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Wir brauchen einen Monat für deutsche Frauengeschichte

Kommentar

Wir brauchen einen Monat für deutsche Frauengeschichte

In den USA, Großbritannien und Australien wird im März der Frauengeschichtsmonat gefeiert. Sondersendungen in Rundfunk und Fernsehen, Kampagnen unter dem Hashtag #womenshistorymonth in den sozialen Medien: So sollen Frauen mehr ins kollektive Gedächtnis gerückt werden. Auch in Deutschland können wir so eine Aktion für die vielen Frauen gebrauchen, die den Lauf der Geschichte geprägt haben. Drei von ihnen stelle ich dir heute vor. 

In den deutschen Medien zeigen sich Männer immer wieder als die Menschen, die Ahnung haben, handeln und uns die Welt erklären. Ich habe das Gefühl, das wir Frauen da noch ziemlich unterrepräsentiert sind. Dabei gibt es so viele Frauen, die heute fast in Vergessenheit geraten sind, die genau wussten, was sie taten. Diese sollten in den Medien in einem Monat für deutsche Frauengeschichte dargestellt werden. Das könnte außerdem als Empowerment für die junge Mädchen und Frauen zu dienen.

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Im deutschen Fernsehen sind Frauen laut einer Studie der Universität Rostock unterrepräsentiert. Unter den Experten im Informationsprogramm treten Frauen nur mit einem Anteil von 21 Prozent auf. In Serien und Filmen werden Männer meist als Macher und handelnde Akteure dargestellt, Frauen dagegen sind oft nur in Liebschaften verwickelt. Das ist kein Bild, was wir der heranwachsenden Generation vermitteln sollten. Reale Beispiele von echten Macherinnen könnten dem entgegenwirken. Gerade in Zeiten, in denen im Bundestag nicht einmal 40 Prozent der Abgeordneten weiblich sind, in der Frauen immer noch schlechter bezahlt werden als Männer und in der Mädchen auf Prinzessinnenkleider reduziert werden, müssen wir uns dafür einsetzen, dass Frauen ihren verdienten Platz in der Geschichte und der Gesellschaft bekommen.

Mich haben bei der Recherche zum Beispiel besonders diese drei Frauen begeistert, die wahre Macherinnen waren:

Rosa Luxemburg: Die Feindin der Unterdrückung

Wusstest du, dass die berühmten Worte „Freiheit ist immer die Freiheit, der Andersdenkenden“ von Rosa Luxemburg stammen? Ich nicht, bis ich eine Biografie über sie gelesen habe. Sie war arm, jüdisch und eine Frau: Damals nicht gerade die besten Voraussetzungen, um eine einflussreiche Persönlichkeit zu werden. Eine Zukunft als Hausfrau wäre wahrscheinlicher gewesen, auch, weil die Schulpflicht für Mädchen nur bis zur Grundschule bestand. Doch Rosa Luxemburg war so klug, dass sie ein Stipendium für die Oberschule bekam. Anschließend ging zum Studium nach Zürich, dem einzigen Ort in Europa, an dem Frauen damals überhaupt zur Universität gehen konnten. Sie machte sogar ihren Doktor in Staatswissenschaften. Berühmt wurde sie für ihr politisches Engagement in Deutschland: Aus Protest gegen den Ersten Weltkrieg stieg sie aus der SPD aus, war Gründungsmitglied der KPD und widmete ihr Leben dem Kampf gegen Unterdrückung, Armut und der Gewalt des Krieges.

Rosa Luxemburg war eine Vorkämpferin der Freiheit.

Diese mutige Frau war vielen Leuten der damaligen Zeit ein Dorn im Auge. 1919 wurde sie von Faschisten ermordet. Ihr berühmtes Zitat widersprach zwar absolut der Unterdrückung einer Opposition in der DDR, dennoch wurde Rosa Luxemburg dort als prägende Sozialistin verehrt. Vielleicht findet sie deshalb im wiedervereinigten Deutschland wenig Beachtung. Ich finde es wichtig, sie wieder in den Fokus zu rücken. Unabhängig von der politischen Einstellung hat diese Frau gezeigt, was eine Person trotz großer Widerstände schaffen kann, wenn sie hart arbeitet.

