Kommentar

Warum Solidarität unter Frauen so besonders ist

Warum Solidarität unter Frauen so besonders ist

Immer, wenn ich einem Mann erzähle, dass ich in der Redaktion eines Frauenmagazins arbeite, kommt als Reaktion: „Oh, da wird doch bestimmt viel rumgezickt oder?“ Dass bei mir und meinen Kolleginnen das Gegenteil der Fall ist, wird mir oftmals nicht wirklich geglaubt. Dabei halten wir Frauen im Leben öfter zusammen, als die meisten Männer. Und auch öfter, als wir selbst manchmal glauben.

Das Klischee mit den Zickenkriegen

Klar ist jede von uns auch schon Frauen begegnet, die einfach nur bitchy sind. Die keiner anderen Frau etwas gönnen, nur an sich selbst denken und ihren Freundinnen oder Kolleginnen sogar in den Rücken fallen, um selbst gut dazustehen. Diese Sorte Frau (und auch Mann!) wird es immer geben, auch noch in einem Alter, in dem man denkt, dass wir doch einen großen Teil unserer Unsicherheiten bereits abgelegt haben. Denn diese Menschen sind meist wirklich nur eins: unsicher. Sie haben Angst, dass sie nicht beachtet werden, dass jemand besser ist als sie, dass sie schwach wirken. Sie missgönnen anderen etwas, weil sie mit ihrem Leben meist nicht zufrieden sind. Doch der Großteil der Frauen, zumindest derer, die ich bisher getroffen habe, ist anders.

Freundinnen

Was definiert Solidarität unter Frauen?

In einer Freundschaft ist das ziemlich klar: Du genießt es nicht nur, mit der anderen Person Zeit zu verbringen, sondern kannst auch mit ihrer Unterstützung rechnen, wenn du sie brauchst. Mit ihrem Beistand, wenn es dir nicht gut geht, und du dich einfach ausheulen willst. Dass sie dich aufbaut, wenn du Mut und Antrieb brauchst. Aber auch, dass sie dir ehrlich sagt, wenn etwas nicht in Ordnung ist, was du getan hast oder wenn du etwas lieber sein lassen solltest – Hilfe und Zusammenhalt in allen Lebenslagen. Trotz unterschiedlicher Charaktere haben die meisten Frauen doch dieselben zwischenmenschlichen und sozialen Bedürfnisse.

Auch mit meinen Kolleginnen erlebe ich seit Jahren Ähnliches: eine Menge an Hilfsbereitschaft, Unterstützung und Zusammenhalt. Wir können uns unglaublich gut aufeinander verlassen und in vielen Punkten voneinander lernen. Wenn neue Kolleginnen dazukommen, werden diese offen aufgenommen. Genauso, wie man selbst gern als „die Neue” am ersten Tag im neuen Job empfangen werden will.

Solidarität unter fremden Frauen

Solidarität findet man nicht nur unter Freundinnen. Manchmal erlebt man sie ganz unerwartet in alltäglichen Momenten. Wenn du weinend in der U-Bahn sitzt und dir die Frau von gegenüber wortlos ein Taschentuch gibt, wenn dir eine Fremde auf der Clubtoilette die Haare hält, weil du den Long Island Iced Tea nicht vertragen hast oder dir eine Kollegin aus einer anderen Abteilung sagt, dass sie deinen Style bewundert. Wenn dir eine Frau 200 Meter hinterherläuft, um dir zu sagen, dass dein Rock in deiner Strumpfhose steckt oder wenn ein Mädel, das du gar nicht kennst, dich auf einer Party vor einem nervigen Typen rettet, indem sie einfach deine Hand nimmt und dich wegzieht.

Irgendwie sind diese Gesten in diesen Momenten so überraschend und dennoch selbstverständlich. Besonders schön ist es, wenn eine Fremde in einer Situation, in der du verbal angegriffen oder beschuldigt wirst, für dich Partei ergreift. Der Inbegriff von Solidarität.

Kleine, nette Dinge, die du heute für andere tun kannst

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Wie wir uns gegenseitig noch mehr stärken können

Ich habe mir seit einiger Zeit vorgenommen, viel mehr auf die Frauen in meiner Umgebung zu achten und sie mehr zu stärken. Dazu gehört, dass ich mehr ehrliche Komplimente machen will. Damit meine ich nicht nur Bemerkungen wie „coole Haarfarbe“, sondern zu sagen, wie mutig ich jemanden finde, oder dass ich beeindruckt davon bin, wie sie eine bestimmte Situation gemeistert hat.

Zudem finde ich es wichtig, Frauen, die sich selbst oft unterschätzen und sich zu wenig trauen, dabei zu unterstützen, mehr an sich selbst zu glauben und ihre Rechte einzufordern. Betrachte einmal die weiblichen Personen in deinem Umfeld genauer: Sind sie glücklich? Brauchen sie vielleicht bei irgendetwas Hilfe? Und frage dich: Was kann ich tun, um ihr bei ihrem Problem zu helfen? Manchmal können ein paar warme Worte oder einfach nur Zuhören schon eine Menge bewirken.

Durch mehr Solidarität lernen

Katja Gajek
Katja Gajek

Durch diese neue und bewusstere Betrachtungsweise tut man nicht nur anderen Frauen etwas Gutes, sondern erweitert auch seinen eigenen Horizont. So lerne ich immer mehr, die Frauen in meinem Umfeld nicht nur nach der Beziehung, in der sie zu mir stehen, zu sehen: nicht nur als Bekannte, Kollegin oder Mutter. Sondern auch als Frau, die meine Solidarität verdient hat.

Bildquelle:

Unsplash/Katy Anne, Unsplash/Priscilla Du Preez

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