KiSS-Syndrom

Das KiSS-Syndrom ist eine Fehlstellung der Wirbelsäule und wird in den meisten Fällen bereits im Säuglingsalter diagnostiziert. Die Ursachen für das KiSS-Syndrom können vielseitig sein und treten nicht selten gesammelt auf. Eltern sollten deshalb vor allem die motorische Entwicklung ihres Kindes im Auge behalten. Bei einer frühzeitigen Diagnose ist es möglich, das KiSS-Syndrom erfolgreich zu behandeln.

Das KiSS-Syndrom – Fehlstellung mit guten Aussichten

Unter dem KiSS-Syndrom versteht man eine Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung (KiSS). Dabei weicht die Körperhaltung von der natürlichen Mittelstellung der Wirbelsäule ab. Das KiSS-Syndrom kann sich in Form einer Fehlhaltung des Kopfes, der Hüfte oder der Beine äußern. In den meisten Fällen wird das Syndrom unmittelbar nach der Geburt oder zumindest während des ersten Lebensjahres des Säuglings diagnostiziert. Wurde die Ursache ärztlich festgestellt, gibt es viele Behandlungsmöglichkeiten, mit denen das KiSS-Syndrom vollständig austherapiert werden kann.

Das KiSS-Syndrom: Säugling liegt auf einem Bett.

Das KiSS-Syndrom beschreibt eine Fehlhaltung der Wirbelsäule.


Woran können Eltern das KiSS-Syndrom erkennen?

Babys, die am KiSS-Syndrom leiden, neigen dazu, sehr viel und ausdauernd zu schreien. Auch sind Schädeldeformationen ein mögliches äußeres Erscheinungsmerkmal. Eltern sollten die Entwicklung ihres Kindes vor allem in motorischer Hinsicht genau im Auge behalten. Leidet ein Baby unter dem KiSS-Syndrom, entwickelt es häufig die Koordination von Hand, Fuß und Auge sowie den Gleichgewichtssinn nicht altersgerecht. Beobachten Eltern zum Beispiel, dass ihr Baby in den ersten Lebensmonaten nicht anfängt zu robben oder zu krabbeln, könnte das ein Anzeichen für das KiSS-Syndrom sein. Betroffene Babys rutschen stattdessen häufig über einen längeren Zeitraum auf dem Po und gehen dann in eine verfrühte Lauflernphase über.

Ursachen für das KiSS-Syndrom

Das KiSS-Syndrom kann sehr vielfältige Ursachen haben, denn in der Medizin stellt der Begriff KiSS-Syndrom eine Sammeldiagnose für verschiedenste Fehlhaltungen dar. Typische Ursachen für das KiSS-Syndrom sind orthopädische Fehlbildungen wie zum Beispiel Schädelasymmetrien oder Schädeldeformationen oder die Sichelfußstellung. Auch Störungen im Augenbereich wie Schielen oder einseitige Sehschwächen sowie Entzündungen im Augen- oder Ohrenbereich können dazu führen, dass das Baby eine körperliche Fehlhaltung entwickelt. Die häufigsten Ursachen für das KiSS-Syndrom sind allerdings die bei Säuglingen nicht selten auftretenden Hüftdysplasie sowohl der angeborene Schiefhals (Torticollis neonatorum) und die Säuglingsskoliose. Bei den regelmäßigen U-Untersuchungen überprüft der Kinderarzt auch, ob möglichen Anzeichen für ein KiSS-Syndrom vorliegen. Trotzdem sollten auch die Eltern vor allem die motorische Entwicklung ihres Kindes mitverfolgen und den Kinderarzt gegebenenfalls auf Anomalien aufmerksam machen.

Die Hüftdysplasie als Ursache für das KiSS-Syndrom

Eine Hüftdysplasie gehört zu den häufigsten Fehlstellungen beim Baby und ist eine typische Ursache für das KiSS-Syndrom. Sie ist auch unter dem Namen Hüftgelenkdysplasie bekannt. Dabei handelt es sich um eine mangelhafte Ausbildung der Hüftgelenkspfanne. Sie kann an einem oder auch an beiden Hüftgelenken auftreten. Wenn eine Hüftdysplasie vorliegt, kommt es zu Bewegungseinschränkungen der Hüfte beim Strampeln des Babys. Unbehandelt kann eine Hüftdysplasie zu einer Hüftluxation oder einer Hüftgelenksarthrose werden. Wenn sie jedoch früh entdeckt wird, verläuft sie meist schmerzlos und kann in der Regel ohne große Probleme mithilfe einer Spreizhose oder einer Schiene austherapiert werden. Ob eine Hüftdysplasie vorliegt, überprüft der behandelnde Kinderarzt automatisch im Rahmen der U-Untersuchungen.