Elisabeth Selbert: Begründerin der Gleichberechtigung

Eine weitere Frau, die Männern ebenfalls die Rolle als Macher nicht überlassen hat, ist Elisabeth Selbert. Auch ich musste ihren Namen googeln, als ich das erste Mal von ihr hörte. Dabei war sie für Frauen in Deutschland eine wichtige Vorkämpferin der Gleichberechtigung: Als eine von vier Frauen stimmte sie mit 61 Männern über das Deutsche Grundgesetz ab. Hier siehst du sie mit ihren Abgeordneten-Kolleginnen, die heute als die vier Mütter des Grundgesetzes gelten:

Eine Sache hebt Elisabeth Selbert von den drei anderen Frauen ab: Denn sie war es, die den elementaren Artikel 3 des Grundgesetzes einbrachte, der besagt, dass Männer und Frauen in Deutschland gleichberechtigt sind. Die Mehrzahl der Abgeordneten wollte, dass Frauen den Männern in der Familie weiter untergeordnet blieben. Doch Selbert konnte ihren Entwurf durchsetzen. Ihretwegen steht heute im Grundgesetz:

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 3

Ende der 50er-Jahre zog sich Elisabeth Selbert aus der Politik zurück und geriet in Vergessenheit. Das ist ziemlich traurig, wenn wir bedenken, dass alle Rechte, die wir Frauen in Deutschland heute genießen, auf ihre Arbeit zurückgehen. Der Film „Sternstunde ihre Lebens“ erzählte 2014 die Geschichte ihres politischen Vermächtnisses. Ihre Leistung zeigt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Nur, weil manche Dinge „schon immer so waren“, können wir sie dennoch zum Guten ändern.

Christiane Nüsslein-Volhard: Die Nobelpreisträgerin

Die dritte Persönlichkeit, die die ich dir vorstellen möchte, ist Christiane Nüsslein-Volhard. Sie zeigt, dass Naturwissenschaften kein rein männliches Terrain sind: Sie ist die erste und bislang einzige Nobelpreisträgerin für Physiologie oder Medizin aus Deutschland. Nüsslein-Volhard bekam die berühmte schwedische Auszeichnung 1995 für ihre grundlegenden Erkenntnisse über die genetische Kontrolle der frühen Embryoentwicklung.

Sie entwickelte eine Theorie, die zeigt, dass es in der Embryonalentwicklung zwischen Insekten und Wirbeltieren Parallelen gibt. Damit gingen sie in die Medizinhistorie ein. Doch während jedes Kind berühmte, männliche Naturwissenschaftler wie Einstein oder Robert Koch kennt, ist der Name der ersten weiblichen, deutschen Nobelpreisträgerin weitgehend unbekannt. Dabei sollten kleine Mädchen, die von Naturwissenschaften begeistert sind, wissen, dass es auch für Frauen einen Platz am Mikroskop gibt.

Zeit für Veränderung

Dies sind nur drei Frauen, die mit ihrem Geist die Gesellschaft vorangebracht haben und dennoch drohen, in Vergessenheit zu geraten. Doch es gibt noch viele weitere weibliche Biografien, die es zu erzählen gibt. Mit einem jährlichen Monat der Frauengeschichte könnten wir diese Leistungen würdigen und dafür sorgen, dass die Liste der wichtigen Persönlichkeiten femininer wird. Kennst du noch mehr tolle Frauen, an deren Leistungen wir uns erinnern sollten? Welche hat dir am meisten imponiert? Erzähle es mir in den Kommentaren.

Bildquelle:

iStock/shelma1,iStock/Photos.com

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