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Herbstgenuss

Esskastanien: Genuss, der auf Bäumen wächst

Esskastanien: Genuss, der auf Bäumen wächst

Früher waren sie als sogenanntes Arme-Leute-Essen sprichwörtlich in aller Munde, heute führen sie eher ein Leben als kulinarischer Nebendarsteller. Doch in der Weihnachtszeit erleben sie plötzlich ein alljährliches Revival. Wovon wir hier reden? Von Esskastanien, ist doch klar! Alle Tipps rund um die Zubereitung, den Genuss und alles Gute, was in Esskastanien steckt, bekommst Du hier auf dem Silbertablett serviert. Damit Dein Weihnachtsfest noch leckerer wird!

Zu Beginn wollen wir direkt mal einen weit verbreiteten Irrglauben ausräumen: Esskastanien und Maronen sind nicht ein und dasselbe – auch wenn die beiden Begriffe nicht selten synonym verwendet werden. Maronen und Esskastanien sind unterschiedliche Sorten der Kastanie. Maronen sind eine spezielle Züchtung, die auf die klassischen Esskastanien zurückgehen. Optisch unterscheiden sich die beiden auch: Esskastanien sind kleiner als Maronen, haben ein dunkleres Braun und sind eher rund, während Maronen herzförmig sind. In Sachen Geschmack gibt es ebenfalls eine Differenz zwischen den beiden: Maronen sind deutlich süßer als Esskastanien. Dennoch werden Maronen und Esskastanien oft miteinander gleichgesetzt – vor allem auf dem Weihnachtsmarkt, wo ein Stand mit heißen, gerösteten Esskastanien mindestens genauso wichtig ist, wie der obligatorische Glühweinstand.

Esskastanien_Thinkstock_Oksana Shurich
Esskastanien sind so wunderbar wandelbar

Doch warum sind Esskastanien ein gern gesehener Gast zur Weihnachtszeit? Das liegt daran, dass die Hochzeit von Esskastanien im September beginnt. In diesem und dem darauf folgenden Monat fallen die reifen Früchte von den Bäumen. Dabei platzt die stachelige Hülle auf und gibt die Esskastanien frei. Beim herbstlichen Spaziergang im Pfälzer Wald, dem größten Anbaugebiet für Esskastanien in Deutschland, den Blick auch mal auf den Boden zu richten, kann sich also lohnen! Außer in der Pfalz findet man Esskastanien sonst vor allem in mediterranen Gebieten, also Frankreich, Italien, Spanien oder auch in der Türkei und Portugal.