Der Schiefhals als Ursache für das KiSS-Syndrom

Der Schiefhals oder Torticollis neonatorum fällt ebenfalls unter die Sammeldiagnose KiSS-Syndrom. Beim Schiefhals handelt es sich um eine angeborene krankhafte Veränderung des seitlichen Kopfnickermuskels, des so genannten Musculus sternocleidomastoideu. Der Schiefhals kann als Ursache für das KiSS-Syndrom durch eine Schädelasymmetrie hervorgerufen werden, die durch Zwangshaltungen im Mutterleib entstanden ist. Eine Beckenendlage oder ein sehr enger Geburtskanal im Zusammenhang mit einer lang andauernden Entbindung können beispielsweise zu einer Schädelasymmetrie führen. Ganz selten kommt es während der Geburt auch zu einer Verletzung, die einen Bluterguss in der Muskulatur des seitlichen Kopfnickermuskels führt. Häufiger sind jedoch einseitige Erkrankungen des Augen- oder Ohrenbereiches, die von Geburt an zu einer zwanghaften Schiefhaltung des Kopfes führen. Auch kann eine bakterielle Entzündung im Bereich des Nasen-Rachen-Raumes die Ursache für einen Schiefhals und damit für das KiSS-Syndrom sein. Wird die Fehlhaltung durch eine solche Entzündung verursacht, ist sie meist sehr schmerzhaft für das Baby.

Säuglingsskoliose als Ursache für das KiSS-Syndrom

Bei einer Säuglingsskoliose, die ebenfalls ein häufiger Grund für das KiSS-Syndrom ist, handelt es sich um eine einseitige Fehlhaltung der Wirbelsäule (Skoliose) oder um eine Überstreckung der Wirbelsäule nach hinten (Opisthotonus). Bei dieser Fehlhaltung wird die Wirbelsäule c-förmig verbogen aber nicht in sich verdreht. In der Regel ist der gesamte Rücken des Babys von der Fehlstellung der Wirbelsäule betroffen. Die Ursachen für eine Säuglingsskoliose sind nicht eindeutig bekannt. Eine Fehlbildung an der Wirbelsäule liegt aber nur sehr selten vor. Intensive und regelmäßige Krankengymnastik kann einer Säuglingsskoliose entgegenwirken. Meist ist die Therapie ein langwieriges Verfahren, dem vor allem neurophysiologische Prozesse zugrunde liegen. Die durch die Verdrehung verspannten Bereiche des Rückens werden dabei durch gezielte Muskelentspannung gelockert, während die schwach ausgebildeten Rückenpartien gestärkt werden. Durch gezielte Übungen wird außerdem die Entwicklung der gesamten Körperhaltung gefördert, um so die Auswirkungen, die das KiSS-Syndrom auf die altersgerechte Entwicklung des Babys hat, zu minimieren.

Das KiSS-Syndrom und seine möglichen Folgen für die kindliche Entwicklung

Das KiSS-Syndrom sollte möglichst früh erkannt und therapiert werden, da es sonst zu Entwicklungsstörungen kommen kann. Besonders in späteren Entwicklungsphasen kann es durch ein nicht ausreichend behandeltes KiSS-Syndrom zu Verzögerungen und Komplikationen kommen. So ist zum Beispiel das Robben und Krabbeln besonders wichtig für die Koordination von Fuß, Hand und Auge sowie für die Ausbildung des Gleichgewichtssinnes. Ein Baby, das am KiSS-Syndrom leidet, überspringt diese wichtige Entwicklungsphase häufig. Später kann es dadurch zu motorischen und kognitiven Entwicklungsstörungen und –verzögerungen kommen. Ein nicht austherapiertes KiSS-Syndrom kann sich zudem zu einem so genannten KIDD-Syndrom ausweiten. Bei der Kopfgelenk-induzierten Dysgnosie und Dyspraxie kommt es vermehrt zu Gleichgewichtsstörungen und Stolpern sowie zu Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Die bei älteren Kindern immer häufiger diagnostizierte AufmerksamkeitsDefiizit(Hyperaktivitäts)Störung (ADHS) geht nicht selten auf ein im Säuglingsalter festgestelltes und nicht ausreichend behandeltes KiSS-Syndrom zurück. Kann das KiSS-Syndrom bis ins Erwachsenenalter nicht vollständig austherapiert werden, können immer wiederkehrende oder gar permanente Symptome wie Migräne, Tinnitus, Skoliose, Fehlhaltungen, ein Bandscheibenvorfall oder chronische Rückenschmerzen die Folge sein.

