Für Links auf dieser Seite erhält desired ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder lila Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.

Schreibaby – was tun? Hilfe für gestresste Eltern

Expertin gibt Tipps

Schreibaby – was tun? Hilfe für gestresste Eltern

Dass Babys weinen und schreien, ist ganz normal. In manchen Fällen schreien sie jedoch ohne erkennbaren Grund und lassen sich kaum beruhigen. In diesen Fällen spricht man vom sogenannten Schreibaby oder Schreikind. Wenn dein Baby übermäßig viel weint und schreit, kann das für dich als Mami ganz schön belastend sein. Wichtig ist, dass du Ruhe bewahrst. Denn diese Zeiten sind besonders herausfordernd. Wir haben eine Expertin nach Tipps gefragt.

Was ist ein Schreibaby?

Alle Babys weinen und schreien. Meist hören sie damit auf, sobald ihre Bedürfnisse befriedigt wurden, doch manche Säuglinge schreien ohne erkennbaren Grund weiter. Diese Babys werden umgangssprachlich als Schreibaby bezeichnet, in der Fachliteratur spricht man vom exzessiven Schreien im Säuglingsalter. Hiervon ist ungefähr jedes fünfte Baby in den ersten drei Lebensmonaten betroffen. Andrea Zschocher, Journalistin und selbst Mutter von drei Schreibabys, hat ein Buch über diese viel weinenden Babys geschrieben. In „Wie du dein Schreibaby beruhigst” nimmt sie aber vor allem die Eltern in den Blick. Denn wenn Babys sich weder durch Stillen, Tragen oder Kuscheln beruhigen lassen, dann bringt das oft die Eltern an ihre Grenzen.

Wie erkenne ich ein Schreibaby?

Dass Babys schreien, ist völlig normal. Beruhigt sich dein Baby jedoch auch dann nicht, wenn alle seine Bedürfnisse (also satt, mit trockener Windel und mit Nähe zu einer Bezugsperson) scheinbar gestillt sind, liegt der Verdacht nahe, dass dein Baby ein sogenanntes Schreibaby ist. Tatsächlich gibt es die sogenannte 3-er Regel. Sie besagt, wenn ein Kind mehr als drei Stunden (innerhalb von 24h) an mehr als drei Tagen über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen weint, dann gilt es als Schreibaby. „Ich halte diese Regel für veraltet”, sagt Andrea Zschocher. „Denn was hilft es Eltern, wenn sie mit der Stoppuhr vor ihrem weinenden Kind sitzen und die drei Stunden nicht vollbekommen? Sie sind doch trotzdem am Ende, weil ihr Baby schreit. Viel wichtiger, als die Zeitangabe ist es, darauf zu schauen, wie erschöpft Eltern sind.”

Das Leben mit einem Schreibaby ist für frischgebackene Eltern kräftezehrend.

Es gibt einige typische Symptome für das exzessive Schreien im Säuglingsalter. Oftmals ziehen die betroffenen Kinder beim Schreien die Beine an und ballen die Hände zu Fäusten. Zudem ist ihr Gesicht meist sehr rot. Wenn dein Baby beim Schreien den Rücken überstreckt, sein Bauch häufig hart und aufgebläht ist, sein Geschrei besonders schrill ist und vor allem am Abend auftritt, sind dies weitere Anzeichen dafür, dass es sich bei deinem Baby um ein Schreibaby handelt.

„Oft hören Eltern, dass ihre Schreibabys mit Dreimonatskoliken zu tun haben. Das stimmt aber nicht. Die untröstlich weinenden Babys schreien nicht, weil sie Bauchschmerzen haben. Es kann passieren, dass sie durch das Schreien anschließend mehr Luft im Bauch haben, aber Studien haben gezeigt, dass Schreibabys nicht wegen Bauchschmerzen losweinen”, erklärt Buchautorin Andrea Zschocher. Schreibabys sind auch am Tag unruhig und finden schlechter in den Schlaf. „Manche Eltern haben das Gefühl, ihre Kinder sind immer wach. Es wirkt fast so, als würden die Kleinen nichts verpassen wollen. Dabei sind es genau die vielen Reize, die Schreibabys auch total überfordern”, sagt Schreibabyexpertin Andrea Zschocher.

Wann beginnen Schreikinder zu schreien?