Esskastanien: Vom Grundnahrungsmittel zur Delikatesse

Vieles, was wir heute als Leckerbissen genießen, war in früheren Zeiten ein Grundnahrungsmittel für Menschen, die nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung hatten. Genau so war es auch mit den kleinen runden Leckereien: Was heute Kartoffeln sind, waren früher Esskastanien, denn noch bevor die Knolle im 14. Jahrhundert Europa eroberte und die Esskastanien an den Rand des Speiseplans verdrängte, kamen die Kastanienbäume von Kleinasien in unsere Breitengrade – und mit ihnen ihre köstlichen Früchte. Schnell mauserten sie sich zum Liebling vieler Köchinnen und Köche. Das lag vor allem an ihren inneren Werten: Esskastanien sind sehr stärke- und kohlehydrathaltig. Früher wurden sie daher meist zu Mehl verarbeitet, aus dem dann frisches Brot gebacken wurde. Esskastanien waren vor allen in Zeiten, in denen der Hunger in Europa regierte, von unschätzbarem Wert für viele Menschen. Es galt die Faustregel, dass ein Kastanienbaum ein hungriges Maul einen Winter lang stopfen konnte, daher waren Esskastanien lange Zeit auch als „Brot der Armen“ bekannt. Doch neben der Stärke und den Kohlehydraten steckt noch vieles anderes Gutes in den Esskastanien: Vor allem hochwertiges Eiweiß, Ballaststoffe, Kalium, jede Menge B-Vitamine und essentielle Aminosäuren verstecken sich unter der braunen Schale im weißen Fruchtfleisch. Doch das Beste kommt erst noch, denn Esskastanien haben kaum Fett – und das macht sie zu echten Wunderwaffen für Figurbewusste. Durch ihren geringen Fettgehalt verwandeln sie sich nach dem Genuss nicht in unschönes Hüftgold und ihr hoher Kohlehydratgehalt sorgt zudem dafür, dass man lange satt bleibt, wenn man sich Esskastanien hat schmecken lassen. So ist man durch einen langsam sinkenden Blutzuckerspiegel auch vor Heißhungerattacken nach dem Essen gefeit. Doch die inneren Werte der Esskastanien haben auch eine Schattenseite – wenn auch nur eine kleine. Durch ihren hohen Anteil an Stärke sind sie recht schnell verderblich. Nach dem Einkauf oder dem Sammeln sollten Esskastanien also zügig zubereitet werden, damit sie auch garantiert ein unvergesslicher Genuss werden. Für alle Unsicheren gibt es übrigens einen einfachen Trick, mit dem jeder Feinschmecker ganz schnell herausfinden kann, ob die kleinen Delikatessen noch gut sind. Einfach lauwarmes Wasser in eine Schüssel geben und die Esskastanien hineingeben. Sie sinken auf den Boden der Schüssel ab? Wunderbar, dann sind sie frisch, lecker und genießbar. Sie schwimmen an der Wasseroberfläche? Dann sollten die Esskastanien – schweren Herzens – in die Biotonne wandern, denn sie sind entweder faul oder verwurmt oder gar beides und definitiv kein Genuss mehr!

Esskastanien kochen, rösten oder füllen?

Doch wie bereitet man Esskastanien zu, um in ihren ganz großen Genuss zu kommen? Im Grunde gibt es drei Möglichkeiten, Esskastanien zuzubereiten – doch zuvor gibt es eine weniger schöne Aufgabe zu erledigen: die Esskastanien ihrer stacheligen Schalen entledigen! Damit das einigermaßen glatt von Statten geht, hilft es, die Schale der Esskastanien kreuzweise einzuschneiden und sie dann nach außen zu biegen. Anschließend kann die harte Außenschale und die pelzige Innenhaut abgezogen werden. Und dann geht es an die Zubereitung: Wenn die kleinen runden Leckereien als Beilage zu Fleisch – beispielsweise zu Geflügel oder Wild – gereicht wird, kann man sie schlicht und ergreifend in Salzwasser kochen und sie anschließend mit der Hauptkomponente der Mahlzeit genießen. Wer einen herbstlichen Salat mit Esskastanien aufpeppen oder die kleinen runden Leckereien als Snack wie auf dem Weihnachtsmarkt genießen möchte, kann sie einfach in einer Pfanne rösten – dazu muss man den Esskastanien allerdings ordentlich Feuer unter dem Hintern machen. Wer einen Kachelofen oder Kamin zu Hause hat, kann die Pfanne im Küchenschrank lassen und die Esskastanien auch in einem feuerfesten Gefäß direkt in der Glut rösten. Damit das köstliche Fruchtfleisch nicht verbrennt, sollte die Schale von Esskastanien, die geröstet werden sollen, übrigens zwar eingeschnitten und nach außen gebogen, aber nicht abgezogen werden. Wenn zu Weihnachten eine echt klassische Köstlichkeit auf dem Tisch landen soll, kann man Esskastanien dabei auch wunderbar integrieren: Als Füllung für eine Weihnachtsgans eignen sich Esskastanien ganz hervorragend. Dazu müssen sie lediglich geschält werden und können dann roh in den Vogel wandern. Die Hitze des Ofens sorgt dafür, dass sie auch garantiert auf den Punkt gar und lecker werden.

Doch genug der etwas trockeneren Theorie, jetzt werden Esskastanien in die kulinarische Praxis umgesetzt. Probiere es doch einmal selbst aus– dann wirst Du sehen, dass das, was sich hier so lecker angehört hat, auch in der Realität ein echter Leckerbissen ist, nicht nur auf dem Weihnachtsmarkt!

Bildquelle: Thinkstock / Oksana Shurich

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