Kinderladen

Wenn ein Kind drei Jahre alt wird, steht bei vielen Eltern die Frage im Raum, in welchen Kindergarten es gehen soll. Dabei ist es gar nicht so einfach, hierauf eine Antwort zu finden, schließlich gibt es zahlreiche pädagogische Konzepte, unter denen man auswählen kann. Solltest Du Dich mit einem normalen Kindergarten nicht anfreunden können, ist ein Kinderladen vielleicht genau das Richtige für Dich und Dein Kind.

Was ist ein Kinderladen?

Unter einem Kinderladen versteht man einen selbstverwalteten Kindergarten, der nicht von der Kommune oder der Kirche, sondern von einer Elterninitiative geleitet wird. Dies hat zur Folge, dass die Eltern in einem Kinderladen wesentlich mehr Rechte und Pflichten haben als in einem normalen Kindergarten. Häufig sind durch den Einfluss der Eltern die Gruppen der Kinder wesentlch kleiner, während die Anzahl der Erzieherinnen wesentlich größer ist. So besteht ein einziger Kinderladen maximal aus 15 bis 19 Kindern. Auf diese Weise ist ein intensiverer Kontakt und eine bessere pädagogische Betreuung möglich.

Unterschiede von Kinderladen und Kindergarten

Der Hauptunterschied zwischen einem herkömmlichen Kindergarten und einem Kinderladen ist der wesentlich größere Einfluss der Eltern. Sie haben in einem Kinderladen die Leitung über alle Dinge und legen somit nicht nur den Personalschlüssel und die Gruppengröße fest, sondern bestimmen auch, welche Erzieherinnen eingestellt werden. Darüber hinaus beeinflussen sie auch sehr stark das jeweilige Erziehungskonzept und den Alltag in der Betreuungseinrichtung. Diese Rechte bringen jedoch auch einige Pflichten mit sich, die Eltern in einem herkömmlichen Kindergarten nicht haben. So übernehmen die Eltern häufig die täglich anfallenden Aufgaben wie etwa Kochen, Putzen und diverse Verwaltungsarbeiten. Aus diesem Grund sind die Eltern auch wesentlich mehr im Alltag des Kinderladens integriert und es herrscht allgemein eine sehr familiäre Atmosphäre, da sowohl Eltern als auch Kinder sich schneller und besser kennen lernen. So entstehen hier häufig Freunschaften, die sich auch nach der Kindergartenzeit fortsetzen. Neben diesen Vorteilen setzten die Kinderläden auf ein Erziehungskonzept, welches ohne Zwänge besteht. Die Kinder sollen sich im Kinderladen in einem großen Raum frei entfalten können und ihre Umwelt und die Natur spielerisch entdecken.

Die Elterninitiativen hinter dem Kinderladen

Hinter einem Kinderladen steht in der Regel eine Elterninitiative, also eine Gruppe von Eltern, die sich zu einem Verein zusammengeschlossen haben und gemeinsam die finanzielle und organisatorische Verwaltung tragen. Doch Elterninitiativen stehen nicht nur hinter dem Konzept Kinderladen. Aufgrund von mangelnden Kindergartenplätzen oder einer generellen Unzufriedenheit mit den pädagogischen Konzepten in bestehenden Einrichtungen, haben sich in ganz Deutschland im Laufe der Zeit zahlreiche Elterninitiativen zusammengeschlossen, die sich dazu entschlossen haben, ihre eigene Kindertagesstätte zu eröffnen. Dieses Konzept hat sich als lohnend für sowohl Eltern als auch Kommunen erwiesen. Während die Eltern so einen Betreuungsplatz für ihre Kinder sicher haben und die Erziehung zu einem Großteil mitbestimmen können, sind die Kommunen glücklich darüber, leichter den gesetzlichen Anspruch auf Kinderbetreuungsplätze erfüllen zu können. Darüber hinaus fällt die finanzielle Förderung meist geringer aus als bei Kindergärten in kommunaler oder kirchlicher Verwaltung. Dies ist jedoch gleichzeitig ein Nachteil für die Eltern. Denn obwohl der Kinderladen ein interessantes Konzept bietet, an dem viele Eltern Interesse haben, scheitert die Eröffnung einer eigenen Kindertagesstätte häufig an finanziellen Faktoren. Auch zeitliche Gründe spielen oft eine Rolle, da die Eltern um die Kosten gering zu halten, viele anfallende Arbeiten selbst erledigen müssen.

Kinder in einem Kinderladen.

Ein Kinderladen ist ein Kindergarten, der von einer Elterninitiative geleitet wird.


Der Kinderladen als Vorläufer des Schülerladens

Neben dem Kinderladen haben sich auch sogenannte Schülerläden entwickelt. Ähnlich wie ein Kinderladen ist auch ein Schülerladen in privater Trägerschaft. Die Betreuung bezieht sich hier auf Grundschulkinder nach der Schule von etwa 11 bis 17 Uhr. Auch hier sind die Gruppen mit 16 bis 20 Schülern zugunsten einer persönlicheren Betreuung recht klein gehalten. Viele Schülerläden haben sich im Laufe der Zeit auch zu Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen weiterentwickelt. Die meisten gibt es nach wie vor in Frankfurt und Berlin.

Kinderladen: Die Geschichte

Das Konzept Kinderladen entstand in Frankfurt und Berlin nahezu gleichzeitig, jedoch aus zwei komplett unterschiedlichen Gründen. Im Jahr 1967 wurde die Freie Kinderschule in Frankfurt gegründet, aus der später auch die ersten Alternativschulen Deutschlands, die Glockseeschule in Hannover und die Freie Schule Frankfurt, hervorgingen. Im Vordergrund stand hier die antiautoritäre Erziehung der Kinder, die gewährleisten sollte, dass sie falschen Autoritäten widerstehen können und somit eine Entwicklung wie in den Zeiten des Nationalsozialismus unmöglich machen sollte. Ein Jahr später, im Jahr 1968, entstand in Berlin ebenfalls ein Kinderladen, der jedoch von Frauen für Frauen gegründet wurde, um sich gegenseitig bei der Betreuung der Kinder zu entlasten. Diese Initiative in Berlin entwickelte sich später zu einer gesamtgesellschaftlichen Protestbewegung gegen die bestehenden Verhältnisse, die in die zweite große Frauenbewegung in Deutschland mündete.

Solltest Du noch nicht wissen, in welchem Kindergarten Du Dein Kind betreuen lassen willst, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in einen Kinderladen. Diese Einrichtungen setzen auf eine persönlichere Betreuung ohne Zwänge. Doch solltest Du beachten, dass in einem Kinderladen auch immer ein größerer finanzieller und zeitlicher Aufwand auf Dich zukommen wird als in einem normalen Kindergarten.

Bildquelle: Cathy Yeulet/Hemera/Thinkstock

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