Normalerweise setzen die Schreiattacken um die zweite Lebenswoche ein und werden bis zur sechsten Lebenswoche häufiger. Wenn dein Baby schließlich vier Monate alt ist, hat das Schreien meist ein Ende. Andrea Zschocher ordnet diese Statistiken für uns ein: „Das sind alles statistische Mittelwerte. Tatsächlich ist die Spannbreite dessen, was bei Babys normal ist, ja generell sehr hoch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es manchmal ist, wenn man sich an ein bestimmtes Datum klammert und dann feststellt: Danach wird gar nichts besser. Meine Hoffnung in der Zeit mit meinen Schreibabys lag auch immer auf diesen statistischen Aussichten: Mit drei Monaten wird es besser. Mit sechs Monaten wird es besser. Aber es hat wesentlich länger gedauert. Deswegen rate ich Eltern immer: Ihr könnt diese Zahlen im Hinterkopf behalten, weil sie ja auch Mut machen. Aber erwartet keine Wunder. Es dauert, solange es dauert. Und das Schreien wird irgendwann aufhören. Wichtig ist, dass ihr für euch gut sorgt, um diese Zeit gut zu überstehen."

Ursachen: Warum ist ein Baby ein Schreibaby?

Warum ein Baby ein Schreibaby ist, ist weitestgehend noch unbekannt. „Diese Antwort ist für Eltern unglaublich frustrierend, denn es ist ganz natürlich, dass wir Ursachenforschung betreiben und wissen wollen, warum etwas ist, wie es ist. Gerade, wenn es so herausfordernd ist, wie das Zusammenleben mit einem Schreibaby”, gibt Schreibabyexpertin Andrea Zschocher zu.

Ob ein Baby tatsächlich ohne Grund schreit oder ob es für sein Schreien eine den Eltern unbekannte Ursache gibt, ist häufig nicht so leicht festzustellen. Hier hilft nur der Gang zum Kinderarzt. „Die Pädiatrie sollte immer die erste Anlaufstelle sein”, rät Andrea Zschocher. „Denn hier können Ängste genommen werden, gerade beim ersten Kind machen sich Eltern doch immer große Sorgen, wenn das Kind so übermäßig viel schreit. Hier können aber auch die Eltern ihre Anspannung und Herausforderungen eingestehen. Denn Kinderärztinnen und Ärzte haben auch für Säuglingseltern in aller Regel ein offenes Ohr.”

Das KISS-Syndrom, eine Störung, bei der der Kopf deines Babys etwas schief ist und ihm dadurch Schmerzen bereitet, kann für übermäßiges Schreien verantwortlich sein. Hier kann ein Besuch bei der Physiotherapeutin oder einem Osteopathen hilfreich sein. Es reichen in aller Regel wenige Sitzungen aus (die teilweise auch von den Kinderärzt*innen verordnet werden dürfen), um eine Besserung zu erzielen. Auch Krankheiten wie zum Beispiel eine Blasenentzündung oder eine Magenverstimmung verursachen deinem Baby Schmerzen und führen dazu, dass es schreit.

Zu viele Reize?

Wissenschaftler*innen vermuten, dass der Grund für das übermäßige Schreien mit den vielen neuen Reizen zusammenhängt, mit denen Säuglinge konfrontiert werden. Nicht nur ein Schreikind, sondern auch andere Babys befinden sich in den Wochen nach der Geburt in einer noch ungewohnten Situation. Sie müssen viele neue Dinge lernen, zahlreiche neue Reize verarbeiten und einen Schlafrhythmus finden. Diese Selbstregulation macht manchen Babys mehr zu schaffen als anderen.

„Wenn wir mal überlegen wie das für uns ist, so von jetzt auf gleich in eine vollkommen neue Situation geworfen werden, in der uns der altbekannte Halt (durch den Mutterleib) fehlt, in dem alles ungefiltert und ungedämpft auf uns einströmt, dann wäre das auch für uns viel. Manche Babys kommen damit gut zurecht, andere müssen ihren Stress durch übermäßiges Schreien abbauen”, sagt Andrea Zschocher.

Ist eine stressige Schwangerschaft Schuld am Schreibaby? „Davon liest man immer wieder, und natürlich kann es sein, dass das Baby durch den Stress, den es im Mutterleib erfahren hat, vorgeprägt ist. Aber nicht jede gestresste Mutter hat ein Schreibaby. Und mancher Stress, beispielsweise durch Trennung, Trauer oder Sorgen, lässt sich vermeiden. Da wird für Mütter doch nur wieder eine neue Schuldfalle aufgemacht, wenn wir jetzt ihnen die Schuld für viel weinende Babys zuschieben wollen”, ärgert sich die Autorin des Schreibaby-Ratgebers. Wichtiger ist für sie, dass Eltern die Hilfe und Unterstützung bekommen, die sie in der akuten Situation brauchen.

Schreibaby – was tun?

Wenn dein Baby ein sogenanntes Schreibaby ist, ist es wichtig, dass du es nicht zu vielen Reizen aussetzt. Versuche, seinen Tagesablauf so ruhig und regelmäßig wie möglich zu gestalten und gesteh ihm regelmäßige Schlafenszeiten zu. So fällt es deinem Kind leichter, sich in der Welt zurechtzufinden. „Reizarme Umgebung, das klingt wie ein Schreckgespenst. In Wahrheit meint es einfach nur: ganz normaler Alltag. Das Radio darf laufen, telefonieren ist auch ok, ganz normale Hintergrundgeräusche eben. Die kennt das Baby aus dem Bauch und sie beruhigen. Eltern sollten um Himmels Willen nicht auf Zehenspitzen durch die Wohnung laufen. Diesen zusätzlichen Stress braucht kein Mensch”, gibt Andrea Zschocher Entwarnung.