So lässt sich das KiSS-Syndrom behandeln

Wird das KiSS-Syndrom im Säuglingsalter frühzeitig erkannt und entsprechend therapiert, ist es sehr wahrscheinlich, dass Ursachen und Symptome vollständig abklingen können. Wichtig ist beim KiSS-Syndrom, die Ursache gründlich zu erforschen. Der behandelnde Kinderarzt sollte intensive neurologische sowie organische Untersuchungen durchführen und gegebenenfalls auch ein Röntgen anfertigen. Ist die Ursache für da KiSS-Syndrom eine bakterielle Erkrankung des Nasen-Rachen-Raumes, klingt die Fehlstellung meist nach einer erfolgreichen Behandlung mit entsprechenden Antibiotika wieder vollständig ab. Bei neurologischen Ursachen oder Fehlstellungen des Bewegungsapparates ist eine speziell auf Säuglinge abgestimmte Krankengymnastik die typische Therapiemethode. Neurophysiologische Therapien nach dem Vojta- oder Bobath-Prinzip sowie Osteopathie und craniosacrale Krankengymnastik sind speziell auf die Ursachen und Symptome des KiSS-Syndroms abgestimmt. Eine Therapie erfordert regelmäßige Kontrollen beim Kinderarzt und in vielen Fällen auch eine Fortführung der Übungen zu Hause. Wenn auch eine spezielle Therapie das KiSS-Syndrom nicht erfolgreich behandeln kann, sollte der behandelnde Kinderarzt unbedingt weitere eingehende Untersuchungen vornehmen. In seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass die Symptome, die das KiSS-Syndrom begleiten, auf einen Knochen- oder Gehirntumor zurückzuführen sind. Diese Möglichkeit muss durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden.

Das KiSS-Syndrom beschreibt eine Fehlhaltung der Wirbelsäule und kann auf vielfältige Ursachen zurückgehen. Meist wird das Syndrom bereits im Säuglingsalter festgestellt und es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten. Wird das KiSS-Syndrom nicht austherapiert, kann es zu schwerwiegenden Verzögerungen in der kindlichen Entwicklung kommen.


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Was denkst du?

  • Tinalina88 am 15.06.2015 um 13:10 Uhr

    wenigstens lässt sich das austherapieren

    Antworten
  • RingLady am 14.04.2015 um 17:16 Uhr

    Das klingt so süß. Das Küsschen-Syndrom und dann muss man sowas lesen. Einige Sachen sollte man vielleicht nicht unbedingt abkürzen.

    Antworten
  • Bunnyrama am 11.03.2015 um 17:05 Uhr

    "Babys, die am KiSS-Syndrom leiden, neigen dazu, sehr viel und ausdauernd zu schreien." Dann hat meins das auch, wenns darauf ankommt...

    Antworten
  • country_roads am 26.01.2015 um 17:24 Uhr

    Meine Nichte hat auch das KiSS-Syndrom. Die Ärzte haben sich aber super um sie gekümmert.

    Antworten
  • Kamill am 17.12.2014 um 17:10 Uhr

    Arthur brauchte so eine Spreizhose und wurde dann auch immer auf KISS-Syndrom überprüft. Sah nicht so toll aus, aber besser als O oder X Beine hinterher.

    Antworten
  • Schirmchen123 am 11.11.2014 um 12:34 Uhr

    Das Kind einer guten Freundin hatte das KiSS-Syndrom. Gut, dass es sich behandeln lässt!

    Antworten
  • Lenasaalfeld am 25.09.2014 um 11:28 Uhr

    Das KiSS-Syndrom war mir bislang gar kein Begriff!

    Antworten
  • LottiPaul am 17.01.2014 um 10:47 Uhr

    Gut zu wissen, dass das KISS-Syndrom behandelt werden kann, wenn es früh diagnostiziert wird!

    Antworten
  • Mollilein28 am 14.10.2013 um 13:19 Uhr

    Mein Bruder hatte als Kind auch das KISS-Syndrom. Ziemlich stark ausgeprägt sogar...

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  • DoubleChocChoc am 05.07.2013 um 11:49 Uhr

    Ja, ein echt informativer Artikel. Dabei hört sich KiSS-Syndrom irgendwie sympathisch an, so vom Namen her. Ist es ja aber leider gar nicht.

    Antworten
  • Fridelottchen am 04.06.2013 um 11:39 Uhr

    Das ist mal ein sehr interessanter Artikel. Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass eine Hüftdysplasie auch unter das KiSS-Syndrom fällt. Mein Patenkind hat auch eine Hüftdysplasie.

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