis-, aber auch nicht im Luxussegment. Die Bio-Nussriegel in drei Geschmacksrichtungen liegen bei 1,59 Euro. Die Handseifen kosten 2,99 Euro und das Wasser kostet je nach Größe zwischen 55 und 69 Cent.

Die Produkte von Share gibt es in den Märkten von Dm und Rewe zu kaufen.

Welche Ziele habt ihr euch für die Zukunft gesteckt?

Unser erstes Ziel ist es, bis zum Internationalen Weltwassertag am 22. März 50.000 Flaschen zu verkaufen, um damit den ersten Brunnen bauen zu können. Denn gerade an diesem Tag ist die Aufmerksamkeit da, dass Wasserknappheit ein Thema und viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das Ziel ist ambitioniert, aber wir können das schaffen. Neben ein paar wirtschaftlichen Kennzahlen, die wir natürlich auch als Ziel haben, ist unser allgemeines, großes Ziel aber, dass wir versuchen wollen, in Deutschland ein Sozialunternehmen aufzubauen, dass es auch schafft, die finanzielle Nachhaltigkeit und die soziale Wirkung zusammenzubringen. Dazu gehört auch, dass wir ökologisch nachhaltig sein wollen und auch schauen, welche Wirkung unser Projekt hatte. Jeden Tag einen Brunnen bauen zu wollen, der so vielen Menschen den Zugang zu Trinkwasser erleichtert, ist schon ein cooles Ziel, für das ich jeden Tag aufstehen kann.

Danke für das Interview, Iris!

Bildquellen:

Viktor Strasse, Gene Glover (2), Brittni Bowering


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