Falls du dich mit der Situation überfordert fühlst, solltest du dir auf alle Fälle Hilfe holen. Eltern sollten sich die Kinderbetreuung so gut es geht teilen, damit jeder zwischendurch mal etwas Ruhe findet und Kraft tanken kann. Ebenso kannst du deine Verwandten oder gute Freunde darum bitten, ab und an auf dein Baby aufzupassen, damit du dich erholen kannst. Denn gerade, wenn dein Baby häufig in der Nacht schreit, kann es sein, dass auch du kaum Schlaf bekommst. „Mein Tipp für alle Mamas, die die Nachtschicht mit Baby allein durchstehen: Ihr müsst das nicht! Denn auch wenn der oder die Partner*in einer Erwerbsarbeit nachgeht, Carearbeit ist ebenso wichtig. Wenn ihr vollkommen übermüdet vor dem Wickeltisch zusammenbrecht, dann hilft das niemanden, sondern ist wirklich gefährlich. Ich musste da auch erst an meine Grenzen kommen (und tatsächlich umfallen), bevor ich verstanden habe: Wir Eltern müssen da zusammen durch. Der Vorteil: Im weiteren Familienleben wird die gerechte Aufteilung von Erwerbs- und Carearbeit leichter”, so Andrea Zschocher.

Wie kann ich mein Schreibaby beruhigen?

Zwar gibt es kein Patentrezept, um ein Schreibaby zu beruhigen, wichtig ist jedoch, dass du versuchst, trotz des Geschreis ruhig zu bleiben. Manchen Babys hilft es, wenn man mit ihnen spazieren geht, mit ihnen kuschelt oder sie umherträgt. Von Medikamenten solltest du dringend absehen, da Beruhigungsmittel deinem Baby mehr schaden als dass sie ihm nutzen. „Tragen kann helfen, weil Schreibabys oft Körperkontakt lieben. Wenn das nichts für dich ist, dann ist das aber auch ok, denn es geht immer auch um deine Bedürfnisse”, erinnert Schreibabyexpertin Andrea Zschocher.

Wie du dein Schreibaby beruhigst: Die besten Tipps und Strategien für zufriedene Babys und gelassene Eltern
Wie du dein Schreibaby beruhigst: Die besten Tipps und Strategien für zufriedene Babys und gelassene Eltern

Such dir professionelle Hilfe

Solltest du das Schreien bei deinem Baby gar nicht alleine in den Griff bekommen, kannst du auch eine sogenannte Schreiambulanz aufsuchen. Dort können dir Therapeut*innen dabei helfen, die Signale, die dein Kind dir sendet, besser zu deuten. So kannst du in Zukunft leichter erkennen, ob dein Kind müde ist. So kann zum Beispiel das Wegdrehen des Kopfes ein Zeichen dafür sein, dass es schlafen möchte. „Allzu oft ist die Arbeit von Schreibabyexpert*innen noch eine Selbstzahlerleistung, die von den Krankenkassen nicht übernommen wird. Nachfragen lohnt aber trotzdem. Was mir wichtig ist zu sagen: Wenn du merkst, dass das mit dir und der oder dem Expert*in nicht passt, dann ist es ok, das abzubrechen. Denn wenn du eins nicht brauchst in dieser herausfordernden Zeit, dann ist es noch mehr Stress. Ich empfehle auch gern wellcome e.v., die gibt es deutschlandweit und hier bekommst du Hilfe von Ehrenamtlichen. Das sind keine ausgewiesenen Schreibabyexpert*innen, aber sie helfen dir in deinem Alltag sicher auch weiter”, empfiehlt Andrea Zschocher.

Tipp: Das Buch „Wie du dein Schreibaby beruhigst" von Andrea Zschocher gibt es übrigens auch als Hörbuch-Version.

Eltern verraten: So haben Babys die Beziehung verändert

Eltern verraten: So haben Babys die Beziehung verändert
BILDERSTRECKE STARTEN (13 BILDER)
Bildquelle:

GettyImages/damircudic, GettyImages/ArtMarie

Hat dir "Schreibaby – was tun? Hilfe für gestresste Eltern" gefallen? Dann hinterlasse uns ein Like oder teile unseren Artikel. Wir freuen uns über dein Feedback - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Pinterest, Instagram, TikTok, Flipboard und Google News folgen.

Was denkst Du?

Galerien

Lies auch

Teste dich